Kürzere Lieferzeiten durch automatisierte Prozesse

Hohe Variantenvielfalt in der Kleinserienfertigung

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25 Millionen mögliche Kombinationen, dazu speziell modifizierte Produkte, erfordern beim Experten für Antriebstechnik Faulhaber eine hohe Flexibilität in der Fertigung. Diese wird durch eine standortsynchrone Produktion und einen genau abgestimmten Automatisierungsgrad ermöglicht.

Autor: Yannick Schwab

Als beim Wettbewerb „Fabrik des Jahres“ der Gewinner der Kategorie „Hervorragende Kleinserienfertigung“ gekürt wurde, durfte sich die Dr. Fritz Faulhaber GmbH & Co. KG aus Schönaich bei Stuttgart freuen. Das Beratungsunternehmen A. T. Kearney attestierte den Schwaben eine anerkennenswerte prozessorientierte Organisationsstruktur.

Diese ist auch notwendig, denn die Fertigung bei Faulhaber hält einige Herausforderungen parat: Das Produktportfolio umfasst Motoren, Getriebe, Lineare Komponenten, Encoder und Elektronik. Dabei werden über 97 % als „Production on Demand“ gefertigt – ab Losgröße 1. Ein Grund hierfür ist die enorme Produktvarianz, die eine geordnete Lagerhaltung von Endprodukten kaum zulässt. „Wenn wir uns von jeder Variante zehn Teile ins Lager legen und der Kunde bestellt zwanzig, dann haben wir nichts gewonnen“, erläutert Jan Patrick Schindler, stellvertretender Produktionsleiter, die Problematik. „Sich Fertigprodukte ins Lager zu legen, bedeutet außerdem, dass wertvolle Teile verbaut werden, die dann nicht mehr zur Verfügung stehen.“

Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht die Komplexität in der Faulhaber-Produktion: Pro Tag entstehen bis zu zehn neue Produktvariationen. Insgesamt verfügt das Unternehmen über 25 Millionen mögliche Varianten für Antriebssysteme. Im letzten Jahr erlöste der Antriebsspezialist 30 Prozent des Umsatzes mit Standardprodukten, 40 Prozent entfielen auf modifizierte Lösungen und 30 Prozent auf kundenspezifische Produkte.

Standortsynchron über alle Werke

Ein besonderes Anliegen von Faulhaber ist dabei die Zusammenarbeit und Kommunikation über die Standorte und Ländergrenzen hinweg. 70 bis 80 % des Umsatzes werden mit Antriebssystemen generiert, die Komponenten aus mindestens zwei Werken enthalten. „Deshalb haben wir die standortsynchrone Produktion, um Motoren und Antriebskomponenten parallel und gesteuert an allen Standorten fertigen zu können“, erklärt Schindler. Bei der standortsynchronen Produktion werden die Antriebskomponenten an fünf verschiedenen Standorten in Deutschland, Ungarn, Rumänien und der Schweiz auftragsbezogen hergestellt und anschließend in einem Werk zusammengeführt. Das Ziel ist es, alle Aufträge so zu bearbeiten, dass die Produkte innerhalb acht Tage lieferbereit sind. „Wer die kürzesten Lieferzeiten anbietet, macht auch das Geschäft“, verdeutlicht Schindler.

Ein wichtiger Punkt bei der anvisierten Umsetzung des Acht-Tage-Produktionsverbunds ist die Auftragsabwicklung. Sobald der Auftrag dann in der Fertigung aufschlägt, können die Motoren und Antriebskomponenten parallel an den einzelnen Standorten gefertigt werden. Anschließend werden die Teile an einen Standort geliefert und dort kombiniert, bevor das fertige Antriebssystem schließlich ausgeliefert wird.

Automatisieren, wo es Sinn macht

Für Faulhaber spielt sich die Automatisierung auf zwei Ebenen ab. „Das eine ist die Automatisierung von Produktionsprozessen, da haben wir schon viel erreicht. Aber wir sehen vor allem auch die Automatisierung der Geschäftsprozesse als einen ganz herausragenden Aspekt“, betont Schindler. So will der Antriebsspezialist beispielsweise die Auftragsabwicklung komplett automatisieren, damit der Auftrag nach der Bestellung direkt in der Produktion landet – ein großer Schritt in Richtung Acht-Tage-Produktionsverbund.

In der Fertigung, lassen sich bei Faulhaber verschiedene Level der Automatisierung, abgestimmt auf die Anforderungen der einzelnen Produktlinien, vorfinden: komplette Automatenfertigung, hybride Systeme mit automatisierten Teilprozessen, aber auch sehr viele manuelle Tätigkeiten. „Wir haben uns eine klare Struktur überlegt und haben dann basierend darauf die entsprechende Automation ausgewählt“, erklärt Schindler. So setzt das Unternehmen zum Beispiel bei der Deckelfertigung auf eine Komplettautomatisierung.

Um unter anderem den Einsatz von kollaborativer Robotik zu testen, hat das Unternehmen eine Modellinie zum Thema Industrie 4.0 aufgebaut. Damit wolle man eine Systematik entwickelt, um den Einsatz von Cobots an verschiedenen Arbeitsplätzen abwiegen zu können. „Bei vergleichbar einfachen Tätigkeiten sehen wir damit einen großen Vorteil, was die Flexibilität betrifft“, hält Schindler fest.

Dr. Fritz Faulhaber GmbH & Co. KG

SPS Halle 4, Stand 346

www.faulhaber.com


Steckbrief:

  • Der Spezialist für Miniatur- und Mikroantriebssysteme Faulhaber bietet unterschiedlichste Produktvarianten ab Losgröße 1 an.
  • Um diese Herausforderungen zu meistern, produziert das Unternehmen standortsynchron und mit einem genaustens abgestimmtem Automatisierungsgrad.
  • Im März wurde Faulhaber beim Wettbewerb „Fabrik des Jahres“ mit dem Sieg in der Kategorie „Hervorragende Kleinserienfertigung ausgezeichnet“.


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