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Unternehmensportrait: 50 Jahre Erfolg mit Sondermaschinen

Martin Mechanic: Tüftler mit Robotik-Faible

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In 50 Jahren hat sich Martin Mechanic vom Sondermaschinenbauer für die Möbelindustrie zum branchenübergreifenden Robotikexperten gemausert. Das Familienunternehmen prägen Bodenständigkeit und Innovationsgeist. Autor: Armin Barnitzke

Familienunternehmen, in denen zwei Brüder die Geschäftsführung teilen, gibt es viele. Dass aber auch die Schwester als Prokuristin ebenso mit an Bord ist wie die beiden Ehefrauen der Brüder – die sich um Finanzen und Personal kümmern – ist dann aber doch ungewöhnlich und spricht für ein entspanntes Miteinander.

Und nicht nur in der Firma kommen die Martins gut miteinander aus: Die beiden Brüder Claus und Frank Martin mit ihren Familien und auch die Eltern Friedrich und Gerda wohnen nur 50 Meter auseinander – auf dem alten Firmengelände, wo das Unternehmen einst entstand. Genauer gesagt 1967. „Aber auf den Tag genau kann man das heute gar nicht mehr sagen“, erzählt Claus Martin. „Unser Großvater hatte einen Elektroinstallationsbetrieb, in dem auch mein Vater arbeitete. Nebenher hat mein Vater mit dem Maschinenbau begonnen, denn ein Elektriker wollte er nie sein – er war immer schon ein Tüftler.“
Also entschloss sich Friedrich Martin, voll und ganz in den Maschinenbau einzusteigen und hat gemeinsam mit seiner Frau das Unternehmen MartinMechanic gegründet. Er begann Vorrichtungen, Hilfsmittel und Maschinen für die damals im Nordschwarzwald prosperierende Möbelindustrie zu konstruieren und zu bauen. „Und das mit einfachsten Mitteln: Eine Ständerbohrmaschine und ein Schweißtrafo – mehr hatten meine Eltern nicht am Anfang“, berichtet Claus Martin.
Aber Friedrich Martin hatte clevere Ideen, und so wuchs das Unternehmen Stück für Stück. „Wir haben mit unseren Maschinen buchstäblich die ganze Welt beglückt. Manche gingen bis nach Australien.“ Claus Martin berichtet von einer Szene auf einer Möbelmaschinen-Messe in Köln: „Da kam ein Scheich vorbei, dem unsere dunkelroten Maschinen gut gefielen. Also hat es sich von uns erklären lassen, was man damit macht. Anschließend haben wir containerweise Maschinen in den vorderen Orient geschickt.“
Und Friedrich Martin ist nicht bei der Möbelindustrie stehen geblieben: „Als Maschinenbauer für die Polstermöbel-Industrie kannten wir uns gut aus mit biegeschlafen Materialien wie Stoffen, Leder, Schäumen und Vliesen. Daher war es naheliegend, auch die Automobilindustrie zu beliefern, wo man ebenfalls dabei war, ,die Autos innen weicher zu gestalten‘.“
Um 1980 baute Friedrich Martin daher erste Maschinen für die Fertigung von Auto-Innenausstattung. Mit der Automobilindustrie änderten sich aber auch die Anforderungen. „Wurde in der Möbelindustrie noch quasi manufakturartig gearbeitet, geht es in der Automobilindustrie eher um Taktzeiten von Minuten statt einen halben Tag. Da war der Schritt zur Automation relativ klein.“
In den 1990 hat der Sondermaschinenbauer aus Nagold daher das Geschäftsfeld Automatisierung eröffnet. Und schon 1992 hat man dabei den ersten Scara-Roboter eingesetzt. „Damit waren wir damals Vorreiter. Während die meisten noch mit klassischer Piff-Paff-Automation gearbeitet haben, haben wir konsequent überall Scaras eingebaut.“ Auch wenn einige Kunden noch Berührungsängste hatten, weil der Roboter damals noch ein unbekanntes Wesen war.
„Manche Kunden haben wir zu ihrem Glück gezwungen, in dem wir im Angebot statt Scara-Roboter eher allgemein Handling-System reingeschrieben haben. In der Konstruktion waren dann Roboter drin“, schmunzelt Claus Martin. „Wenn der Kunde aber erste Erfahrungen mit dem Roboter gesammelt hat, war der Roboter-Einsatz aufgrund ihrer Einfachheit und Flexibilität später keine Frage mehr. Es hat sich nie jemand über Roboter-Handling beschwert.“
Claus Martin kam die vom Vater eingeschlagene Automatisierungsschiene durchaus entgegen, denn am C64 hatte er zu Hause das Basic-Programmieren gelernt und die Scaras ließen sich in Basic programmieren. Claus Martin war zwar damals noch mit seinem Maschinenbau-Studium beschäftigt, nebenher hat er aber bereits im elterlichen Unternehmen gearbeitet und ist dann 1995 (nachdem er noch ein Wirtschafts-Ingenieurabschluss oben drauf gesetzt hat) endgültig im Betrieb eingestiegen. Das Ganze habe aber zunächst eher experimentellen Charakter gehabt, erinnert sich Claus Martin. Zwar habe er schon früh gemerkt, dass er nicht der Typ für einen großen Konzern ist („Eine Bedarfsmeldung für einen Radiergummi auszufüllen, kommt für mich nicht in Frage“), aber ob die Zusammenarbeit mit dem Vater funktioniert?
Vater hat es geschafft, loszulassen
„Mein Vater hat meine Schwester und mich immer machen lassen. Er hat sich nie eingemischt oder getroffene Entscheidungen gekippt. Die Arbeit hat Spaß gemacht und so bin ich dabei geblieben.“ Friedrich Martin ist also gelungen, was so manchem Firmengründer schwer fällt: Loszulassen. „Sicher hat er sich so manches Mal auf die Zunge gebissen, um nichts zu sagen. Aber er hat uns, meiner Schwester und mir, später auch meinem Bruder freie Hand gelassen. Und als er gesehen hat, dass es gut läuft, hat er sich Stück für Stück zurückgezogen.“ Heute komme er nur noch ab und zu vorbei und schaue, was läuft, berichtet der Sohn. Das gleiche gelte auch für seine Mutter.
„Da mein Vater schon immer offen für innovative Technik war, hat er sicher auch gefreut, als wir damals die ersten Roboter aus Japan ausgepackt haben“, ist Claus Martin überzeugt. Mit der Begeisterung für die Robotik, hat Martin Mechanic diesen Bereich konsequent ausgebaut. Nach den ersten Scaras hat man schon 1993 den ersten 6-Achsroboter verbaut. 2010 konnte man den 500. verbauten Roboter feiern, heute sind es über 1500.
Während sich Martin bei den Scaras für die Modelle von Yamaha entschieden hat, fiel bei den ersten 6-Achsern die Entscheidung auf Fanuc als Lieferant. „Wenn es kundenseitig keine Vorgabe gibt, bauen wir am liebsten Fanuc ein.“ Da der Kundenwunsch aber natürlich Priorität hat, kennt man sich in Nagold auch mit den Robotern praktisch aller namhafter Hersteller „mit geschultem Personal“ gut aus.
Mehr und mehr wurde die Robotik in Nagold das bestimmende Thema. Da die Möbelindustrie als Kunde für uns auf dem absteigenden Ast war und viele Fabriken in Billiglohnländer abgewandert sind, hat Martin Mechanic voll auf das Automationspferd gesetzt und begonnen, die Industrie in ihrer ganzen Breite anzugehen: Heute zählt man neben der Autoindustrie auch Firmen aus der Kunststoffverarbeitung, Luftfahrt, Medizintechnik, Metallverarbeitung, Elektrotechnik und Unterhaltungselektronik oder Weiße Ware zu den Kunden.
Brüder gleichberechtigt am Werk
Die beiden Brüder sind dabei stets sehr gleichberechtigt am Werk. Frank kümmert sich Administrativ um die Fertigung und widmet sich leidenschaftlich gerne der CAD-Konstruktion. Claus kümmert sich als Programmier-Begeisterter um die IT und ist quasi als Außenminister für den Vertrieb zuständig. Beide haben als Geschäftsführer die gleiche Verantwortung und greifen auf die gleichen Ressourcen zu. „Es funktioniert wirklich reibungslos, wir schaffen gut zusammen“, freut sich Claus Martin. „Da haben unsere Eltern offensichtlich bei der Erziehung etwas richtig gemacht.“
Dass auch die eigene Frau mit im Unternehmen arbeitet, ist für Claus Martin ebenfalls kein Problem. Zumal es eine eiserne Regel gebe: Zumindest im Schlafzimmer wird nicht über das Geschäft gesprochen. „Irgendwann ist es auch mal gut.“ Daher bleibt bei den Martins trotz Unternehmensführung stets immer genug Zeit für die Hobbys. Platz dafür ist auf dem alten Betriebsgelände genug und so kann Claus Martin als begeisterter Modellflieger in der alten Halle seine Flugmodelle horten, während der Bruder in der Freizeit an einem alten Unimog herumschraubt.
Weit über 1000 Projekte umgesetzt
Diese Bodenständigkeit zeichnet die Brüder Martin auch in der Weiterentwicklung des Unternehmens aus: Während so manch anderer Maschinenbauer in Wachstums-Euphorie an die Börse gegangen ist, war den Martins immer wichtig, eine gewisse Stetigkeit zu wahren. „Wir wachsen geplant und kontrolliert, das heißt, wir wollen immer nur so viel wachsen, wie wir verkraften können.“
Zumal das was man als Sondermaschinenbauer mache, ohnehin schwierig genug sei. „Da sind wir auf das Knowhow unserer Organisation angewiesen. Ein neuer Mitarbeiter braucht etwa 2 Jahre, bis er sattelfest ist.“ Das Knowhow-intensive Geschäft basiere vor allem auf Erfahrung. „Weit über 1000 Projekte haben wir schon umgesetzt und dabei Einiges gelernt.“
Daher ist den Tüftlern von Martin Mechanic auch kaum ein Projekt zu kompliziert „Wir haben keine Angst vor dem Unbekannten. So gut wie nie lehnen wir ein Projekt aus technischen Gründen ab – wenn, dann spielen eher Zeit, Geld oder Risikoverteilung eine Rolle.“
Trotz des gemächlichen Wachstums wurde der alte Firmenstandort mitten im Dorf dann aber doch irgendwann zu klein. 2012 zog man daher um in ein modernes neues Gebäude im Industriegebiet. Einiges hat man in ein neues repräsentatives Gebäude investiert.
Und eine Erweiterung ist schon im Bau: Denn 2015 ist zum Sondermaschinenbau der Martin Mechanic die Sparte Martin Systems hinzu gekommen, die standarisierte Automationszellen für die Be- und Endladung von Werkzeugmaschinen quasi von der Stange anbietet. Für diese Standardzellen baut Martin eine Zusatzhalle als Showroom.
Mit Martin Systems hat Claus Martin ehrgeizige Pläne: „In drei Jahren wollen wir mit Systems 3 Millionen Euro Umsatz machen.“ Zudem könne man mit Martin Systems ganz neue Kundenkreise ansprechen, in der Regel typische Teilefertiger. Das sind meist kleine und mittlere Unternehmen, die mit den Standardzellen von Martin Systems zunächst ihren Grundbedarf an Automation decken und später eventuell auch Abnehmer der Sondermaschinen von Martin Mechanic werden. So sieht sich Claus Martin für die Zukunft gut aufgestellt: „Martin Systems liefert Standard und Martin Mechanic liefert individuelle Anpassungen – so bekommt der Kunde das, was er braucht aus einer Hand.“
Kinder nicht drängen
Und auch für die Industrie 4.0 sieht sich Claus Martin gut aufgestellt, obwohl das Unternehmen ja Martin Mechanic und nicht Martin Digital heißt. „Aber Industrie 4.0 machen wir schon lange – denn unsere Anlagen haben wir immer schon mit Schnittstellen zum Datenaustausch versehen. Neu ist eventuell die konsequentere Nutzung der Daten.“
Und auch was die Zukunft des Familienunternehmens angeht, ist Martin entspannt: „Wenn unsere Kinder in die Firma reinwachsen, wäre das toll – aber unsere Organisation ist inzwischen so reif, dass Martin Mechanic auch ohne Familienführung vorstellbar ist.“ Daher will er die Kinder nicht drängen, ins Unternehmen einzusteigen. „Unsere Eltern haben uns nie in eine Richtung gedrückt und geschoben – und so handhaben wir das auch.“ Ganz entspannt eben, wie die Martins so sind. ↓
Martin Mechanic Friedrich Martin GmbH & Co KG
„Wir haben keine Angst vor dem Unbekannten. So gut wie nie lehnen wir ein Projekt aus technischen Gründen ab – wenn, dann spielen eher Zeit, Geld oder Risikoverteilung eine Rolle.“
Claus Martin
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