Interview: Dirk Schickedanz, General Manager Robotics Europe, Nachi Robotics

Nachi Robotics: „Unsere MZ-Roboter sind ein echter Türöffner“

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Welche Pläne Nachi Robotics in Deutschland hat und warum gerade die MZ-Roboterserie ein Türöffner bei den Kunden ist, verrät Dirk Schickedanz, General Manager Robotics Europe bei Nachi Robotics.

Autor: Armin Barnitzke

Herr Schickedanz, Sie haben im Mai 2014 als Deutschland-Vertriebsleiter bei Nachi angefangen. Wie ist Ihre Bilanz?

Schickedanz: Es waren fünf spannende und großartige Jahre – und manchmal auch nervenaufreibende. Wir haben ja quasi bei null angefangen und in den letzten fünf Jahren wirklich einiges erreicht: Wir haben inzwischen ein funktionierendes Marketing, wir haben eine Personalabteilung und wir haben einen tollen Kundenservice mit super Mitarbeitern. Wir haben also vieles erreicht – aber wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen. Wir haben immer noch ein Wahnsinnspotenzial.

Mit welchen Argumenten können Sie bei den Kunden punkten?

Schickedanz: Zunächst mal haben wir ein sehr breites Portfolio und können Kunden grundsätzlich alles das anbieten, was auch die Wettbewerber können. Auch die Tatsache, dass wir Erstlieferant bei Toyota sind, hilft uns natürlich – gar keine Frage. Aber ein ganz besonderes Alleinstellungsmerkmal sind seit einigen Jahren unsere Roboter der MZ-Serie. Nachis MZ-Roboter sind nicht nur sexy und sehen gut aus, sondern sie bieten auch ein prima Preis-Leistungs-Verhältnis. Und wir sind im Service richtig stark. Wir sind recht hemdsärmelig und genau diese Hemdsärmeligkeit schätzen die Kunden. Themen wie ein 24/7-Service sind für uns selbstverständlich. Kurzum: Wir haben ein spannendes Produktportfolio und einen guten Service mit einer motivierten Mannschaft.

Welche Branchen und Anwendungen stehenden bei Ihnen besonders im Fokus?

Schickedanz: Auch wenn wir grundsätzlich Roboter von 1 bis 1000 kg bieten können, liegt unser Fokus in der DACH-Region doch recht stark auf der MZ-Serie, weil diese ein Türöffner für uns ist. Wir gehen seit fünf Jahren aktiv die General-Industrie an – und hier haben wir mit der MZ-Serie ein passendes Produkt mit entsprechender Qualität. Wir bieten IP67 über alle sechs Achsen. Und wir hatten als erster Hersteller Roboter mit einem hohlen Handgelenk.

In welchen Branchen punkten Sie mit den MZ-Robotern?

Schickedanz: Die MZ-Serie ist stark beim Be- und Entladen von Maschinen. Vorteile haben wir dank IP67 insbesondere, wenn es darum geht, den Roboter direkt in die Werkzeugmaschine zu integrieren. Denn unsere Roboter sind wirklich dicht. Und wir sind stark im Testing, gerade mit dem Miniroboter MZ01, der ganz frisch auf den Markt gekommen ist. Mit dem MZ01 erleben wir einen sehr großen Zuspruch – ob bei der Probenentnahme, in der Uhrenindustrie, beim Bestücken von Leiterplatten oder beim Bewegen von Messmitteln. Wir hatten sogar schon Anfragen aus der Stahlindustrie, um mit dem MZ01 in rauestem Umfeld Pyrometer zu führen.

Wenn die MZ-Roboter so gut ankommen: Baut Nachi die MZ-Serie aus?

Schickedanz: Ja, unbedingt. Ersten Familienzuwachs erwarten wir bereits 2020. Auf der Automatica werden wir voraussichtlich einen 25-kg-Roboter zeigen können. Wir denken auch über einen 50-kg-MZ-Roboter nach. Derzeit reicht Nachis MZ-Serie bis 12 kg.

Im Moment sind integrierte Steuerungen, die Maschinen und Roboter vereinen, sehr angesagt. Auch bei Ihnen?

Schickedanz: Ja, wenn der Kunde die Nachi-Roboter über seine Werkzeugmaschinen-Steuerung ansprechen möchte, dann können wir das. Denn wir sind vom Protokoll her offen.

Verzichten Sie dabei wie andere Roboterhersteller auch ganz auf Ihre Robotersteuerung?

Schickedanz: Nein, so etwas werden wir definitiv nicht machen. Wir stellen zwar Schnittstellen bereit, damit alle mit uns kommunizieren können. Aber nur den nackten Roboterarm verkaufen? Das ist keine Option für uns.

Welche weiteren Innovationen sind bei Ihnen in der Pipeline? Können Sie uns ein Gefühl geben, was 2020 an Robotikinnovationen bei Nachi noch kommt?

Schickedanz: Gefühl ist ein gutes Stichwort. Wir wollen unseren Robotern mehr Gefühl geben, also die fünf Sinne in unsere Roboter integrieren. Konkret geht es erst mal um das Sehen und Fühlen, also Vision-Technologie und Kraft-Momenten-Sensoren. Ein großes Ziel für uns ist es zudem, die Bedienbarkeit unserer Roboter zu vereinfachen.

Bei Ihrem kollaborativen CZ-Roboter bieten Sie ja eine Handführung an: Soll das nun für Ihre ganze Industrieroboterpalette kommen?

Schickedanz: Wir zeigen ja mit dem CZ-Roboter, dass das Handführen funktioniert – und dann kommt von Kunden oft die Frage: Geht das auch mit den anderen Nachi-Robotern? Das geht grundsätzlich zwar schon. Nur: Das einfache Führen von Hand ist zwar gut für den Einstieg in die Robotik – aber wenn der Kunde gelernt hat, was man mit dem Roboter alles machen kann, dann kommen wir doch schnell zu den konventionellen Ansätzen der Roboterbedienung via Teachbox. Aber klar: Auch hier können und wollen wir besser werden.

Apropos kollaborative Robotik. Haben Sie den CZ in Deutschland schon konkret im Einsatz?

Schickedanz: Nein. Aber es ist gut, dass wir ihn haben. Weil viele Kunden eben nach einem Cobot fragen und wir diesen Interessenten nun etwas anbieten können. Aber in 90 bis 95 Prozent aller Fälle ist dann eine kollaborative Anwendung gar nicht nötig, sondern es geht zum allerallergrößten Teil in den Bereich einer kooperierenden Anwendung. Und das können wir dank der Sicherheitszonen mit unserer RMU, der Robot Monitor Unit, schon sehr lange. Mit jedem unserer Roboter.

Woran hapert es beim Siegeszug der kollaborativen Robotik?

Schickedanz: Viele Kunden denken, dass man eine konventionelle Anwendung heute auch mit einem Cobot umsetzen kann. Aber das ist falsch, denn ein Cobot ist per se langsamer – das geht ja auch aus Sicherheitsgründen gar nicht anders. So mancher Cobot-Anbieter hat den Kunden eingeredet, dass man heute gar keine Zäune mehr braucht. Aber wenn man seriös sein möchte – und das wollen wir –, dann muss man den Kunden zuweilen sagen, dass eine klassische Robotikapplikation mit Zaun günstiger ist als beispielsweise eine kollaborative Applikation mit aufwendiger Vision-Überwachung oder Sensorik. Das gehört für uns mit zu einer guten Beratung.

Abgesehen von Technikinnovationen: Welche Pläne hat Nachi in der DACH-Region?

Schickedanz: Wir treiben in Krefeld unseren Umbau voran, damit wir künftig ein schöneres Umfeld für Schulungen sowie für Tests und Voruntersuchungen für Kunden haben. Hier warten wir im Moment auf die Baugenehmigung der Stadt Krefeld. Und natürlich müssen und wollen wir Personal aufbauen. Und wir müssen den Markennamen noch präsenter machen, etwa mit Workshops und Veranstaltungen in unterschiedlichen Regionen Deutschlands.

Und welche Pläne schmieden Ihre Kollegen in Japan?

Schickedanz: Im Dezember 2019 haben wir in Japan Werk 3 eröffnet – dort wird das Prinzip „Roboter bauen Roboter“ noch mal auf die Spitze getrieben. Mit dem neuen Werk bauen wir unsere Produktionskapazitäten aus, um künftig 40.000 bis 45.000 Roboter produzieren zu können. Bislang bauen wir jährlich rund 20.000 Roboter für den Weltmarkt. Unser CEO hat die Robotik als größten Wachstumstreiber definiert: Viele Aktivitäten bei Nachi werden deshalb auf die Robotik konzentriert.

Wo erwartet Nachi denn das größte Roboterwachstum?

Schickedanz: China ist durchaus ein großes Thema, denn wir produzieren auch in China für China. Auch in den USA sind wir schon stark, aber in Europa und gerade in Deutschland kann und muss noch viel geschehen. Hier sind wir quasi noch ein Start-up – wenn auch eines mit 50 Jahren Erfahrung.

Nachi Europe GmbH

www.nachi.de

Bischofstr. 99

DE-47809 Krefeld

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