Jobs in der Industrie 4.0: Welche Chancen Digitalisierung und Flexibilisierung der Fertigung bieten und wo die Hürden liegen Digitale Arbeit 4.0: Qualifizierter und gesünder?

Jobs in der Industrie 4.0: Welche Chancen Digitalisierung und Flexibilisierung der Fertigung bieten und wo die Hürden liegen

Digitale Arbeit 4.0: Qualifizierter und gesünder?

In der Industrie 4.0 steigt laut einer Umfrage unter 140 Industrieunternehmen die Zahl der qualifizierten Arbeitsplätze (Grafik: Staufen AG)
Anzeige
Mit der Industrie 4.0 wird die Fertigung digitaler und flexibler. Ein Thementag der vhs4business in Stuttgart hat kürzlich gezeigt, welche Auswirkungen das auf Mitarbeiter, Arbeitsinhalte und Arbeitsplätze hat.

„Den Digitalisierungsprozess können wir nicht aufhalten – wir stecken mittendrin“, betont Prof. Dr.-Ing. Thomas Bauernhansl, der Leiter des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA). Das hätten auch die Gewerkschaften erkannt: „Diese gehen den Weg mit und stellen die richtigen Fragen.“

Das bestätigt Dr. Constanze Kurz, Ressortleiterin beim Vorstand der IG Metall für die Zukunft der Arbeit. „Wir sehen durchaus die Chancen durch Digitalisierung und Flexibilisierung. Produktionsarbeit 4.0 kann gesünder, qualifizierter und selbstbestimmter sein.“ Daher wollen die Gewerkschaften dafür sorgen, dass die neuen Systeme tatsächlich zur Unterstützung und Entlastung der Mitarbeiter eingesetzt werden – und eben nicht die Mitarbeiter entmündigen oder sogar die Belastungen erhöhen. „Wir müssen, wir wollen und wir werden den Wandel gestalten.“
Als positives Beispiel führt Kurz den zunehmenden Einsatz von kollaborativen Robotern bei Automobil-OEMs an. „Natürlich sehen die Automobilhersteller hierdurch Möglichkeiten der Rationalisierung, aber es geht eben auch um Arbeitsverbesserungen.“ Denn gerade in der Automobil-Endmontage finde man immer noch viele Arbeitsplätze, die langfristig der Gesundheit schaden.
Physische Unterstützung könnte es auch durch Exoskelette und ähnliche technische Hilfsmittel geben, ergänzt Dr.-Ing Sebastian Schlund, der Leiter des Competence Center Produktionsmanagement am Fraunhofer IAO. Zudem sei durch die Computerisierung der Produktion einiges an digitaler Unterstützung zu erwarten. Schlund denkt etwa an eine Wartungs- und Planungsassistenz: „Denn der Mensch kann zwar hervorragend mit Komplexität umgehen – aber in der Datensammlung und -aufbereitung ist er nicht so gut.“
Dennoch bleibt die Befürchtung, dass die Industrie 4.0 auch unangenehme Auswirkungen hat – etwa auf die Anzahl der Arbeitsplätze. In einer Umfrage der Unternehmensberatung Staufen gehen 61 Prozent der 140 befragten Industrieunternehmen davon aus, dass die Anzahl der Beschäftigten in Deutschland durch Industrie 4.0 abnehmen wird.
„Laut US-Studien besteht für 47 Prozent der Arbeitsplätze ein Risiko durch Digitalisierung und Automatisierung. Ähnliche Größenschätzungen gibt es für Europa“, ergänzt Schlund. Allerdings sei dabei nicht berücksichtigt, welche neuen Jobs entstehen und welche Arbeitsplätze wieder zurückkehren, wenn die Fertigung dank Digitalisierung und Automatisierung zurückgeholt wird.
Produktionsjobs nicht gefährdet
Die größten Job-Rationalisierungspotenziale durch Digitalisierung und Nutzung von Internet-Services sieht Bauernhansl im indirekten Bereich: „Wenn die Kunden ihre Produkte online konfigurieren, dann hat das Auswirkungen auf den Vertrieb. Und wenn Daten aus der Fertigung automatisiert gesammelt und ausgewertet werden, hat das Auswirkungen auf das Controlling.“
Dagegen steht der direkte Produktionsbereich beim Thema Arbeitsplatz-Abbau nicht so sehr der im Fokus: „Denn die Personalkosten an den Produktionskosten sind mit 10 bis 30 Prozent meist ohnehin schon sehr niedrig“, sagt Bauernhansl. Im Produktionsbereich würden zwar einfache Tätigkeiten wie Transportaufgaben wegfallen und es werde Änderungen in der Interaktion mit Maschinen geben, „die Facharbeiter in der Produktion werden aber in jedem Fall bleiben – einen Werkzeugmacher kann kein Roboter ersetzen“, so der IPA-Leiter.
Für die Facharbeiter in der Fertigung besteht also wohl kein Risiko, den Job zu verlieren – im Gegenteil: Ihre Arbeit dürfte sogar eher aufgewertet werden, weil langweilige Routine-Jobs vom Roboter übernommen werden und qualifizierte Aufgaben hinzukommen. Laut Staufens Industrie-4.0-Index erwarten 85 Prozent der Firmen durch die digitale Revolution mehr qualifizierte Arbeitsplätze in Deutschland.
Facharbeiter erhalten Aufwertung
Das kann Kurz aus der Praxis bestätigen: „Erfahrungen zeigen, dass viele Facharbeiter durch die Digitalisierung ein Upgrading ihrer Tätigkeit erfahren. Denn Ingenieurstätigkeiten werden algorithmisiert und so für Facharbeiter geöffnet.“
Allerdings wachsen damit auch die Anforderungen: „Vom Mitarbeiter wird zukünftig eine Bereitschaft zum lebenslangen Lernen sowie ein starkes Interesse an interdisziplinärem Denken und Handeln erwartet“, so Schlund. Für IG-Metall-Expertin Kurz ist daher die Qualifizierung ganz zentral: „Wir brauchen entsprechende Weiterbildungskonzepte.“ In der Praxis sieht das aber noch recht dünn aus. 70 Prozent der Unternehmen bieten keine Schulungen oder Weiterbildungen zum Thema Industrie 4.0 an, zeigt die Staufen-Umfrage. Nur fünf Prozent unterbreiten ihren Mitarbeitern spezielle Angebote, 11 Prozent haben das Thema in bestehende Weiterbildungen integriert.
Zudem müsse man die Mitarbeiter in den Wandel mit einbinden, fordert Kurz: „Man darf den Kollegen die neuen Entwicklungen nicht überstülpen. Gefragt sind Information, Aufklärung und Beteiligung.“ Und das betrifft nicht nur die Produktionsmitarbeiter. „Gerade im mittleren Management bestehen oft noch Ängste – die Industrie 4.0-Diskussion hängt zu sehr in den Top-Etagen fest.“
Das ist insofern ärgerlich, als der Wandel der Produktionsarbeit die Rolle der Führungskräfte verändert, so die Staufen-Studie: Fast drei Viertel der befragten Manager sind davon überzeugt, dass Führung in Zukunft noch wichtiger wird. „Eine Smart Factory kann nur dann Gewinn bringend eingesetzt werden, wenn auch die Führungsstrukturen angepasst werden. Die Industrie 4.0 ist auf dezentrale Entscheidungsmechanismen statt der heutigen zentralistischen Organisationsformen angewiesen“, so die Unternehmensberater.
Die gute Führungskraft 4.0 muss aber nicht nur Entscheidungen dezentralisieren, sondern auch deutlich mehr als heute als Kommunikator agieren. Vor allem die Kommunikation nach innen gegenüber Mitarbeitern, Kollegen und Vorgesetzten hält die Mehrzahl der Befragten (71 Prozent) für die künftige Hauptaufgabe einer Führungskraft 4.0. Parallel dazu sehen 67 Prozent einen teamorientierten Führungsstil entscheidend für deren Erfolg an. ab
http://vhs-4business.de/beitraege-thementag.html
Anzeige

Aktuelle Ausgabe

Expertenforum „Mobile Robotik“

Kommen Sie zu unserem nächsten Expertenforum „Mobile Robotik“ am 27. Juni 2019 zu Stäubli nach Bayreuth und sichern Sie sich jetzt einen der begehrten Plätze bei dieser Veranstaltung.

Themenseite Cobot

Erläuternde Beiträge, Neuigkeiten, Anwendungsbeispiele und Hintergrundinfos rund um das Thema kollaborative Robotik

Newsletter

Unsere Dosis Wissensvorsprung für Sie. Jetzt kostenlos abonnieren!

Innovationen in der Robotik

Das mav Innovationsforum in Böblingen vereint die Vorteile eines Kongresses mit denen einer Messe. In fünf spannenden Vortragssessions mit Begleitausstellung erfahren Sie interessante Neuheiten, u.a. rund um die Themen Robotik, Automation und Maschinenelemente.

Jetzt anmelden und Besucherplatz sichern!

Whitepaper

Hier finden Sie aktuelle Whitepaper

Alle Webinare & Webcasts

Hier finden sie alle Webinare unserer Industrieseiten

Kalender

Aktuelle Termine für die Automatisierungsbranche

Anzeige

Industrie.de Infoservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de