Portrait Eckhard Bluhm: Mit Kennzeichnungstechnik zum Erfolg

Ein sozialer Patriarch mit Antrieb und Herz

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In fast 50 Jahren hat Eckhard Bluhm ein beeindruckendes Imperium der Kennzeichnungstechnik aufgebaut. Zur Ruhe setzen will sich der 78-Jährige noch lange nicht. Es treibt ihn immer noch voran.

Autor: Armin Barnitzke

Wenn man das Büro von Eckhard Bluhm in der Firmenzentrale in Rheinbreitbach betritt, dann macht man eine Zeitreise ins Jahr 1968. Denn im Chefzimmer steht immer noch derselbe schwere dunkle Schreibtisch, an dem Eckhard Bluhm vor fast 50 Jahren sein Unternehmen gestartet hat. „Warum sollte ich mir einen neuen Schreibtisch kaufen, wenn es der alte noch tut“, sagt Eckhard Bluhm. „Und mit dem Rücken habe ich zum Glück noch keine Probleme“, ergänzt der überaus rüstige 78-Jährige, der nach wie vor eine gehörige Portion Unternehmergeist ausstrahlt.

Dabei wurde ihm das Unternehmer-Gen gar nicht unbedingt in die Wiege gelegt. Denn der Vater war in einer Führungsposition bei der Kriminalpolizei und ist im Krieg gefallen, so dass die Familie keine einfache Nachkriegszeit hatte. Da kein Geld für eine weiterführende Schule vorhanden war, trat der 1939 geborene Eckhard Bluhm nach der Schule mit 14 Jahren eine kaufmännische Lehre an und bildete sich auf der Abendschule weiter.

Stärken im Vertrieb

„Schon früh habe ich gemerkt, dass meine Stärken vor allem im Vertrieb liegen“, berichtet Eckhard Bluhm. Dabei war er von Beginn an in der Kennzeichnungstechnik unterwegs, zuletzt als Vertriebsleiter bei einem Anbieter von Etikettier- und Verpackungstechnik. „Hier habe ich gesehen, welche Potenziale in der Kennzeichnungstechnik liegen, weil in Versand und Verpackung vielerorts noch sehr stiefmütterlich gearbeitet wurde“, so Eckhard Bluhm. Ihm war klar: „Das ist ein wachsender Markt, in dem man was bewegen kann.“

Also hat er die Chance ergriffen und sich selbstständig gemacht, um für den US-Konzern Weber Marking Systems (heute Weber Packaging Solutions) den deutschen Markt zu beackern – „denn ich wusste, dass wir mit der Technik von Weber erfolgreich sein können, wenn wir es richtig anpacken“. Richtig anpacken hieß für ihn: Kein Verkauf über Handelsvertreter, wie das der bisherige Weber Deutschland-Distributor versucht hatte, sondern über Direktvertrieb. „Zwar ist die Investition in eigenes Personal teurer, aber die Identifikation ist einfach eine ganz andere“, ist Eckhard Bluhm überzeugt.

Man braucht zufriedene Kunden

Erste Erfolge feierte Eckhard Bluhm mit der Direktbeschriftung von Exportkisten über Stempel und Matrizen. „Hier hat sich schon früh der Vorteil der US-Mentalität gezeigt, auch ans Folgegeschäft zu denken.“ So konnte Eckhard Bluhm den Kunden eben nicht nur Maschinen, sondern auch Material wie Tinte und Matrizen verkaufen. „Auch heute machen wir noch rund 40 Prozent des Umsatzes mit Folgegeschäft – etwa Etiketten und Farbbändern.“ Allerdings: „Damit dies auch funktioniert, braucht man zufriedene Kunden und einen starken Service“, unterstreicht Eckhard Bluhm die Notwendigkeit einer starken Kundenorientierung.

Mit diesem Ansatz hat es Eckhard Bluhm verstanden, sich in den ersten 12 Jahren als Vertriebs- und Service-Gesellschaft des US-Konzerns Weber so gut zu positionieren, dass er bei den US-Amerikanern hoch im Kurs stand, als sich diese daran machten, ihr europäisches Netzwerk mit Partnern in jedem Land zu konsolidieren. „Die Amerikaner haben schnell erkannt, welcher Partner wirklich für seine Aufgabe brennt. Nämlich wir“, so Eckhard Bluhm stolz. Denn in der Zwischenzeit hatte er sogar bereits eine kleine Etikettendruckerei als Zusatzgeschäft aufgebaut.

So haben die Amerikaner Eckhard Bluhm als Joint Venture Partner auserkoren und 1980 in einer 50/50 Beteiligung gemeinsam die Weber Marking Systems GmbH aus der Taufe gehoben, die sich um Entwicklung und Produktion sowie den Europa-Vertrieb kümmert. Als zweite Säule gibt es in Rheinbreitbach weiter die Bluhm Systeme GmbH, die sich um den Vertrieb im deutschsprachigen Raum kümmert.

Langjähriges, faires Miteinander

„Für unser langjähriges, sehr faires Miteinander ist es auch sehr wichtig, dass jeder der Partner noch sein eigenes Terrain hat und dass wir uns nur einer gemeinsamen Aufgabe widmen“, sagt Eckhard Bluhm. Dabei vertrauen die US-Amerikaner auch auf Eckhard Bluhms unternehmerischen Antrieb: So hat Eckhard Bluhm mit Mark-o-print einen Hersteller von Codiersystemen gekauft, um neben der Etikettiertechnik auch Direktbeschriftung anbieten zu können, und sich über den Zukauf von Geset mit Knowhow in Sachen Etikettiertechnik verstärkt. Beide Firmen sind in das Joint Venture mit Weber eingegangen.

„Mit Weber Marking Systems haben wir eine rasante Entwicklung hingelegt und sind auch weltweit erfolgreich. Da haben die Amerikaner Stilaugen gemacht, was wir da geschafft haben“, schwärmt Eckhard Bluhm. Dass Eckhard Bluhm im Joint Venture der Treiber ist, liegt aber nicht nur daran, dass sich die US-Amerikaner aufgrund des großen Heimatmarkts recht wohl im Bestandsgeschäft fühlen, sondern auch daran, dass Eckhard Bluhm bis zum heutigen Tag den starken Antrieb besitzt, „etwas zu unternehmen“, wie er sagt. Sein Credo „Man muss ständig wachsam sein“ gelte heute genauso wie am ersten Tag.

Daher hat Eckhard Bluhm immer das Ohr am Markt und ist bereit, Trends aufzunehmen. Das zeigt sich zum Beispiel bei der Software, die im Hause Bluhm immer wichtiger wird. „Für die Industrie 4.0 ist es sehr wichtig, dass wir unsere Kennzeichnungssysteme anwendungsspezifisch integrieren können. Dafür benötigen wir eben entsprechende Schnittstellen, um die Daten aus dem ERP-System direkt in die Produktion zu holen.“ In der Folge bietet das Unternehmen heute nicht nur die Software Bluhmware Control für die zentrale Prozesssteuerung direkt an der Produktionslinie an, sondern auch das Bluhmware Cockpit für das Monitoring der gesamten Fertigung.

Dem Kunden gut zuhören

Entscheidend für solche Entwicklungen sind und bleiben für ihn die Kundenwünsche: „Man muss dem Kunden genau zuhören, was er benötigt. Und dann müssen wir prüfen, wie wir dem Kunden helfen können, ob mit Mechanik, Elektronik oder Software.“ So ist es Eckhard Bluhm gelungen, ein großes E-Commerce-Unternehmen als Kunden zu gewinnen, den man für alle Distributionszentren weltweit mit Etikettiertechnik beliefert. „Obwohl es sich dabei um ein US-Unternehmen handelt, beliefert den Kunden unsere GmbH und nicht Weber USA, denn wir haben die Kundenanforderungen am besten gelöst“, so Eckhard Bluhm stolz.

Ähnliches gelte für einen weiteren Vorzeigekunden: Continental stattet Bluhm für alle Reifenwerke mit Etikettiertechnik aus, weil man die durchaus komplexen Flexibilitätsanforderungen bei der Kennzeichnung lösen konnte. Schließlich produziert Continental unzählige Reifen-Varianten und tritt mit sechs verschiedenen Marken und Logos am Markt auf.

Wichtigstes Kundenklientel sind aber nicht Vorzeigekonzerne wie Continental, sondern die vielen mittelständischen Kunden, die vielleicht auch nur einen Etikettendrucker im Einsatz haben. Eckhard Bluhm: „Der Mittelstand stellt unser Geschäft auf eine stabile Grundlage. Dank ihm sind wir sehr breit aufgestellt.“

Generationenübergang eingeleitet

Tatsächlich ist Bluhm in vielen Branchen unterwegs: Von der Lebensmittel- und Pharmabranche bis zur Metallindustrie und Automotive Zulieferern – eben immer dann, wenn es um die automatische Kennzeichnung von Massengütern geht. „Mit unserem stark wachsenden Lasermarkier-Geschäft sind wir aber auch in der Einzelteilfertigung aktiv“, sagt der agile Firmen-Senior, der mit 78 eigentlich schon längst reif für den Ruhestand wäre: „Aber ich fühle mich eben immer noch heraus gefordert. Ich kann und will mich nicht zurücklehnen, sondern schaue nach vorne.“

Aber der Übergang auf die nächste Generation ist schon eingeleitet. Nach und nach hat Eckhard Bluhm seine drei Söhne mit vorgezogenen Erbschaften bereits am Unternehmen beteiligt. 36 Prozent der Firma sind bereits in der Hand der Söhne, die zudem alle drei in leitender Funktion im Unternehmen aktiv sind: Der älteste Sohn Andreas leitet als Prokurist den Export der Weber Marking Systems GmbH, der mittlere Volker ist als Prokurist für den Vertrieb der Bluhm Systeme GmbH verantwortlich und der jüngste, eher technisch affine Sohn Carsten verantwortet das aufstrebende Laser-Geschäft. So kümmern sich die Söhne also um das operative Geschäft, während der Vater nach wie vor strategisch, personell und finanziell den Hut auf hat.

Dass das Unternehmersein Spaß macht, hat Eckhard Bluhm immer vorgelebt. „Meine Jungs haben mich immer begeisterungsfähig erlebt und nie schimpfend über Banken, Kunden oder Mitarbeiter.“ Und inzwischen geht diese Begeisterung auch auf die Enkel über, die bereits ebenfalls sehr daran interessiert sind, was der Opa so treibt.

Ganz entscheidend für den Erfolg der Firmengruppe sind für Eckhard Bluhm neben der Familie aber auch die Mitarbeiter. Daher hat er bereits früh eine Mitarbeiterbeteiligungsgesellschaft gegründet, an der die Mitarbeiter je nach Alter, Gehalt und Firmenzugehörigkeit beteiligt werden: In diese Bluhm Leasing GmbH fließt ein beträchtlicher Teil des Gewinns: „Letztes Jahr waren es 1,5 Millionen Euro.“ Die Leasing GmbH ist quasi eine eigene Hausbank, die hausinterne Investitionen ebenso finanziert wie Kennzeichnungslösungen bei Kunden. Entsprechend gut wird das Guthaben der Mitarbeiter verzinst – „besser als auf dem Sparbuch“, betont Eckhard Bluhm.

Fonds unterstützt Bedürftige

Frühestens nach 10 Jahren, spätestens aber zur Rente, können sich Mitarbeiter die Anteile auszahlen lassen. „Für einen langjährigen Mitarbeiter können hier durchaus Beträge von 50 000 Euro und mehr rausspringen.“ Aufgrund der guten Beziehung zu den Mitarbeitern gebe es daher im Hause Bluhm auch keinen Betriebsrat. „Wir sind eben sehr transparent – gegenüber dem US-Partner ebenso wie gegenüber den Mitarbeitern“, betont Eckhard Bluhm, der regelmäßig in der Kantine isst, um in den Pausengesprächen die Stimmung der Belegschaft aufzunehmen.

„Sozialer Patriarch“ hatte die Süddeutsche Zeitung Eckhard Bluhm daher mal genannt und er wehrt sich zumindest nicht mit Händen und Füßen gegen die Bezeichnung. Zum sozialen Patriarchen passt auch, dass Eckhard Bluhm gemeinsam mit seiner Familie, Mitarbeitern und Freunden des Unternehmensverbundes Bluhm Weber den Bluhm Fonds „Verein zur Unterstützung Notleidender und Bedürftiger e. V.“ ins Leben gerufen hat. Der Verein leistet unkomplizierte und schnelle Hilfe in Notlagen und kooperiert dazu mit Organisationen wie Diakonie und Caritas. Zur Finanzierung der karitativen Aktivitäten spendet die Bluhm Gruppe nicht nur selber Geld (letztes Jahr alleine 50 000 Euro), sondern bittet auch Lieferanten, auf Geschenke zu verzichten. Kein Wunder, dass Eckhard Bluhm nicht nur eine Menge Innovations- und Wirtschaftspreise abgeräumt hat, sondern mehrfach für sein soziales Engagement ausgezeichnet wurde.

„Als Unternehmer sehe ich es als meine Pflicht an, soziale Verantwortung zu übernehmen. Nicht nur für meine Mitarbeiter, sondern auch für andere Menschen in der Gesellschaft“, erklärt Eckhard Bluhm. „Es gibt viele, denen es nicht so gut geht wie mir. Für meinen Erfolg habe ich hart gearbeitet, aber ich habe immer auch ein wenig Glück im Leben gehabt. Von diesem Glück möchte ich ein bisschen abgeben.“

Bluhm Systeme GmbH

www.bluhmsysteme.com


Meilensteine der Firmengruppe

Kerngeschäft der Bluhm Weber Gruppe ist die Kennzeichnungstechnik. Die Gruppe besteht aus der Bluhm Systeme GmbH, die als Vertriebs- und Servicegesellschaft für Etikettier- und Codiertechnik agiert, sowie der Weber Marking Systems GmbH als Hersteller und Komplettanbieter für die Etikettiertechnik, ein Joint Venture mit dem US-Unternehmen Weber Marking Systems Inc.

  • 1968 Gründung der Bluhm & Co., der späteren Bluhm Systeme GmbH, als Ein-Mann-Unternehmen. Distributor für das US-Unternehmen Weber Marking Systems Inc.
  • 1978 Erste Auslandsinitiative durch Firmengründung der Bluhm Systeme Austria.
  • 1980 Gründung eines deutsch-amerikanischen Joint Ventures zwischen Bluhm Systeme und Weber Inc. mit dem Fokus, die Etikettenproduktion auszuweiten und das Exportgeschäft auszubauen. Gründung der Bluhm Leasing GmbH & Co. KG als Mitarbeiterbeteiligungsmodell.
  • 1990 Starker Expansionskurs nicht nur in Deutschland: In westeuropäischen Märkten wie Dänemark, Holland und Belgien werden eigene Gesellschaften gegründet.
  • 2000 Weitere Expansion durch Firmenzukäufe: Das heutige Weber France in Toulouse, Geset (Maschinenfabrik für Etikettiertechnik), Mark-O-Print (Hersteller von Codier-Systemen). Mit den Akquisitionen ist der Einstieg der zweiten Bluhm-Generation in verantwortliche Firmenpositionen verbunden. Die drei Söhne sind seitdem aktiv in das Firmengeschehen eingebunden.
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