IDS-Gründer Jürgen Hartmann im Portrait: mit USB-Kameras zum Erfolg Ein Wandler mit Vision

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IDS-Gründer Jürgen Hartmann im Portrait: mit USB-Kameras zum Erfolg

Ein Wandler mit Vision

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Mit einem Gespür für die Industrialisierung von Consumer-Technologien sowie einer großen Wandlungsbereitschaft hat Jürgen Hartmann seine Firma IDS als Kameragröße etabliert. Nun steht mit der Digitalisierung der nächste Schritt an – aber Wandel ist er ja gewohnt. Autor: Armin Barnitzke

In 20 Jahren hat Jürgen Hartmann IDS von einer 2-Mann-Firma zu einem führenden Hersteller digitaler Industriekameras mit über 220 Mitarbeitern entwickelt. Dabei hatte er mit industrieller Bildverarbeitung zunächst gar nichts am Hut. „Nach der Schule hatte ich zunächst Elektriker gelernt. Mit dem Gedanken eines Studiums habe ich mich erst spät beschäftigt“, so Hartmann. Über das Studium erhoffte er sich den Einstieg in die Automobilindustrie: „Das war meine Motivation zu studieren: Ich wollte Autos bauen.“

Also hat er an der Hochschule Heilbronn Elektronik studiert. Nur: Als er 90/91 fertig war, lag die Automobilindustrie am Boden und bei den Automobilherstellern herrschte Mangel an freien Stellen. Da traf es sich gut, dass Hartmann 1988 im Rahmen einer Laborarbeit erstmalig mit der Bildverarbeitung, genauer gesagt mit Software zur Formenerkennung, in Kontakt gekommen war. „Da habe ich mich mit der Leidenschaft für Video und Bilder infiziert.“
Nach Beendigung seines Studiums begann er daher in der deutschen Niederlassung des US-Spezialisten Data Translation als Applikationsingenieur für Messtechnik und Bildverarbeitung. In der kundennahen Tätigkeit merkte er recht bald, dass die deutschen Kunden, insbesondere die Maschinenbauer, oft kleine Anpassungen benötigten. Daher reifte in ihm die Idee, sich mit angepassten Bildverarbeitungslösungen selbstständig zu machen.
Zusammen mit dem Ingenieur Armin Vogt, den er von der Hochschule Heilbronn kannte, gründete Jürgen Hartmann das Unternehmen IDS. „Unsere Geschäftsidee war es eigentlich, Software für die Industrieautomation zu entwickeln, um Bildverarbeitung in die Fertigungslinien zu integrieren“, erinnert sich Jürgen Hartmann. „Allerdings hatte ich sehr schnell das Gefühl: Das wird nix. Jedenfalls werden wir mit Software nicht so schnell Erfolg haben wie nötig.“
Entscheidungen stets hinterfragen
Schließlich hatte Hartmann zu diesem Zeitpunkt bereits eine Familie mit zwei Jungs, die es zu ernähren galt. „Hier hat sich zum ersten Mal eine meiner Grundeigenschaften gezeigt, dass ich meine Entscheidungen immer hinterfrage und nicht nur stur einem einmal eingeschlagenen Weg folge“, berichtet Hartmann. Daher konzentrierte er seine Energie auf eine Hardware-Idee, die ihm beim Lesen der Computerzeitschrift C‘t gekommen war. „Dort wurde in einem Artikel ein neuer Elektronikbaustein beschrieben, der einen kompletten Framegrabber in einen Chip packte und damals in TV-Tuner-Einsteckkarten für PCs eingebaut wurde.“
Hartmann hatte die Idee, auf Basis dieses Chips PC-Einsteckkarten für die industrielle Bildverarbeitung zu entwickeln. „Zumal der Chip für den Consumermarkt gedacht war, also entsprechend in großen Stückzahlen und zu günstigen Preisen zu Verfügung stand.“ Auf der Cebit 1997 machte er sich auf die Suche nach einem Hersteller von PC-Karten und wurde bei einem taiwanesisch/amerikanischem Unternehmen fündig. „Für dessen Karten haben wir die passende Software selbst entwickelt und das Ganze dann als Framegrabber PC Karte Falcon auf den Markt gebracht.“
Und er hatte damit Erfolg: „Am Anfang dachten wir, dass wir nicht mehr als 100 Framegrabber pro Monat verkaufen, in Hochzeiten waren es dann sogar 2000“, freut sich Hartmann. Weiteren Umsatz brachte der Vertrieb der Kameras von Teli und Framegrabber von Eltec aus Mainz. So konnte das junge Unternehmen Stück für Stück wachsen. Armin Vogt entwickelte, Jürgen Hartmann verkaufte – so war die klare Aufgabenteilung.
Das klappte so gut, dass man bald schon Hilfe im Backoffice brauchte. „Schon 1998 haben wir die ersten drei Mitarbeiter eingestellt, von denen zwei immer noch für IDS arbeiten“, berichtet Hartmann mit Stolz. Am Anfang hat das junge Unternehmen in einem Haus mit einer Tierarztpraxis residiert. „Kunden mussten entweder durch den Hintereingang zu uns oder eben durch die Praxis“, schmunzelt Jürgen Hartmann.
Abgeschreckt hat das aber selbst Kunden wie Siemens nicht, für die man eine Videokompressionskarte zur Gebäude und Überwachungstechnik entwickelt hat. „Das war unser erster Entwicklungsauftrag – und unser einziger“, betont Hartmann. Denn obwohl die Zusammenarbeit mit Siemens nach seiner Aussage „easy und spannend“ war, wollte Hartmann doch lieber eigene Produkte entwickeln und diese vermarkten. „Nur Ingenieurbüro und Entwicklungsdienstleister wollten wir niemals sein.“
Und mit diesen Produkten – darunter auch das 1998 vorgestellte Video Compression Board Piranha – hatte IDS Erfolg. Schon bald wurden die Räume in der Tierarztpraxis zu klein. Im Jahr 2000 bezog man daher das neue Firmengebäude in der Dimbacher Straße in Obersulm. „Nun konnten wir uns auch nach außen endlich als richtiges Unternehmen präsentieren“, sagt Hartmann. Das war ihm auch deshalb wichtig, weil es galt, Fachkräfte für sich zu begeistern.
Allerdings wurde auch das Gebäude schnell zu klein und es folgten weitere Anbauten in den Jahren 2002 und 2004. Der nächste große Schritt folgte 2015, als man in Obersulm einen 1700 m2 großen Neubau einweihte, der die Produktionsfläche verdoppelte und zusätzliche Arbeitsplätze in den Vertriebs- und Entwicklungsbüros bot. „Und die nächsten Flächen zur weiteren Expansion haben wir uns schon gesichert“, verrät Jürgen Hartmann und zeigt auf ein großes Grundstück hinter der IDS-Zentrale.
Einen Beitrag zum Wachstum in all den Jahren lieferte auch die Zusammenarbeit mit der MV Tec Software GmbH in München. „Das Unternehmen ist genauso alt wie wir und hat mich mit seiner Vision-Software sofort begeistert“, berichtet Hartmann. Seit 1998 ist IDS daher Vertriebspartner für MV Tecs Software. „Auch heute noch sind wir einer der größten Halcon Partner weltweit.“
Das richtige Gespür zur rechten Zeit
Die Idee, eigene Digitalkameras und nicht nur analoge Framegrabber zu entwickeln, kam Jürgen Hartmann 2003. „Damals habe ich gemerkt, dass die Kunden nicht mehr analoge Signale im PC digitalisieren wollen, sondern digitale Signale bevorzugen.“ Danks seines Gespürs, wann der richtige Zeitpunkt ist, das Pferd zu wechseln, vollzog IDS schnell den Wechsel vom analogen Framegrabber zur digitalen Industriekamera.
„Die erste Digitalkamera haben wir im April 2004 vorgestellt – nur knapp ein Jahr nachdem wir die Entscheidung gefällt hatten, ins Digitalkamerageschäft einzusteigen“, so Hartmann stolz. Der Anfang war allerdings holprig: „Wir wussten ja gar nicht, wie man Kameras baut. Wir waren schließlich Elektronik- und Softwareentwickler und hatten keine Ahnung von Montage.“ Die ersten Kameras habe man daher auf dem Besprechungstisch zusammengebaut, erinnert sich Hartmann kopfschüttelnd: „Das war schon abenteuerlich.“
Und die Kameras hatten ein weiteres Manko: Sie besaßen nicht die damals übliche Firewire-Schnittstelle, sondern „nur“ einen USB-Anschluss. „Dafür wurden wir zunächst stark belächelt, denn USB galt damals als nicht industrietauglich.“ Daher machte Hartmann mit seiner Mannschaft die USB-Schnittstelle industrietauglich. „Das war zwar nicht trivial, aber wir haben es geschafft.“
Warum er so auf USB gesetzt hat? „Ich habe einfach an USB geglaubt. Denn die Technologie wurde von Microsoft und der ganzen PC- und Embedded-Industrie unterstützt.“ Heute hat sich USB als Kameraschnittstelle etabliert. Ähnliches gilt übrigens für Gigabit Ethernet, das Jürgen Hartmann ebenfalls 2007 als Kameraschnittstelle adaptierte. Und genauso hat er es beim Thema Bildsensor gehalten. „Statt die damals üblichen CCD-Sensoren zu verwenden, haben wir konsequent auf CMOS gesetzt – auch wenn diese Technologie am Anfang technische Nachteile hatte. Mir war aber klar, dass CMOS die Zukunft gehört.“ Auch hier hat er recht behalten: 2015 hat Sony seine Serie an CCD-Sensoren abgekündigt.
Digitalisierung voll im Gange
In diesen Entscheidungen für USB und CMOS zeigt sich aber noch eine weitere Charaktereigenschaft von Jürgen Hartmann: „Wenn alle in die eine Richtung laufen, laufe ich schon aus Prinzip gerne die andere.“ Dadurch habe man auch den Vorteil, nicht nur ein Me-Too-Produkt zu liefern, sondern etwas Eigenes. So hat es Hartmann geschafft, sich mit IDS zu einem der größten Hersteller von Industriekameras zu entwickeln.
„Heute produzieren wir pro Jahr circa 150 000 Kameras. Bei einem geschätzten Markt von 1,5 Millionen Kameras entspricht das einem Marktanteil von rund 10 Prozent.“ Und die Aussichten für den Kameramarkt sind gut, denn Vision-Technologie als Auge der Maschine gilt als Säule für die smarte Fabrik der Industrie 4.0. Trotzdem setzt Hartmann nicht alles auf die Kamerakarte: „Wir wollen unseren heutigen Firmenumsatz verdoppeln. Das werden wir mit klassischen Industriekameras alleine aber nicht schaffen.“ Zumal aktuelle Entwicklungen die Weltmärkte mit Fragezeichen versehen. Es ist aber weniger die Globalisierung, die Hartmann umtreibt, sondern die Digitalisierung.
Daher denkt Jürgen Hartmann schon an den nächsten Transformationsschritt. „Wir arbeiten mit Hochdruck an konkreten Ideen. Denn Unternehmen, die den Wandel der Digitalisierung nicht mitmachen, wird es künftig nicht mehr geben.“ Selbst prägende Mittelständler werde es treffen, wenn diese es nicht schaffen, sich zu wandeln. IDS sieht er da aber gut aufgestellt: „Denn Wandlungsfähigkeit ist unsere große Stärke.“ ↓
IDS Imaging Development Systems GmbH
„Wir wollen unseren heutigen Firmenumsatz verdoppeln. Das werden wir mit klassischen Industriekameras alleine aber nicht schaffen.“
Jürgen Hartmann, IDS

Jürgen Hartmann über…
Wachstum
„Statt über Firmenzukäufe zu wachsen, will ich lieber möglichst viele kleine Pflänzchen hochziehen. Daher habe ich mich 2011 am 3D-Kamera-Startup Ensenso beteiligt. Das Geschäft entwickelt sich sehr gut – und das, obwohl das volle Potenzial der 3D-Bildverarbeitung noch lange nicht ausgeschöpft wird.“
Kundennähe
„Natürlich hören wir auf den Kunden und bieten ihm Anpassungen – aber eben nur wo möglich. Wenn wir immer nur auf den Kunden hören, wären wir komplett fremdgesteuert und hätten keine Kraft, neue Wege zu gehen.“
Nachfolge
„Mein Söhne haben ihre Studien noch nicht ganz abgeschlossen: Der eine studiert Wirtschaftswissenschaften, der andere Wirtschaftsingenieurwesen. Für beide ist mit ihren komplementären Fähigkeiten aber sicher Platz im Unternehmen.“
Mitarbeiter-Führung
„Nicht umsonst ist unser Slogan People Inside: Mitarbeiter sind für uns das wichtigste Gut.“ Er denkt gibt daher immer wieder Überraschendes aus, um den Mitarbeitern Danke zu sagen. Mal schenkt er jedem ein iPad oder eine Smart-Watch. „Ich wünsche mir, dass die Leute gerne hierherkommen und sich wohlfühlen.“
Nachwuchs-Fachkräfte
„Wir sind ein ziemlich junges Team mit einem Durchschnittsalter von Mitte 30. Junge Menschen sind die Zukunft des Unternehmens. Deswegen fahren wir eine Politik des offenen Hauses und bieten viele Praktika, für Studenten und Schüler.“
Schulwissen
„Es wäre gut, wenn die Schulen den Schülern mehr Technik vermitteln. Warum muss es mit Deutsch, Englisch sowie der zweiten Fremdsprache gleich drei Sprachenfächer als Hauptfächer geben? Wie wäre es, wenn die Schüler auch PHP oder Java als zweite Fremdsprache lernen könnten?“ ↓
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