Interview: Christian Wolf, Geschäftsführer Hans Turck GmbH & Co. KG „Wir bauen Software- und System-Kompetenz aus“

Interview: Christian Wolf, Geschäftsführer Hans Turck GmbH & Co. KG

„Wir bauen Software- und System-Kompetenz aus“

Anzeige
Wie Turck in Richtung Industrie 4.0 marschiert, welche Rolle Software dabei spielt und warum Akquisitionen, Beteiligungen und Kooperation dafür unumgänglich sind, erklärt Turck-Geschäftsführer Christian Wolf im Interview.

Wie positioniert sich Turck in Sachen Industrie 4.0?

Wolf: Unser erster Schritt – den wir allerdings schon in der Vor-Industrie-4.0-Zeit gegangen sind – war der Abschied von der reinen Komponenten-Denke. Technologisch ist eine solche Umstellung ja oft leichter als in den Köpfen, denn man muss das Denken in Lösungen quasi in der Firmen DNA verankern. Diese Strategie verfolgen wir seit 10 bis 15 Jahren. Zudem setzen wir ganz stark auf RFID, IO-Link, OPC UA und Ethernet als Schlüsseltechnologien für die Industrie 4.0. Allerdings bewegen wir uns mit diesen vier Schlüsseltechnologien nach wie vor nur innerhalb der klassischen Automatisierungspyramide. Daher kommt es im nächsten Schritt für uns darauf an, unser Portfolio rechts und links der Automatisierungspyramide mit Themen wie Engineering Dienstleistungen und Engineering Tools zu erweitern.

In welche Richtung?

Wolf: Konkret geht es uns dabei um Softwarekompetenz beispielsweise für Predictive Analytics, um Systemintegrations-Knowhow sowie um IoT Gateway und Cloud Services. Perspektivisch wollen wir nicht nur Daten liefern, sondern auch Daten auswerten. Wir wollen smarte Daten nutzbar machen – etwa zur vorausschauenden Wartung. Ein erster Schritt zur Erweiterung der Software- und Systemintegrations-Kompetenz war die Übernahme des finnischen RFID-Turnkey-Spezialisten Vilant. Weitere werden folgen: Um Turck weiterhin als kompetenten Wegbereiter für Industrie 4.0 zu etablieren, werden strategische Technologieakquisitionen oder -beteiligungen auch zukünftig zentraler Bestandteil der Strategie sein.

Wie weit sind Sie bereits beim Übergang vom Datensammler zum Datenaufbereiter?

Wolf: Heute sind wir in erster Linie Datensammler und können über IO-Link in gewissem Rahmen schon Daten aufbereiten. Für eine umfassende Industrie-4.0-Vision muss man Daten aber ganz anders aufbereiten – hier kommen Themen wie Predictive Analytics und künstliche Intelligenz ins Spiel. Da haben wir noch ein Stück Weg vor uns. Big Data können wir bereits, mit Smart Data beschäftigen uns aktuell. Aber auch die Anforderungen der Kunden sind ja noch gar nicht ganz klar: Welche smarte Daten wollen die Kunden eigentlich? Was will der Kunde vorausschauend warten?

Wo soll dann die Software für Predictive Analytics sitzen: In ihren IP67 Feldmodulen?

Wolf: Richtig. Wir sind mit unserer Block I/O PLC und einem externen Partner mit KI-Kompetenz bereits in ganz konkreten Projekten unterwegs: Hier machen wir zurzeit mit Kunden in Use Cases erste Schritte, um beispielsweise Anomalie-Häufung zur erkennen. Wir bauen Demonstratoren auf, entwickeln Dashboards zur Datenaufbereitung und beschäftigen uns mit Wirtschaftlichkeitsberechnungen.

Sie sprachen auch von IoT Gateways: Soll das ein IP67 Modul sein, das Daten sammelt und in die Cloud schickt?

Wolf: Genau. Schwerpunkt wird IP67 sein, aber wir werden auch ein IP20 Gateway vorstellen. Und wir werden passend dazu einen Cloud Service anbieten. Wobei ich vermute, dass am Ende nur wenige Kunden einen Turck Cloud Service in Anspruch nehmen werden, weil Maschinenbauer oder Automobilhersteller die Daten in ihrem eigenen Rechenzentrum haben wollen. Ganz abgesehen davon: Wenn jetzt jeder Automatisierer und jeder Antriebshersteller mit einer eigenen Cloud-Lösung daher kommt, blickt der Kunde ja gar nicht mehr durch. Trotzdem werden wir einen eigenen Cloud Service anbieten, nicht zuletzt weil wir die Funktionalität testen wollen.

Sie sprachen ja die Vilant-Übernahme an. Warum ist Vilant als RFID-Turnkey-Lösungsanbieter strategisch so wichtig für Sie?

Wolf: Weil wir in vielen aktuellen RFID-Projekten erkannt haben, dass es nicht um die Hardware geht. Unser Gegenüber in den Projekten bei Automobilzulieferern waren nicht die Automatisierungsverantwortlichen, sondern die IT-Leute, die mit uns über intralogistische Prozesse gesprochen haben. Wir haben sogar Projekte verloren, weil die Kunden wollten, dass ein globales Unternehmen wie Turck die RFID-Umsetzung weltweit verantwortet und kein regionaler Integrator. Deswegen war für uns die strategische Entscheidung klar: Wenn sich das RFID-Thema weiterentwickeln soll, dann ist die Hardware nicht das entscheidende Kriterium. UHF-Reader können viele bauen, aber die Systemlösung zu designen und zu verantworten sowie einen 24/7-Service anbieten, das können nur wenige.

Vilant ist also für Sie nicht nur ein Beschleuniger der Hardware-Umsätze?

Wolf: Nein, ganz und gar nicht: Es geht um Vilants Lösungskompetenz, um unser Leistungsportfolio zu erweitern.

Kann denn die Middleware-Software von Vilant auch in anderen Feldern jenseits des RFID-Kontextes zum Einsatz kommen?

Wolf: Klar, die Software kann auch in anderen Bereichen der Fabrikautomation genutzt werden. Vilant soll daher – neben der RFID-Systemintegration – bei uns perspektivisch zum Kompetenz Center für Middleware werden.

Und wie bekommen Sie weiteres Software-Knowhow ins Unternehmen? Mit weiteren Akquisitionen?

Wolf: Akquisitionen sind kein Allheilmittel. Denkbar sind auch Technologie Buyouts, wenn wir nicht das ganze Unternehmen haben wollen, sondern nur eine spezielle Technologie. Und es geht auch um Minderheitsbeteiligungen und Kooperationen. Wir gehen aktiv auf IT Firmen zu, um eine eventuelle Zusammenarbeit zu eruieren. Denn wir können gerade kleinen Softwarefirmen einiges anbieten: Wir haben ein erfolgreiches Standardgeschäft in der Industrie, wir bieten finanzielle Mittel und Management Ressourcen und wir öffnen ihnen mit über 30 Landesgesellschaften die Welt, um schneller an den Markt zu kommen. All diese Dinge fehlen gerade jungen Software-Firmen: Die haben zwar ein tolles Software Produkt, aber ihnen fehlen die Vertriebs-Power, der globale Scale und die finanziellen Mittel, um weltweit an den Markt gehen zu können.

Wie groß wird der Software-Anteil am Turck-Umsatz in Zukunft sein? Heute ist Turck ja eine 99 Prozent Hardware Firma, wie Sie selber sagen.

Wolf: Die 99 Prozent sind die heutigen Umsätze. Für die Investitionen gilt das natürlich nicht – hier ist Software bereits ein richtig nennenswerter Anteil. Und in 10 Jahren können 20 bis 25 Prozent unseres Geschäftes Software-generiert sein.

Hans Turck GmbH & Co. KG

www.turck.com

Anzeige

Aktuelle Ausgabe

Expertenforum „Mobile Robotik“

Kommen Sie zu unserem nächsten Expertenforum „Mobile Robotik“ am 27. Juni 2019 zu Stäubli nach Bayreuth und sichern Sie sich jetzt einen der begehrten Plätze bei dieser Veranstaltung.

Themenseite Cobot

Erläuternde Beiträge, Neuigkeiten, Anwendungsbeispiele und Hintergrundinfos rund um das Thema kollaborative Robotik

Newsletter

Unsere Dosis Wissensvorsprung für Sie. Jetzt kostenlos abonnieren!

Innovationen in der Robotik

Das mav Innovationsforum in Böblingen vereint die Vorteile eines Kongresses mit denen einer Messe. In fünf spannenden Vortragssessions mit Begleitausstellung erfahren Sie interessante Neuheiten, u.a. rund um die Themen Robotik, Automation und Maschinenelemente.

Jetzt anmelden und Besucherplatz sichern!

Whitepaper

Hier finden Sie aktuelle Whitepaper

Alle Webinare & Webcasts

Hier finden sie alle Webinare unserer Industrieseiten

Kalender

Aktuelle Termine für die Automatisierungsbranche

Anzeige

Industrie.de Infoservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de