Produktionsforscher Professor Hans-Jürgen Warnecke verstorben

Fraktale Fabrik: Smart-Factory-Vordenker Warnecke ist tot

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Zu den wissenschaftlichen Kernthemen von Hans-Jürgen Warnecke zählte neben der fraktalen Fabrik als Vorläufer der Industrie 4.0 vor allem die Automatisierung durch den Einsatz von Industrierobotern. Bild: Fraunhofer
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Professor Hans-Jürgen Warnecke (ehemaliger Lehrstuhlinhaber des Instituts für Industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb (IFF) der Universität Stuttgart sowie langjähriger Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung IPA) ist in der Nacht vom 19. auf den 20. März 2019 nach längerer Krankheit verstorben. Der Altpräsident der Fraunhofer-Gesellschaft wurde 84 Jahre alt.

Zu den wissenschaftlichen Kernthemen von Professor Warnecke zählte vor allem die Automatisierung durch den Einsatz von Industrierobotern. Im Jahr 1992 fasste Hans-Jürgen Warnecke seine Erfahrungen und Gedanken zur Unternehmensführung und zur Organisation von Fabrikbetrieben in dem Buch „Die Fraktale Fabrik“ zusammen, das in Wissenschaft und Wirtschaft große Aufmerksamkeit und internationale Anerkennung erlangte.

Warneckes Vision der fraktalen Fabrik ist letztlich ein visionärer Vorgriff auf das, was heute unter Industrie 4.0 diskutiert wird. Denn das Modell der fraktalen Fabrikbedient sich natürlicher Systeme als Vorbild. Die Fabrik besteht aus dezentralen Strukturen mit kleinen Regelkreisen für die intensive Kommunikation zwischen den Subsystemen der Fabrik.

Fraunhofer-Präsident Prof. Reimund Neugebauer: „Das Konzept der Fraktalen Fabrik, das Hans-Jürgen Warnecke in den frühen 90er Jahren des letzten Jahrhunderts vorgestellt hat, ist nach wie vor hochaktuell und sinnstiftend für viele produzierende Unternehmen. Die visionäre Kraft dieses Organisationsmodells zeigt sich noch heute deutlich in vielen Veränderungsprozessen auf dem Weg zu agilen und flexiblen Produktionsstrukturen.“

Hans-Jürgen Warnecke war 1970 einem Ruf der Universität Stuttgart gefolgt und übernahm als ordentlicher Professor die Leitung des Lehrstuhls für Industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb sowie 1971 auch die Leitung des Fraunhofer IPA in Stuttgart. Unter Warneckes Führung entwickelte sich das Fraunhofer IPA zu einem der größten und erfolgreichsten Fraunhofer-Institute. 1981 wurde aus der Hauptabteilung Arbeit und Organisation des IPA das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO unter Leitung von Prof. Hans-Jörg Bullinger gegründet.

Auch als Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft setzte Warneckes Impulse. In seiner Amtszeit als Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft in den Jahren 1993 bis 2002 verdoppelte sich das Gesamtbudget der Forschungsorganisation auf eine Milliarde Euro. Warnecke setzte in dieser Zeit auf eine stärkere Zusammenarbeit mit der Wirtschaft: Der Anteil der Wirtschaftserträge erhöhte sich von 28 auf 40 Prozent.

Prof. Hans-Jürgen Warneckes Wirken wurde mit vielen Auszeichnungen, Preisen und Ehrungen im In- und Ausland gewürdigt und in der Öffentlichkeit bekanntgemacht. Hierzu gehören mehrere Ehrendoktorwürden und Ehrenprofessuren von in- und aus-ländischen Universitäten, die Verleihung des VDI-Ehrenrings und des VDI-Ehrenzeichens, des Niedersächsischen Verdienstordens, der Verdienstmedaille des Landes Ba-den-Württemberg, des Bayerischen Verdienstordens, des Ehrenrings der Eduard-Rhein-Stiftung, der Grashof-Gedenkmünze des VDI sowie die Verleihung des Großen Bundesverdienstkreuzes.

„Prof. Warnecke war Lehrer, Forscher, Manager und Mentor in einer Person. Kaum jemand hat die Verbindung von Wissenschaft und Lehre sowie zur Wirtschaft so be-herrscht wie er. Nun ist dieses verdienstvolle Leben zu Ende gegangen. Sein Werk lebt über seine Schüler und Mitarbeiter weiter, von denen heute viele in der Industrie und in der Wissenschaft Verantwortung tragen“, so Prof. Thomas Bauernhansl, Institutsleiter des Fraunhofer IPA. „Wir werden Prof. Hans-Jürgen Warnecke immer ein ehrendes An-denken bewahren.“

www.ipa.fraunhofer.de

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