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Schunk: Auf dem Weg in die digitale Zukunft

Von der Komponente zur Lösung: Familienunternehmen marschiert in Richtung Automation
Schunk: Auf dem Weg in die digitale und nachhaltige Zukunft

Mit Spann- und Greiftechnik ist Schunk groß geworden. Nun stellen die Macher in Lauffen die Weichen für die Automatisierung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit – inklusive Ausbau des Portfolios in Richtung Applikation und Lösung. Ein Blick in die Pläne des weltweit aktiven Familienunternehmens.

Autor: Armin Barnitzke

Auch ein Global Player der Greif- und Spanntechnik fängt mal klein an: Was heute ein Weltunternehmen mit 500 Millionen Euro Umsatz, über 3500 Mitarbeitern und 34 Ländergesellschaften sowie Vertriebspartnern in mehr als 50 Ländern ist, startete einst in einer Garage. Allerdings nicht im Silicon Valley, sondern im idyllischen Lauffen am Neckar, dem Geburtsort des Dichters Friedrich Hölderlin.

Hier eröffnete der schwäbische Tüftler Friedrich Schunk mit einer gebraucht gekauften Drehbank 1949 kurz nach dem Krieg eine mechanische Werkstatt und schuf mit Auftragsarbeiten wie Ersatzteilfertigung oder Reparatur von Maschinen die Existenzgrundlage seiner Familie. Der Grundstein für einen typischen Global Player aus dem Mittelstand war gelegt.

Vor neuen Herausforderungen

1964 stieg der Sohn des Gründers, Heinz-Dieter Schunk, im Alter von 22 Jahren in das väterliche Unternehmen ein. Er brachte nicht nur kräftigen Vertriebsschwung mit, sondern sicherte mit der Einführung der Produktlinien zur Spann- und Roboter-Greiftechnik auch den Erfolg der Firma Schunk. Inzwischen hat der heute 80-jährige Heinz-Dieter Schunk die Leitung des Unternehmens an seine Kinder Kristina I. Schunk und Henrik A. Schunk übergeben, ist aber weiter beratend im Führungs-Board aktiv.

Die dritte Generation im Hause Schunk steht heute vor neuen Herausforderungen. „Digitalisierung, Nachhaltigkeit, New Work, sich ändernde Kundenbedürfnisse und neue technologische Standards sind wesentliche Faktoren, die unsere strategische Ausrichtung in der dritten Generation bestimmen“, sagt Kristina I. Schunk. „Für all diese Aspekte haben wir gemeinsam mit unseren Führungskräften zukunftsweisende Ansätze erarbeitet und daraus einen Fahrplan für die nächsten Jahre erstellt.“

Stammmärkte ändern sich

Seine stabile technische und ökonomische Basis als etablierter Technologieausstatter von Robotern und Fertigungsanlagen will Schunk nutzen, um den Wandel proaktiv zu gestalten. Denn klar ist: Bekannte Märkte wie die Automobilindustrie oder die klassische Metallverarbeitung verändern sich – beispielsweise mit der E-Mobilität. Zudem ist der Maschinenbau heute mehr denn je von Automatisierung und Digitalisierung geprägt.

Daher entwickeln die Experten in Lauffen ihr Spann- und Greiftechnikportfolio für diese neuen Anforderungen weiter. Beispielsweise hat man bewährte pneumatische Greifer mit erweiterten Funktionen und Konnektivität ausgestattet. So verfügt der neue Universalgreifer PGL-plus-P über zertifizierte Greifkrafterhaltung und integrierte IOL-Sensorik. Akzente setzt Schunk auch mit Greiftechnik-Innovationen wie dem energiefreien Haftgreifer Adheso oder smarten Spanntechnikkomponenten wie dem sensorischen Werkzeughalter iTendo2.

Um Innovationen gezielt zu entwickeln, hat Schunk einen rollierenden Innovationsprozess etabliert, an dem sich jährlich bis zu 750 Mitarbeiter beteiligen. Neben dem Market-Pull-Effekt der Vertriebseinheiten haben die Macher in Lauffen auch einen Technology-Push-Prozess etabliert. Beide Richtungen werden einmal jährlich aussynchronisiert, um die künftige Roadmap zu gestalten.

Von Komponenten zur Applikation

Dann müssen diese Innovationen aber auch in bewährte und neue Märkte getragen werden. Durch spezielle Business Development Teams arbeitet Schunk daran, seine breite Branchenaufstellung gezielt auszubauen, um die spezifischen Kundenanforderungen noch besser beantworten zu können und neue Potenziale zu nutzen.

Von den reinen Spann- und Greiftechnikkomponenten marschiert Schunk außerdem durch den gezielten Ausbau seiner System- und Applikationskompetenz in Richtung kompletter Lösungen. Um den Weg in die Automation zu erleichtern, hat man passende Produktportfolios für alle marktgängigen Cobot-Anbieter zusammengestellt sowie ganzheitliche Applikationskits für unterschiedliche Robotik-Aufgaben entwickelt.

Das Roboter-Applikationszentrum CoLab ist ein wichtiges Element, um mit dem Kunden praktikable Lösungsansätze für seine konkreten Automatisierungsaufgaben zu finden. Im CoLab validieren die Schunk-Experten gemeinsam mit Kunden und Anwendern die Automatisierungspotenziale unter Realbedingungen.

Damit zielt der Greiftechnik-Pionier sowohl auf KMUs als auch auf größere Industrieunternehmen, die Teilprozesse optimieren möchten. Die Resonanz ist vielversprechend. Daher weitet Schunk das CoLab-Angebot weltweit aus und hat mittlerweile auch in China, den USA und Mexiko entsprechende Zentren eröffnet. Weitere sollen folgen.

Übergeordnetes Digital Office

Und natürlich verändert auch die Digitalisierung die Schunk-Welt. Um die digitale Transformation zu meistern, wurde in Lauffen ein übergeordnetes Digital Office installiert, das die Digitalisierungsaktivitäten des Familienunternehmens bündelt und über alle Unternehmensbereiche hinweg koordiniert.

Denn klar ist: Mechatronische Komponenten und Systeme sind auf dem Vormarsch und bringen mit smarten Funktionen mehr Transparenz, Steuerbarkeit und Autonomie. Außerdem vereinfachen digitale Services und Softwarebausteine den Einstieg in die Automation, denn dank Digitalisierung können Kunden Prozesse selbstständig planen und auslegen. Deshalb stellt Schunk Komponenten-Daten und passende Softwarebausteine auf offenen Automationsplattformen bereit, die für die Lauffener ein wichtiger Bestandteil der Vertriebsstrategie sind. Zudem bieten sie Online-Hilfen wie Konfiguratoren, Auslegungstools und Inbetriebnahme-Assistenten an.

Digitale Services im Blick

Die Weiterentwicklung dieser digitalen Services ist im Hause Schunk ein wichtiger Bestandteil der Digitalisierungsstrategie, denn durch entsprechende Softwarebausteine können den Greif- und Spanntechnik-Komponenten zusätzliche Funktionen mitgegeben werden – vom vereinfachten Parametrieren bis hin zu Software-Funktionen für die Prozessoptimierung. Ein gutes Beispiel dafür sind die Auswertungs- und Optimierungstools im iTendo2.

Die Digitalisierung sieht man bei Schunk als Chance, die Zukunft aktiv mitzugestalten. „Dafür engagieren wir uns in verschiedenen Netzwerken, beispielsweise dem Technologieverein Industrial Digital Twin Association, um zusammen mit anderen Unternehmen einen gemeinsamen industriellen Standard im Bereich Digitaler Zwillinge zu entwickeln“, betont Henrik A. Schunk, der auch als Vizepräsident im VDMA-Präsidium aktiv ist. „Diese Kooperationen bieten uns die Möglichkeit, neue Antworten auf die Anforderungen des Marktes zu erarbeiten und digitale Funktionen in unserem Portfolio zu verankern. Am Ende entstehen durch die digitalen Möglichkeiten neue, innovative Geschäftsmodelle.“

Nachhaltigkeit als Zukunftsthema

Aber auch das Thema Nachhaltigkeit spielt im Hause Schunk eine immer wichtigere Rolle: „Nachhaltigkeit ist in den kommenden Jahren eines unserer Kernthemen. Wir nutzen die industrielle Transformation, um klimaneutrale Produktionsprozesse mit nachhaltigen Produkten zu etablieren“, sagt Kristina I. Schunk. „Denn die Automatisierung bietet die Chance, in vielen Bereichen energie- und ressourcenschonender zu produzieren.“

Smarte Produkte aus Lauffen wie die energiefreie Greiftechnologie Adheso, der intelligente und Ausschuss vermeidende Werkzeughalter iTendo2 oder das quasi wartungsfreie Drehfutter Rota THW3 leisten schon heute einen Beitrag zum verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen.

Schunk GmbH & Co. KG

schunk.com; Automatica A5.502


Heinz-Dieter Schunk stellte die Weichen für die Entwicklung von Schunk zum führenden Ausstatter von Fertigungsanlagen und Robotern.
Bild: Schunk

80 Jahre Heinz-Dieter Schunk

Am 10. Januar 2022 feierte Heinz-Dieter Schunk seinen 80. Geburtstag. Als Vertriebsprofi mit Kundenorientierung und Technikaffinität machte Heinz-Dieter Schunk, der als bodenständig, fleißig, bedacht und zugleich weltoffen und innovativ gilt, die väterliche Firma zum Global Player in der Spann- und Greiftechnik und ist damit auch für Gründer von heute ein Vorbild.

Seiner Ausbildung zum Industriekaufmann bei einem mittelständischen Heilbronner Kfz- und Maschinenbau-Zulieferer ließ Heinz-Dieter Schunk ein Studium der Betriebswirtschaftslehre folgen. So erarbeitete er sich beste Voraussetzungen, um seinen Vater Friedrich Schunk zu unterstützen, als er 1964 – früher als geplant – mit 22 Jahren in das väterliche Unternehmen einstieg.

Heinz-Dieter Schunk baute nicht nur Vertrieb und Marketing aus, sondern hatte auch wichtige neue Ideen, um langfristig Aufträge zu generieren: Beispielsweise begann er, Drehfutter-Spannbacken, die man ohnehin für den Eigenbedarf fertigte, auch für andere Unternehmen zu produzieren und schuf so die Basis für den Geschäftsbereich Spanntechnik.

1982 hatte Heinz-Dieter Schunk dann nach einem Messebesuch die Idee für einen weiteren Geschäftsbereich: Er sah erste Roboter mit einem Greifer, dessen Gewicht den Roboterarm ziemlich instabil machte. Da wusste Heinz-Dieter Schunk intuitiv, was der Markt braucht: leichtgewichtige standardisierte Greifer. Als einer der ersten entwickelte das Unternehmen Schunk daraufhin standardisierte Greiftechnik.

Für sein Lebenswerk ist Heinz-Dieter Schunk ausführlich geehrt worden: 2006 mit der Wirtschaftsmedaille des Landes Baden-Württemberg, 2008 mit dem Preis Deutscher Maschinenbau und 2013 mit dem Gründerpreis der Sparkassen-Finanzgruppe Baden-Württemberg. Seit 2012 ist er Ehrenbürger der Hölderlinstadt Lauffen am Neckar. Da Heinz-Dieter Schunk die Robotertechnik entscheidend mitgeprägt hat, wurde er 2010 mit dem Robotik-Oscar, dem Engelberger Robotics Award, ausgezeichnet.



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