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Dominik Bösl: „Mit KI werden Roboter so alltäglich wie Smartphones“

Interview Dominik Bösl, Geschäftsführer Micropsi Industries
Dominik Bösl: „Mit KI werden Roboter so alltäglich wie Smartphones“

Wie Roboter dank Künstlicher Intelligenz (KI) bald so selbstverständlich werden wie das Handy und wo die Grenzen der KI liegen, erläutert Vordenkr Prof. Dominik Bösl, Geschäftsführer von Micropsi Industries.

Interview: Armin Barnitzke

„Robotics, Automation and A.I. will change the world“ – das postulieren Sie auf Ihrer Webseite. Wie werden KI und Robotik die Welt verändern?

Bösl: In der Zukunft werden Robotik und Automation unsere Lebenswelt durchdringen und dann ebenso alltäglich sein, wie es heute Smartphone und Internet sind. Damit das aber geschehen kann, muss Robotik zum einen intelligent und leichter bedienbar werden. Dazu ist KI nötig. Zum anderen müssen Robotersysteme verfügbarer und günstiger sein.

Wie läuft diese „Demokratisierung der Robotik aus Ihrer Sicht konkret ab?

Bösl: Auf dem Weg dorthin sehe ich ähnliche Phasen wie in der Entwicklung der Computertechnologie: Die IT-Systeme wurden zuerst kleiner (also vom raumfüllenden Mainframe-Rechner zum Desktop-PC), dann mobil (vom PC zum Laptop) und schließlich allgegenwärtig in Form von Smartphones, Microcontrollern und Cloud. In der Robotik ist die Miniaturisierung bereits abgeschlossen (vom großen Industrieroboter zum kleinen Cobot). Die Mobilisierung ist noch im vollen Gange (mobile Roboter erobern gerade immer mehr Bereiche). Jetzt fehlt nur noch, dass Robotik in Form von Service-Robotern, autonomen Fahrzeugen und Alltagsautomatisierung breiten Einzug in unser tägliches Leben hält.

Wie werden dann KI und Robotik die Arbeitswelt im Besonderen verändern?

Bösl: KI und Robotik ergänzen sich perfekt. In der Arbeitswelt wird KI der Schlüssel dafür sein, dass Robotik zugänglicher, nutzbarer und bedienerfreundlicher wird. Zudem wird sie dazu beitragen, dass Automatisierungssysteme „verständiger“ und damit autonomer werden. In Kombination können so zum einen Probleme automatisiert werden, die früher für klassische Roboter unlösbar schienen. In der Arbeitswelt wird dies dazu führen, dass Robotik und KI immer selbstverständlicher und allgegenwärtiger werden. Aber KI hat nicht nur Auswirkungen darauf, welche Aufgaben automatisiert werden können, sondern wird auch indirekt dazu beitragen, dass Robotersysteme auf Dauer günstiger werden.

Warum macht KI die Roboter günstiger?

Bösl: Nun, wenn Roboter flexibler, adaptiver, einfacher und auch breiter eingesetzt werden können, steigt die Nachfrage. Steigende Nachfrage öffnet den Markt und durch Skaleneffekte fallen dann ähnlich wie beim Computer die Preise. Und die Robotik wird dann endlich zu der Mainstream-Technologie, die sie sein sollte.

Wo und wie kann KI der Robotik heute schon konkret helfen?

Bösl: KI kann der Robotik vor allem an Stellen helfen, wo es fuzzy wird – also ungenau, undeutlich und variabel. Bei der Erkennung von Objekten, dem Erlernen von Abläufen mit nur wenigen Trainingszyklen, der Unterstützung bei oder der Übernahme von immer autonomeren Entscheidungen und bei der Umsetzung bisher nicht automatisierbarer Herausforderungen.

KI und Robotik sind zusammen also ein echter „Game Changer“?

Bösl: Nun ja, bei aller Begeisterung für künstliche Intelligenz muss auch klar sein: KI ist weder ein Allheilmittel noch Magie. Künstliche Intelligenz hat – wie jede Technologie – ihre Limitierungen. Zudem muss man bei einem Hype-Begriff wie KI genau hinsehen: Sehr viele Dinge werden heute als intelligent bezeichnet, auch wenn es sich im klassischen Sinn gar nicht um KI-Technologien handelt – einfach, weil es gut klingt. Nicht überall, wo KI draufsteht, ist aber auch KI drin.

Und wo sehen Sie die Grenzen der intelligenten KI-Roboter?

Bösl: Es wäre vermessen zu erwarten, dass ein Roboter mit KI ohne jegliches Training sofort in der Lage ist, Aufgaben zu lösen. Die Vision vom Roboter-Assistenten, der sofort damit beginnt, in einer unbekannten Umgebung produktiv zu arbeiten, ist leider Science Fiction und wird es auf jeden Fall noch lange – und vielleicht auch für immer– bleiben. Ein Beispiel: Das Greifen eines bisher nie zuvor gesehenen Objekts kann leider auch KI bisher nicht lösen. KI-Systeme benötigen immer noch Training: Sie müssen lernen, damit sie dann eine Aufgabe ausführen können. Dabei sind sie in vielen Fällen zwar autonomer und robuster und können auf Abweichungen besser reagieren. Zaubern können sie aber leider auch nicht.

Micropsi Industries GmbH

www.micropsi-industries.com; Automatica B4.301


Denkfehler beim KI-Einsatz

Dominik Bösl benennt 5 verbreitete Denkfehler, die den KI-Erfolg ausbremsen:

1. Übersteigerte Erwartungen beim Nutzer: Viele Nutzer denken fälschlicherweise: „KI muss doch in der Lage sein, mein Problem sofort zu lösen!“

2. Ungerechtfertigte Bedenken und Vorbehalte: Viele Nutzer habe die irrige Befürchtung, dass KI als Black-Box nicht nachvollziehbare Ergebnisse liefert und sogar ein „Eigenleben“ entwickeln könnte.

3. Der Wunsch nach einer generalistischen KI: Eine einzige KI-Technologie soll alle Probleme lösen. Bösl: „Die eine allumfassende KI gibt es bisher nicht und es wird sie wohl auch nie geben.“

4. Der falsche Schlüssel für das falsche Schloss: Die Auswahl einer unpassenden Technologie zur Lösung eines speziellen Problems. Bösl: „Dabei eignen sich einige Ansätze besser für gewisse Probleme als andere.“

5. Fehlende oder falsche Datenbasis: „KI kann nur so gut sein wie die Trainingsdaten, die zum Einsatz kommen“, so Bösl. Wenn mit den falschen Daten trainiert werde, könnten nur schlechte Ergebnisse erzielt werden.



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