Interview: Gerald Vogt, Geschäftsführer, Stäubli Tec-Systems GmbH Robotics „Werte statt Massenware“

Interview: Gerald Vogt, Geschäftsführer, Stäubli Tec-Systems GmbH Robotics

„Werte statt Massenware“

Gerald Vogt (44) ist seit September 2014 Geschäftsführer bei Stäubli Robotics. Der studierte Maschinenbauer und Diplom-Betriebswirt arbeitet seit 1998 für Stäubli und war unter anderem Division Manager in den USA und zuletzt Leiter der Robotikentwicklung in dem Stammwerk in Faverges
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Wie er mit Stäubli technologisch Benchmarks setzen will und warum die Bayreuther mit speziell angepassten Robotern am Markt punkten, das berichtet Geschäftsführer Gerald Vogt im Gespräch mit der Automationspraxis.

Sie waren bei Stäubli Division Manager in USA und zuletzt Leiter der Robotikentwicklung im Stammwerk Faverges. Wie profitieren Sie als Geschäftsführer von diesen Erfahrungen?

Vogt: Vor allem bringe ich Knowhow und Erfahrung mit, wie man Roboter schnell an die Kundenbedürfnisse anpassen kann. Denn ich vereine beides: Das vertriebliche Ausrichten an Kundenbedürfnissen und das technische Wissen, was man mit dem Roboter umsetzen kann, ohne den Anpassungsaufwand immens in die Höhe zu treiben. In meiner Arbeit im Stammwerk habe ich außerdem gesehen, was wir alles in einzelnen Ländern mit Kunden bereits realisieren: Durch verstärkte interne Kommunikation können wir solche spezifischen Lösungen auch international besser vermarkten.
Zum Beispiel?
Vogt: Zusammen mit Partnern bringen wir Best in Class-Lösungen für ganz bestimmte Anwendungen auf den Markt. In den USA haben wir beispielsweise zusammen mit einer kleinen Startup-Firma ein System entwickelt, das Haartransplantationen durchführt. Heute verkaufen wir mit dieser Firma über 100 Roboter pro Jahr. An so eine Startup Idee muss man glauben. Wenn jemand eine gute Idee für eine Maschine hat und uns überzeugt, dass er damit fünfzig bis hundert Roboter verkaufen kann, dann liefern wir ihm den passenden Roboter, den wir wenn nötig auch anpassen.
Lohnt sich eine solche kundenspezifische Anpassung denn? Andere setzen eher auf Standard und Masse…
Vogt: Wir sind da irgendwo in der Mitte. Wir haben zwar nicht die Volumina, die andere Hersteller durch ihre Schweißroboter für die Automobilindustrie erzielen. Wir sind aber dennoch ein Global Player mit einer der größten Produktlinien – und wir können trotzdem für Kunden spezifische Lösungen entwickeln. Andere Anbieter verkaufen nur ihre Standard-Roboter. Unsere Kunden loben immer wieder unsere Flexibilität und den direkten Draht in die Entwicklungsabteilungen.
Zu Ihrem Amtsantritt als Geschäftsführer kündigten Sie eine „offensive Expansionsstrategie“ an. Planen Sie auch Zukäufe?
Vogt: Wir sind auch in der Vergangenheit anorganisch gewachsen – das beste Beispiel ist der Kauf von Bosch Rexroths Scara-Sparte. Das werden wir auch in Zukunft tun – aber als Schweizer Familienunternehmen hängen wir das nicht an die große Glocke. Wir sind permanent dabei, den Markt zu analysieren und werden aktiv, wenn es strategisch Sinn macht. Aber wir wollen uns sicher keine Marktanteile zusammen kaufen.
Apropos Marktanteile: Wo stehen Sie hier in Deutschland?
Vogt: Wenn man alle Roboter zählt, liegen wir in Sachen Marktanteile vermutlich auf Platz vier. Aber wenn wir die großen Volumina der Schweißroboter abziehen, wo wir ja gar nicht aktiv sind, liegen wir in der General Industry auf den ganz vorderen Plätzen. Bei Automobilzulieferern sowie in den Segmenten Lifescience und Food sind wir sogar Marktführer.
Sind denn Lifescience und Food Ihre stärksten Branchen?
Vogt: Nein, unser größter Markt sind die Automobilzulieferer. Aber Pharma, Healthcare und Food sind die größten Wachstumsmärkte, hier wachsen wir zweistellig. Daher bringen wir unseren ultraschnellen Picker TP80 nun auch in einer reinigungsfreundlichen HE-Version mit lebensmitteltauglichem Öl, um ihn etwa auch bei der Fleischverarbeitung einsetzen zu können. Bislang wird der Highspeed-Picker vor allem für Schokolade, Brötchen, Kaffeekapseln und Fertigsuppen-Tüten bis hin zum Spritzen-Handling eingesetzt.
In welchen Bereichen sehen Sie noch Nachholbedarf?
Vogt: Natürlich gibt es Bereiche, wo wir uns verbessern wollen. Regional sind wir beispielsweise im Norden nicht so stark, wie wir sein könnten – zumal dort einiges im Lebensmittelumfeld passiert. Ein anderes Beispiel ist die Herstellung von Käse und Milchprodukten. Da sind wir zwar in Frankreich enorm stark, aber hierzulande nicht so sehr. Das wollen wir ändern – gerade über den erwähnten verstärkten weltweiten Austausch.
Zudem wollen Sie mit Stäubli „technologische Benchmarks“ setzen. Wo und wie?
Vogt: Wir sprechen hier von Redefining Performance – es geht nicht um einzelne Werte wie Geschwindigkeit und Präzision. Die sind für uns sowieso ein Muss. Es geht um eine ganzheitliche Sichtweise, also die Total Cost of Ownership: Selbst wenn unser Roboter etwas mehr kostet, ist er unterm Strich günstiger, weil man ihn einfach programmieren kann, weil man weniger warten und austauschen muss und weil seine Lebensdauer höher ist. Wir liefern zwar nicht das günstige Produkt in großen Stückzahlen, sondern wir liefern Werte.
Neben Geschwindigkeit und Präzision steht Stäubli für gekapselte Bauweise. Können Sie sich damit noch differenzieren? Interne Kabeldurchführung haben heute viele Anbieter…
Vogt: Aber schauen Sie doch mal die Produktpalette an: Das haben die meisten nur bei Kleinrobotern. Sobald es um höhere Traglasten von 20 bis 100 Kilogramm geht, wird es schwierig. Wir dagegen haben die gekapselte Bauweise in der ganzen Produktpalette. Und das ist nicht nur bei Food-Anwendungen wichtig, sondern auch im Automobilbereich, wenn ich Motorblöcke reinigen muss. Bei nicht gekapselten Robotern gehen die Kabelbäume über kurz oder lang kaputt.
Über die Unival Drive Schnittstelle vereinfachen Sie schon eine ganze Weile die Integration Ihrer Roboter in externe Maschinensteuerungen. Warum?
Vogt: Diese Funktionalität haben wir bereits seit 2010. Auch hier waren wir wieder einmal Trendsetter. Die anderen Roboterhersteller wollten damals noch mit ihren Robotersteuerungen weitere Achsen oder sogar ganze Zellen steuern. Doch Maschinensteuerungen von Siemens, Beckhoff, Schneider, Rockwell oder B&R sind ja genau für solche Multi-Achs-Steuerungen ausgelegt. Damit man bei der Roboterintegration hier nicht mehr in zwei Welten agieren muss, haben wir die offene Unival Drive Schnittstelle entwickelt. Nun folgen andere diesem Trend auch.
Und wie sind ihre weiteren Pläne?
Vogt: Neben dem Unival Drive für die Integration in die Motion Steuerung bringen wir in Kürze Unival PLC. Damit können Sie dann mit normalen SPS Blöcken einen Roboter programmieren, etwa für einfache Be- und Entladen-Aufgaben.
Was sind weitere Themen, an denen Sie entwickeln?
Vogt: Sicherheitsfunktionen wie sichere Zonen oder sichere Geschwindigkeit gibt es bei uns mit PLe/SIL3-Niveau. Das lassen wir gerade vom TÜV zertifizieren. Bei anderen Herstellern sind heute nur die Sicherheitssteuerungen auf PLe/SIL3-Niveau und eben nicht die Sicherheitsfunktion selbst. Das wird uns bei der Mensch-Roboter-Kooperation neue Möglichkeiten eröffnen.
Inwiefern?
Vogt: Insbesondere Mittelständler haben noch Angst, den Roboter ohne Schutzzaun zu betreiben. Den Arbeitsbereich eines Roboters über Sicherheitsfunktionen einzugrenzen, ist heute zwar bereits möglich, aber es war für den Anwender eben nicht einfach nachzuweisen, dass das Ganze wirklich sicher ist. Deswegen lassen wir unsere Sicherheitsfunktionen gerade vom TÜV zertifizieren. ab
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