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Nach Insolvenz: Anlagenbauer Eisenmann wird zerschlagen

Anlagenbauer Eisenmann wird zerschlagen
Eisenmann insolvent: Investorenprozess geht weiter

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Im Mai hatten sich Insolvenzverwaltung, Gläubigerausschuss und Geschäftsleitung entschieden, nicht mehr alleine auf den Verkauf von Eisenmann als Ganzes zu setzen. Bild: Eisenmann
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Update vom 6. Dezember 2020:

Der Investorenprozess für die Eisenmann-Gruppe geht weiter. Da ein vollständiger Verkauf des Eisenmann-Kerngeschäfts, der Bau neuer Lackieranlagen, nicht möglich ist, steht eine Zerschlagung des Anlagenbauers an. Mehrere Einzel-Kaufverträge wurden bereits unterzeichnet – darunter die Übernahme der Eisenmann Conveyor Systems durch die österreichische Pentanova-Gruppe und der Verkauf eines Teils des Kerngeschäfts, der Lackieranlagen-Sparte (Paint and Assembly), an den Investor Nimbus. Und nun hat der Insolvenzverwalter Joachim Exner, Dr. Beck & Partner GbR, auch den Geschäftsbetrieb der Lactec an Xtrapart verkauft.

Die Eisenmann Lactec GmbH ist ein Systemanbieter moderner Lackiertechnik und produziert Lackieranlagen für die Automobilindustrie sowie Produzenten langlebiger Gebrauchsgüter. Ende Juli 2019 war auch das Unternehmen mit Sitz im hessischen Rodgau von der Eisenmann-Konzerninsolvenz betroffen. Der Geschäftsbetrieb der Eisenmann Lactec GmbH wurde trotz der Corona-bedingt angespannten wirtschaftlichen Lage bis zuletzt fortgeführt.

Erwerberin des Geschäftsbetriebes ist die „Lactec GmbH“, ein neu gegründetes Unternehmen von Xtrapart. Xtrapart ist auf die Fertigung hochwertiger Applikationstechnik, die Bereitstellung von Ersatz- und Verschleißteilen für Lackieranlagen sowie deren Wartung spezialisiert. Die Übertragung des Geschäftsbetriebes erfolgte mit Wirkung zum 01.12.2020. „Für die Kunden der Eisenmann Lactec GmbH ist durch die Übernahme sichergestellt, dass ihre Lackieranlagen weiterhin kompetent betreut und mit Serviceleistungen versorgt werden. Herr Weiß und sein Team werden mit der Unterstützung der Xtrapart -Ingenieure die Interessen und Belange der Lactec-Kunden wieder in den Mittelpunkt der Firmenphilosophie stellen“, betont Herr Winfried Ott, Geschäftsführer von Xtrapart. Der Lactec-Standort im hessischen Rodgau und ein wesentlicher Teil der Arbeitsplätze bleiben durch den Verkauf erhalten.

Nimbus übernimmt Teil der Lackieranlagen-Sparte

Bereits im Mai hatten sich Insolvenzverwaltung, Gläubigerausschuss und Geschäftsleitung angesichts der schwierigen Lage entschieden, nicht mehr alleine auf den Verkauf von Eisenmann als Ganzes zu setzen. Stattdessen wurde parallel ein alternatives Veräußerungskonzept verfolgt, mit dem die Eisenmann-Geschäftsbereiche auch einzeln angeboten wurden. Infolgedessen ist es dem Insolvenzverwalter bereits gelungen, einige Tochterunternehmen bzw. Geschäftseinheiten zu veräußern.

Im Herbst 2020 war eine Investorenlösung für einen Teil des Kerngeschäfts bei Eisenmann, der Lackieranlagen-Sparte (Paint and Assembly), erzielt worden, die neben dem gesamte Service-Ersatzteilgeschäft auch die Fortführung des Projekt- und Retrofit-Geschäftes umfasst. „Mit dem Verkauf bleiben nicht nur ein wesentlicher Teil des Kerngeschäfts und der Technologie von Eisenmann sondern auch 110 Arbeitsplätze erhalten“, sagte Joachim Exner, Insolvenzverwalter der Eisenmann SE. „Er stellt vor allem auch sicher, dass die weltweit über 500 Eisenmann-Lackieranlagen weiter mit Service und Ersatzteilen bedient werden – und zwar über die gesamte Produktpalette.“ Erwerber ist die Beteiligungsgesellschaft Nimbus, die u.a. auch am Anlagenbauer Sturm Gruppe beteiligt ist. Der Investor ist auf die Übernahme von Unternehmen in Umbruchsituationen spezialisiert.

Investorenlösungen für weitere Geschäftsbereiche von Eisenmann

Mit dem Verkauf von Lactec und Paint and Assembly konnten also nun für mehrere Geschäftsbereiche von Eisenmann Investorenlösungen erzielt und in der Summe rund 515 Arbeitsplätze erhalten werden:

  • Anfang August wurde die Eisenmann Software-Tochtergesellschaft Enisco auf die Firma Forcam GmbH, ein Unternehmen des SAP-Gründers Dietmar Hopp, übertragen. Die rund 50 Enisco-Mitarbeiter werden weiterbeschäftigt.
  • Zudem wurde am 07. August 2020 der Kaufvertrag für den Eisenmann-Bereich Conveyor Systems unterzeichnet. Der österreichische Automatisierungsspezialist Pentanova hat die auf Materialfluss- und Intralogistiklösungen spezialisierte Unternehmenssparte des insolventen Anlagenbauers übernommen und bietet rund 70 Mitarbeitern eine neue berufliche Heimat. „Mit dieser Akquisition investieren wir in die Zukunft und verstärken unser Portfolio im Bereich der Materialflussautomation. Wir freuen uns, dass das Management und die Belegschaft der Eisenmann Conveyor Systems mit ihrer umfassenden Erfahrung und Kompetenz in der Umsetzung intralogistischer Großprojekte nun Teil der weltweiten pentanova-Familie werden“, erklärt Alfred Pfeifer, Mitbegründer und Gesellschafter der Pentanova. Die künftige Pentanova Conveyor Systems GmbH behält ihren Firmensitz im schwäbischen Böblingen
  • Im Januar 2020 konnte Insolvenzverwalter Exner den Geschäftsbetrieb der Firma Eisenmann Thermal Solution GmbH & Co. KG mit rund 200 Mitarbeitern an die Firma Onejoon GmbH veräußern.
  • Die nicht von der Insolvenz betroffene Tochtergesellschaft Eisenmann intec GmbH & Co. KG wurde ebenfalls im Januar 2020 unter Erhalt von rund 85 Arbeitsplätzen an die Firma Sames Kremlin GmbH verkauft.

Im Hintergrund: Der Eisenmann-Insolvenz-Prozess

„Der Verlauf des Verkaufsprozesses der Eisenmann-Gruppe hat eine schon fast tragische Dimension“, sagt Joachim Exner, Insolvenzverwalter der Eisenmann SE. „Eisenmann ist einer der weltweiten Technologie- und Innovationsführer in seiner Branche. Ohne die Corona-Pandemie befände sich die Eisenmann-Gruppe bereits im Besitz eines strategischen Investors, und ein Großteil der Arbeitsplätze wäre gerettet.“

Noch Mitte Februar 2020 war eine Investorenlösung für die gesamte Gruppe zum Greifen nahe: Sämtliche Verträge und der Kaufpreis waren bereits verhandelt. Die Unterschriften sollten im Frühjahr erfolgen. Während des Verkaufsprozesses für die Eisenmann-Gruppe war seit Herbst letzten Jahres der weltweite Investorenmarkt nachhaltig geprüft worden. Rund 300 potenzielle Käufer wurden in einem strukturierten M&A-Prozess angesprochen.

Markt für Lackieranlagen fast komplett eingebrochen

Alle Interessenten für den Geschäftsbereich Lackieranlagenbau haben darauf hingewiesen, dass die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie es unmöglich machen, die Umsatz- und Ertragsentwicklung für die nächsten zwei Jahre seriös zu planen. Zudem bestünde die Gefahr eines zweiten Lockdowns, der die weltweiten Märkte nochmals empfindlich treffen würde. Aktuell geht kein potenzieller Investor davon aus, dass in den nächsten Jahren eine nennenswerte Anzahl neuer Lackieranlagen-Projekte vorhanden sein wird; dieser Markt sei nahezu komplett eingebrochen.

Zum Hintergrund: Lackieranlagen für die Automobilindustrie haben einen Auftragswert von bis zu 250 Mio. Euro. Das Geschäft mit dem Neubau von Lackieranlagen stellt den Kern der Tätigkeit der Eisenmann Anlagenbau dar, sodass ein massiver Personalabbau unumgänglich ist. Die rund 650 Arbeitnehmer, die wohl vom Arbeitsplatzabbau betroffen sein werden, müssen sich jedoch nicht sofort arbeitslos melden. Stattdessen erhalten sie das Angebot, in eine sogenannte Qualifizierungsgesellschaft zu wechseln, in der die Mitarbeiter für weitere gut drei Monate bis zum 8. Dezember weiterbeschäftigt werden können und währenddessen 75 % ihres letzten Nettoentgeltes erhalten. Zusätzlich werden die Mitarbeiter in dieser Zeit bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz unterstützt.

Eisenmann SE
Tübinger Straße 81
71032 Böblingen
www.eisenmann.com

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