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Kawasaki Robotics: „Die Corona-Pandemie wird zahlreiche Unternehmen zum Umdenken bewegen“

Carsten Stumpf Vice President Kawasaki Robotics im Interview zur COVID-19-Krise
Kawasaki Robotics: „Die Corona-Pandemie wird zahlreiche Unternehmen zum Umdenken bewegen“

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Carsten Stumpf von Kawasaki Robotics zur COVID-19 Krise: „Wir sind überzeugt: Ein Automatisierungsschub wird kommen, die Nachfrage wächst täglich.“ Bild: Kawasaki Robotics
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Welche Herausforderungen aber auch Chancen durch die COVID-19 -Pandemie für Hersteller von Industrierobotern wie Kawasaki Robotics entstehen, sagt Carsten Stumpf, Vice President Kawasaki Robotics Deutschland. Er rechnet mit einem Aufschwung nach der Corona-Krise.

Sie bedienen von der Kawasaki Robotics Zentrale in Neuss aus den gesamten EMEA Markt. Wie hat die anhaltende COVID-19 Krise das Geschäft bei Kawasaki Robotics beeinflusst?

Stumpf: Die Krise hat definitiv einen deutlichen Effekt auf unser Geschäft: Neben einer derzeit von Vorsicht und geringen Investitionen geprägten Marktsituation in Deutschland spüren wir als Europazentrale in Neuss natürlich auch die Restriktionen im Warenverkehr innerhalb Europas. Der Wegfall von Messen und Kundenbesuchen ist zweifelsohne auch ein erheblicher Einschnitt. Wir bleiben aktiv, gehen neue Wege und bereiten uns auf die Zeit nach der Krise vor – doch wie in fast allen Branchen gilt es auch für uns derzeit durchzuhalten bis die Situation sich entspannt.

Wie erhalten Sie den Betrieb aufrecht?

Stumpf: Ein großer Teil unserer Mitarbeiter arbeitet bereits seit März effektiv von zu Hause aus während ein Kernteam in unserer Zentrale vor Ort ist. Per Telefon und Videokonferenz stehen wir im engen Kontakt mit unseren Kunden und Partnern in ganz Europa, auch bei technischem Support. Ebenso stehen wir täglich im direkten Kontakt mit unserer japanischen Zentrale um eine reibungslose Versorgung mit Robotern und Teilen zu gewährleisten. Die Roboterproduktion in Japan läuft trotz des in vielen Präfekturen verhängten Ausnahmezustands konstant weiter während unser Lagerbestand in Neuss uns und unseren Kunden weitere Planungssicherheit bietet.

„Ein Automatisierungsschub wird kommen, die Nachfrage wächst täglich“

Sehen Sie in der Krise auch Chancen für Robotik und Automatisierung in Deutschland?

Stumpf: Die COVID-19 Pandemie wird zahlreiche Unternehmen zum Umdenken bewegen und die Vorteile einer automatisierten Produktion deutlicher denn je zeigen – etwa eine geringe Anfälligkeit für personelle Engpässe, höhere Auslastungen und Sicherheit durch räumliche Abstände zwischen Mitarbeitern. Zusätzlich muss die produzierende Industrie natürlich ihre Strategien in puncto Zentralisierungsprozesse und Standortsicherung auf den Prüfstand stellen. Hier sollte man Gewinnmaximierung und nachhaltige Betriebs- und Versorgungssicherung neu abwägen. Doch diesen Effekt werden wir erst mittelfristig, nach der Krise, erleben. In jedem Fall sind wir bereit und gerüstet entsprechende, maßgeschneiderte oder standardisierte Automatisierungslösungen unseren Kunden zu diskutieren. Aber wir sind überzeugt: Ein Automatisierungsschub wird kommen, die Nachfrage wächst täglich.

Welche Lehren ziehen Sie persönlich aus der Situation?

Stumpf: Keine Frage: Wir merken natürlich, wie abhängig wir vom internationalen Warenverkehr oder auch Messeauftritten und persönlichem Kontakt mit Kunden sind. Besonders letzteres können und möchten wir nicht ersetzen, aber wir nutzen die Krise natürlich um neue Konzepte zu testen und auch altbewährtes auf den Prüfstand zu stellen. So bietet unsere Kawasaki Robotics Academy seit März den gesamten Trainingskatalog erstmalig als Webinar an – statt in unserem Schulungszentrum in Neuss können alle Kurse auch von der Firma aus oder etwa im Homeoffice absolviert werden. Während mobiles Arbeiten für viele Abteilungen bei uns schon lange zum Alltag gehört, waren wir positiv überrascht, wie schnell die Fernarbeit und Videokonferenzen sich auch im Rest des Unternehmens etabliert haben und akzeptiert wurden. Sicher wird dies auch nach der Krise unsere alltägliche Arbeit prägen – intern, aber auch mit Partnern und Kunden.

Inwiefern?

Stumpf: Der allgemein übliche Industrie-Tourismus per Auto, Bahn oder Flugzeug wird sich, so hoffe ich, verändern. Mit einem gewissen Maß an emphatischem Verständnis sollte es erlernbar sein, die unterschiedlichen Medien, von E-Mail bis zum persönlichen Besuch dosiert und gesund zu nutzen. Von einem solchen Prozess werden wir nicht nur im industriellen Kontext profitieren, sondern auch weltweit ökologisch.

Welche Rolle wird der Faktor lokale Produktion in Zukunft spielen?

Stumpf: Ob im öffentlichen Leben, etwa mit Blick auf Medikamente oder Atemschutzmasken, oder im geschäftlichen Umfeld: Seit Wochen zeigt sich, wie abhängig wir in Deutschland und Europa allein von chinesischen Produktionen und Warenverkehr sind. Wie schon gesagt, bin ich sicher, dass diese Lehre dafür sorgen wird, dass die Produktionsstandorte in Deutschland und Europa in einigen Branchen wieder gestärkt werden – hier wird der Bedarf an Robotern, etwa zum Palettieren und Verpacken, zweifelsohne steigen um im internationalen Vergleich mithalten zu können und um lokale Produkte vor Importen platzieren zu können. Dies geht natürlich mit erheblichen Investitionen in die europäischen Produktionsstandorte einher – diese werden sich aber im Rahmen einer dezentralen und von China unabhängigen Produktion in wenigen Jahren rechnen. Wir beobachten die Entwicklung aufmerksam und stehen in engem Austausch mit unseren Kunden und Integratoren.

Was kann Kawasaki Robotics diesem Wandel beisteuern?

Stumpf: Insbesondere in Deutschland bedienen wir seit vielen Jahren verstärkt kleine und mittelständische Unternehmen, die oftmals am Anfang der Automatisierung ihrer Produktion stehen, in der Regel mit unseren branchennahen und erfahrenen Integratoren. Wir kennen die besonderen Herausforderungen und Bedenken in dieser Phase daher sehr gut und sind überzeugt, dass in den nächsten Monaten und Jahren – beschleunigt durch die aktuelle Situation – viele weitere Unternehmen den ersten Schritt in Richtung Roboter und Automatisierung nehmen werden. Dabei ist es wichtig, die richtigen Prozesse zu automatisieren, Kosten zu minimieren und auf Standards zuzugreifen, die wir mit unserer langjährigen Erfahrung beisteuern können

Abgesehen von der Corona-Thematik: Welche neuen Technologien stehen von Kawasaki Robotics in den nächsten 12 Monaten an?

Stumpf: Im Herbst 2020 bringen wir in Europa den Kawasaki Robotics RS013N auf den Markt. Der Allzweckroboter trägt bis zum 13 kg ist unter anderem für Handling- und Beschickungsaufgaben in zahlreichen Branchen entwickelt worden. In puncto Geschwindigkeit und Bewegungsbereich ist er derzeit der Beste seiner Klasse. Mit einer Kabelführung durch den Arm und einer IP67 Zertifizierung für den gesamten Roboter ist er besonders flexibel einsetzbar. Neben neuer Hardware stehen für uns in den nächsten Monaten insbesondere Dienstleistungen und Softwarelösungen im Fokus, darunter vor allem der Kawasaki Trend Manager. Auf der iREX in Tokio vor wenigen Monaten wurde eine überarbeitete Version unserer Predictive Maintenance Tools präsentiert, ebenso wie eine webbasierte Variante. So haben nicht nur unsere Kunden selbst zentrale Daten, Wartungsintervalle etc. stets im Blick, sondern bei Bedarf auch unser Serviceteam, egal wann und wo. So bleiben Planungssicherheit und eine sichere Produktion gewährleistet – in diesen Zeiten definitiv Faktoren, die weltweit wichtiger denn je geworden sind.

Kawasaki Robotics

www.kawasakirobot.de


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