Interview Dr. Klaus Kluger, General Manager Central Region, Omron Electronics GmbH

„Sysmac-Plattform ist ein Alleinstellungsmerkmal“

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Wie Omron mit seiner umfassenden Automationsplattform Sysmac punkten möchte und warum die mobile Robotik gerade abhebt, erläutert Omron-Deutschland-Chef Dr. Klaus Kluger.

Autor: Armin Barnitzke

Der japanische Automationskonzern Omron hat 2015 den US-Roboterhersteller Adept übernommen. Was waren die Gründe?

Kluger: Die Akquisition war letztlich ein Win-Win-Deal für beide Seiten. Omron hatte bis dahin zwar ein breites Automationsportfolio – von Vision und Sensorik über Motion bis zur Steuerung – aber eben keine eigene Robotik. Also hat man eine Robotikfirma gesucht, die in ähnlichen Bereichen und Branchen unterwegs ist, wie man selber. Hier kam Adept mit seinen Stärken in Kleinteilhandling und Montage goldrichtig. Adept wiederum profitiert nun von der Zugehörigkeit zu einem internationalen Automationskonzern. Denn bis dahin war Adept aufgrund der Größe und des im Vergleich zu Größen wie Kuka, Yaskawa oder Fanuc eingeschränkten Roboter-Portfolios eher ein Nischenanbieter mit begrenzter Reichweite.

Plant Omron weitere Akquisitionen?

Kluger: Der Ausbau des Portfolios über Akquisitionen ist bei Omron klare Strategie. Es kommen immer wieder Firmen dazu. So hat Omron 2015 nicht nur Adept übernommen, sondern mit Delta Tau auch einen US-Anbieter von Motion Control Lösungen für komplexe Anwendungen. 2017 haben wir den japanischen Kamera-Hersteller Sentech akquiriert. Weiterer Zukauf 2017 war der Identifikationsspezialist Microscan aus den USA. Wir sind überzeugt, dass die Herausforderungen der modernen Maschinenautomation nur durch eigene Kernkompetenzen gemeistert werden können, daher werden weitere Zukäufe folgen.

Was sind in Deutschland derzeit die Hauptumsatzträger für Omron?

Kluger: Gerade in Deutschland ist die Robotik ein bedeutender Umsatzträger, denn Deutschland war für Adept stets der wichtigste Markt. Grundsätzlich sind unsere Umsätze aber recht verteilt: Manche Kunden kaufen nur Sensorik, andere nur Vision oder Motion Technologie. Zukünftig wollen wir die Kunden stärker von der Leistungsfähigkeit unseres Gesamtsystems überzeugen: Wir wollen den Kunden helfen, ihre Prozesse zu vereinfachen – auf eine elegante Art und Weise. Zentraler Pfeiler dafür ist unsere Sysmac-Plattform.

Was steckt hinter Sysmac?

Kluger: Sysmac ist unser Alleinstellungsmerkmal. Sysmac ist eine umfassende voll skalierbare Automationslösung, die Themen wie Bildverarbeitung, Sensorik, Sicherheitstechnik, Motion, SPS und Robotik auf einer harmonisierten Plattform vereint – verbunden über Ethercat für die schnelle Kommunikation. Vorteil einer harmonisierten Plattform: Sie schließt die Schnittstellenproblematik nahezu völlig aus. Das stärkt letztlich auch die Flexibilität: Anpassungen und Umrüstungen von Maschinen und Anlagen sind damit sehr leicht möglich, weil man sich nur mit einem System beschäftigen muss. Heute müssen Kunden ja Maschinen bereits nach kurzer Zeit schon wieder umrüsten, oft schon nach einem halben Jahr. Hier hilft unsere Sysmac-Plattform: Ob Vision, Motion, Sensorik oder Safety – alles kann der Kunde über eine umfassende Plattform steuern, nun sogar eben mit integrierter Robotik.

Welche Rolle spielt die Robotik in einem solchen Gesamtsystem: Ist der Roboter nur Teil einer Maschine oder Dreh- und Angelpunkt einer Automation?

Kluger: Das hängt von der jeweiligen Applikation ab. Auf der einen Seite gibt es Anlagenbauer, die bauen ihre Lösung um den Roboter herum, weil für diese der Roboter der zentrale Teil der Anlage ist. Auf der anderen Seite gibt es einfache Anwendungen wie Pick-and-Place, da ist der Roboter eben nur ein Teil der ganzen Maschine. Und hier können wir natürlich mit dem umfassenden Omron Portfolio von der Sensorik bis zur Steuerung punkten. Daher werden wir die Robotik weiter aktiv in die Sysmac-Plattform integrieren.

Wird das dann soweit gehen, dass die Adept-Robotersteuerung quasi verschwindet und der Roboter direkt aus der Sysmac-Plattform heraus gesteuert wird?

Kluger: Das geht bereits. Wir können den Roboter heute schon über die Sysmac-Plattform steuern. Gerade relativ simple Pick-and-Place-Applikationen lassen sich prima über die Sysmac-Plattform abbilden. Aber natürlich gibt es auch genügend komplexe, sehr spezifische Robotik-Applikationen. Diese kann im Moment die Robotersteuerung noch ein bisschen besser abbilden, aber wir arbeiten an Lösungen, dies zu integrieren.

Neben der Robotik – planen Sie weitere Funktionalitäten für die Sysmac-Plattform?

Kluger: Definitiv. Die Plattform wird stetig ausgebaut. Beispielsweise haben wir erst kürzlich CNC-Funktionalitäten für komplexe Bearbeitungsvorgänge wie 3D-Interpolation und Positionskompensation integriert. Damit lassen sich präzise weggesteuerte CNC-Anwendungen wie XY-Schneiden, Fräsen oder Drehen umsetzen. Und weil nur ein einziger Controller die Programme für SPS und CNC in einem Steuerungsintervall ausführt, lassen sich die Prozesse schnell synchronisieren.

Und wie passen Ihre mobilen Robotik-Plattformen ins Gesamtbild der umfassenden Automationsplattform Sysmac?

Kluger: Natürlich ist die mobile Robotik erstmal etwas separiert zu betrachten – sie ist kein Teil der Sysmac-Plattform. Aber letztlich geht es hierbei auch um eine flexible Produktion. Mit Sysmac bieten wir eine ganzheitliche Plattform für den Aufbau der gesamten Automatisierungsstraße – und die mobile Robotik erweitert das Ganze nun in Richtung Intralogistik: Damit kann man Teile vom Lager zur Maschine bringen und die Fertigprodukte zurück ins Lager. Oder Produkte zur Bearbeitung flexibel von einer Maschine zur nächsten transportieren. Der Materialfluss in der Produktion muss nicht mehr linear sein. Dieser flexible Transport ist gelebte Industrie 4.0.

Welche Anwendungsbereiche sind für den flexiblen Transport besonders geeignet?

Kluger: Im Grunde betrifft das die ganze Intralogistik in der verarbeitenden Industrie. Das können Automotive-Teile ebenso sein wie elektronische Bauelemente, die zwischen Lager und Produktion oder von Maschine zu Maschine transportiert werden. Vorteil unserer mobilen Roboter im Vergleich zu fahrerlosen Transportsystemen (FTS): Während klassische FTS wie eine Straßenbahn stets einen vorgegebenen Weg fahren, sind unsere mobilen Roboter durch ihr autonomes Navigationssystem flexibel wie ein Taxi. Gesteuert wird das Ganze durch unseren Enterprise Manager. Der koordiniert wie eine Taxizentrale die Fahrten der einzelnen mobilen Roboter.

Und wie ist die Akzeptanz bei den Kunden?

Kluger: Die Akzeptanz der mobilen Robotik nimmt zu. Als wir damit vor drei bis vier Jahren angefangen haben, waren wir ein bisschen ein Exot. Mittlerweile tummeln sich auf Messen viele Anbieter. Und auch die Kunden sind über die Phase der Neugier und des Ausprobierens hinweg: Sie kommen mit konkreten Projekten und Ideen zu uns und kaufen regelmäßig, auch größere Stückzahlen. Die mobile Robotik ist also raus aus den Kinderschuhen.

In welche Richtung entwickeln Sie Ihre mobile Plattform weiter? Geht es auch darum, die mobile Plattform mit einem kleinen Roboter zu kombinieren, um damit Maschinen be- und entladen zu können?

Kluger: Das wäre sicherlich ein nächster sinnvoller Schritt. Derzeit arbeiten wie aber eher an höheren Traglasten. Das ist ein Thema, das von unseren Kunden sehr stark nachgefragt wird, gerade in der Automobilindustrie. Im Moment können wir maximal 130 Kilogramm transportieren, aber es gibt klaren Bedarf für 500 Kilogramm bis zu
1 Tonne. Zudem arbeiten wir daran, unsere Software zu optimieren. So fragen Kunden nach einer genaueren und schnelleren Positionierung.

Ist auch die Flottengröße ein Thema?

Kluger: Nein, nicht wirklich. Wir können mit dem Enterprise Manager bis zu 99 mobile Fahrzeuge verwalten. Und unser größter Kunde hat rund 40 Geräte im Einsatz. Da haben wir also noch genug Luft nach oben. Die meisten Kunden betreiben ohnehin typischerweise zwischen fünf und 20 Geräte über den Enterprise Manager.

Omron Electronics GmbH

industrial.omron.de


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