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Hahn Group: „Wir sind bereit für Production as a Service“; Interview: Philipp Unterhalt, CEO, Hahn Group

Interview: Philipp Unterhalt, CEO, Hahn Group
„Wir sind bereit für Production as a Service“

Seit April 2021 ist Philipp Unterhalt neuer CEO der Hahn Group. Im Gespräch verrät er, wie die Hahn Group heute aufgestellt ist, welche Technologien besonders im Fokus stehen und wohin die weitere Reise geht.

Interview: Armin Barnitzke

Die Hahn Group hat in den letzten Jahren enorm expandiert: Sie haben Invotec, Waldorf Technik und Geku zugekauft, Rethinks Cobot-Technologie übernommen, sich an REI Automation, Orwin, Ruhrbotics und Dahl Automation beteiligt und viele neue Standorte eröffnet. Warum? Was ist das Ziel?

Unterhalt: Wir bauen die Hahn Group als global aufgestellten Automationsverbund auf, bei dem Kunden aus verschiedenen Industrien alle relevanten Technologien finden, um ihre Produktion zu automatisieren. Mit den genannten Expansionen ist es uns gelungen, Expertise und Know-how in unterschiedlichen Branchen aufzubauen und uns stark zu internationalisieren. Durch die Verbindung unserer Kompetenzen und Kapazitäten sind wir in der Lage, auch sehr große Projekte zu übernehmen und für unsere Kunden als Generalunternehmer aufzutreten. Damit – und natürlich auch mit unseren digitalen Lösungen – sind wir Entwicklungspartner unserer Kunden für die Smart Factory der Zukunft.

Welche Branchen und Anwendungen adressieren Sie vor allem?

Unterhalt: Wir konzentrieren uns auf die Branchen Automotive, Healthcare, Electronics und Consumer Goods, in denen wir mehr als 90 Prozent unserer Umsätze realisieren. Hier decken wir alle notwendigen Themen und Technologien ab: vom Handling, über Montage-, Prüftechnik und Verpackung bis zur Produktionslogistik und Digitalisierung.

Können Sie das an einem Beispiel verdeutlichen?

Unterhalt: Gerne. Wir haben für einen Kunden aus dem Healthcare-Bereich unlängst eine große Spritzenautomation fertiggestellt. In dieser kommen die Entnahme und die Kavitäten-Sortierung von Waldorf Technik, die Plasmabehandlung von Walther Systemtechnik, die Montage von Hahn Automation, die Logistik mit mobilen Robotern von Hahn Robotics zusammen und alles wird mit einer digitalen Lösung von Hahn Digital überwacht. Der Kunde hat also einen Ansprechpartner und Lieferanten. Und bei Bedarf könnten wir auch die Beschaffung von Spritzgussmaschine und Werkzeug übernehmen.

Und wohin soll die Reise der Hahn Group noch gehen?

Unterhalt: Wir haben in der Corona-Krise gesehen, wie stark unsere Strategie der Diversifizierung trägt. So konnten wir dank guter Aufträge von Kunden aus dem Bereich Healthcare selbst 2020 ein positives Ergebnis ausweisen und haben 2021 eine starke Erholung gesehen. Wir werden unter dem Motto „Grow Together“ sowohl weiter profitabel wachsen als auch die Unternehmen noch enger miteinander verzahnen. Dafür bauen wir unsere Standorte weiter aus, sehen aber auch in Asien und in Nordamerika große Wachstumsmöglichkeiten. Neben den regionalen Aspekten haben wir aber natürlich insbesondere technologische Entwicklungen im Fokus.

Nämlich?

Unterhalt: Wir bauen unsere Prozess- und Produktionsprüftechnik-Kompetenzen in den neuen Produktfeldern Batteriesysteme und Brennstoffzellentechnik aus. Auch im Zukunftsfeld Produktionslogistik sehen wir große Chancen und natürlich bieten sich mit der Digitalisierung ganz neue Möglichkeiten für zusätzliche Geschäftsmodelle. So laufen die ersten Kundenprojekte als „Production as a Service“.

Was meinen Sie mit Production as a Service?

Unterhalt: Wir sehen in der Produktion einen starken Bedarf an steigender Flexibilität. Mit Production as a Service arbeiten wir aktuell an zwei Pilotprojekten, sowohl im Automobil- als auch im Diagnostikbereich. Production as a Service ermöglicht unseren Kunden dabei die dramatische Reduktion von Capex, eine hohe Prozesssicherheit und eben die Flexibilität, die sie sich wünschen.

Welche Rolle spielt Hahn Digital beim Thema Production as a Service ?

Unterhalt: Wir wissen, dass Weltklasse-Maschinenbau allein langfristig nicht reicht, um die Smart Factories der Zukunft auszurüsten. Hahn Digital ist daher zunächst einmal unsere Plattform, um digitale Ideen, Produkte und Services zu entwickeln und auszuprobieren. Dies geschieht abseits vom Druck des Tagesgeschäftes, wird dann aber natürlich in unseren Anlagen getestet und auf die Bedürfnisse unserer Kunden zugeschnitten. So konnten wir ein ganzes Portfolio an digitalen Dienstleistungen entwickeln, die beispielsweise die Datenmengen, die Roboter, Aktuatoren und Sensoren produzieren, für unsere Kunden nutzbar machen. In der Summe sehen wir ein verstärktes Interesse unserer Kunden, sich dem Thema Digitalisierung der Produktion zu öffnen. Und da wir schon früh in Digitalisierung investiert haben, sind wir heute auf diesem Gebiet auch führend.

Abgesehen von Digitalisierung – was sind für Sie gerade wichtige Trends?

Unterhalt: Mobile Robotik ist beispielsweise eine sehr interessante Technologie. Die Integration von AMRs und AGVs reduziert Laufwege für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und mildert so die Folgen des Fachkräftemangels ab. Für uns als Hahn Group ist es aber noch wichtiger, die Technologie im Kontext unserer Gesamtkompetenz zu betrachten. Was meine ich damit? Durch die Verbindung mobiler Robotik etwa mit Übergabeprozessen, (De-)Palletierung, dem Griff in die Kiste und Handlings können wir die ganze Breite automatisierter Produktionslogistik anbieten.

Sie selbst sind ja seit April 2021 CEO der Hahn Group. Hahn-Gründer Thomas Hähn führt nun die United Robotics Group. Was ist die Idee hinter der United Robotics Group?

Unterhalt: Wir haben erkannt, dass es in der Service-Robotik ein riesiges Potential gibt. Dieses Segment steckt noch in den Anfängen und es gibt keinen europäischen Hersteller, der sich diesem spannenden Thema ganzheitlich widmet. Um den Cobot-Spezialisten Rethink Robotics herum haben wir daher unter der Marke United Robotics Group verschiedene Unternehmen und Technologien in einem Portfolio vereint. Mit der Ausgründung legen wir den Fokus auf Anwendungen außerhalb der Industrie, zum Beispiel in Gastronomie- und Concierge-Services, aber auch im Labor oder in der Pflege. Thomas Hähn vertritt neben seiner Rolle als operativer CEO der United Robotics Group übrigens in einer übergreifenden Holding nach wie vor die beiden Schwesterunternehmen Hahn Group und United Robotics Group.

Gibt es bei der United Robotics Group auch Synergien mit der Hahn Group? Oder geht es eher um komplett neue Anwendungsbereiche?

Unterhalt: Die Anwendungen und Kundenwünsche in Krankenhaus, Labor, Hotel oder Restaurant sind denen im produzierenden Gewerbe, in dem die Hahn Group zu Hause ist, nur teilweise ähnlich. Und trotzdem gibt es natürlich Synergien, die wir intensiv nutzen. So erweitern wir damit unsere globale Präsenz. Gerade im Bereich Service-Robotik werden zudem neue Softwareplattformen und auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz stark vorangetrieben. Diese Erfahrungen werden wir in unsere Industrielösungen übertragen. Nicht zuletzt freuen wir uns als Hahn Group natürlich schon sehr auf die Neuentwicklung des Cobots von Rethink Robotics, den wir aufgrund seiner innovativen Parameter auch sehr gerne in unseren Anlagen einsetzen möchten.

Im Februar 2022 haben Sie Frank Konrad als CTO/COO in die Geschäftsführung der Hahn Group berufen. Welche Aufgaben wird er dort übernehmen? Und was bedeutet Frank Konrads Berufung für die Führung der Hahn Automation, dessen CEO Frank Konrad bis dato war?

Unterhalt: Frank Konrad wird als CTO/COO der Hahn Group die Bereiche Innovation und Entwicklung, Engineering und Software, Prozesse und Projektmanagement sowie den Einkauf verantworten. Damit rüstet sich die Hahn Group für die großen Potenziale bei innovativen Projekten in den Bereichen Automotive, Diagnostics und Medical Devices sowie Electronics. Mit diesem Schritt wird die Gruppe die Integration ihrer Tochterunternehmen beschleunigen, um sich für das geplante Wachstum solide aufzustellen. Wir haben ambitionierte Pläne und legen dafür aktuell die Grundlagen. Dass Frank Konrad weiterhin die Hahn Automation führt, ist Zeichen unserer Integrationsstrategie. Wir haben kein Interesse daran zusätzliche Overheads zu kreieren, sondern wollen agil und schlagkräftig bleiben.

Hahn Group GmbH

www.hahn.group


Drei Erfolgsfaktoren für die Transformation

Damit bei Hahn die Transformation zu einer expandierenden High-tech-Gruppe gelingt, sind laut Philipp Unterhalt drei Faktoren erfolgskritisch:

  • Erstens muss der Übergang vom unternehmergeführten Familienbetrieb zum Industrieunternehmen gelingen. „Dies erfordert eine strukturierte und dokumentierte Prozesslandschaft, die Leistung und Wachstum der Organisation unabhängig von einzelnen Köpfen skalierbar ermöglicht“, so Unterhalt. Im Zusammenspiel mit einer homogenen – zumindest vernetzten – Systemlandschaft befähigt das die Unternehmen dann auch zum nächsten Wachstumsschub. Unterstützungsprozesse, wie IT, Marketing, Lohnabrechnung, Buchhaltung, etc. werden dabei zentral von der Hahn Group bereitgestellt, damit sich das Unternehmen voll auf das operative Geschäft konzentrieren kann.
  • Zweitens ist bei der Nachfolgeplanung der kulturelle Aspekt erfolgskritisch. Unterhalt: „Die Gründer und langjährigen Geschäftsführer haben ihre Unternehmen geprägt. Wir machen schon bei der Auswahl von potenziellen Zukäufen die gleiche Wellenlänge und ein solides Wertegerüst zur ausschlaggebenden Voraussetzung. „Dementsprechend liegt unser Augenmerk bei der Auswahl des richtigen Nachfolgers nicht nur auf der technischen und kommerziellen Expertise, sondern viel mehr auf den persönlichen Eigenschaften als Mensch und Führungspersönlichkeit.“
  • Drittens ist für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie für unsere Kunden die Kontinuität und Verlässlichkeit der wichtigste Aspekt. Dies gelingt regelmäßig, in dem wir zum Beispiel die neue Führung aus den eigenen Reihen entwickeln können oder indem die ehemaligen Geschäftsführer die Hahn Group gar nicht verlassen, sondern in neuer Rolle oder Beiratsfunktion das Unternehmen weiter begleiten.

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