China gibt Gas bei Robotik und künstlicher Intelligenz Preiskampf und Cybergefahr dämpfen China-Euphorie

China gibt Gas bei Robotik und künstlicher Intelligenz

Preiskampf und Cybergefahr dämpfen China-Euphorie

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Chinas weiter steigendes Automationsbedürfnis eröffnet Chancen, es gibt jedoch auch einige Hürden zu überwinden. Und das Land rüstet selbst technologisch stark auf – sowohl bei KI als auch bei Robotik.

Autor: Armin Barnitzke

„Steigende Arbeitskosten, ein Auslaufen der demografischen Dividende, der Bedarf an qualitativ hochwertigeren Produkten sowie eine nach wie vor im weltweiten Vergleich geringe Roboterdichte werden weiter für eine starke Nachfrage nach Robotik und Automation in China sorgen“, sagt der China-Experte Georg Stieler. Zumal die Regierung in Peking die Modernisierung des produzierenden Sektors weiter massiv vorantreibt.

Das bietet – trotz steigender Konkurrenz durch einheimische Anbieter – europäischen Firmen weiter gute Absatzchancen. „Generell verfügen europäische Anbieter noch überall da über einen Vorsprung, wo es um komplexere Systeme sowie hohe Präzision und Zuverlässigkeit geht“, so Stieler.

Allerdings gebe es in China auch eine ganze Reihe von Herausforderungen für ausländische Unternehmen: „Viele Entwicklungen in China erfolgen mit einem Ausmaß und einer Geschwindigkeit, die aus der beschaulichen deutschen Perspektive nur schwer vorstellbar sind.“ Um diese Chancen zu nutzen, müsse man schnell und flexibel sein.

Regierung kontrolliert Daten

Ein weiteres Problem ist die Gefahr der Cyberspionage: „Die Kontrolle über Informationen sowie die Kommunikationsinfrastruktur sind für die chinesische Regierung von höchster Bedeutung“, sagt Stieler. Konkretisiert wird dies durch das Cybersecurity-Gesetz, das alle in China aktiven Industrieunternehmen berührt.

„Auch wenn das Gesetz in vielen Bereichen noch vage gehalten ist, ist klar, dass sämtliche unternehmensbezogenen Daten auf Servern in China gespeichert werden müssen. Verschlüsselungscodes müssen auf Verlangen der Regierung offengelegt werden. Datenverbindungen ins Ausland sind nur noch mit staatlich genehmigten VPNs erlaubt.“ Die Nutzung intelligenter, vernetzter Produktionsprozesse erhöhe daher das Risiko, Opfer von Cyberspionage zu werden. „Im Worst-Case-Szenario muss man damit rechnen, das in digitaler Form abgebildete Wissen an Wettbewerber zu verlieren. Es verwundert daher nicht, dass selbst namhafte Fürsprecher von Industrie 4.0 in ihren chinesischen Werken das Gegenteil tun: Insellösungen statt Cloud.“

Die Profitabilität leidet

Zudem steigt die Konkurrenz durch einheimische Wettbewerber. Sehr deutlich wird das beim Thema Robotik. „Der Preisdruck etwa bei Industrierobotern ist mittlerweile enorm. Sämtliche inländischen und ausländischen Roboterhersteller haben ihr Absatzwachstum im vergangenen Jahr mit deutlichen Einbußen bei der Profitabilität bezahlt“, berichtet Stieler.

Zumal chinesische Wettbewerber auf einer Kostenbasis operieren, mit der europäische Wettbewerber nicht mithalten können. „Einheimische Hersteller wie Siasun, Efort, STS oder Greatoo bieten 6-Achs-Roboter mit einer Tragkraft von 20 Kilogramm mittlerweile für unter umgerechnet 13 000 Euro an. Hersteller wie ABB oder Kuka liegen mindestens 30 bis 40 Prozent darüber.“

Und die chinesische Robotik-Landschaft ist rapide gewachsen: Nicht zuletzt getrieben von massiven Subventionen hat sich die Anzahl der chinesischen Robotik-Firmen in den vergangenen sechs Jahren von etwa 300 auf über 3400 erhöht – wenn auch nicht alle ernsthafte Konkurrenten sind: „Bei der Vergabe der Fördermittel spielten Beziehungen häufig eine wichtigere Rolle als technologische Kompetenz. Viele Unternehmen sind daher nur leere Hüllen ohne eigenes Knowhow. Sie sind in einem Teufelskreis aus kaum differenzierbaren Produkten und niedrigen Margen gefangen.“

Um diesem Problem Herr zu werden, hat die chinesische Regierung Richtlinien erlassen, nach denen Roboterhersteller mit weniger als 50 Millionen Renminbi und Stückzahlen von weniger als 2000 Einheiten pro Jahr mittelfristig aus dem Markt ausscheiden sollen. „Nach diesen Kriterien sehen wir etwa 10 potenziell wettbewerbsfähige chinesische Roboterhersteller, darunter Siasun, Efort, GSK, Estun, STS und Greatoo“, berichtet Stieler. Diese konnten in den vergangenen Jahren ihren Marktanteil kontinuierlich ausbauen. „Zunächst über einfache Anwendungen wie Be- und Entladen, allmählich dringen diese aber auch in Biege- oder Schweißanwendungen vor.“

Vorteil durch schiere Masse

Und auch auf anderen Gebieten sind die Chinesen dabei, in Sachen moderne Technik aufzuholen – ein gutes Beispiel ist das Thema künstliche Intelligenz: Mit über 750 Millionen Nutzern ist China der größte zusammenhängende Internetmarkt der Welt. Auch aufgrund der bisher relativ laxen Datensicherheitsbestimmungen sind so riesige Datenberge entstanden, die heute ein wesentlicher Vorteil bei der Entwicklung von Machine Learning sind. „Chinesische Unternehmen wussten die Fortschritte in diesem Bereich für sich zu nutzen und sind heute führend bei digitaler Gesichts- und Spracherkennung“, so Stieler.

Der Vorteil durch schiere Masse (China-Gravity) lässt sich auch auf den Fertigungs- und Robotikbereich übertragen. „30 Prozent der weltweiten Automobilproduktion kommen aus China, bei Kühlschränken sind es 50 Prozent, bei Smartphones und Computern über 80 Prozent.“ Zudem stehen in China die meisten Werkzeugmaschinen und Roboter. „Entsprechend werden dort die meisten Daten erzeugt – und müssen nach der geltenden Gesetzgebung dort verarbeitet werden.“

Und künstliche Intelligenz ist eines der Schlüsselfelder in den Strategieplänen der chinesischen Regierung. „Wenn es nach dem Willen von Peking geht, soll das Land in diesem Bereich mit den USA aufgeschlossen haben und bis 2030 weltweit führend sein.“ Auch wenn vieles, was in diesen Dokumenten angekündigt wird, nicht erreicht wird, ist die Richtung damit klar. „Im vergangenen Jahr hat China zum ersten Mal die Vereinigten Staaten bei den Investitionen in die Erforschung von künstlicher Intelligenz übertroffen.“

Stieler Technologie- & Marketing-Beratung GmbH & Co. KG

www.stm-stieler.de

Die internationalen Big 4 (also ABB, Fanuc, Kuka und Yaskawa) sind auch in China die Marktführer.
Bild: Stieler
Die chinesischen Roboterhersteller wachsen deutlich schneller als die globalen Größen.
Bild: Stieler

Studie untersucht chinesischen Robotik-Markt im Detai

Georg Stieler leitet die 2011 gegründete Niederlassung der Stieler Technologie- und Marketing-Beratung in Shanghai. Mit seinem chinesischen Team arbeitet er mit ausländischen Lieferanten und Anwendern von Unternehmenssoftware, Robotern, Sensoren und CNC-Systemen in der Region zusammen.

In einer Studie (Industrial Robots in China) hat Stieler den chinesischen Robotik-Markt untersucht. Die Studie beantwortet Fragen wie: Wer sind die relevanten Player am chinesischen Markt? Was sind ihre Stärken und Schwächen? Wie wird sich der Markt weiterentwickeln? Wer sind die richtigen Partner? Die Studie besteht aus zwei separat erhältlichen Teilen (Marktanalyse Industrial Robots in China sowie Systemintegratoren-Datenbank – Beschreibung der 326 wichtigsten Robotik-Systemintegratoren in China.



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