Interview Peter Pühringer, Division Manager Robotics bei Stäubli Bayreuth „Mobiler Transport ist eine Schlüsseltechnologie“

Interview Peter Pühringer, Division Manager Robotics bei Stäubli Bayreuth

„Mobiler Transport ist eine Schlüsseltechnologie“

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Als neuer Division Manager Robotics will Peter Pühringer bei Stäubli in Bayreuth die Expansionspolitik seines Vorgängers Gerald Vogt konsequent fortführen. Mit welchen Innovationen und Themen sowie Serviceleistungen er punkten möchte, verrät er im Interview mit der Automationspraxis.

Autor: Armin Barnitzke

Sie sind seit Juli 2018 Division Manager Robotics. Was haben Sie sich vorgenommen?

Pühringer: Mein Vorgänger Gerald Vogt hat seit 2014 eine starke Expansionspolitik vorangetrieben. Diese wollen wir natürlich fortführen. Zudem will ich unsere Innovationen – etwa die neuen Roboterbaureihen TX2 und TS2 oder die neue Robotersteuerung CS9 – schnell in den Markt tragen. Ein wichtiges Thema ist auch der Ausbau der Service-Angebote, dazu haben wir unser Robotics Service Center ausgebaut und das Serviceteam aufgestockt.

Was heißt Expansionspolitik konkret?

Pühringer: Dass wir uns mit den neuen Baureihen TX2 und TS2 neue Marktsegmente und neue Anwendungen erschließen. Dazu gehört auch, dass wir unsere Roboter an Kundenanforderungen anpassen und entsprechend modifizieren. Gerade die schnelle Reaktion unserer Entwicklungsmannschaft in Faverges zeichnet uns aus. Ein gutes Beispiel sind unsere Stericlean-Roboter für H2O2-Umgebungen in der Pharmabranche, ein spezieller, aber sehr großer und wachsender Markt. Und für den Wachstumsmarkt Food haben wir unser Portfolio so weiterentwickelt, dass wir nun alle unsere Roboter mit dem lebensmitteltauglichen H1-Öl betreiben können – und das völlig ohne Einbußen bei Geschwindigkeit und Präzision.

Stäublis Stärken in der Food- und Pharma-Branche sind ja bekannt. Nehmen Sie auch ganz neue Anwendungen ins Visier?

Pühringer: Ja, dazu gehört zum Beispiel die Intralogistik in der Industrie. Hier haben wir uns mit der Mehrheitsbeteiligung am Mobil-Transport-Spezialisten WFT aus dem benachbarten Sulzbach-Rosenberg viel Knowhow eingekauft. Mit der Akquisition können wir ganz neue Bereiche adressieren. Mit WFT verbindet uns übrigens eine lange Partnerschaft: Deren mobile Plattform ist die Basis unseres mobilen Robotersystems Helmo.

Warum haben Sie nun die Mehrheit an WFT übernommen?

Pühringer: Weil der mobile Transport für uns eine Schlüsseltechnologie ist, die wir uns sichern wollten – und zwar nicht nur für Helmo: Künftig wollen wir als Stäubli Robotics auch standardisierte FTS Modulbaureihen mit unterschiedlichen Traglasten verkaufen. Damit zielen wir insbesondere auf die Intralogistik in der Industrie, etwa in den Fertigungen der Automobil- und Zulieferindustrie. Dort kommt man im Zuge der steigenden Variantenvielfalt weg von der starren Produktionsverkettung, egal ob das nun Motorblöcke und Batterien sind.

Wie ist denn aktuell der Stand bei Helmo?

Pühringer: Als wir Helmo auf der Automatica 2016 erstmals als Konzeptstudie vorgestellt haben, gab es ein überwältigendes Feedback. Heute haben wir bereits erste Anwendungen realisiert, nicht nur bei Stäubli in Bayreuth oder bei Stäubli Electrical Connectors in Allschwil in der Schweiz, sondern auch bei Automobilkunden und Elektronikherstellern. Helmo ist übrigens das erste Robotersystem, das bei uns in Bayreuth hergestellt wird. Wir bekommen die TX2-Roboter aus unserem Herstellerwerk in Faverges und die mobile Plattform von Stäubli WFT und verknüpfen diese in Bayreuth – von hier aus geht der Helmo dann in die ganze Welt.

Warum wird der Helmo in Bayreuth entwickelt und produziert?

Pühringer: Gerald Vogt hat das Projekt Helmo 2014 gestartet. Das hatte mehrere Gründe. Erstens die räumliche Nähe zu WFT in Sulzbach-Rosenberg, zweitens waren die Entwicklungskapazitäten in Faverges mit Weiterentwicklungen von anderen Modellen belegt und drittens gab es bei Stäubli Connectors in Bayreuth konkreten Bedarf für ein solches System. Und natürlich hilft ein solches Projekt auch, den Standort zu stärken.

Auf welche Anwendungsfälle zielen Sie mit Helmo insbesondere?

Pühringer: Alles in allem gibt es eine gigantische Bandbreite an Einsatzmöglichkeiten. Zunächst konzentrieren wir unsere Aktivitäten auf die zwei Bereiche: Montage und Maschinenbeladung. Als flexible ortsunabhängige Roboterzelle kann Helmo als mobiler Montageassistent an verschiedenen Arbeitsplätzen eingesetzt werden und beispielsweise morgens an Station 1 die Aufgabe A erledigen und dann nachmittags an Station 2 die Aufgabe B. Das sorgt auch für einen schnellen Return on Invest, denn die Investition wird so auf mehrere Montagestationen verteilt. Und zur Maschinenbeladung kann Helmo beispielsweise Rohteile aus dem Lager holen und diese Teile in die Werkzeugmaschine einlegen und dadurch mannlose Nachtschichten ermöglichen.

Was sind Ihre Ziele mit Helmo in 2019?

Pühringer: Unser Ziel ist es, circa 50 Helmos ins Feld zu bringen, da wir unsere Partner und Kunden noch unterstützten müssen und die Pilotprojekte eng betreuen wollen. Mit vielen Partnern laufen bereits Pilotprojekte. Allerdings ist Helmo noch im Vorserien-Status. Unser Ziel ist die Serienreife bis Ende des Jahres. Dann wollen wir Helmo auch international ausrollen, beispielsweise in Frankreich, China und USA.

Den Helmo gibt es ja auch als MRK-System mit Airskin-Schutzhaut. Wie groß ist denn der kollaborative Anteil an den Helmo-Projekten?

Pühringer: Bei der Kollaboration unterscheiden wir verschiedene Stufen. Und bei der Airskin-Schutzhaut sprechen wir von der höchsten Stufe – also eine Cobot-artige Kollaboration, wo sich Mensch und Roboter einen Arbeitsraum teilen. In den Helmo-Anwendungen findet bisher fast keine solche Cobot-Kollaboration statt. Der Roboter arbeitet an seinen Stationen vollautomatisch – natürlich entsprechend abgesichert. Hier sind die Sicherheitsfunktionen der neuen CS9-Steuerung sehr wichtig.

Was meinen Sie genau?

Pühringer: Der Roboter muss langsamer werden und sicher stoppen, wenn sich jemand nähert. Unser Vorteil: Stäubli hat hier von allen Anbietern den kürzesten Anhalteweg. Das gilt natürlich auch für normale Roboterzellen, die ja ebenfalls immer kompakter und ohne Schutzzaun, nur mit Lichtvorhang abgesichert betrieben werden. Aber sicherlich wird es in Zukunft immer mehr Cobot-Applikationen geben, in denen auch die Airskin benötigt wird. Unsere neue, auf der Automatica vorgestellte TX2touch Produktlinie soll daher Anfang 2019 in Serie gehen.

Und wie sieht ihre Strategie in Sachen Industrie 4.0 aus? Auf der Automatica 2018 haben sie ja mit Cockpit ein Beispiel fürs Sammeln und Aufbereiten von Daten gezeigt.

Pühringer: Das Cockpit war erstmal nur ein Demonstrator, um zu zeigen, was wir via OPC UA aus dem Roboter heraus alles an Daten zur Verfügung stellen können: Getriebedaten, Motordaten, Sensordaten. Ob und wann Cockpit zum Produkt wird, ist noch nicht entschieden. Ganz konkrete Pilotprojekte haben wir aber zum Thema Predictive Maintenance. Zusammen mit einem großen Kunden sammeln und analysieren wir Roboter-Betriebsdaten, um ungeplante Ausfälle zu vermeiden. Dabei geht es aber bewusst nicht um Big Data, sondern um Smart Data – wir liefern also die richtigen und wichtigen Daten.

Und wie sorgen sie für Smart Data?

Pühringer: Durch eine Eigenentwicklung, eine so genannte 4.0.-Box, welche Daten der Roboter und Sensoren sammelt, aufbereitet und dann an ein Visualisierungs- und Auswertesystem weitergibt. Das Ganze ist letztlich ein vor Ort installierter Industrie-PC, an den man mehrere Roboter anschließen kann.

Wollen Sie das Ganze dann auch an die Cloud anschließen?

Pühringer: Unsere Kunden, gerade aus der Automobilindustrie, sind nicht so ganz offen, ihre Produktionsdaten in die Cloud zu geben. Jeder fragt zwar nach Cloud-Lösungen, aber wenn es dann konkret darum geht, Produktionsdaten in die Cloud zu schieben, sind die Kunden doch sehr zurückhaltend. Das braucht noch Zeit.

Aber eine Cloud-basierte Predictive Maintenance könnte doch auch für neue Service-Angebote interessant sein…

Pühringer: Ja, das Ganze kann zu neuen Geschäftsmodellen rund um Predictive Maintenance führen. Im ersten Schritt bauen wir aber erstmal andere Service-Angebote aus, etwa die Roboterwartung in unserem Robotics Service Center. Da unsere Roboter sehr robust sind, bekommen wir immer mehr Roboter nach Bayreuth, die über 100 000 Betriebsstunden oder sogar mehr auf der Uhr haben. Damit die Kunden das Robotersystem weiter nutzen können, bieten wir eine entsprechende Wartung und Überholung an. Dafür müssen wir sicherstellen, dass alle Ersatzteile verfügbar sind. Und wir stocken das Personal auf. Denn der Kunde will ja nicht 2 Wochen auf sein Robotersystem verzichten. Das muss schnell gewartet werden und dann zurück in die Produktion.

Stäubli Tec-Systems GmbH Robotics

www.staubli.com


Von Wels über Stuttgart nach Bayreuth

Der gebürtige Österreicher Peter Pühringer, der nach einer Ausbildung zum Werkzeugmacher in Wels Automatisierungs- und Prozesstechnik studiert hat, startete seine berufliche Laufbahn 2001 bei Bosch. Als Stäubli 2005 die Scara-Baureihen von Bosch Rexroth übernahm, wechselte Peter Pühringer nach Bayreuth. Zuletzt leitete der 42-Jährige dort die TV-Kamera-Roboter-Sparte Camerobot, bevor er im Juli 2018 die Nachfolge von Gerald Vogt als Robotik-Chef-Deutschland angetreten hat. Mit Gerald Vogt, der nun als Group Division Manager das weltweite Robotergeschäft vom Herstellerwerk in Faverges aus steuert, steht Peter Pühringer weiter im engen Kontakt, zumal Vogt immer noch Geschäftsführer der GmbH in Bayreuth ist. Pühringer: „Mit Gerald Vogt haben wir ein gutes Sprachrohr in die Konzernleitung. Das ist auch gut so, denn Deutschland ist der größte Markt für Stäubli Robotics.“


Bild: Stäubli

TS2-Scarareihe sammelt Pluspunkte

Mit seiner neue Scara-Reihe TS2 will Stäubli in ganz neue Leistungsdimensionen vorstoßen.

  • Denn bei den TS2-Scaras kommen jetzt – wie schon bei unseren Knickarm-Robotern – die eigenentwickelten JCS Getriebe zum Einsatz. „Damit können wir viel höhere Dynamiken fahren“, sagt Peter Pühringer.
  • Ein großer Vorteil ist auch die Hohlwellentechnologie. „Damit können wir die Kabel innen führen und so die Störkonturen vermeiden. Vor allem aber sorgt der geschlossene Aufbau für ein Hygiene- und Reinraumdesign ohne Partikelemissionen.“ Mit diesen geschlossenen Scara-Strukturen habe man insbesondere auf Anforderungen von Pharma-Kunden reagiert, so Pühringer: „Mit der zukünftigen Stericlean-Variante werden wir in der Pharma-Branche in ganz neue Anwendungsfelder vorstoßen.“

Weitere TS2-Vorteile in Stichpunkten:

  • Es gibt nun einen TS2-100 Scara Roboter mit 1 Meter Reichweite.
  • Ein integriertes Werkzeugwechselsystem sorgt für extrem kurze Wechselzeiten.
  • Dank der konsequenten Umsetzung des Modulbaukastensystems profitieren Kunden von sehr kurzen Lieferzeiten.
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