Dr.-Ing. Wolfgang Pfeiffer, Geschäftfsführer, Tox Pressotechnik GmbH & Co. KG

„Wir sind wirklich auf der glücklichen Seite“

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Warum der Fügetechnikspezialist Tox Pressotechnik dank Automotive-Mega-Trends wie Mischbau und Elektromobilität eine echte Glückssträhne hat, erklärt Geschäftsführer Dr.-Ing. Wolfgang Pfeiffer.

Autor: Armin Barnitzke

Ihre Spezialität ist das pneumohydraulische Tox-Kraftpaket. FühIt man sich mit solchen Technologien in Zeiten von 4.0 und CPS nicht echt „oldschool“?

Pfeiffer: Nein, wir fühlen uns ganz und gar nicht oldschool. Denn um die Mechanik kommt man bei aller Digitalisierung nicht herum. Man benötigt ja weiter eine entsprechende Aktorik. Nichtsdestotrotz sind die 4.0-Gedanken überaus spannend und hoch interessant. Allerdings sollte man den doch eher recht breiten Begriff Industrie 4.0 besser Digitalisierung nennen – und man muss die Visionen auf konkrete Themen wie Condition Monitoring-, Flexibilisierungs- oder Prozessführungs-Themen herunterbrechen, sonst kommt man keinen Schritt weiter. Zusammen mit unseren Großkunden stehen wir daher in intensiven Diskussionen, welche Themen wichtig sind. Aber ganz klar: Die Kombination aus Mechanik/Fertigung und neuer, beziehungsweise künstlicher Intelligenz – die macht für uns den Reiz aus.

An welchen Themen arbeiten Sie konkret?

Pfeiffer: Zum Beispiel werden in der Zukunftsfabrik Arena 2036 Systeme von uns stehen. Mit unseren Partnern arbeiten wir dort an Themen wie Flexibilisierung und Reaktivität der Füge-Systeme im Karosseriebau auf äußere Ereignisse.

Was genau meinen Sie mit Flexibilisierung im Karosseriebau?

Pfeiffer: Die Materialien im Automobilbau der Zukunft haben stärker variierende Materialeigenschaften, zum Beispiel Umformbarkeiten. Trotz solcher Eingangsvariation wollen die Automobilbauer natürlich im Ausgang unserer Prozesse eine gewisse Stabilität. Systeme sollen sich daher „on the fly“ auf Toleranzen einstellen.

Welche Rolle spielt dabei die Sensorik in den Werkzeugen?

Pfeiffer: Die legt den Grundstein. Hier passiert gerade unglaublich viel. In Zukunft werden alle Arten von Werkzeugen smart werden und mehr sensorische Daten zur Verfügung stellen. Dann stellt sich jedoch die Frage, was man mit diesen Daten anfängt. Zum Beispiel in einer Daten-Cloud Erkenntnisse für Predictive-Maintenance-Ideen aufbereiten oder direkt die laufenden Prozesse selbst positiv beeinflussen.

Arbeiten Sie im Zuge der Industrie 4.0 auch an neuen Geschäftsmodellen wie Fügen as a Service?

Pfeiffer: Solche Modelle werden eventuell kommen – aber diese Idee, Clinch- oder Nietverbindungen pauschal abzurechnen, wird schon seit 10 Jahren mehr oder weniger stark diskutiert. Wir stehen solchen Gedanken nicht im Wege und können jederzeit entsprechend anbieten. In Sachen zusätzliche Geschäftsmodelle sind für uns eher Themen wie Condition Monitoring, Predictive Maintenance oder Tele-Servicing interessant, wenngleich hier die Datensicherheit beim Fernzugriff in die Kundennetze eine beachtenswerte Rolle spielt.

Ein großes Thema im Automobilbau ist ja auch der Leichtbau. Spielt Ihnen der Trend in die Karten?

Pfeiffer: Ja, wir sind hier wirklich auf der glücklichen Seite. Denn Clinchen ist weiter zunehmend stark gefragt, weil die Materialien aus dem Mischbau für das thermische Fügen, wie Laser- oder Widerstandspunktschweißen, mit Sprödigkeitsthemen und unterschiedlichen Wärmeleit-Koeffizienten eine Menge Unwägbarkeiten mit sich bringen. Davon profitieren die grundsätzlich toleranten Kaltfügeverfahren wie Clinchen oder das verwandte Nieten.

Apropos Nieten: Kürzlich konnten Sie hier einen Großauftrag aus dem Hause Daimler vermelden. Worum geht es bei dem Großauftrag?

Pfeiffer: Daimler und Tox Pressotechnik haben eine bilaterale, exklusive Partnerschaft vereinbart für das Halbhohl-Stanznieten, ein Hauptfügeverfahren. Hier werden wir die nächsten Jahre alle Daimler-Werke mit unseren Systemen ausstatten dürfen – für alle Baureihen, auch für die Elektrifizierungsmodelle. Ein großer strategischer Erfolg.

Wie kommen Sie zu diesem Mega-Auftrag?

Pfeiffer: Wir können unabhängig vom jeweiligen Niethersteller die besten Nietverbindungen garantieren. Unser Ansatz, nicht gleichzeitig Niethersteller und Maschinenbauer zu sein, bietet einen großen Flexibilitätsvorteil, denn unser Maschinenbau ist ausgesprochen tolerant, also auch einfach auf den jeweiligen Niettyp programmierbar – ohne mechanische Umbauten. Sogar wenn ein Niet – aus welchem Grund auch immer – plötzlich nicht mehr funktioniert, kann man unsere Systeme sehr kurzfristig umprogrammieren und einen anderen Niethersteller einsetzen.

Aber Sie sind doch eigentlich Clincher und kein Nieter. Haben Sie da keine Tränen in den Augen, wenn Sie nicht mit dem hauseigenen Tox-Clinchen zum Zuge kommen?

Pfeiffer: Nein, gar nicht. Das Clinchen ist ja nach wie vor sehr wichtig für uns – trotz des tollen Nietauftrags von Daimler. Wir sagen: Jeder sollte überall dort clinchen, wo das Clinchen ausreicht. Man nietet also nur, wo es nicht anders geht. Klar: Es wird heute zehnfach mehr genietet als geclincht, aber es gibt eben auch gegenläufige Tendenzen. In den Strukturen von Audi oder Porsche finden sich heute Clinchverbindungen, wo das früher nicht der Fall war – im Crash-Bereich beispielsweise. Der Markt ist also nach wie vor in Bewegung – übrigens tun sich auch bei der Elektromobilität große Chancen fürs Clinchen auf, da ist wieder das Glück auf unserer Seite.

Wo wird in der Elektromobilität geclincht?

Pfeiffer: Das Clinchen ist für die elektrische Leitfähigkeit deutlich besser als Schrauben oder thermische Verfahren – insbesondere in Mischverbindungen. Man kommt beim elektrischen Widerstand in den Mikro-Ohm-Bereich und sogar darunter. Und die elektrische Leitfähigkeit ist bei Li-Ionen-Batterien extrem wichtig, denn über die Kontakte fließen ganz erhebliche Ströme und das auf hochkompaktem Raum. Hier muss man ganz besonders aufpassen.

Warum?

Pfeiffer: Wenn eine Li-Ionen-Batterie nur ein bisschen zu heiß wird, geht sie einem durch und explodiert. Mit einem minimalen elektrischen Widerstand entsteht entsprechend weniger Wärme und man kann kompakter bauen. Die einschlägigen Lithium-Ionen-Batterie-Hersteller sind daher hoch interessiert an unserer Technologie.

Tox Pressotechnik GmbH & Co. KGstd

http://www.tox-de.com; Motek Halle 4 Stand 4215


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