Serie „So gelingt die digitale Transformation“ Teil 2: Vom Wettbewerb zur Coopetition

Wettbewerb im Wandel durch Plattformen und Kooperationen

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Jörg Wallner: Bild: 2b Ahead ThinkTank GmbH
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Wie setzt man sich von seinen Wettbewerbern ab? Vor der Digitalisierung bedeutete dies, bessere Produkte/Services anzubieten als die anderen Wettbewerber, die häufig ein ähnliches Geschäftsmodell mit ähnlicher Unternehmensstruktur und ähnlichen Kernkompetenzen verfolgten. Dafür wurde mit langjährigen Partnern kooperiert, die in anderen Märkten als das eigene Unternehmen operierten.

Dieses Modell verändert sich durch den digitalen Wandel. Die ehemals festen Grenzen zwischen Partnern und Konkurrenten oder brancheninternen und -externen Akteuren verschwimmen zunehmend. Selbst langjährige Vertriebsketten werden durch Trend der Disintermediation bedroht. Neue Konkurrenz kann auch außerhalb des bisherigen Marktumfeldes entstehen, sodass sie weitaus schwerer vorhergesehen werden kann: Sogenannte asymmetrische Wettbewerber, die ihren Ursprung in anderen Branchen haben, verfolgen häufig ein komplett anderes Geschäftsmodell und bieten dennoch konkurrierende Produkte für die gleiche Zielgruppe an.

Partnerschaften schließen

Unternehmen können dieses komplexe und fluide Wettbewerbsumfeld allerdings auch zu ihrem Vorteil nutzen. Mein Rat: „Schließen Sie Partnerschaften mit Start-ups, um Ihr Angebot digital zu erweitern. Überlegen Sie, in welchen Branchen Ihr Unternehmen die Rolle eines asymmetrischen Wettbewerbers einnehmen könnte: Welchen Mehrwert können nur Sie durch Ihre Kompetenz in anderen Bereichen anbieten? Suchen Sie Kooperationen mit Unternehmen, die ehemals oder immer noch Ihre Konkurrenz darstellen, da sie sich nicht nur schaden, sondern auch voneinander profitieren können.“

Gemeinsam können Synergieeffekte durch sich ergänzende Geschäftsmodelle oder Infrastruktur genutzt werden, um gegen große, branchenfremde Angreifer wettbewerbsfähig zu bleiben. Auch dafür bietet die Digitalisierung eine Möglichkeit: Plattformen. Beteiligen Sie sich bei einer bestehenden Plattform oder schaffen Sie eine eigene, um Branchenstandards mitzuprägen und bspw. die Kompatibilität mit den Produkten Ihrer Partner zu sichern und somit die Zusammenarbeit zu verbessern. Im Bereich der IoT-Plattformen existieren Hunderte Einzellösungen, sodass der größte Mehrwert für Kunden hier durch Zusammenarbeit erzielt werden kann, da gemeinsam bessere, ergänzende Services angeboten werden können.

Coopetition gefragt

Ohne Kooperationen wären viele solcher Entwicklungen für einzelne Unternehmen sehr aufwendig oder unmöglich, da ihnen nicht nur der Zugang zu Ressourcen, sondern auch das vielfältige technologische Know-how fehlt. Deshalb weicht der Wettbewerb immer häufiger der Zusammenarbeit – Stichwort „Coopetition“.

Mit digital angereicherten Produkten können Unternehmen einen Zusatznutzen zu ihren Produkten schaffen, der sie von der Konkurrenz abhebt. Da die Netzwerkeffekte von Plattformen häufig zu „Winner-takes-it-all“-Märkten führen, kann das entscheidend sein. Wer das Konzept am besten umsetzt, gewinnt diese neue Form des Wettbewerbs. Digitale Plattformen ermöglichen es Ihnen zudem, Ihr Geschäftsmodell vollständig zu überdenken: Wollen Sie in Zukunft Mehrwert durch den Verkauf von Waren schaffen oder dadurch, dass Sie anderen Unternehmen den Verkauf oder die Beschaffung ermöglichen? Wollen Sie zukünftig überhaupt noch Assets besitzen oder diese an Kunden oder Partner auslagern? Wollen Sie auf bisherige Wertschöpfungsketten vertrauen oder über Plattformen Cloud Manufacturing oder andere as-a-Service-Angebote anbieten oder nutzen, bei denen Partner Algorithmen-basiert ausgewählt werden? Diese Fragen erfordern Antworten, die Sie nicht unabhängig von Ihren Wettbewerbern treffen sollten – Ihren Partnern von morgen.

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Zum Autor

Dr. Jörg Wallner ist seit 2013 Director Innovation & Change des 2b Ahead Think Tanks. Strategieentwicklung und Transformation unter den Vorzeichen der Digitalisierung stehen im Mittelpunkt seiner Tätigkeit. Als Impulsgeber zeigt Wallner Unternehmen, wie sie mit Digitalisierung umgehen können. Als Berater begleitet er Unternehmen bei der Umsetzung entsprechender Konzepte.

Zudem ist Dr. Jörg Wallner am 18. Juni 2020, 10 Uhr Keynoter auf dem automatica Forum 2020 in München. Sein Thema: „Die Zukunft der Produktion – Aufbruch in ein neues Zeitalter.“


Exklusive Serie: „So gelingt die digitale Transformation“

Die Automationspraxis-Serie „So gelingt die digitale Transformation“ beleuchtet – mit Blick auf produzierende Industrie und Maschinenbau – Herausforderungen und Lösungsansätze für die digitale Transformation:

Teil 1: Kunden: Inspiration, Austausch und Vernetzung ersetzen Marketingbotschaften

Teil 2: Wettbewerb: Neue Wege mit Kooperationen und Plattformen

Teil 3: Daten: Von der Speicherung und Verwaltung zum Schaffen neuer Werte

Teil 4: Innovation: Tests und Experimente lösen Entwicklungsprozesse ab

Teil 5: Wertschöpfung: Neue Logiken, neue Kunden und neue Werte

Teil 6: Führung: Klassische Strukturen aufbrechen und den Wandel unterstützen


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