Im Portrait: Thomas Hähn, CEO der Hahn Group

Mann des Vertrauens

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In 25 Jahren hat es Thomas Hähn mit der Hahn Group vom zwei Mann Konstruktionsbüro zum weltweit tätigen Automatisierungsspezialisten mit fast 1000 Mitarbeitern und 150 Millionen Umsatz geschafft – mit Pragmatismus und Überzeugungskraft… und Vertrauen in die Hilfe seiner Freunde.

Autor: Armin Barnitzke

Der Weg zu Thomas Hähn und zur Hahn Automation führt über die A61 durch den Hunsrück. An der Ausfahrt Rheinböllen schmunzelt man unweigerlich – denn das Autobahn-Schild zeigt zwar nicht Hahn Automation, aber immerhin den Flughafen Hahn an. Ein witziger Zufall.

„Unsere Kunden aus den USA haben uns schon oft gefragt: Do you have your own Airport?“, erzählt kurz darauf Thomas Hähn im Besprechungszimmer der Hahn Group. Der Flughafen sei ihm sogar tatsächlich schon zum Kauf angeboten worden. „Aber wir haben natürlich abgelehnt. Wir konzentrieren uns lieber auf das, was wir können.“ Und damit hat man gleich zwei wichtige Dinge über Thomas Hähn gelernt: Er ist – erstens – mit seiner Firma sehr international unterwegs und dabei aber – zweitens – sehr pragmatisch und bodenständig geblieben.

Beginn im Traktorschuppen

Begonnen hat die Hähn-Story 1992 – quasi als Garagenbetrieb. Wobei in diesem Fall die Garage ein alter Traktorschuppen war. Allerdings war das Start-up-Unternehmertum gar nicht Thomas Hähns Plan: „Schon während des Maschinenbau-Studiums habe ich für ein Unternehmen aus der Gummi-Industrie Automatisierungslösungen entwickelt. Nach dem Studium hätte ich auch gerne dort angefangen, aber just zu dem Zeitpunkt gab es einen Einstellungsstopp. Also habe ich mich mit einem Konstruktionsbüro selbstständig gemacht und für das Unternehmen konstruiert.“ Ein Pragmatiker eben.

Wenige Monate später hat er dann die Landwirtschaft der Eltern umgebaut und im still gelegten Traktorschuppen eine eigene Fertigung eingerichtet. Als gelernter Maschinenschlosser kannte Thomas Hähn die Praxis. Aber warum gleich eine eigene Fertigung? Auch das war eine pragmatische Lösung: „Konstruktionsfehler fallen so viel früher auf. Es war mir einfach wichtig, früh zu sehen, ob meine Konstruktionen auch funktionieren“, so Thomas Hähn. Dass diese Eigenfertigung auch ein Vorteil in der Kundenakquise ist, hat sich quasi durch die Hintertür ergeben. „Alles aus einer Hand ist aber heute noch unser Credo und wird durch die Kunden enorm geschätzt.“

Kumpels als Co-Geschäftsführer

Unterstützung bekam er dabei von seinen Eltern: „Die haben für meine erste CNC-Maschinen eine Hypothek auf den Hof aufgenommen. Das war ganz schön mutig von ihnen.“ Aber sie haben das nicht bereut, denn Thomas Hähn konnte die Hypothek schon zwei Jahre später wieder zurückzahlen. Hilfe hat er aber auch von seinen Freunden bekommen: „Die haben mir damals in der Fertigung geholfen. Wir haben quasi unsere Freizeit damit verbracht, Dinge zu bauen. Und wenn wir damit Geld verdient haben, haben wir es eben untereinander aufgeteilt.“

Die Freundschaft ist geblieben: „Marco Unverzagt und Frank Konrad sind bis heute meine Co-Geschäftsführer und Partner“, berichtet Thomas Hähn. Genauer: Während Thomas Hähn als CEO die Hahn Group leitet, ist Frank Konrad Geschäftsführer der Hahn Automation und Marco Unverzagt führt die Geschäfte der Hahn Robotics. Thomas Hähn ist nach wie vor sehr zufrieden mit dieser Konstellation: „Dass wir uns gefunden haben, war ein echter Glücksfall.“ Inzwischen seien nicht nur die Männer, sondern auch die Frauen und Kinder miteinander befreundet.

„Und wir haben immer eng zusammengestanden. Zwischen uns gibt es blindes Vertrauen. Ein Geschäftspartner habe das mal auf den Punkt gebracht, als er sagte: Zwischen Euch passt ja kein Blatt Papier“, berichtet Thomas Hähn. Brüder hätten es sicher schwerer gehabt, miteinander ein Unternehmen zu führen. „Wir dagegen haben uns gesucht und gefunden. Und wir haben uns über all die Jahre prima ergänzt.“

Ein vierter Freund leitet heute übrigens die Produktion im USA Geschäft. Denn schon früh hatten die Jungunternehmer die Idee, ihre Automationslösungen international zu vermarkten. Daher wurde schon 2000 – also nur sieben Jahre nach dem Start im Traktorschuppen – ein Standort in den USA gegründet. Heute verfügt die Gruppe weltweit über 17 Töchter in 11 Ländern: Von USA und Mexiko über Standorte in Europa bis nach Indien und China.

Anfänge in der Gummi-Industrie

Technologisch hat die Erfolgsgeschichte mit einem Handling-Gerät für Gummi-Maschinen begonnen, dem Liftmaster. „Den Liftmaster gibt es als Produkt immer noch“, so Thomas Hähn. Den ersten Liftmaster, den er 1993 an Boge verkauft hat, kann man im Firmensitz in Rheinböllen bewundern. „Der Kunde Boge hat ihn uns zum 20-jährigen Firmenjubiläum zurück geschenkt, nachdem er fast 20 Jahre lang zuverlässig seinen Dienst verrichtet hat.“ Übrigens ein gutes Beispiel für die langfristigen und vertrauensvollen Kundenbeziehungen des Unternehmens.

Später kamen weitere Automationslösungen für die Gummi-Industrie hinzu. „So konnten wir Kunden wie Vorwerk Automotive, Vibracustic Trelleborg oder Freudenberg gewinnen.“ Von der starken Position in der Gummi-Industrie hat sich die Hahn Automation dann Stück für Stück in das benachbarten Segment Kunststoff entwickelt. Dazu hat man 2007 die Remak Maschinenbau, einen Spezialisten für Linearroboter für die Spritzguss-Automation, übernommen und die Position in diesem Bereich 2015 durch den Kauf des schwedischen Linearroboter Spezialisten Wemo weiter ausgebaut.

Die Hahn Automation allerdings, Keimzelle des Unternehmens und mit rund 80 Millionen Euro Umsatz immer noch die Säule des Firmenverbundes, konzentriert sich inzwischen vor allem auf größere Automations-Projekte in der Automobilzuliefer-Industrie und baut komplexe Montage- und Prüfanlagen für Stoßdämpfer, Turbolader und Bremsen. „Es ist sinnvoll, nicht auf zu vielen Hochzeiten zu tanzen, sondern man sollte sich auf das konzentrieren, was man kann“, unterstreicht Thomas Hähn seinen pragmatischen Ansatz.

Hilfe bei der Entwicklung neuer Branchen sowie der internationalen Expansion hat Thomas Hähn durch den Einstieg der RAG-Stiftung erhalten, die 2014 über ihre Beteiligungsgesellschaft die Mehrheit des Automatisierungsspezialisten übernommen hat. Dr. Werner Müller, einst unter Bundeskanzler Gerhard Schröder Wirtschaftsminister und heute Vorstandsvorsitzender der RAG-Stiftung, sagte damals: „Wir streben bei Hahn Automation eine langfristige Partnerschaft an, die beiden Partnern gleichermaßen helfen soll, ihre Ziele zu realisieren. Von der kleinen Werkstatt zum mittelständischen Automatisierungsspezialisten – das ist eine Erfolgsgeschichte, an der wir teilhaben möchten. Hier sehen wir noch großes Wachstums- sowie Wertsteigerungspotenzial.“

Auf Basis dieser Partnerschaft hat Thomas Hähn die Erweiterung des Portfolios in Felder jenseits der Automobilindustrie vorangetrieben und hat mit der Hahn Group eine Plattform für externes Wachstum geschaffen. Entsprechend erfolgt die Expansion in die Medizintechnik nicht durch die Hahn Automation, sondern durch Zukauf der Spezialisten Waldorf Technik in Deutschland und Invotec in den USA.

Wachstumspotenzial MRK

Hähns Vision: „Wir wollen kein Konzern werden, sondern ein Verbund mittelständischer Unternehmen, die sich gegenseitig helfen und unterstützen.“ Auch die regionale Expansion wurde durch einen Zukauf in England sowie eigene Initiativen in Mexiko und China vorangetrieben.

Wachstumspotenzial sieht Thomas Hähn darüber hinaus zum Beispiel in der Mensch Roboter Kollaboration (MRK), die die Gruppe mit der 2016 gegründeten Hahn Robotics adressiert. „Mit MRK beschäftigen wir uns seit 2010 und haben dann 2015 beschlossen, das Thema auf eine eigene Schiene zu setzen.“ Agierte Hahn Robotics zunächst als Systempartner für den US-Cobot-Pionier Rethink Robotics Inc., stellt man sich inzwischen breiter auf. So setzt Hahn Robotics nicht nur Projekte mit Rethinks Roboter Sawyer um, sondern integriert auch ABBs Yumi oder Kukas LBR iiwa.

Zudem werden Beratung und Sicherheitszertifizierung für den kollaborativen Robotereinsatz angeboten. Thomas Hähn: „Hahn Robotics ist für uns strategisch sehr wichtig. Denn mit MRK können wir neuen Kundenkreisen Automatisierungslösungen ermöglichen, für die Automatisierung bisher kein Thema war.“

Es muss menschlich passen

Auch die Etablierung in diesem Geschäftsfeld wird ihm sicher gelingen, denn Thomas Hähn hat neben dem richtigen Gespür für Technologien und Märkte auch das Gespür, wie man Menschen mitnimmt. Vertrauen ist für ihn ein ganz wichtiger Punkt: „Auch wenn Automatisierung technikbasiert ist, geht es in diesem Geschäft letztlich immer um Vertrauen: Die besten Projekte haben wir immer dort realisiert, wo es menschlich auch gepasst hat.“

Vertrauen brauche man aber nicht nur in der Kundenbeziehung, sondern auch im eigenen Unternehmen. „Wir gehen freundschaftlich und kollegial miteinander um und versuchen Mitarbeiter in allen Veränderungsprozessen mitzunehmen. Denn Wachstum hat schließlich viel mit Veränderung zu tun.“ Um den Hahn-Spirit zu unterstützen, investiert man viel in Ausbildung der Mitarbeiter. In Rheinböllen sind über 10 Prozent der Mitarbeiter technische oder kaufmännische Auszubildende. Thomas Hähn: „Wer in einer ländlichen Gegend wachsen will, muss selbst ausbilden.“ Und sogar in den USA habe man eine eigene Ausbildung – „auch wenn das dort gar nicht üblich ist.“

Die Investition in den Nachwuchs beginnt schon in der Schule. „Als wir 2003 einen Innovationspreis gewonnen haben, haben wir mit dem 5000 Euro Preisgeld Lego Mindstorm Roboter gekauft und damit Roboter AGs in den Schulen in der Region ausgestattet.“ Diese Robotik AGs begleite und unterstütze man noch heute. Zum Beispiel gibt es jedes Jahr einen Wettbewerb – den Hahn Robotik Cup – in dem sich die Nachwuchsspezialisten messen können. Thomas Hähn: „Inzwischen haben wir sogar erste Führungskräfte im Unternehmen, die damals mit unseren Lego Robotern angefangen haben.“

Hahn Group

www.hahn.group

www.hahnautomation.com

www.hahnrobotics.com

automatica Halle A4, Stand 413


Hähn oder Hahn?

Begonnen hat Thomas Hähn sein Unternehmen als Hähn Automation. Aber schon 2000 wurde die erste Niederlassung in den USA als Hahn Automation Inc. gegründet. Da Umlaute hinderlich bei der Internationalisierung sind, firmiert die Gruppe seit dem Marken-Relaunch 2009 gesamthaft unter Hahn.


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