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„Wir machen das jetzt – ihr könnt das“

Balluff punktet mit Integration in die Steuerungswelt, Prozesswissen und globale Zusammenarbeit
„Wir machen das jetzt – ihr könnt das“

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Jede Generation muss ihre Aufgaben selbst lösen. Und das macht beim Automatisierungsspezialisten Balluff die Unternehmerfamilie Hermle jetzt in der vierten Generation – auch wenn der Generationswechsel mitten in der Weltwirtschaftskrise 2008 eine echte Herausforderung war.

Rückblick 2008: Seit mehr als 40 Jahren lenkt Rolf Hermle als geschäftsführender Gesellschafter von Balluff die Geschicke. Und auch in der Krise 2008 steht der charismatische und in Branchenverbänden geschätzte Unternehmenschef hinter seiner Entscheidung: Er hat den Generationswechsel in der Geschäftsführung angestoßen – auch wenn die Umsätze radikal um fast die Hälfte einbrechen. Seine Tochter, Katrin Stegmaier-Hermle, erinnert sich an seine entscheidenden Worte: „Wir machen das jetzt, ihr könnt das.“

Vertrauen als Rückenwind – mit Erfolg: Nach 2010 setzt Balluff seine Globalisierung konsequent mit Standortgründungen fort. „Im Rückblick vertraute mein Vater beim Generationswechsel auf die Stärke unserer Organisation“, sagt Katrin Stegmaier-Hermle, die heute in der Geschäftsführung als Betriebswirtschaftlerin agiert, neben ihrem Bruder Florian Hermle als Vertriebschef und dem Diplom-Ingenieur Michael Unger als Sprecher der Geschäftsführung, verantwortlich für Technik. „Die Organisation war solide aufgestellt und, statt reaktiv zu verharren, auch auf eine Fortsetzung der Krise vorbereitet.“
Die Mitarbeiter konnten überwiegend gehalten werden, alle haben sich auf die Krisenbewältigung eingelassen – „auch wenn es Maßnahmen gab, die nicht vergnügungssteuerpflichtig waren“, wie die Kauffrau zugesteht. „Doch dann waren wir für den Aufschwung perfekt präpariert – die Organisation hat gezeigt, dass sie flexibel ist, offen dafür ist, Dinge anders zu machen und die Komfortzone zu verlassen.“ Eine prägende Erfahrung: „Wenn es sein muss, dann können wir es als Organisation schaffen.“ Heute arbeiten bei Balluff über 3000 Mitarbeiter in Niederlassungen und Produktionsstandorten in 68 Ländern.
Ist das Familienunternehmen also eine große Familie? Florian Hermle lässt die Idealisierung des Begriffs nur mit einer ethischen Verankerung gelten. „Wir transportieren und verknüpfen den Begriff Familie mit dem Wert der Verantwortung. Als Familienmitglied trägt jeder Verantwortung dafür, dass es auch allen anderen gut geht.“ Eine Verpflichtung also für Management wie Mitarbeiter. Stegmaier-Hermle sieht in dieser Haltung den roten Faden, der sich durch die gesamte Unternehmensgeschichte zieht, seit 1921 Gebhard Balluff in Neuhausen auf den Fildern eine mechanische Reparaturwerkstatt gegründet hat. „Wir stehen für Verantwortung nach außen, gegenüber unseren Kunden weltweit, und nach innen, gegenüber unserer Belegschaft.“
Schöne Worte als imageträchtige Corporate Values? Die Unternehmerin schüttelt energisch den Kopf. „Wir vertreten Werte wie Verlässlichkeit, gegenseitige Wertschätzung, Offenheit oder Verbindlichkeit und haben diesen Katalog intern auf den Prüfstand gestellt – und uns auch durch externe Kundenbefragungen den Spiegel vorhalten lassen.“ Die Bestätigung erfolgt auf breiter Basis: Mitarbeiter, internationale Führungskräfte und Kunden aus dem Maschinen- und Anlagenbau geben ein positives Bild zurück. Schwarz auf Weiß ist zu lesen: Auf Balluff kann man sich verlassen. Was die sagen, machen sie auch.
Die Anwender schätzen es, dass die Balluff-Vertriebsmitarbeiter ihre Applikation kennen und verstehen, was sie in ihren Prozessen umtreibt. „So können wir zum Beispiel aufzeigen, wie Abläufe verschlankt oder kostengünstiger gemacht werden können“, erklärt Hermle. Weil viele Produkte einer Integration in die Steuerungswelt bedürfen, hat Balluff weltweit dem Vertrieb Applikations-Ingenieure, die die Sprache der Techniker auf Anwenderseite sprechen, als technische Unterstützer an die Seite gestellt.
Diese Kundenorientierung beginnt schon im eigenen Haus: „Erleben Mitarbeiter Verlässlichkeit von der Führungsmannschaft, wird dies auch zum Kunden getragen – und deshalb dürfen wir nicht irgendwelche Werte postulieren, sondern müssen authentisch sein“, sieht sich Stegmaier-Hermle in der Verpflichtung. An Werte lassen sich eben auch unternehmerische Größen knüpfen, merkt Hermle an: „Wir stehen mit großen Playern im Wettbewerb um Talente – gute Mitarbeiter hält man nur im Unternehmen, wenn sie Verlässlichkeit erfahren.“ Bei Balluff gibt es Bewerber, die von Mitarbeitern geworben werden.
Wichtige Säule des Erfolgs ist natürlich auch der globale Blick: „Vor 40 Jahren hat mein Vater, damals höchst ungewöhnlich für die Branche, eine Tochtergesellschaft gegründet – unsere ebenfalls immer globaler aufgestellten Kunden honorierten die Internationalisierung, und wir sind dank dieser Weitsicht heute in 68 Ländern in den jeweiligen Märkten clever aufgestellt“, erläutert Unternehmerin Stegmaier-Hermle.
Auch technisch stellte Rolf Hermle die Weichen, wie Florian Hermle erläutert: „Wir haben als Sensorikhersteller Hightech verkauft und waren mit unserer Messtechnik und unseren Industrial RFID-Produkten hoch geschätzt. Mit dem unbedingten Fokus auf IO-Link hat Balluff dann vor acht Jahren im Bereich des Industrial Networking eine Evolution in der industriellen Automatisierung angestoßen.“
In Gang gesetzt wurde die Neuausrichtung von einer einfachen Überlegung: „An jedem Sensor ist ein Kabel befestigt, das irgendwo hinführt – das war der Anstoß, sich auf Kommunikation zu konzentrieren“, berichtet der Vertriebsleiter. „Wir sind vom reinen Sensorhersteller zum Automatisierungs-Lösungsanbieter aufgestiegen – wir haben also die Brücke zwischen der Feldgeräte- und Steuerungsebene geschlagen.“
Schrittmacher für Industrie 4.0:Signale aus Produktion sammeln
Bei Industrie 4.0 gehe es heute um eine vernetzte Welt, entsprechend habe sich der Blickwinkel geweitet: „Wir sprechen jetzt darüber, wie man Signale aus der Produktion für die Steuerungsebene einsammelt.“ Hermle sieht Balluff daher mit seinem Gesamtportfolio als Schrittmacher für Industrie 4.0: „Wir erzeugen mit unseren Sensoren die notwendigen Daten in der Produktion, Netzwerkprodukte transportieren sie und wir machen – teils schon durch eine Vorverarbeitung in den Geräten – aus den Daten Informationen für die Fabrikautomation.“
Eine Herausforderung habe aber in der Orchestrierung und Weiterentwicklung der verschiedenen Technologien des Unternehmens gelegen. „Die geforderte Durchgängigkeit der Prozessdaten für die Automatisierung verlangt nicht nur die vertiefte Anbindung an die IT-Welt – wir diskutieren heute bei Anwendern über IP-Räume und Firewalls –, sondern wir definieren inzwischen auch den Sensor als Datenquelle.“ So erbringen neue physikalische Prinzipien durch Kombinatorik weiterreichende Ergebnisse. Und durch Modellierung sowie Datenmodelle lassen sich gezielt die Daten erheben, die Fertigungsunternehmen brauchen.
Um weiter am Impuls der Zeit zu bleiben, hat man in Neuhausen den Innovationsprozess weit gespannt. „In den Business Units gibt es die klassische Forschung und Entwicklung, die sich auf den jeweiligen Bereich fokussiert – für übergreifende Themen sind Hochschulen etwa in Aachen oder Stuttgart eingebunden“, erläutert Hermle. Hier werden auch technische Ideen aus dem Vertrieb bewertet. „Der Bereich Corporate Innovation Management hat Megatrends und Sonderthemen auf dem Radar – dieser Bereich entscheidet über einen Filterprozess nach dem Fail-Smart-Konzept, welche Projekte die besten Chancen haben, in wirtschaftlich relevanten Produkten zu münden.“
Integration in die Steuerungswelt, Prozesswissen, globale Zusammenarbeit – ganz en passant haben also die beiden Balluff-Geschäftsführer die Aufgaben ihrer Generation benannt: die Position des Unternehmens in den Zeitläufen konsolidieren und zukunftsfähig gestalten. „Wir haben ein klares Bild, wo wir mit Balluff hinwollen“, spricht Stegmaier-Hermle für die Riege der Geschäftsführer. „Aber das Unternehmen ist durch das starke Wachstum der vergangenen Jahre so groß geworden, dass wir eine starke Führungsmannschaft über zwei Ebenen brauchen. Nur so können wir dieses Bild zu jedem Mitarbeiter transportieren, damit er oder sie weiß, was zu tun ist, um zum Erfolg beizutragen.“
Der Internationalität müssen sich regionale Werte unterordnen
Mittel zum Zweck ist dabei die Qualifikation. „Wir wollen unsere Mitarbeiter – und uns mit ihnen – weiterentwickeln“, so die Unternehmerin. „Beispielsweise müssen wir den Vertrieb in Sprache, Technik, Applikationswissen und Kommunikation für globale Herausforderungen wappnen. Wenn wir Informationen der Mitarbeiter aus der ganzen Welt als Gruppe nutzen wollen, braucht es Qualifikation, Instrumente und Netzwerke.“ Am Ende sollen sich alle Kollegen auf dem gleichen Level bewegen.
Das bedeutet auch, dass die Sicht für die Gruppe Priorität genießt. „Wir können nicht in Deutschland oder den USA im Alleingang Aktivitäten entwickeln, die Einfluss auf das Gesamtunternehmen nehmen“, betont Florian Hermle. „Die Internationalität ist eine Selbstverpflichtung, der sich regionale Werte unterordnen.“
So wird der Aufbau globaler Arbeitsgruppen gefördert, wie beispielsweise die Cross-Functional-Teams: Produktmanager werden bei der Erstellung von Produktlastenheften entlastet, indem Entwickler, Verkäufer, Industriemanager, Marketingexperten und Controller die Anforderungen durch ihre Sichtweisen komplettieren. Florian Hermle: „Dieses länderübergreifende, vernetzte Out-of-the-Box-Thinking reißt Barrieren ein und bringt uns weiter.“ ↓
Balluff GmbH
www.balluff.com
„Wir transportieren und verknüpfen den Begriff Familie mit dem Wert der Verantwortung. Als Familienmitglied trägt jeder Verantwortung dafür, dass es allen anderen gut geht.“ Florian Hermle
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