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VDMA: Jobmotor Roboter verbessert Ergonomie

Maschinenassistenten werten die menschliche Arbeit eher auf als sie zu ersetzen
VDMA: Jobmotor Roboter verbessert Ergonomie

VDMA: „Mensch und Roboter sind eine unschlagbare Kombination. Selbst anderslautende Sensationsmeldungen können darüber nicht hinweg täuschen“ (Foto: Audi)
„Roboter könnten 18 Millionen Deutsche arbeitslos machen“, „59 Prozent der Arbeitsplätze gefährdet“. So oder ähnlich lauteten jüngst Überschriften nach einer Studie der ING-Diba. Nun geht der VDMA in die Gegenoffensive: Robotik und Automation sichern Jobs – und durch die Roboter-Assistenten werden Arbeitsplätze sogar gesundheitsschonender.

Robotik und Automation sind gefragter denn je. In Deutschland wurde 2014 mit einer Umsatzsteigerung von 9 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro ein neues Rekordergebnis erzielt. „Die Aussichten stehen gut, dass wir bis zum Jahresende die Marke von 12 Milliarden Euro Branchenumsatz erreichen“, sagt Hans-Dieter Baumtrog, Vorsitzender des Vorstands von VDMA Robotik + Automation.

Von der steigenden Automatisierung profitiert die gesamte Wirtschaft. „Der Einsatz von Robotik und Automation bietet bedeutende Chancen für eine stabile wirtschaftliche Entwicklung, wertige und ergonomische Arbeitsplätze sowie sichere und erschwingliche Produkte“, betont Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer des VDMA-Fachverbands Robotik + Automation. „Sorgen vor einer Zukunft, in der Roboter Menschen die Arbeitsplätze wegnehmen, sind unbegründet. Mensch und Roboter sind eine unschlagbare Kombination. Selbst anderslautende Sensationsmeldungen können darüber nicht hinweg täuschen.“
Roboter und Jobs seien kein Paradoxon. Beispiel deutsche Automobilindustrie: Diese weitete den Bestand an Industrierobotern in Deutschland von 2010 bis 2014 um 15 Prozent auf 92 000 Einheiten aus. Im selben Zeitraum stieg die Zahl der Beschäftigten um 10 Prozent auf 775 000. Der positive Einfluss zeigt sich aber auch am Standort Deutschland insgesamt: Der Roboterbestand wuchs zwischen 2010 und 2014 um fast 20 Prozent auf 176 000 Einheiten. Die Zahl der Beschäftigten nahm in dieser Zeit um 1,6 Millionen auf 42,58 Millionen zu. Allein im Maschinenbau sind in den letzten fünf Jahren 100 000 neue Arbeitsplätze entstanden.
„Die Automationsangst vor der Substitution des Menschen ist damit unbegründet“, so Baumtrog. Diese Angst ist in den letzten Monaten erneut geschürt worden. So hatte die ING-Diba mit ihrer Studie „Die Roboter kommen“ für viel Aufregung gesorgt. Der Studie zufolge bedroht die fortschreitende Automatisierung über kurz oder lang 59 Prozent der Arbeitsplätze in Deutschland. Das wären 18 Millionen Arbeitsplätze.
Dabei übertragen die Autoren die Ergebnisse einer Studie von Osborne und Frey aus den USA auf den deutschen Arbeitsmarkt. „Auf eine Quantifizierung von Chancen durch neu entstehende Berufe und Beschäftigungsverhältnisse verzichten die Autoren jedoch“, bemängelt Schwarzkopf. „Das ist wie ein Kontoauszug, auf dem nur Abbuchungen, aber keine Gutschriften aufgelistet sind.“
Außerdem überschätzten die Studien das Einsatzpotenzial von Technologien, wie zum Beispiel Koch-Robotern und Paketauslieferungs-Drohnen. „Der vage angegebene Zeithorizont von einigen Jahren, bis die Roboter in den untersuchten Bereichen voll einsatzfähig seien, deutet auf eine wirklichkeitsferne Technologieeinschätzung hin“, so Schwarzkopf.
Ganz abgesehen davon vermischen die Autoren Digitalisierung, Automatisierung und Robotisierung – allesamt unterschiedliche Konzepte – und prognostizieren beispielsweise, dass 1,9 Millionen von 2,15 Millionen Büro- und Sekretariatskräften angeblich „robotisiert“ werden. „Aus unserer Sicht ist auch das in keiner Weise belegbar“, sagt Schwarzkopf. Für ihn ist die ING-Diba-Studie daher „unbrauchbar“.
Zumal auch das Bundesarbeitsministerium das Automatisierungspotenzial überprüft hat, aber eben nicht grob nach Berufen geordnet, sondern nach Tätigkeiten. Danach haben nur etwa 12 Prozent aller Arbeitsplätze ein Profil mit hoher Automatisierungswahrscheinlichkeit „Das Fazit der Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles lautet daher: Der digitale Strukturwandel fordert uns neue Antworten ab. Aber er überfordert uns nicht“, sagt Schwarzkopf. „Diese Aussage unterstreichen wir.“
Wie Dampfmaschine in der industriellen Revolution
Zumal genügend Studien die positiven Auswirkungen von Robotik und Automation untermauern. So untersucht die Studie Robots at Work die Auswirkungen von zunehmender Automation auf die wirtschaftliche Entwicklung von 17 Ländern. Danach gingen im Schnitt gut 10 Prozent der Steigerung des Bruttoinlandsprodukts und 15 Prozent der Produktivitätsgewinne auf den vermehrten Robotereinsatz zurück. „Das ist vergleichbar mit der Wirkung der Dampfmaschine in der industriellen Revolution“, so Schwarzkopf.
Gleichzeitig finden die Autoren im Untersuchungszeitraum keinen Rückgang der Gesamtbeschäftigung, sondern einen Anstieg der Löhne. „Das lässt den Schluss zu, dass der technische Fortschritt menschliche Arbeit aufgewertet hat“, sagt Schwarzkopf. Und das betrifft nicht nur die Löhne und die Qualifizierung, sondern auch die Gesundheit. Und gerade bei der Ergänzung der menschlichen Arbeitskraft durch unermüdliche maschinelle Helfer werde derzeit ein neues Kapitel aufgeschlagen, so Baumtrog: die direkte Zusammenarbeit von Mensch und Roboter.
„Dabei werten die Roboterassistenten die menschliche Arbeit eher auf, als sie zu ersetzen, zum Beispiel indem ergonomisch belastende Tätigkeiten vermehrt auf Roboter übertragen werden“, so Baumtrog. „Durch die Roboterassistenten kann die Arbeitskraft der Menschen länger erhalten und der Fachkräftemangel gemildert werden.“ Entsprechend seien inzwischen auch die Gewerkschaften „definitiv pro Robotik“ eingestellt, berichtet Schwarzkopf. „Die Gewerkschaften wissen, dass Robotik enorm wichtig ist und stimmen daher einem Ausbau zu.“
Die Mensch Roboter Kollaboration rückt daher verstärkt ins Visier auch von klassischen Industrieroboter-Größen, wie Akquisitionen von ABB (Gomtec) und Kuka (Faude) zeigen. „Solche Akquisitionen werden sicher zunehmen, denn die Großen wollen sich im Zukunftsmarkt verstärken“, ist Baumtrog überzeugt. Aber nicht nur die großen Industrieroboterhersteller rüsten sich. Auch Google hat sich einige Robotikspezialisten einverleibt. Bislang ist allerdings unklar, welche Strategie Google verfolgt.
Gerüchteweise arbeite der Internetriese an einem eigenen Betriebssystem, eine Art Android für Roboter. Dass sich der Konzern für den Markt interessiere, zeige aber auch, dass Google bei der IFR schon mehrfach Marktzahlen angefordert habe. Schwarzkopf hält es daher für durchaus wahrscheinlich, dass der Branchen-Neuling seine Chance wittert „Zumal das Beispiel des E-Automobilisten Tesla gezeigt hat, dass auch Newcomer durchaus erfolgreich in ein Segment eindringen können.“
Dagegen ist von Seiten chinesischer Hersteller aus Sicht des VDMA über kurz oder lang keine Konkurrenz zu erwarten. Zwar gebe es in China bereits rund ein Dutzend Roboterhersteller, die 2014 immerhin bereits 16 000 der insgesamt 56 000 in China installierten Roboter geliefert haben. „Aber die Qualität der chinesischen Roboter ist noch sehr niedrig.“ Die asiatischen Hersteller würden sich daher wohl auf absehbare Zeit auf ihren Heimatmarkt konzentrieren. ab
http://rua.vdma.org
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