Fanucs Top-Management im Exklusiv-Gespräch

KI, Cloud und Cobots stehen voll im Fokus

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Künstliche Intelligenz (KI bzw. AI), Internet of Things (IoT) und kollaborative Robotik sind Fanucs Säulen für die Automated Intelligence. Im Exklusiv-Gespräch mit der Automationspraxis verraten Topmanager aus Japan und Deutschland, wohin die Reise geht.

Im Mittelpunkt der Automated Intelligence Aktivitäten bei Fanuc steht die IoT-Plattform Field (Fanuc Intelligent Edge Link & Drive System). „Field, das wir im Oktober 2017 gestartet haben, ist eine offene Plattform. An unsere Field-Plattform können ganz verschiedene Geräte angeschlossen werden. Und es können ganz verschiedene Applikationen auf Basis der Plattform entwickelt werden“, betont Dr. Kiyonori Inaba, Enkel des Firmengründers und derzeit General Manager der Roboter Business Division, im Gespräch.

„Im zweiten Schritt bieten wir eine offene Anbindung, so dass jeder Gerätepartner eine Schnittstelle auf Basis unserer Spezifikationen entwickeln kann. Das wird dem Benutzer zusätzliche Freiheiten geben, denn es können noch mehr Geräte an Field angeschlossen werden“, freut sich Inaba. Die Daten all dieser Gerät können auf einem Server gespeichert werden, der auf dem Firmengelände des Kunden steht, oder auf Wunsch auch in einer Cloud.

„Die nächste Frage ist dann, wie wir diese Daten nutzen“, so Inaba weiter. „Eine Lösung dafür kann Artificial Intelligence liefern.“ Dafür sucht Fanuc aber nicht den Schulterschluss mit IT-Größen wie IBM oder Google. „In Sachen AI fokussieren wir uns auf die Partnerschaft mit dem jungen innovativen japanischen Unternehmen Preferred Networks“, betont Inaba. Ansonsten sei man aber sehr aufgeschlossen für Partnerschaften: „Um unsere Field Plattform bei Kunden zu etablieren, müssen wir mit vielen Partnern kooperieren. Wir haben für Field mehr als 500 Partnerfirmen“, ergänzt Kenji Yamaguchi, President und Chief Operating Officer bei Fanuc.

Für Inaba sind die Themen IoT und AI – zusammen mit der grünen Cobot-Linie – ganz zentrale Pfeiler der nächsten Generation der Fabrikautomation. Inaba: „Wir sind ja in der Automobilfabrik groß geworden, wo der Automatisierungsgrad inzwischen schon sehr hoch ist. Auch andere Branchen haben in Sachen Automatisierung stark aufgeholt. Dennoch bin ich überzeugt, dass wir erst 20 Prozent der Anwendungen automatisiert haben. 80 Prozent des Automatisierungspotenzials sind noch ungenutzt.“

Um dieses Automatisierungspotenzial zu heben, brauche man aber Roboter, die keine spezielle Umgebung wie Schutzzäune benötigen. „Hier kommen unsere grünen kollaborierenden Roboter ins Spiel, die ohne Schutzzaun auch in Bereichen eingesetzt werden können, in denen hauptsächlich Menschen arbeiten“, so Inaba. „Der grüne Roboter ist also der Schlüssel, um die Automationswelt zu verändern und die Art und Weise, wie wir produzieren.“

Robotik wird intelligent

Dazu müsse der Roboter aber intelligenter werden und nicht nur stur einmal einprogrammierte Prozesse abarbeiten. Inaba: „Der Roboter muss seine Umgebung wahrnehmen, in dem er Umgebungs- und Sensordaten mittels IoT sammelt. Und er muss diese Informationen via AI verarbeiten.“ Der Roboter erhalte so mehr Informationen über seine Umgebung und könne sich via AI an die jeweilige Situation anpassen und entscheiden, welche Aufgabe er wie erledigt. Inaba: „Kollaborative Roboter, IoT und AI werden die Fertigungswelt massiv verändern.“

Konsequenterweise baut Fanuc die Reihe seiner kollaborativen Roboter weiter aus. Auf der automatica zeigte man erstmals den CR-15iA mit 15 kg Traglast. Der mittlerweile fünfte Roboter der kollaborativen Baureihe schließt die Lücke zwischen den kleineren Modellen CR-4iA/CR-7iA und dem großen CR-35iA. Der kollaborative 15-kg-Roboter zielt unter anderem auf industrielle Einsatzbereiche wie Handling oder Verpackungsaufgaben. Einsatzmöglichkeiten sieht Fanuc zudem im Bereich Quality Control. Eine Erweiterung des grünen Cobot-Portfolios in Sachen Traglast nach oben ist allerdings vorerst nicht geplant. Yamaguchi: „Unser stärkster grüner Roboter trägt derzeit 35 Kilogramm. Wenn es der Markt verlangt, können wir die Traglast erhöhen, aber im Moment sehe ich nicht den Marktbedarf dafür.“

Denkbar ist aber eine Mobilisierung der kollaborativen Robotik über autonome fahrbare Plattformen. Inaba: „Weil der grüne Roboter keinen Schutzzaun braucht, kann er sich dorthin bewegen, wo er gebraucht wird.“ Hier denkt man bei Fanuc durchaus über Kooperationen mit FTS- und Mobilroboter-Spezialisten nach. Klar ist für Yamaguchi allerdings auch, dass man mit intelligenten und mobilen Robotern in absehbarer Zeit nicht in die Servicerobotik einsteigen werde: „Wir bleiben im Industriebereich.“

Sehr konkret ist Fanuc zudem dabei, die Kundenähe auszubauen, gerade in Deutschland und Europa. Yamaguchi: „Der europäische und speziell der deutsche Markt sind für uns sehr wichtig, allerdings auch sehr hart, denn wir haben gerade in Deutschland einige starke Wettbewerber.“ Daher hat Fanuc 2017 in Neuhausen bei Stuttgart ein europäisches Entwicklungszentrum EDC (European Development Center) etabliert, um dort die Anforderungen der Kunden zu bündeln und passende Lösungen zu entwickeln.

„Im EDC sollen Projekte angestoßen und gemeinsam mit Entwicklern in Japan in Form von neuen, serienreifen Produkten in der Robotik und ihrer Peripherie, der Steuerungstechnik und der Software realisiert werden“, sagt Deutschland-Geschäftsführer Ralf Winkelmann: „Da diese Entwicklungen marktgetrieben sind, erfordert das eine große Kundennähe. Diese Arbeit werden wir Schritt für Schritt intensivieren und zwar als One Fanuc in allen Bereichen.“ Die Einrichtung des Europäischen Entwicklungszentrums lässt auch die Mitarbeiterzahl am Standort in Neuhausen steigen. Inzwischen sind bereits rund 350 Mitarbeiter in Neuhausen beschäftigt – Tendenz steigend. Yamaguchi: „Wir wollen das EDC ausbauen und weiter Ingenieure einstellen.“

Eine europäische Fertigung hat man bei Fanuc aktuell nicht in der Planung. Yamaguchi: „Unsere Produktion konzentriert sich in Japan. Und wir werden unsere Roboter-Kapazitäten dort ausbauen. Derzeit produzieren wir dort 7000 Roboter pro Monat. Wenn unsere neue Roboter-Fabrik Ende 2019 fertiggestellt ist, werden wir in der Lage sein, eine monatliche Nachfrage von 11 000 Stück zu befriedigen.“

Fanuc Europe GmbH

www.fanuc.de


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