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Fanuc zur Corona-Krise: „Rückbesinnung auf Vorteile einer lokalen Produktion“

Interview: Ralf Winkelmann, Geschäftsführer der Fanuc Deutschland GmbH
Corona-Krise: „Rückbesinnung auf Vorteile einer lokalen Produktion“

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„Durch die sehr hohe Automatisierung in unserer eigenen Fertigung läuft unsere Produktion trotz Corona ununterbrochen weiter und unser globales Servicenetz ist voll funktionsfähig“, betont der japanische Spezialist für Robotik- und Fabrikautomation Fanuc. Aber was bedeutet das Corona Virus für Kunden in Deutschland und den Einsatz von Robotik und Automation? Ralf Winkelmann, Geschäftsführer der Fanuc Deutschland GmbH, gibt Antworten.

Welchen Einfluss hat das Corona Virus auf aktuelle Projekte zum Einsatz von Robotik & Automation? Liegen viele Projekte auf Eis?

Winkelmann: Noch nehmen wir keinen starken Einbruch der Anfragen beziehungsweise der Projekte wahr. Wir sehen allerdings erste Anzeichen.

Müsste es nicht sogar verstärkt Anfragen geben?

Winkelmann: Sicherlich gibt es einige Branchen wie Verpackung, Versand, Medizin oder Food, die eine erhöhte Nachfrage zu bearbeiten haben. Allerdings werden hier nicht so kurzfristig neue Maschinen oder Automatisierungslösungen eingesetzt werden können, weil die Unternehmen am Rande ihrer Kapazitätsgrenzen arbeiten und zusätzliche Projekte aufgrund der aktuellen Gesamtsituation kaum zu stemmen sind. Eventuell könnten wir aber in den kommenden Monaten einen positiven Effekt sehen.

„Bedeutung des Produktionsstandortes Deutschlands und Europa wird zunehmen“

Wenn nach der Krise wieder investiert wird: Welchen Einfluss werden die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie auf den Einsatz von Robotik und Automation haben?

Winkelmann: Möglicherweise wird die Bedeutung des Produktionsortes Deutschlands und Europa wieder zunehmen. Durch die Corona-Krise und die damit einhergehende Behinderung des Waren- und Lieferverkehrs – vor allem aus China – könnte es eine Rückbesinnung auf die Vorteile einer lokalen Produktion geben. Davon würde die Robotik und Automation natürlich profitieren, weil Produktionsanlagen in Deutschland deutlich stärker automatisiert werden müssen als in vielen anderen Ländern.

Wird es nach der Pandemie Nachholbedarf in den Produktionen geben und deshalb verstärkt in Robotik und Automation investiert um mehr Kapazitäten zu schaffen, Stichwort schneller Ramp up?

Winkelmann: Nach den meisten Krisen der letzten Jahre gab es anschließend einen großen Anstieg der Produktion und damit auch erhöhte Nachfrage bei Robotik und Automation. Wir rüsten uns für diese Nachfrage und bereiten uns entsprechend darauf vor.

„Hochflexible Automation dürfte nach der Krise ein Zukunftsthema werden.“

Gewinnt also Roboter als „Corona-resistenter“ Kollege in der Produktion und als wichtiger Baustein für eine flexible Automation an Bedeutung?

Winkelmann: Mit Blick auf die aktuelle Corona-Krise möglicherweise in gewissen Bereichen wie Pharma, Food oder Packaging. Vor allem bei Produkten für die es jetzt erhöhte Nachfrage gibt, könnten Hersteller in Zukunft auf mehr Flexibilität in ihrer Produktion setzen, um besser auf eine veränderte Nachfrage reagieren zu können. Nachhaltigkeit und lokale Produktion bedingen eine hochflexible Automation, vor allem innerhalb Deutschlands. Das dürfte nach der Krise ein Zukunftsthema werden.

Gewinnt auch die Digitalisierung von Produktions- und Geschäftsprozessen an Bedeutung?

Winkelmann: Die Digitalisierung könnte es ermöglichen, einen größeren Teil der Belegschaft aus dem Home Office arbeiten zu lassen, weil es sich grade jetzt gezeigt hat, das auf diesem Wege ein Teil des Produktionsprozesses einer hochautomatisierten Fertigung gesteuert und überwacht werden kann. Es zeigt sich einmal mehr, dass der Ausbau von Netzwerken und der nötigen IT-Infrastruktur und der Funknetzwerke in Deutschland zwingend notwendig ist um in Zukunft besser gegen Krisen gerüstet zu sein.

Lässt sich denn eine Produktion komplett aus dem Home Office steuern?

Winkelmann: Nach unserer Auffassung ist eine hochautomatisierte Produktion besser vom Home Office steuer- und kontrollierbar als eine weniger automatisierte. Der Mensch in der Produktion wird weiterhin notwendig sein. So müssen Mitarbeiter unter anderem die Wartung und den Austausch von Teilen in den Produktionsanlagen vor Ort vornehmen.

Mobiles Arbeiten und Videokonferenzen haben ja nun in der Breite Einzug gehalten. Bleibt das nach der Corona-Krise?

Winkelmann: Bei Fanuc haben wir schon lange Konzepte für mobiles Arbeiten. Jedoch gab es auch immer Bereiche wo das Mobile Arbeiten und Videokonferenzen noch nicht so verbreitet waren. Hier werden jetzt neue Erfahrungen gesammelt und Grundlagen geschaffen, die sicherlich zum Teil auch nach der Krise Bestand haben werden. Trotzdem bleibt der persönliche Kontakt – vor allem auch zu Kunden und Lieferanten – für ein vertrauensvolles Arbeitsverhältnis weiterhin sehr wichtig.

„Auch eine autonome Produktion nutzt wenig, wenn Teile in der Fertigung fehlen“

Können wir mit der autonomen Produktion der Zukunft künftig unabhängiger von solchen Pandemien werden?

Winkelmann: Eine gewisse Widerstandsfähigkeit gegenüber solchen Pandemien erreicht man vermutlich am ehesten dadurch, dass man seine Lieferketten optimiert. Denn auch eine autonome Produktion nutzt wenig, wenn Teile in der Fertigung fehlen. Fanuc zum Beispiel setzt nicht nur auf die eigene, hochautomatisierte Produktion mit einer hohen Fertigungstiefe, sondern arbeitet zusätzlich fast ausschließlich mit lokalen, japanischen Zulieferern zusammen. Das bedeutet: Die Wege sind sehr kurz. Das gilt auch für den Weg zu unseren Kunden. So bieten wir etwa direkte drop shipments an, bei denen die Ware vom Werk aus Japan direkt in die Fabrik des Kunden geliefert wird. Darüber hinaus unterhalten wir in Europa ein riesiges Waren- und Ersatzteillager, um eine umgehende Lieferungen von Produkten und Ersatzteilen garantieren zu können. Kurz gesagt: Es ist mehr nötig, als eine autonome Produktion, um gegen Krisen gewappnet zu sein.

Fanuc Deutschland GmbH

www.fanuc.eu/de/de


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