Interview: Jörg Reger, Leiter des Geschäftsbereichs Robotik & Fertigungsautomation, ABB Deutschland

„ABB-Roboter werden mit B&R-Plattform verbunden“

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Was bedeuten Trends wie Kollaboration, Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und integrierte Automation für den Roboter-Bereich von ABB? Das verrät Jörg Reger, Geschäftsführer ABB Automation GmbH.

Autor: Armin Barnitzke

Was sind derzeit wichtige strategische Themen für den Roboter-Bereich von ABB?

Reger: Wir beobachten vor allem drei Trends: zunehmende Flexibilisierung, Digitalisierung und Kollaboration. Wir bieten Kunden daher ein voll integriertes Angebot im Bereich Robotik. Von Design und Produktion, über die Datenanalyse bis hin zur Wartung können wir alles liefern, um Fabriken intelligenter und effizienter zu machen.

Was dürfen wir hier noch an Innovationen erwarten?

Reger: Eine Schlüsseltechnologie, um die digitale Transformation voranzutreiben, ist sicher der Digitale Zwilling. Durch den Digitalen Zwilling gelingt es, die Inbetriebnahme von Tagen auf Stunden und Umrüstzeiten von Stunden auf Minuten zu verkürzen. Denn sämtliche Vorgänge und Prozesse in der Produktion können so vollständig simuliert werden. Und das schon, bevor das erste Produkt produziert wird. Fehler werden so vermieden, Engpässe frühzeitig erkannt und Planungsphasen deutlich verkürzt.

2018 kündigten Sie einen maßgeschneiderten Designansatz für das ABB-Portfolio von Roboterlösungen an, um es einfacher an eine größere Bandbreite von Anforderungen anpassen zu können. Wie sieht der Designansatz aus?

Reger: Richtig. Wir haben auf der Automatica 2018 einen neuen Designansatz für unser Robotikportfolio angekündigt. ABB setzt dabei auf konfigurierbare, gemeinsame Schnittstellen und Bausteine, die sich zu individuellen Lösungen kombinieren lassen. Auf Basis unseres modularen Ansatzes werden wir unser Angebot kontinuierlich verbessern und um weitere Robotertypen und -varianten ergänzen. Erste Bausteine unseres modularen Ansatzes sind die Omnicore Controller-Serie, der neue Scara-Roboter sowie ein einarmiger Yumi. Und in diesem Jahr werden noch mehrere Robotervarianten dazukommen.

Bauen Sie in Sachen Kollaboration eher die Cobot-Schiene um Yumi aus? Oder setzen Sie eher auf Industrieroboter mit Safemove?

Reger: Kollaboration bedeutet für jeden Kunden eine andere Herausforderung. ABB bietet daher ein breites Portfolio an kollaborativen Automatisierungslösungen an. Dazu zählen neben dem Cobot Yumi auch Industrieroboter, die mit der sicherheitszertifizierten Überwachungs- und Steuerungssoftware Safemove2 ausgestattet sind. SafeMove2 kann jeden ABB-Industrieroboter zu einem kollaborativen Roboter machen, sogar unseren IRB 8700, der eine 800 kg schwere Karosserie heben kann.

Welche Rolle spielen KI und Machine Learning für ABB im Roboter-Bereich?

Reger: Bereits heute stehen Roboterdaten und Analysemethoden zur Verfügung, die die Effizienz eines Roboters steigern und eine höhere Zuverlässigkeit garantieren. Außerdem lassen sich Prozesse durch Echtzeit-Datenanalysen optimieren. ABB Ability Connected Services verwenden beispielsweise Cloud-basierte Analysen, um die Leistung einzelner Roboter oder ganzer Flotten zu untersuchen, miteinander zu vergleichen und diejenigen zu identifizieren, die unterdurchschnittlich abschneiden oder gewartet werden müssen. Ein anderes Beispiel ist der Ability Connected Atomizer, der erste vernetzte, mit Sensoren ausgerüstete Zerstäuber für Lackierroboter, der eine intelligente Echtzeit-Diagnose und präzise Farbsteuerung zur Optimierung der Lackierqualität ermöglicht.

Und in Zukunft?

Reger: In Zukunft wird die statistische Analyse von Prozessdaten aus einer Zelle oder Linie immer wichtiger. Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen ermöglichen es, gesammelte Daten in nützliche Informationen umzuwandeln. Sie identifizieren komplexe Muster, sammeln Erfahrungen und nutzen diese, um die Prozesse kontinuierlich zu optimieren. Beispiele dafür sind Erkennung und Identifikation von Objekten, die Suche nach optimalen Kommissionierungsvektoren oder die effiziente Zusammenstellung von Teilen.

Seit 2017 gehört B&R zum ABB-Konzern: Welche Rolle spielen B&R-Technologien für die ABB-Vision der Fabrik der Zukunft?

Reger: B&R-Produkte wie intelligenten Transportsysteme und das vollständig integrierte Vision-System spielen für die Fabrik der Zukunft eine entscheidende Rolle. Auf der Hannover Messe haben wir zum Beispiel eine gemeinsame Lösung von ABB und B&R für die Fabrik der Zukunft gezeigt: In einer Montagezelle arbeiteten kollaborative ABB-Yumi-Roboter mit dem flexiblen Transportsystem Supertrak von B&R zusammen, um Armbanduhren in Losgröße 1 zusammenzusetzen. Die Roboter stellen die Präzision bei der Montagearbeit sicher, während das flexible Transportsystem den zeitgerechten Transport aller Teile von einer Station zur nächsten koordiniert.

Wo gibt es Synergien für den ABB-Roboter-Bereich mit B&R-Technologien?

Reger: Durch die Kombination von Maschinen- und Fabrikautomation mit Roboterlösungen und unserer Digital-Plattform ABB Ability bieten wir unseren Kunden einen One-Stop-Shop, um die flexible Fabrik der Zukunft zu gestalten. Ein Beispiel: Früher konnten Füllmaschinen nur eine bestimmte Anzahl von Flaschen einer Art von Shampoo pro Minute befüllen; heute können dieselben Flaschen mit einer anderen Art von Shampoo für jede Flasche bei gleicher Geschwindigkeit befüllt und individuell gestaltet werden. Dies ist nur durch die Kombination von ABB-Robotern und Maschinenautomation möglich.

Wird es auch eine integrierte B&R-Maschinensteuerung geben, die ABB-Roboter direkt ansteuert?

Reger: B&R hat eine Plattform, mit der Roboter nahtlos in eine mit B&R-Software automatisierte Maschine integriert werden. Der Kunde wählt einfach in der B&R-Automatisierungs-Software den jeweiligen Roboter aus und kann diesen mithilfe von mapp Technology ganz einfach in die Maschinenautomatisierung integrieren und perfekt synchronisieren. Eine ähnliche Lösung streben wir für die Integration von ABB-Robotern an.

ABB Robotics

www.abb.de/robotics; SPS Halle 4, Stand 420


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