Rechtliche Herausforderungen beim Einsatz kollaborativer Systeme in der Industrie Wer haftet für Schäden durch Kollege Roboter?

Rechtliche Herausforderungen beim Einsatz kollaborativer Systeme in der Industrie

Wer haftet für Schäden durch Kollege Roboter?

Paice_Bartels.png
Rechtsanwalt Karsten U. Bartels von HK2 Rechtsanwälte: „Im juristischen Umgang mit Robotern und künstlicher Intelligenz haben wir es – momentan – mit Einzelfallentscheidungen zu tun. Allgemeine Aussagen sind nur schwerlich zu treffen.“ Bild: HK2
Anzeige
Mit der Robotik ziehen neue juristische Problemstellungen in die Produktionsstätten ein. Rechtsanwalt Karsten U. Bartels erläutert die Herausforderungen anhand von zwei Szenarien.

„Eins muss allen Überlegungen vorangestellt sein: Im juristischen Umgang mit Robotern und künstlicher Intelligenz haben wir es – momentan – mit Einzelfallentscheidungen zu tun. Allgemeine Aussagen sind nur schwerlich zu treffen“, stellt Rechtsanwalt Karsten U. Bartels von HK2 Rechtsanwälte klar. Bartels begleitet das Technologieprogramm PAiCE des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie juristisch. Dennoch lasse sich anhand verschiedener Szenarien aufzeigen, wie den Verantwortlichkeiten im industriellen Umfeld auf die Spur zu kommen ist.

  • Szenario 1: Ein Greifroboter in der Kommissionierung lässt die Ware fallen, die dann zu Bruch geht. Wer haftet für den Schaden? Der Roboterhersteller oder der Anwender? Bartels: „Hier kommt es darauf an, herauszufinden, warum der Greifroboter die Ware fallen gelassen hat.“ Zunächst sei ein Anwendungsfehler auszuschließen. Habe der Anwender korrekt gehandelt, sei weiter zu fragen: Liegt ein Produktionsfehler vor? „Dann könnte es sein, dass etwa die Hydraulik zu stark greift und dadurch die Ware Schaden nimmt. Hier wäre der Hersteller haftbar zu machen.“ Komme noch ein Zwischenhändler oder Makler dann gilt: „Es haftet derjenige, der den Vertrag mit dem Anwender abgeschlossen hat.“

Ein weiteres Thema sind Schäden durch Software-Fehler. Bei einem handelsüblichen Greifroboter, der mit einer Steuerungssoftware ohne künstliche Intelligenz ausgeliefert wird, haftet der Hersteller, wenn die Software nicht ordnungsgemäß funktioniert. Bastels: „Wenn es in Zukunft zum Einsatz von künstlicher Intelligenz kommt, wird vor allem die Pflicht des Herstellers wichtig, funktional und technisch genau zu dokumentieren, was in Verkehr gebracht wird – so dass der Anwender genau weiß, wie er die Software vertragsgemäß anzuwenden hat und welchen Gefahren er sich möglicherweise aussetzt. Das ist bisher in der Praxis nicht immer der Fall.“

  • Szenario 2: Personenschaden durch einen Montageroboter. „Ein Montageroboter führt eine Bewegung aus, mit der sein menschlicher Kollege nicht gerechnet hatte, und trifft den Arbeiter mit einem Bauteil am Kopf“, skizziert Bartels ein mögliches Szenario. Wer kann in diesem Fall haftbar gemacht werden? „Hier muss zunächst festgestellt werden, ob der Mitarbeiter sich überhaupt im räumlichen Umfeld des Montageroboters bewegen durfte.“ Gerade in den hochautomatisierten Industrieanlagen gebe es Zonen, in denen sich Menschen nicht aufhalten dürfen und selbst wenn es gestattet ist, festgelegte Verfahren und Abläufe eingehalten werden müssen. „Doch auch wenn festgestellt wird, dass sich der Mitarbeiter fahrlässig verhalten hat, handelt es sich um einen Arbeitsunfall, es tritt also der Versicherungsfall ein.“

Ist der Roboter allerdings dafür konzipiert, mit Menschen zu interagieren oder zumindest ihre Wege zu kreuzen, hat der Mensch einen Unversehrtheitsanspruch. „Dann gilt der Grundsatz: Wer eine Gefahr schafft oder vergrößert, der hat auch Pflichten“, stellt Bartles klar. Also müsse das Unternehmen, das den Roboter im Einsatz hat, dafür sorgen, dass vorhersehbare Schäden verhindert werden.

www.digitale-technologien.de


PAiCE – Digitale Technologien für die Wirtschaft

Im Technologieprogramm PAiCE (Platforms/Additive Manufacturing/Imaging/Communication/ Engineering) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) entwickeln 17 Forschungsprojekte Lösungen für den Einsatz neuer Digitaltechnologien in Industrie 4.0. Die Fördersumme des BMWi beträgt rund 50 Millionen Euro, unter Einbeziehung der Eigenanteile der geförderten Partner beläuft sich das Programmvolumen auf rund die doppelte Summe.

Anzeige

Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Unsere Dosis Wissensvorsprung für Sie. Jetzt kostenlos abonnieren!

Whitepaper

Hier finden Sie aktuelle Whitepaper

Alle Webinare & Webcasts

Hier finden sie alle Webinare unserer Industrieseiten

Kalender

Aktuelle Termine für die Automatisierungsbranche

Anzeige

Industrie.de Infoservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de