Im Porträt: Harald Bader, Gründer des Roboterspezialisten HBI

Begeistert für Robotik

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Mit HBI hat Harald Bader in knapp 19 Jahren einen florierenden Robotikspezialisten hochgezogen, der mit Vision-geführter Robotik gut im Geschäft ist. Darauf ist er stolz. Schade findet der technikbegeisterte Informatiker nur, dass er als Chef kaum noch selbst zum Programmieren kommt.

Autor: Armin Barnitzke

Wenn man zu HBI nach Gosheim fährt, geht es auf den Heuberg hinauf, eine Hochfläche im Südwesten der Schwäbischen Alb. Die kargen und rauen Albhöhen waren einst eine ärmliche Region: „Noch in den 1930er Jahren galt der Große Heuberg als Notstandsgebiet, jahrhundertelang war er eine klassische Auswanderungsregion“, heißt es auf Wikipedia. Bessere Zeiten brachen im Armenhaus Baden-Württembergs erst an, als die Gosheimer begannen, in Ställen und Schuppen kleine Drehteile für die Uhrenindustrie im Schwarzwald zu fertigen. Heute ist die Region ein florierender Wirtschaftsraum, der mit mittelständischen Drehereien und Präzisionsbetrieben gespickt ist.

„Wir haben hier Vollbeschäftigung“, berichtet HBI-Chef Harald Bader, der allerdings nicht über mangelnde Fachkräfte klagen kann, „denn bei uns sind die Arbeitsbedingungen nicht ganz so widrig wie in den Drehereien rundherum. Bei uns gibt es keine Späne, Lärm und Öl.“ In seiner Fertigungshalle geht es ruhig zu: Konzentriert bauen seine Mitarbeiter dort die Roboteranlagen zusammen, die in den Büros nebenan konstruiert und programmiert werden.

Erste Schritte in väterlicher Firma

Angefangen hat Harald Baders Robotikbegeisterung schon während seines Studiums der technischen Informatik im benachbarten Albstadt. „1993 habe ich in der Werkzeugmaschinenfirma meines Vaters meinen ersten Roboter programmiert, das war damals ein Scara-Roboter von Sankyo“, erinnert er sich. Das war der Startpunkt. In Folge hat Harald Bader parallel zum Studium immer wieder Roboter programmiert, nicht nur beim väterlichen Schleifmaschinenbauer Haas, sondern auch bei anderen Firmen, oft auch in Verbindung mit Bildverarbeitungslösungen. „Die Verbindung von Robotik und Bildverarbeitung wurde so zu meinem Steckenpferd.“

Nach dem Studium fing Harald Bader allerdings doch erst mal beim Gosheimer Maschinenbau-Platzhirsch Hermle im Bereich Elektrokonstruktion an, schließlich hatte er eine junge Familie zu ernähren. Schon bald wurde ihm dort aber klar, dass er seiner Robotik-Passion folgen will und muss: „Also habe ich meiner Frau eröffnet, dass ich mich doch selbständig machen will“, erinnert sich Harald Bader. Mit zwei kleinen Kindern zu Hause gibt es zwar bessere Momente, um sich ins Abenteuer Selbständigkeit zu stürzen, aber seine Frau Tanja Bader hat ihn trotzdem von Anfang an unterstützt: „Denn ich wusste: Wenn mein Mann was mit Begeisterung anpackt, hat er Erfolg“, sagt sie heute rückblickend.

2000 selbstständig gemacht

Warum er damals nicht beim väterlichen Maschinenbauer Haas eingestiegen ist? „Da hatte mein großer Bruder das Vorrecht“, schmunzelt Harald Bader. Ganz abgesehen davon baut man dort Schleifmaschinen und eben keine Roboteranlagen. Also hat sich Harald Bader im Jahr 2000 mit einem Ingenieurbüro selbstständig gemacht, Schwerpunkt zunächst reine Programmierung und Softwareentwicklung als Dienstleistung.

„Schon bald habe ich allerdings gemerkt, dass die reine Programmierung den Kunden wenig nutzt, denn diese wollen komplette Lösungen.“ Deshalb hat Harald Bader 2003 die HBI GmbH gegründet und angefangen, ganze Roboterzellen zu bauen. „Ich bin zwar Informatiker, aber durch meinen Vater habe ich auch die mechanische Maschinenwelt kennengelernt.“ Das nötige Konstruktionswissen hat sich Harald Bader dann selbst angeeignet und sich beispielsweise in 3D-Konstruktionssysteme eingearbeitet.

90 % mit Werkzeugmaschinen

Begonnen hat Harald Bader damals mit Roboteranlagen zum Be- und Entladen von Werkzeugmaschinen, und dem Maschinenthema ist er über die Jahre treu geblieben. „Mit dem Be- und Entladen von Werkzeugmaschinen und der Verkettung von Werkzeugmaschinen machen wir immer noch mehr als 90 Prozent unseres Umsatzes.“ Über fünf Millionen Euro Umsatz sind es 2018 gewesen. Eine One-Man-Show ist er dabei natürlich schon lange nicht mehr: Aktuell beschäftigt er 45 Mitarbeiter, Tendenz steigend.

„Denn mit jeder Anlage, die wir ausliefern, steigt der Bedarf an Service. Pro Jahr wachsen wir daher fast schon automatisch um zwei bis drei Mitarbeiter.“ Zudem werden die Roboteranlagen komplexer und aufwendiger, weil der Roboter nicht nur die Maschine beladen, sondern auch Teile vermessen, reinigen oder entgraten soll. „Aufgaben wie Vermessung und Rückführung der Messwerte an die CNC-Steuerung oder an CAQ-Systeme sind immer öfter Teil unserer Applikationen“, so Harald Bader.

Baden Württemberg und Schweiz

Seine Kunden findet Harald Bader hauptsächlich in Baden Württemberg: ob Heuberg, Schwarzwald oder im Raum Stuttgart. Große Pläne zu Internationalisierung hegt er daher nicht. „2014 haben wir zwar mal mit Maschinenbauern rund 30 Roboterzellen für China gebaut. Das habe ich dann aber gebremst. Wir konzentrieren uns auf Baden Württemberg und die Schweiz.“

Viele Kunden kommen über Maschinenbauer wie Chiron, Emag und andere, zu denen Harald Bader gute Drähte hat. Allerdings hegen viele Werkzeugmaschinen-Hersteller eigene Automationsambitionen und bieten für ihre Maschinen passende Standard-Roboterzellen an. Ob ihm das nicht das Geschäft wegnimmt? „Nein, gar nicht. Im Gegenteil. Wer eine Standardzelle vom Werkzeugmaschinen-Hersteller kauft, sieht, welche Vorteile Automation bringt und bekommt Lust auf mehr. Dann kommen wir ins Spiel. Gerade wenn es komplizierter wird, braucht man Spezialisten wie uns.“

Viel Knowhow bei Vision

Zumal Harald Bader eben auch eine Menge Knowhow rund um die Bildverarbeitung in die Waagschale werfen kann. Als Basis nutzt er dazu die bewährte Halcon-Software von Mvtec. „Darauf aufsetzend entwickeln wir unsere hauseigene Bildverarbeitungssoftware HB-Vision. Mit der HB-Vision sind unsere Kunden aufgrund der intuitiven Bedienung und der Bauteiledatenbank in der Lage, Serien mit kleinen Losgrößen wirtschaftlich zu automatisieren“, betont der Informatiker Harald Bader.

Der Bildverarbeitungsanteil in den Projekten kann durchaus beträchtlich sein. „Bei der einfachen 2D Erkennung von Teilen auf einem Förderband ist der Aufwand recht überschaubar. Aber beim 3D-Bin-Picking macht der Vision-Block bis zu 40 Prozent aus – von der Kalibrierung über die Erkennung bis zur richtigen Greifstrategie.“

Tausendsassa der Robotik

Harald Bader hat neben seinen Vision-Erfahrungen eine weitere Besonderheit: Er kennt sich mit vielen Robotertypen und Herstellern aus. „Derzeit arbeiten wir hauptsächlich mit Fanuc, Kuka und Stäubli. In der Vergangenheit habe ich aber auch schon Roboter von Yaskawa Motoman, Epson, Adept, Universal Robots, Kawasaki, Nachi, OTC und Mitsubishi programmiert“, berichtet Harald Bader stolz und man spürt seine Begeisterung für die Roboterprogrammierung.

Heute will er mit HBI allerdings nicht mehr so viele Robotertypen unterstützen, denn seine Programmierer für viele verschiedene Robotermarken fit zu machen, ist nicht wirtschaftlich. Zudem kommt der Chef selbst heute kaum noch zum Programmieren – „leider“, wie er bedauernd hinzufügt. Als Geschäftsführer ist er vollauf mit Kundengesprächen beschäftigt, zumal er seinen Vertrieb nach wie vor komplett allein macht.

Nur manchmal darf er nochmal ran an die Programmiergeräte, wenn es Serviceeinsätze bei älteren Anlagen gibt: „Das macht dann echt Spaß“, lächelt Harald Bader, der sich selbst als technikverliebt und eher zurückhaltend beschreibt. Daher ist er technisch bei den Projekten immer voll mit drin. „Das Kaufmännische dagegen überlasse ich meiner Frau“, sagt Harald Bader augenzwinkernd.

Frau ist sehr aktiv in der Firma

Denn Tanja Bader ist weiter sehr aktiv im Unternehmen HBI. Damit spielt die Firma HBI auch in der Familie Bader eine große Rolle: „Wir versuchen zwar, die Firma vom Familientisch fernzuhalten, aber es gelingt uns nicht immer. Dann sagen die Kinder auch schon mal: Jetzt ist es genug mit dem Geschäft“, berichtet Harald Bader kichernd.

So lebt Harald Bader, der sich immerhin am Wochenende die Zeit für sein Segelfliegen-Hobby nimmt, voll und ganz für seine Robotikfirma. Richtig in seinem Element ist er, wenn es um technische Neuentwicklungen geht: Besonders stolz ist er beispielsweise auf die Roboterzelle VB Docklock, die er zusammen mit den Spanntechnikspezialisten von Vischer und Bolli entwickelt hat. Großer Vorteil der vb-Docklock-Zelle: „Damit liefern wir das gesamte Paket aus Spanntechnik und Automatisierung aus einer Hand. Dazu bieten wir nicht nur das Palettenhandling, sondern können in der Roboterzelle zusätzlich Werkstücke und sogar Werkzeuge automatisiert in die Werkzeugmaschine einspannen.“

Mit VB Docklock will HBI in neue Geschäftsbereiche vorztoßen, „zum Beispiel in die kombinierte Automatisierung von Werkzeugmaschinen ab Losgröße 1 bis zu mittleren Serien in einer Roboterzelle und der Verkettung von unterschiedlichen Werkzeugmaschinen in einem Prozess.“ Genügend Platz zum Wachstum ist vorhanden, den 2017 ist HBI in Gosheim in ein neues größeres Gebäude umgezogen. Hier gibt es nicht nur frisch renovierte, moderne Büroräume, sondern vor allem auch mehr Platz für Maschinen – so hat sich HBI eine große Abkantpresse angeschafft, um die Bleche für seine große VB-Docklock-Zellen herstellen zu können. „Denn die VB-Zelle kommt gut an am Markt.“ Dadurch wird das kontinuierliche Wachstum bei HBI weitergehen, und der Chef wird vermutlich noch weniger zum Programmieren kommen. Aber das wird er sicher verschmerzen können.

HBi Robotics GmbH

www.hbi-robotics.de


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