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Frugale Maschinen erschließen neue Märkte

Kostengünstig, intuitiv bedienbar und weniger komplex
Frugale Maschinen erschließen neue Märkte

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Frugale Maschinen sind auf die notwendigen Kernfunktionen fokussiert und an die lokalen Anforderungen von preissensitiven Kunden angepasst. Damit können deutsche Maschinenbauer in neuen Märkten, etwa in Asien, punkten.

Philipp Mößner, Fraunhofer IPA

Bis 2030 wird die globale Mittelschicht1 von aktuell 3,7 Mrd. auf 5,4 Mrd. Menschen anwachsen. Das rasante Wachstum wird fast ausschließlich im asiatisch-pazifischen Raum stattfinden. Die neue asiatisch-pazifische Mittelschicht trägt zu einer Stärkung der lokalen Marken und deren Wachstum bei, sodass sich aus den Ländern ernsthafte Konkurrenten für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau etablieren können. Schon heute setzen asiatische Unternehmen mit einer steigenden Qualität ihrer Produkte und lokalen Präsenz den deutschen Maschinen- und Anlagenbau unter einen zunehmenden Kosten- und Wettbewerbsdruck.

Eine vom VDMA veröffentlichte Tendenzbefragung bewertet das Verkaufskriterium „Preis“ als die größte Schwäche des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus in Bezug auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Nach wie vor ist das oberste Ziel in der Forschung und Entwicklung eine „überdurchschnittliche Erfüllung der Kundenerwartungen“. Der deutsche Maschinenbau will mehr leisten als der Kunde erwartet und teilweise auch bereit ist zu zahlen.

Maschinenfunktionalität ungenutzt

Eine weitere Schwachstelle deutscher Maschinen- und Anlagenbauer bei der Ansprache preissensitiver Kunden verdeutlicht ein Vergleich der tatsächlich genutzten Maschinenfunktionen zwischen europäischen und chinesischen Kunden. Bei knapp zwei Drittel der chinesischen Kunden bleiben über 30 % der zur Verfügung stehenden Maschinenfunktionalität ungenutzt, wohingegen die Nutzung einzelner Funktionen seitens der europäischen Kunden höher ist. In Konsequenz erhalten diese Kundengruppen kein angemessenes Preis-Leistungs- bzw. Preis-Nutzen-Verhältnis von den deutschen Maschinen- und Anlagenbauern.

Eine durch das Fraunhofer Zentrum für Frugale Produkte und Produktionssysteme, in Kooperation mit einem mittelständischen Anlagenbauer durchgeführte Studie, unterstreicht dieses Ergebnis. Auf der einen Seite erwarten chinesische Kunden einen maximalen Automatisierungsgrad, auf der anderen bleiben viele der verfügbaren Maschinenfunktionen oftmals ungenutzt. Die Antwort darauf sind frugale Maschinen und Anlagen. Deutsche Unternehmen müssen ihre technologische Vorreiterrolle nutzen, um preislich konkurrenzfähige Lösungen anzubieten, ohne dabei das Premiumsegment zu vernachlässigen oder gar zu kannibalisieren.

Frugale Lösungen kennzeichnen sich durch die drei Kernkriterien: Konzentration auf Kernfunktionalitäten, substanzielle Kostenreduktion und ein optimiertes Leistungsniveau (Abbildung 2). Während bei klassischen Design-to-Cost-Projekten die Funktionalität gleich bleibt und nur Kosten gesenkt werden, ist die frugale Lösungsstrategie viel mehr als eine reine Minimierung der Kosten. Das Ziel besteht unter anderem darin, dem Kunden genau die Funktionalität anzubieten, die seiner Zahlungsbereitschaft entspricht (nicht mehr, nicht weniger) und gleichzeitig die Produktkosten signifikant zu minimieren.

Auf Kernfunktionen fokussiert

Frugale Maschinen und Anlagen sind auf die Kernfunktionen fokussierte Lösungen. Mittels geeigneter Modularisierungsstrategien kann variabel im Premium- als auch im mittleren Marktsegment agiert werden und somit notwendige Produktanpassungen auf lokale Markt- und Kundenanforderungen kosteneffizient mit maximaler Standardisierung realisiert werden. Darüber hinaus sind frugale Lösungen an die lokalen Nutzungsumgebungen angepasst. Beispielsweise erfordert die Maschinenbedienung gerade unter Berücksichtigung von oftmals gering-qualifizierten Maschinenbedienern im internationalen Kontext eine adäquate Vereinfachung. Frugale Lösungen charakterisieren sich darüber hinaus durch die Ermittlung und stringente Ausrichtung von Produkten auf das tatsächlich erforderliche Leistungs- und Qualitätsniveau.

Das Zentrum für Frugale Produkte und Produktionssysteme hat passende Vorgehensmodelle entwickelt, um Unternehmen vor und während der Entwicklung frugaler Maschinen und Anlagen zu unterstützen. Die Fokusthemen des Zentrums liegen insbesondere in der frühen Phase der Auswahl und Bewertung einer geeigneten Strategie, im Entwicklungsprozess und nachfolgend bei der Bedienbarkeit und Gestaltung eines global tauglichen und einfach anpassbaren Human Machine Interfaces.

Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

www.ipa.fraunhofer.de


Der Autor

Philipp Mößner ist wissenschaftlicher Mitarbeiter, Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA.


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