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Kuka-Roboter in der Kantine: Agilus füllt Reisschüsseln

Digital bestelltes Essen wird pünktlich zubereitet
Ein Kuka-Roboter in der Kantine: KR Agilus füllt Reisschüsseln ganz individuell

Semblr ist der vermutlich ungewöhnlichste Kantinenmitarbeiter Großbritanniens. Denn in der Kabine arbeitet ein Kuka Agilus Roboter, der in der Betriebskantine des Online-Lebensmittelhändlers Ocado frische Reisgerichte zusammen stellt.

Wer Hunger hat, kann in der Betriebskantine von Ocado seit September 2021 wählen: Wie üblich den Teller manuell an der Theke befüllen lassen? Oder die 2,50 Meter breite und 2 Meter hohe zylindrische Kabine ansteuern, in der ein KR Agilus Reisgerichte zusammenstellt und ausgibt?

Die Köpfe hinter Semblr sitzen beim Robotik-Startup Karakuri in London, das seit 2019 roboterbasierte Lösungen für die Lebensmittelindustrie entwickelt. Da Ocado mit in die Gründung von Karakuri investiert hatte, lag es nahe, den ersten Kantinen-Serviceroboter dem Ocado-Hauptsitz mit 4.000 Mitarbeitenden in Hatfield zur Verfügung zu stellen.

Kuka-Roboter als (Herz-) Schrittmacher für die Elektromobilität

Kantinen-Bestellung 4.0

Der Semblr arbeitet dabei quasi Seite an Seite mit den Thekenkräften – denn die klassische Betriebskantine existiert ja weiterhin. Die Angestellten haben also täglich die Wahl: Auf die gewohnte Weise Hausmannskost bestellen? Oder beim Semblr ein Reisgericht ordern? Für die Qualität der einzelnen Komponenten ist in beiden Fällen ein Koch verantwortlich. Das Mischen und Anrichten der Zutaten übernimmt aber der Roboterarm des KR Agilus: hygienisch, akribisch und schnell.

Schlangestehen ade

Dank der kühl- und aufheizbaren Servierkammern des Semblr haben alle Zutaten die ideale Temperatur – zwischen 3 und 80 Grad Celsius. Die Gäste treffen ihre Auswahl vorab aus 17 angebotenen Zutaten. Sie wählen die Zutaten und deren Menge über eine App und bestellen so ihr individuelles Reisgericht vor. Weil der Semblr jedes Essen in vereinbartem Umfang zum vereinbarten Zeitpunkt liefert und auch der Zahlungsvorgang digital läuft, ergibt sich ein für Kantinen ungewöhnliches Bild: keine Menschenschlange weit und breit.

„Dass weniger Interaktion mit anderen ein Vorteil ist, mag unsozial klingen“, räumt Liam Rogers ein, „aber die Welt hat sich in den letzten eineinhalb Jahren durch Covid-19 ein-fach verändert.“ Auf dem Weg zur Mahlzeit nur noch einer Person zu begegnen – dem Mitarbeiter, der den Semblr überwacht und den Gästen assistiert, wo nötig – reduziert das Infektionsrisiko.

Der Weg zur perfekten Reisgericht

Im Mittelpunkt steht der KR Agilus. Er nimmt sich nach der digitalen Bestellung, kurz vor dem anvisierten Abholzeitpunkt, eine Schüssel. Mit dieser steuert er nacheinander jene Servierkammer an, die die gewünschten Zutaten enthalten. Ein intelligentes, hygienisches Spendersystem sorgt dafür, dass alles in der bestellten Menge in der Schüssel landet.

In gleichmäßigen Bewegungen, ohne Kleckern, geben die Spender von oben Reis, Huhn, Rind, Tofu und/oder Gemüse nach Wahl aus. Dazu kommt Sauce, zuletzt Toppings wie Kräuter oder Nüsse. Das fertige Schüsselchen sowie ein Beleg, der die Mahlzeit klar einem Besteller zuordnet, sind nun abholbereit.

Gesucht: platzsparenden Roboter

„Die Roboterarme, die wir zunächst ausprobierten, erreichten einfach nicht die Geschwindigkeit, die wir brauchten“, berichtet Joe Muller, Product Development Manager bei Karakuri. „Als wir zu Kuka Kontakt aufnahmen, unterstützte uns das Team und navigierte uns durch die Welt der Roboter-arme. Es war elementar wichtig für uns, einen flexiblen und platzsparenden Roboter zu haben, der dennoch viel Reichweite mitbringt.“

Denn um in bestehenden Betriebskantinen Platz zu finden, kam nur eine kleine Kabine infrage. Dennoch musste der Roboterarm eine hohe Reichweite haben, um möglichst viele um ihn herum platzierte Servierkammern zu erreichen. Der KR Agilus punktet hier durch eine Reichweite von bis zu 900 mm, Schnelligkeit und Präzision.

Schritt für Schritt zur Lösung

Die Beratung bei Kuka machte für Karakuri ebenfalls einen Unterschied: „Sie fanden gemeinsam mit uns heraus, welche Probleme es zu lösen galt, und schlugen uns dann passende Pakete vor“, sagt Joe Muller weiter. Schlussendlich gab Kuka dem Karakuri-Team einen KR Agilus zum Testen. Joe Muller erinnert sich: „Wir sahen, dass alles funktionierte. Sobald wir den passenden Roboter hatten, designten wir die Maschine drum herum.“

Dazu brauchte es keine zusätzliche Softwarelösung, wohl aber Zubehör wie Greifarm, Fülltrichter und Schüsseln, die effizient und leicht zu reinigen sind. Zuerst entstand ein Prototyp namens DK-One, der ab Anfang 2020 Frühstücksangebote machen sollte. Dann kam die Pandemie und das Karakuri-Team disponierte um. Semblr ist die Weiterentwicklung, die warme und kalte Mahlzeiten sowie sechs unterschiedliche Menülinien, zum Beispiel unterschiedliche Länderküchen, zubereiten kann.

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Essen ist ein sehr schwierig zu verarbeitender Rohstoff

Der Semblr in Aktion sieht elegant aus, doch der Weg hin zu diesem Ergebnis war teilweise holprig, räumt das Karakuri-Team ein. „Essen ist ein sehr schwierig zu verarbeitender Rohstoff“, meint Liam Rogers, „es ist mal klebrig, mal flüssig, mal klumpt es. Und weil Küchen meist nicht sehr automatisiert sind und unterschiedliche Köche am Herd stehen, bekommt man jeden Tag etwas anders vorbereitete Zutaten. Daher brauchten wir eine sehr robuste Technologie für unser Spendersystem.“ Aktuell kann Semblr mit 56 Zutaten umgehen, künftig sollen es noch mehr werden.

Der Semblr wird im Betrieb weiterhin optimiert, informiert Joe Muller. „Momentan ist die Geschwindigkeit gedrosselt auf maximal 30 Schüsseln pro Stunde. Wir möchten das System einem Stresstest unterziehen und erhöhen langsam die Geschwindigkeit.“ Maximal, schätzt er, sind bis zu 110 Mahlzeiten pro Stunde realistisch, „doch das hängt von der Komplexität der Rezepte und der Menge der Zutaten ab.”

Man kann alles individuell kombinieren

Die Angestellten von Ocado sind ständig aufgefordert, Feedback zu geben. Viele seien anfangs noch aus Neugier gekommen, berichtet Joe Muller, nun kämen sie des Essens wegen. Sie schätzen, dass sie weiterhin parallel zum Semblr die klassische britische Kantine ihres Arbeitgebers nutzen dürfen. Doch nur am Semblr sind wilde Eigenkreationen möglich. Liam Rogers: „Man kann alles miteinander kombinieren. Da entstehen auch Rezepte, die man so nicht auf die Speisekarte setzen würde – aber die Gäste mögen ihre Gerichte nun mal individualisieren.“

Langfristig, betont Joe Muller, werden keine Karakuri-Mitarbeiter mehr nötig sein, um den Semblr zu betreuen. Dann wird das Küchenteam diese Aufgabe übernehmen können. Künftig soll auch die Analyse besonders gefragter und besonders unbeliebter Zutaten dazu beitragen, der Entsorgung von Lebensmitteln vorzubeugen. Spätere Generationen des Semblr könnten außerdem mit einem Smart Fridge verbunden sein. Dieser signalisiert, wenn eine Zutat ausgeht. Zukunftsmusik ist auch eine vollautomatische Qualitätssicherung, der nicht mal das Haar in der Suppe – beziehungsweise der Reisschüssel – entgeht.

Kuka Deutschland GmbH

www.kuka.com


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