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„Unser Ziel ist der 1000-Euro-Roboter“

Interview zu Low Cost Automation und Low Cost Robotik: Stefan Niermann und Alexander Mühlens, Igus
„Unser Ziel ist der 1000-Euro-Roboter“

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Welche ambitionierten Ziele Igus mit seiner Low Cost Automation und Low Cost Robotik verfolgt, erläutern Stefan Niermann, Leiter des Geschäftsbereichs Low Cost Automation, und Alexander Mühlens, Head of Low Cost Robotics, im Interview.

Autor: Armin Barnitzke

Sie sprechen bei Igus von Low Cost Robotics und von Low Cost Automation: Wo ist genau der Unterschied?

Niermann: Mit Low Cost Robotics bezeichnen wir in erster Linie unsere Gelenkarm-Roboter der Robolink-Reihe. Unsere komplette Business Unit heißt Low Cost Automation, weil wir hier diverse Produktlinien zusammenfassen: Neben den vier- und fünfachsigen Robolink-Robotern sowie dem sechsachsigen Rebel gehören dazu unsere Delta Roboter und die Portale. Hinzu kommen unser Getriebebaukasten Apiro sowie Einzelgetriebe für die Roboter.

Sie bieten einerseits fertige Low Cost Roboter samt Steuerung, andererseits auch einzelne Roboterkomponenten im Bausatz. Was wird denn bei den Kunden stärker nachgefragt?

Mühlens: Beides etwa gleich. Sehr viele Kunden kaufen bei kleinen Stückzahlen einen kompletten Roboter. Gerade Automationseinsteiger wollen eine direkt benutzbare Lösung mit geringem Investitionsrisiko. Und das sind übrigens nicht nur KMUs, sondern durchaus auch große Automotive-Hersteller, wo der Betriebsmittelbau eines Bereichs nur ein beschränktes Budget zur Verfügung hat. Die andere Seite sind Projekte, in denen Großkunden Roboterkomponenten benötigen, die genau in ihre Anwendung und Maschine passen – ein gutes Beispiel sind Verkaufsautomaten, die wir mit kundenspezifischen Portalen ausstatten.

Sie wollen also nicht immer das Komplettpaket verkaufen?

Mühlens: Nein, ganz und gar nicht. Wir sind nicht erpicht darauf, stets eine komplette Roboterlösung zu liefern, sondern freuen uns, wenn Kunden einzelne Gelenke und Achsen kaufen. Es gibt andere Roboterhersteller, die gerade einzelne Achsen aus Kunststoff von uns testen – besonders in der vierten und fünften Achse, wo die Belastung nicht mehr so hoch ist und wo meist nicht mehr so viel an Steifigkeit und Präzision benötigt wird. Dort können Roboterhersteller mit Kunststoff Gewicht und auch Geld sparen.

Sie sprechen von Low Cost: Wo liegt der Preis heute? Und wo wollen Sie künftig hin?

Niermann: Unser Ziel ist ein Gelenkarm-Roboter für 1000 Euro. 3-Achs-Portale gibt es ja heute bereits für 1000 Euro – ab Stückzahl 1. Beim Robolink-Gelenkarm liegen wir momentan bei 3500 Euro ohne Steuerung, mit Steuerung bei 5000 Euro. In höheren Stückzahlen um die 3000 Euro. Aber mit unseren Konstrukteuren arbeiten wir jeden Tag hart am Benchmark der 1000 Euro.

Wo sind Stellschrauben für den Preis?

Niermann: Es gilt wie bei allen Igus-Produkten: Wenn wir metallische Lösungen durch Kunststoff ersetzen können, sparen wir nicht nur Gewicht und Schmiermittel, sondern auch Kosten. Durch den Spritzgussprozess realisieren wir also eine preiswerte Lösung – mal ganz abgesehen davon, dass man mit Kunststoff gerade durch den 3D-Druck auch enorm viele kostenoptimierende Gestaltungsmöglichkeiten hat.

Haftet denn Low Cost nicht zuweilen der Makel des Billig-Produkts an?

Niermann: Low Cost ist sicherlich ein polarisierender Begriff. Aber im Markt der Robotik sind viele Anbieter unterwegs – da ist es gar nicht so schlecht, wenn man mit provokanten Aussagen Aufmerksamkeit bekommt. Unsere Kunden finden das Konzept gut: Warum mehr bezahlen als sein muss? Low Cost wird natürlich auch von dem ein oder anderen mit Low Quality gleichgesetzt. Dagegen müssen wir mit Überzeugungsarbeit ankämpfen.

Mühlens: Unser Fokus ist vor allem ein schneller Return on Invest. Investitionen in Low Cost Automation sollen sich in spätestens einem Jahr amortisiert haben. Und wenn eine gesamte Anlage bzw. Montagezelle nur 20.000 bis 30.000 Euro kosten soll, dann darf der Roboter eben nur 5000 bis 7000 Euro kosten.

Welche Anwendungen und Branchen haben Sie denn besonders im Fokus?

Mühlens: Unsere Roboter arbeiten ohne Schmierstoffe und haben dadurch Vorteile im Lebensmittel- und Medizinbereich. Und weil unsere Roboter besonders leicht sind, sind sie für den Einsatz im Service-Umfeld oder auf fahrbaren Plattformen prädestiniert. Aber auch durch den günstigen Anschaffungspreis ergeben sich Anwendungen im End-of-line-Einsatz, beim Abstapeln oder Überwachen. Unter dem Strich wollen wir uns branchenseitig nicht begrenzen. Als Igus sind wir seit über 55 Jahren in verschiedenen Industrien unterwegs und kennen sehr viele Kundenherausforderungen. Die möchten wir gerne möglichst alle lösen

Wie grenzen Sie sich dabei gegenüber der Industrierobotik ab?

Niermann: Aufgrund des Werkstoffs Kunststoff erreichen unsere Low Cost Roboter in Sachen Traglast sowie Präzision und Steifigkeit nicht die Größenordnungen von handelsüblichen Industrierobotern. Gewichte über 10 kg sind mit unseren Robolink-Knickarm-Robotern noch nicht zu erreichen und stehen auch noch nicht im Fokus. Einen Schweißroboter in der Automobilindustrie werden wir also nicht ersetzen. Aber wir können an einer Maschine Teile einlegen und prüfen, Klebeprozesse übernehmen, Kameras positionieren und vieles mehr.

Wer setzt solche kompletten Lösungen um? Arbeiten Sie mit Partnern zusammen?

Mühlens: Viele Kunden integrieren die Low-Cost-Robotics-Lösung selbst – aufgrund des überschaubaren Investitionsrisikos. Wir geben ihnen dabei Hilfestellung: Etwa veranstalten wir regelmäßig Low Cost Automation Days, wo wir den Kunden zeigen, wie wir selbst Low Cost Automation Projekte in der eigenen Fertigung umgesetzt haben. Interessierten Kunden stellen wir dann auch die Baupläne unserer Low-Cost-Maschinen kostenlos zum Nachbauen zur Verfügung. Ganz neu haben wir jetzt eine kostenlose Software zur Simulation und Offline-Programmierung entwickelt.

Was kann diese Software?

Mühlens: Für alle unsere Kinematiken gibt es hier einen digitalen Zwilling. In die Software kann der Nutzer CAD-Daten importieren und eine Automationslösung vorab programmieren. Die Robot Control kann sich jeder kostenfrei herunterladen und so seine Automationslösung vorab ausprobieren. Nach einer erfolgreichen Simulation kann der Kunde dann die sehr überschaubare Summe von 5000 Euro investieren. Natürlich helfen auch Integratoren weiter – aber die kosten dann weitaus weniger, da der Kunde einiges selbst erledigen kann.

Wo setzen Sie selbst Low Cost Robotik in der eigenen Fertigung ein?

Niermann: Wir haben Anguss-Picker mit unseren Lösungen realisiert und Einlegeautomaten. Außerdem montieren wir unsere Energieketten mit Montagemaschinen auf Low-Cost-Robotics-Basis. Da wir unsere Low Cost Automation im eigenen Werk nutzen, haben wir stets ein schnelles Feedback aus der Praxis. Wir machen den Proof für unsere Produkte im eigenen Haus.

Sind Sie denn mit Robolink auch im Bereich MRK/Kollaboration unterwegs?

Mühlens: Unsere Konzeptstudie Rebel soll in die Cobot-Richtung gehen. Eine echte MRK-Fähigkeit erreichen wir derzeit aber noch nicht. Dazu muss man wissen, dass aktuell ein Großteil der Cobots am Markt ohnehin nicht kollaborativ im Einsatz ist, so ist zumindest unser Wissensstand.

Was fehlt Ihrem Rebel-Roboter denn noch in Sachen Kollaboration?

Mühlens: Wir arbeiten noch an der passenden Kraftregelung des Rebels. Für unsere Art der Kinematik ist es herausfordernd, die richtige Messmethode zu finden, die zuverlässig anschlägt. Und das Ganze eben Low Cost. Mit Sensoren, die 6000 bis 7000 Euro kosten, kommen wir nicht weiter. Denn damit wären wir nicht mehr Low Cost, sondern genauso teuer wie andere Cobots. Aber vielleicht setzen wir künftig noch mehr auf Vision-Lösungen. Dann ist die Kraftregelung sekundär.

Igus GmbH

www.igus.de

Spicher Str. 1a

51147 Köln

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