Interview: Per Vegard Nerseth, Managing Director ABB Robotics „Applikations-Knowhow zeichnet uns aus“

Interview: Per Vegard Nerseth, Managing Director ABB Robotics

„Applikations-Knowhow zeichnet uns aus“

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Welche Rolle Digitalisierung und künstliche Intelligenz sowie kollaborative Robotik und Applikationsorientierung für ABB Robotics spielen, erläutert Managing Director Per Vegard Nerseth im Interview.

Autor: Armin Barnitzke

Wie werden sich Produktionsszenarien in Zukunft verändern, beziehungsweise verändern müssen?

Nerseth: Die Ansprüche heutiger Verbraucher an Produkte – von Kleidung über Unterhaltungselektronik bis hin zu Lebensmitteln – haben sich gewandelt. Gefragt sind neue Produktpaletten und Verpackungen sowie deutlich kürzere Produktlebenszyklen – bei einigen Waren von nur wenigen Monaten. Um dem wachsenden Produktmix gerecht zu werden, setzt die Fabrik der Zukunft auf die Flexibilität verschiedener Robotertypen und eine zunehmend engere Zusammenarbeit von Mensch und Maschine. Es wird zwar nach wie vor den klassischen Industrieroboter geben, der autark seine Arbeit verrichtet. Dieser lässt sich aber innerhalb weniger Minuten umrüsten, ohne die Produktion stoppen zu müssen. Für die engere Zusammenarbeit von Mensch und Roboter werden in der Fabrik der Zukunft verstärkt kollaborative Roboter eingesetzt.

Aber kehrt nicht gerade rund um die Mensch-Roboter-Kollaboration eine gewisse Ernüchterung ein?

Nerseth: Das können wir nicht bestätigen. Wir sind überzeugt, dass die Bedeutung der Mensch-Maschine-Kollaboration über die nächsten Jahre weiter steigen wird. Die Fabrik der Zukunft ist durch Flexibilität, Digitalisierung und enge Zusammenarbeit von Mensch und Maschine gekennzeichnet. Roboter sind dank fortschrittlicher Sicherheitstechnik nicht länger hinter Schutzzäunen autark arbeitende Maschinen, sondern integraler Bestandteil des gesamten Produktions-Ökosystems. ABB bietet umfassende Lösungen für die kollaborative Automatisierung zwischen Mensch und Maschine. Während Roboter wie Yumi für ein enges Seite-an-Seite-Arbeiten mit dem Menschen konzipiert wurden, steht die sicherheitszertifizierte Software Safemove2 für eine sporadische Interaktion mit Werkern bei hohen Taktzahlen sowie höchster Geschwindigkeit ohne Produktionsunterbrechung. Beide werden daher künftig in der Fertigung koexistieren.

Inwieweit bilden intelligente Robotersysteme das Rückgrat für die Industrie 4.0?

Nerseth: Industrie 4.0 bedeutet auch den Schritt von einer reinen Massenproduktion zu einer hochflexiblen Produktion mit kürzeren Produktlebenszyklen, die individuelle Kleinserien zu den Stückkosten einer Massenproduktion realisieren kann. Nur mit Robotern lässt sich diese Flexibilität erreichen, da sie sich schnell und kostengünstig auf neue Produkte umrüsten lassen.

Und was bedeutet Industrie 4.0 für ABB Robotics konkret?

Nerseth: In der Industrie 4.0 wird die Wartung von Robotern vorausschauender und proaktiver: Mit ABB Ability Connected Services bietet ABB digitale Lösungen, die Leistung, Verfügbarkeit und Lebensdauer der Roboter verbessern sowie Anwender bei der Ressourcenplanung unterstützen und ungeplante Produktionsstillstände durch die Analyse von Echtzeitdaten vermeiden. Anwender erzielen bei ihren eingesetzten Robotern hiermit bis zu 25 Prozent weniger Störungen und können die Reaktions- und Behebungszeit bei Problemen um bis zu 60 Prozent verkürzen.

Künstliche Intelligenz ist derzeit in aller Munde. Wie groß ist die Bedeutung des Themas für die Robotik?

Nerseth: Insbesondere in Verbindung mit der Robotik ergeben sich enorme Chancen durch künstliche Intelligenz. Denn Roboter können heute zwar sehr ausdauernd und hochpräzise Aufgaben erledigen – aber eben immer nur in strukturierten Umgebungen. Wenn der Roboter in einer unstrukturierten Umgebung arbeiten soll, tut er sich schwer. Hier kann die künstliche Intelligenz helfen – gerade in Verbindung mit 3D-Vision-Systemen. Wobei wir dabei statt von künstlicher Intelligenz von maschinellem Lernen beziehungsweise Machine Learning sprechen.

Was genau kann man sich unter Machine Learning vorstellen?

Nerseth: Roboter sind derzeit auf programmierte Abläufe beschränkt, weshalb sie nicht wie der Mensch auf Veränderungen in der Umwelt oder in ihren Aufgaben reagieren können. Durch den Einsatz von maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz sollen Roboter langfristig selbstlernend sein – oder selbstoptimierend. Dies ist in Teilen bereits heute Realität. So können Produktionsparameter aller weltweit installierten Roboter miteinander verglichen werden. Auf Basis dieser aggregierten Erkenntnisse werden Produktionsprozesse optimiert und die Produktivität gesteigert.

Haben Sie für diese KI-Optimierungen der Produktion ein konkretes Beispiel?

Nerseth: Ein gutes Beispiel ist eine Roboter-Lackieranlage, eine hochkomplexe Kombination von Roboter, Sprühgerät, Lackzuführung und Fahrzeug. Mithilfe des ABB Ability Connected Atomizer kann die Qualität des Lackauftrags noch während des Prozesses optimiert werden, indem Produktionsparameter live analysiert und entsprechend verarbeitet werden. Qualitätsmängel werden nicht erst hinterher entdeckt und können direkt vermieden werden. Das ist natürlich ein entscheidendes Kriterium für die Produktivität und damit Gold wert, beispielsweise für die Automobilindustrie.

Für ABB als Roboterhersteller wird also der Systemgedanke immer wichtiger?

Nerseth: Das ist richtig. Natürlich werden wir weiterhin auch einzelne Roboter verkaufen, allerdings zeichnet uns das Applikations-Knowhow schon immer aus. Durch Applikationen rund um die Roboter verfügen wir über umfangreiche Erfahrung mit unterschiedlichen Prozessen und können dadurch Kunden entsprechenden Mehrwert bieten – auch und gerade mit Machine Learning, wie das Beispiel der Lackierstraße zeigt.

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