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Dr. Georg Baumann: Mit Tradition zur Automation

Baumann Automation: Maschinenbau und Robotik statt Emaille-Imperium
Dr. Georg Baumann: Mit Tradition zur Automation

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Dr. Georg Baumann hat eine spannende Geschichte: Als Spross einer erfolgreichen Emaille-Dynastie hat er mit Baumann Automation ein weltweit tätiges Maschinenbau- und Robotik-Unternehmen aufgebaut. Mit Umbrüchen weiß er umzugehen.

Autor: Armin Barnitzke

Wenn man Dr. Georg Baumann in Amberg besucht, merkt man gleich: Hier trifft man nicht nur einen leidenschaftlichen Maschinenbauer, sondern auch einen weltoffenen Menschen, der sich stark für Kunst und Kultur interessiert. Das beginnt bei den architektonisch beeindruckenden Firmenhallen (eine Fassade hat sogar ein Kunstprofessor gestaltet) bis zum Besprechungszimmer an dessen Wand eine Leuchtinstallation verkündet: „No guts, no glory“ – also „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“.

Etwas zu wagen, um zu gewinnen – das passt prima zur ganzen Geschichte von Dr. Georg Baumann, der in über 35 Jahren ein weltweit erfolgreiches Robotik- und Maschinenbau-Unternehmen aufgebaut hat. Heute macht Baumann Automation rund 100 Millionen Umsatz und beschäftigt 630 Mitarbeiter allein am Standort Amberg. Rund 120 Mitarbeiter arbeiten am Produktionsstandort in Mexiko. Hinzu kommen Servicestützpunkte in China, Rumänien, Taiwan, Philippinen sowie USA.

Dynastie von Emaille-Industriellen

Dabei liegen die Wurzeln der Familie Baumann gar nicht in Maschinenbau und Robotik: Dr. Georg Baumann ist Spross einer einst sehr erfolgreichen Dynastie von Emaille-Industriellen in Amberg. Und auf diese Geschichte ist er durchaus stolz, denn mit großer Akribie und Begeisterung für die Familien- und Industriegeschichte pflegt er nebenbei eine Webseite, die die Entwicklung der Baumannschen Familienfirma lebendig hält: www.gebruederbaumann.de.

Als junger Mann war er Anfang der 1980er-Jahre sogar ein Jahr lang Teilhaber im familieneigenen Betrieb. „Die Situation im Emaille-Werk der Familie war allerdings schwierig, also bin ich nach einem Jahr als technischer Geschäftsführer ausgeschieden“, berichtet Dr. Georg Baumann. Kurz nach dem Ausscheiden musste er dann auch das Ende des Emaille-Unternehmens miterleben, das um die Jahrhundertwende immerhin 2900 Mitarbeiter beschäftigte.

Nach seinem Ausstieg aus der Familienfirma war es für Dr. Georg Baumann von Anfang klar, dass er ein eigenes Unternehmen startet. „Denn meine Familie war schon immer selbstständig – die Baumänner waren über viele Generationen Handwerker.“ Also hat er 1984 (ein Maschinenbaustudium samt Promotion am Lehrstuhl für Konstruktion in der Tasche) ein Gründerdarlehen über 50.000 DM aufgenommen, ein Zeichenbrett und einen VW Golf als Firmenwagen gekauft und mit einem Konstruktionsbüro begonnen.

Robotik plus Software

„Zunächst haben wir alles Mögliche konstruiert und alle Aufträge angenommen“, erinnert sich Dr. Georg Baumann. Aber irgendwann bestehe die Gefahr, sich zu verzetteln. „Daher habe ich mich ab 1990 mit der Firma auf die Robotik konzentriert, denn die Robotik hatte mich schon immer interessiert.“ Zudem hatte Dr. Georg Baumann schon immer einen starken IT-Bezug. Und so wurde die Robotertechnologie im Zusammenhang mit flexibler Automations-Software zur Kernkompetenz des Unternehmens.

Und das ist bis heute der Schwerpunkt von Baumann Automation: „Die Hälfte unserer Ingenieure beschäftigt sich mit Software, Steuerungstechnik und Elektronik“, berichtet Dr. Georg Baumann. Auf dieser Basis entwickelt und produziert Baumann Automation auf einer Büro- und Produktionsfläche von ca. 20.000 m² schlüsselfertige Automationssysteme − von der einzelnen Roboterzelle bis zur komplett automatisierten Produktionslinie. Mehr als 4000 Roboterzellen und Fertigungsanlagen sind bei Kunden in 22 Ländern weltweit im Einsatz.

Dabei setzt Baumann stark auf einen Baukasten aus flexiblen und skalierbaren Basisplattformen – darunter standardisierte Roboterzellen wie die Robox oder die Feedbox. „In diesem Baukasten finden unsere Kunden eine sehr große Bandbreite an Fertigungsverfahren, Montagesystemen, Handlings-Lösungen und Testanlagen, die nach dem Baukastenprinzip in Fertigungslinien integriert werden können“, sagt Dr. Georg Baumann.

Roboter als Basis

Die Robotik ist dabei stets Dreh- und Angelpunkt der Baumann-Anlagen: „Wir verbauen zwar auch Kuka, aber meistens nutzen wir Roboter von Stäubli – weil die Genauigkeit der Stäubli-Roboter gut zu unseren Anlagen passt. Zudem haben wir die Stäubli-Roboter tief integriert in die Steuerungstechnik unserer Anlagen.“ Denn die Software und Steuerungstechnik für seine Anlagen entwickelt Baumann stets selbst. „Für Industrie 4.0 sind wir daher gut aufgestellt“, betont Dr. Georg Baumann. „Alle unsere Anlagen sind an die Leitrechner unserer Kunden angebunden.“ Zudem beschäftige man sich in speziellen Arbeitsgruppen sehr intensiv mit Zukunftsthemen wie KI und vorausschauender Wartung.

Die nötigen Fachkräfte bekommt Baumann Automation vor allem aus der Region. „Wir bilden stark selbst aus und haben über 70 Auszubildende“, so Dr. Georg Baumann stolz. Gute Noten seien dabei gar nicht so wichtig. „Viel wichtiger ist das technische Verständnis. Wenn der Azubi nur ein mittelmäßiger Schüler ist, aber gerne am elterlichen Traktor herumschraubt, dann ist er genau der richtige für uns.“ Zudem pflegt Baumann Automation enge Verbindungen zur örtlichen Hochschule. „Ohne die Technische Hochschule Amberg Weiden würde es uns in dieser Form nicht geben – das ist die Quelle für unsere Ingenieure“, lobt Dr. Georg Baumann.

Starker Fokus auf Automotive

Die Abnehmerbranchen für die Baumann-Anlagen haben über die Jahre gewechselt. Zu Beginn hat Dr. Georg Baumann vor allem große Automationsanlagen für die Handy Produktion wie für Siemens gebaut. Als die Handy-Produktion sich nach Asien verlagerte, kamen dann in Amberg die Automobil- und Automotive-Zulieferer dazu. Heute ist die Automobilbranche ein wichtiger Schwerpunkt, neben Elektronik und Weißwaren-Industrie. Dr. Georg Baumann: „Rund ums Automobil machen wir drei Viertel unseres Umsatzes – vor allem mit Montage- und Prüfanlagen für Sensorik und Steuerungstechnik.“

Auch die Solarindustrie war mal richtig stark bei Baumann Automation. „Doch dann kam die Solar-Krise und die Umsätze gingen innerhalb eines halben Jahres von 30 Millionen auf null zurück. Zum Glück konnten wir das auffangen mit Automotive-Aufträgen“, berichtet Dr. Georg Baumann. Diese Umbrüche sieht er aber eher als Chance: „Wir müssen immer wandlungsfähig sein. Wir agieren als Dienstleister und bauen diejenigen Maschinen, die der Kunde von uns haben möchte.“

Elektromobilität im Fokus

Derzeit ist für Baumann Automation die Elektromobilität ein großes Thema. „Hier wird viel investiert. Daher bauen wir viele Anlagen für Batteriemontage und -prüfung. Für uns ist es sehr wichtig, dass wir bei dem Zukunftsthema E-Mobilität mit dabei sind“, so Dr. Georg Baumann. Deshalb hat sich Baumann Automation auch Anfang 2020 mehrheitlich am Unternehmen Solin in München beteiligt. Solin entwickelt Testsysteme für die Produktion und Prüfung von Komponenten des elektrischen Antriebsstrangs.

„Wir sehen in der Batterie-Prüftechnik ein großes Feld für die Zukunft und freuen uns, mit Solin einen erfahrenen Partner gefunden zu haben, der unsere Position mit seinem Prozess-Knowhow weiter stärkt“, so Dr. Georg Baumann. Und man sei durchaus offen für weitere Zukäufe, wenn es denn passt. „Da wir keine Bankverbindlichkeiten haben, wird das alles aus Eigenmitteln finanziert“, betont Dr. Georg Baumann. Einen Großteil der Gewinne belässt die Eigentümerfamilie in der Firma für Investitionen.

Operatives Geschäft abgegeben

Aus dem operativen Geschäft hat sich Dr. Georg Baumann weitgehend zurückgezogen. Das überlässt er dem kaufmännischen Geschäftsführer Karl Ebnet sowie dem technischen Leiter Stefan Rauch – beides gestandene Oberpfälzer, die schon vor 23 Jahren bei Baumann angefangen haben. Dr. Georg Baumann selbst kümmert sich um strategische Dinge. Zudem übernimmt er übergreifende Aufgaben, die auch die anderen Firmen des Baumann-Firmenverbundes betreffen – Dinge wie eine Digitalstrategie.

Denn neben dem Maschinenbauer Baumann Automation gehören der Familie Baumann noch ein Handel mit Maschinenbau-Komponenten (Syskomp in Amberg), eine Firma für visuelle Leitsysteme (Orgatex in Düsseldorf) und Finetech in Berlin, welche hochpräzise Maschinen für die Elektronikindustrie herstellt. Die Gruppe macht mit 1200 Beschäftigten rund 210 Millionen Umsatz. Passenderweise hat Dr. Georg Baumann vier Kinder, die künftig die Leitung der vier Firmen übernehmen sollen. „Drei der vier sind schon in den Schwesterfirmen der Baumann Automation aktiv und der jüngste, der mit 22 gerade sein Maschinenbaustudium abschließt wird über kurz oder lang bei Baumann Automation einsteigen“, berichtet Dr. Georg Baumann

Zukunft im Blick

Daher ist Dr. Georg Baumann ganz und gar nicht traurig ist, dass er das Emaille-Werk der Familie nicht weitergeführt hat. „Es war mein großes Glück, dass ich austeigen musste“, lacht er. Die Emaille-Geschichte der Familie beschäftigt ihn trotzdem weiter. So hat er auch zum 35jährigen Jubiläum von Baumann Automation als Geschenk an die Besucher einen eigens gestalteten Emaille-Becher verteilt. Und es bleibt natürlich auch das Lebendighalten der Familiengeschichte.

Auch sonst hat Dr. Georg Baumann, neben Kunst und Geschichte, eine Menge anderer Hobbies, den 3D-Druck beispielsweise. Langweilig wird es ihm also nie. Und so ist dem munteren 65-Jährigen auch nicht bange vor der Zeit, wenn er aus dem Geschäftsleben aussteigt – spätestens mit 70. Dr. Georg Baumann: „Mit 70 darf man nicht mehr an der Spitze stehen – mit 65 ist es ja schon schwierig, nicht zu bewahrend zu sein, sondern sich Umbrüchen zu stellen.“

Baumann GmbH

www.baumann-automation.com/de

Oskar-von-Miller-Straße 7

92224 Amberg


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