Interview: Jürgen Noailles, Geschäftsführer, Stein Automation GmbH & Co. KG „Anforderungen in Richtung Datenvernetzung steigen“ - Automationspraxis

Interview: Jürgen Noailles, Geschäftsführer, Stein Automation GmbH & Co. KG

„Anforderungen in Richtung Datenvernetzung steigen“

Jürgen Noailles hat seine Karriere 1998 bei Stein gestartet und dann in Villingen-Schwenningen verschiedene Vertriebsstationen durchlaufen. Zuletzt war er fünf Jahre lang Sales Manager. Ende 2013 wechselte er zu Jonas & Redmann Automationstechnik und von dort dann zur Schmid Group, wo er zuletzt Vice President der Business Unit Industrial Solutions war. Im November 2015 kehrte er als Geschäftsführer quasi zu seinen Wurzeln zurück. Bild: Stein
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Wie er den Montage-Transferspezialisten Stein Automation strategisch weiter entwickeln will, erläutert der Geschäftsführer Jürgen Noailles im Interview mit der Automationspraxis.

Sie sind seit Ende 2015 neuer Geschäftsführer bei Stein. Sie waren ja schon früher lange bei Stein und haben dann für Maschinenbauer gearbeitet: Warum sind Sie zurückgekehrt?

Noailles: Trotz sehr guter Anstellung – zuletzt als Business-Unit-Leiter und Geschäftsführer für zwei Standorte – war der Reiz, zurückzukehren, einfach sehr groß. Denn Stein Automation ist ein Familienunternehmen mit Herzblut. Täglich spürt man die Leidenschaft der Mitarbeiter, die unsere Kunden begeistern. Die Produktphilosophie, mit Standardisierung in der Mechanik sowie auch in der SPS-Steuerung erfolgreich zu sein, begeistert mich jeden Tag aufs Neue. Bei meinen ehemaligen Arbeitgebern konnte ich wertvolle Erfahrungen sammeln, die heute sehr prägend für die weitere strategische Ausrichtung sind. Ich sehe hier viele Chancen, Stein gemeinsam im Team nachhaltig weiterzuentwickeln.
In welche Richtung wollen Sie das Unternehmen weiter entwickeln?
Noailles: Stein wird in Zukunft noch globaler ausgerichtet sein. Neben den europäischen Hauptmärkten wird das Vertriebsteam durch leistungsstarke Partner im Ausland gestärkt. Dies ermöglicht uns, noch näher an unseren bestehenden und zukünftigen Kunden zu sein. Mein Ziel ist es, Stein als Marke und Experten für Transfertechnik, verbunden mit dem Handling von Logistikdaten, im Markt noch weiter zu verbreiten.
In welchen Bereichen ist Stein heute schon stark und wo wollen Sie noch zulegen?
Noailles: Die Branchen Automotive, Medizintechnik und die Antriebstechnik sind fester Bestandteil unseres Umsatzes. Hier haben wir sehr intensive Kundenbeziehungen mit Marktführern in den jeweiligen Branchen. Diese Bereiche möchten wir – neben der Elektrotechnik und der Weißen Ware – noch weiter ausbauen. Wir sind natürlich auch in Zukunftsmärkten wie E-Mobilität aktiv. Als Unterlieferant einer Gesamtanlage hegen wir regen Kontakt zu Sondermaschinenbauern und werden hier unser Netzwerk noch weiter ausbauen.
Stein betont stets den sensiblen Transport dank Softmove-Technologie. Ist Softmove Ihr Kernelement?
Noailles: Softmove ist ein Highlight unseres Unternehmens. Hier transportieren wir unsere Kundenprodukte sehr schonend und mit höchster Energieeffizienz von Station zu Station. Dies erhöht die Anlagenverfügbarkeit aufgrund des geringen Verschleißes. Neben dem Energieverbrauch sorgen wir auch für einen leiseren Arbeitsplatz. Basis dieser Lösung ist unsere jahrzehntelange Erfahrung im Handling von Logistikdaten. Stein hat schon 1992 eine der innovativsten Lösungen im Bereich Logistiksteuerung entwickelt, getreu dem Motto „konfigurieren anstelle programmieren“. Die vielen Projekte über die letzten 25 Jahre haben Stein Control zu einem leistungsstarken und anwenderfreundlichen Steuerungs-Tool gemacht, das am Markt sehr gut angenommen wird.
Haben sich denn die Kundenanforderungen in all den Jahren geändert?
Noailles: Ja, insbesondere die Anforderungen der Kunden in Richtung Datenvernetzung nehmen massiv zu. Ebenso ist Flexibilität in Bezug auf kurze Liefertermine immer wichtiger. Kaufentscheidungen werden oft auf den letzten möglichen Termin verzögert, damit die Liquidität im Hause bleibt. Hier sind wir durch unseren Baukasten in der Mechanik und Software sehr gut aufgestellt.
Wenn die Vernetzungsanforderungen steigen: Wollen Sie Ihre Steuerungs-Kompetenz in Zeiten der Industrie 4.0 weiter ausbauen?
Noailles: Definitiv. Mit unserer Steuerung haben wir ja schon 1992 den Grundstein für die Industrie 4.0 gelegt, die auch sehr stark unser zukünftiges Portfolio prägt. Mit der neuen Steuerungslösung 5G werden wir in der Lage sein, unsere langjährige Logistik- und Datenverarbeitungserfahrung am Markt separat zu vertreiben. Dies ermöglicht uns, in ganz anderen Branchen aktiv zu sein.
Neben dem Thema Daten und Digitalisierung: Wie reagieren Sie auf die steigenden Flexibilitätsanforderungen? Viele Experten prognostizieren ja ein Ende der starren Verkettungen und sehen fahrerlose Transportsysteme als Zukunft des Werkstücktransports…
Noailles: Im Zeitalter von Industrie 4.0 wird sich die Produktion Schritt für Schritt verändern. Den einfachen Mitarbeiter, der Material von A nach B fährt, wird es so nicht mehr geben. Hier können zum Beispiel fahrerlose Transportsysteme eingesetzt werden. Wichtiger ist aber meiner Meinung nach, dass die Produktion ganzheitlich betrachtet wird. Wie intelligent ist das Lager? Wie flexibel sind meine Prozesse, um flexibel auf die Kundenanforderungen zu reagieren? Schlagwörter wie Losgröße 1, Variantenvielfalt, Vernetzung, prozessorierentierte Produktionsabläufe sind wichtige Anforderungen, die ein Transfer in Zukunft erfüllen muss. Stein hat hier bereits viele Lösungen umgesetzt und wird weiter dran bleiben.
Was haben Sie heute bereits umgesetzt?
Noailles: Auf unseren Anlagen ist der Materialfluss schon heute so flexibel, dass sich der Werkstückträger seinen Weg intelligent sucht. In der Stein Steuerungsgeneration 5 werden wir über den Tellerrand hinausschauen und den Materialfluss sowie die Datenverwaltung im Produktionsprozess auch unabhängig von einem klassischen Werkstückträger-Transportsystem betrachten. Die Entwicklung ist hierfür bereits gestartet. ↓
Stein Automation GmbH & Co. KG
www.stein-automation.de; Motek Halle 4, Stand 4220
„Schon 1992 wurde bei uns der Grundstein für Industrie 4.0 gelegt.“ Jürgen Noailles, Stein Automation

Mehr Ergonomie und schnellerer Wechsel

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Neben dem Thema Vernetzung treibt Stein Automation auch mechanische Innovationen voran. Dabei spielt beispielsweise das Thema Ergonomie eine sehr wichtige Rolle. So hat man zum Beispiel ein Konzept entwickelt, bei dem der Werker frei entscheiden kann, ob er im Sitzen oder Stehen arbeiten möchte. Die Band-Höhe passt sich automatisch den Anforderungen an. Zudem soll das Portfolio für Montage-Transportlösungen auch gewichtsmäßig zulegen. „Wir werden hier von 60 auf 100 Kilogramm aufstocken“, verrät Geschäftsführer Jürgen Noailles. Zudem hat man einen Schnelleinzug entwickelt, der ein schnelleres Anfahren der Station ermöglicht und so die Wechselzeit an den einzelnen Stationen verkürzt. Dauerte ein Wechsel der Werkstückträger bislang 1,5 Sekunden, klappt dies mit dem Schnelleinzug nun in 0,5 Sekunden. Der Schnelleinzug ist bei allen Anlagen ab Baujahr 1992 ohne großen Aufwand nachrüstbar. ↓
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