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Fanuc: CRX-Cobot spricht Neueinsteiger und Bestandskunden an

Interview: Ralf Winkelmann, Geschäftsführer bei der Fanuc Deutschland GmbH
Fanuc: „Der CRX-Cobot öffnet uns neue Märkte“

Wie Fanuc im Mittelstand von seinem neuen Leichtbau-Cobot CRX profitiert und warum die Japaner in Neuhausen stark in ihr europäisches Entwicklungszentrum investieren, verrät Ralf Winkelmann, Geschäftsführer Fanuc Deutschland GmbH im Gespräch.

Interview: Armin Barnitzke

Fanuc investiert in Neuhausen gerade stark in ein neues europäisches Technikum. Warum?

Winkelmann: Wir sind hier in Neuhausen einfach sehr nah am Puls der Zeit – denn Deutschland ist und bleibt der Innovationsmotor im Herzen Europas. Um diesen Puls der Zeit und die Anforderungen und Wünsche der Kunden noch besser aufzunehmen, bauen wir unsere technische Support-Organisation für Europa und unser europäisches Entwicklungszentrum (EDC) aus. Wir wollen die Wünsche der europäischen Kunden aufnehmen und so schnell wie möglich umsetzen. Und das geht am besten, wenn wir bei Fanuc Europe alle Zentralfunktionen in Sachen Technik hier in Neuhausen bündeln.

Was genau soll im EDC passieren?

Winkelmann: Der Markt verändert sich immer schneller und damit wandeln sich auch die Anforderungen der Kunden. Um den Kreislauf aus „den Kunden zuhören und dafür die passenden Lösungen entwickeln“ klein und schnell zu halten, haben wir hier vor Ort bereits 2017 das EDC gegründet. Das EDC ist Teil unserer Hauptentwicklungsabteilung in Japan. In Neuhausen arbeiten wir darüber hinaus gemeinsam mit den Kunden an weiteren Anpassungen, um konkrete Lösungen voranzubringen.

Wie läuft bei Fanuc aktuell das Geschäft? Zieht es nach der Krise wieder an?

Winkelmann: Ja. Unser Auftragseingang in Deutschland hat sich seit Jahresanfang sehr gut entwickelt – über alle Produktlinien hinweg. Denn durch die Corona-Lockdowns sind viele Projekte liegen geblieben und es gibt aktuell einen großen Nachholbedarf. Daher werden gerade viele Bestellungen getätigt. Die große Frage ist aber: Wie geht es weiter? Das hängt auch davon ab, ob die Industrie Themen wie ihre Logistikketten samt fehlenden Produktionskapazitäten sowie den Rohstoffmangel in den Griff bekommt. Wenn ja, werden wir einen nachhaltigen Aufschwung bekommen. Aber wenn nicht, besteht die Gefahr, dass sich der gerade abzeichnende Aufschwung wieder umkehrt. Ganz abgesehen davon: Wir befinden uns weiter mitten in einer Pandemie, deren Ende nicht abzusehen ist.

Hat die Corona-Pandemie für Fanuc auch neues Geschäft gebracht?

Winkelmann: Natürlich. Corona hat gezeigt, dass die Pandemie überall da, wo arbeitsintensive Vorgänge stattfinden und Menschen ein wichtiges Element sind, diese Prozesse unterbrechen konnte. Gerade in der Logistik, wo Menschen oft noch viel und schwer heben müssen, hat das dazu geführt, dass man darüber nachdenkt, wie man die Mitarbeiter entlasten kann und zugleich sicherstellt, dass die Abläufe weiter funktionieren. Die Antwort darauf ist Automation.

Nur in der Logistik?

Winkelmann: Nein. Jeder produzierende Betrieb sollte sich die Frage stellen, wie Abläufe verbessert werden können. Der Einsatz von Industrierobotern in zentralen Bereichen der Produktion ist dabei ein ganz wichtiges Element – auch um die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Betriebe dauerhaft zu sichern und nicht von langen Lieferketten abhängig zu sein.

Betrifft das auch mittelständische Unternehmen?

Winkelmann: Wir sehen ganz klar den Trend, dass sich kleine Unternehmen mit Automation beschäftigen und sich Gedanken machen, wie sie mit dem Fachkräftemangel umgehen. Die kleinen Unternehmen profitieren auch davon, dass die Einstiegshürden in die Automation immer niedriger werden. Nehmen Sie zum Beispiel unseren Leichtbau-Cobot CRX. Der lässt sich intuitiv bedienen und braucht keine langen Roboterschulungen. Der CRX und die Pandemie haben definitiv dazu geführt, dass sich viele KMUs jetzt mit Robotik beschäftigen und prüfen, wie sie Roboter einsetzen können.

Was sind die Hauptvorteile des CRX? Was ist der USP des CRX gegenüber den vielen anderen Cobots am Markt?

Winkelmann: Ein wichtiger Pluspunkt beim CRX ist unsere gewohnte Industriequalität. Der Cobot ist nicht umsonst acht Jahre wartungsfrei einsetzbar. Zudem haben wir unser Know-how aus der industriellen Robotik auf den Cobot übertragen, er ist also auch für klassische Industrieroboteranwendungen nutzbar, wie etwa das Kleben oder Schweißen. Ein wichtiges Plus ist nicht zuletzt ganz klar die einfache, grafisch orientierte Bedienung via Tablet, bei der man aber auch nahtlos zwischen der einfachen grafischen Bedienung und der gewohnten Industrieroboter-Bedienung hin- und herspringen kann. Wer sich mit Fanuc auskennt, findet sich auch beim CRX 1:1 wieder. Wir sprechen also zwei Gruppen an: Die Neueinsteiger ebenso wie Kunden, die sich bereits in der Fanuc-Welt auskennen.

Und wie steht es um den Preis?

Winkelmann: Wir sind mehr als wettbewerbsfähig – sowohl beim Preis, als auch bei der Funktionalität und beim Service.

Soll die einfache Bedienung des CRX Stück für Stück auch für die anderen Industrieroboter kommen? Wie sind hier Strategie und Zeitplan?

Winkelmann: Wir schauen uns die Erfahrungen, die wir mit dem CRX sammeln, und das Kunden-Feedback ganz genau an und werden dann in Ruhe entscheiden, was wir vom CRX in der Industrierobotik weiterführen wollen. Einen konkreten Zeitplan gibt es dafür jedoch noch nicht.

Wie soll sich der CRX weiterentwickeln? Weitere Modelle? Mehr Funktionen wie Vision?

Winkelmann: Wenn die Kunden möchten, dass wir die CRX-Palette nach oben und unten ausweiten, dann werden wir das tun. Was die Funktionen angeht: Unsere Funktionen aus dem Industriebereich wie integrierte Vision oder integrierte Kraft-Momenten-Sensorik kann man jetzt bereits 1:1 beim CRX einsetzen. Das ist ja unser großer Vorteil. Wir fangen mit einer zweiten Cobot-Säule nicht bei null an, sondern können dem CRX unsere bewährten Industriefunktionen mitgeben.

Werden Sie trotzdem ihre anderen kollaborativen Roboter, die grünen CR-Roboter, weiter vorantreiben? Oder liegt der strategische Schwerpunkt auf dem CRX?

Winkelmann: Die grünen CR-Roboter bleiben natürlich weiter im Portfolio. Denn die CR-Roboter und der CRX-Cobot ergänzen sich prima. Die CR-Roboter haben den Vorteil, dass sie auch höhere Gewichtsklassen für den industriellen Einsatz bis 35 kg tragen können, während der CRX ein expliziter Leichtbauroboter ist.

Bei vielen großen Robotik-Playern wie Kuka oder ABB steht derzeit der Mittelstand besonders im Fokus: Wie wollen Sie KMUs adressieren? Gibt es besondere Initiativen?

Winkelmann: Wir haben beispielsweise ein Guide Book erstellt, das Robotik-Einsteigern mit Leitlinien weiterhilft. Entscheidend ist aber, dass auch KMUs den gleichen Anspruch an den Service wie große Unternehmen haben. Das haben wir uns auf die Fahnen geschrieben: Alle Kunden sollen den gleichen guten Service bekommen mit den gleichen schnellen Reaktionszeiten und Ersatzteil-Verfügbarkeiten. Das wird von kleinen Kunden sehr geschätzt. Nah beim Kunden – das ist unser Motto.

Ein weiteres Trendthema ist die Integration der Roboter in Maschinensteuerungen. Wie kommt Fanuc bei der Integration von Roboter und CNC-Steuerung voran?

Winkelmann: Wir haben uns schon frühzeitig darauf fokussiert, die Nutzung mehrerer Fanuc-Produkte beim Kunden zu vereinfachen und Synergien besser zu nutzen. Für automatisierungswillige Maschinenbetreiber wollen wir die Nutzung des Roboters an der Werkzeugmaschine vereinfachen. Mit QSSR, das steht für Quick & Simple Start-up of Robotization, kann der Bediener den Roboter aus seiner bekannten CNC-Welt bedienen und programmieren: Von der einfachen Parametrierung bis hin zur Bewegungsprogrammierung mit G-Code. Weitere Funktionen haben wir im Remote Motion Interface zusammengefasst, damit der Maschinenbediener den Roboter aus der Maschine heraus steuern kann, ohne sich auf die Roboter-Ebene bewegen zu müssen.

Gilt das nur für Fanuc Steuerungen?

Winkelmann: Nein. Wir sind grundsätzlich sehr offen. Über das PLC Motion Interface kann man beispielsweise auch aus der Beckhoff- oder Siemens-SPS unseren Roboter ansteuern. Das werden wir weiter ausbauen.

Wollen Sie dann künftig ganz auf die Robotersteuerung verzichten? Wird der Roboter künftig direkt aus der CNC heraus gesteuert?

Winkelmann: Man muss das differenziert sehen. Ich bin fest überzeugt, dass die Robotersteuerung nicht verschwinden wird. Es geht ja auch um die Modularität und Funktionalität des Gesamtsystems. Wenn man alle komplexen Funktionen auf ein System reduziert, wird die Komplexität zu groß. Wichtig ist meines Erachtens vor allem, dass der Robotereinsatz keine spezielle Fachkenntnis beim Maschinenbediener voraussetzt. Auch die Flexibilität ist ein Thema , wenn man den Roboter mal anderswo als an der CNC Maschine einsetzen will.

Fanuc Europe GmbH

Bernhäuser Str. 36

73765 Neuhausen a. d. F.

www.fanuc.de


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