IPA-Serie: Qualifikation und Führung in der Industrie 4.0

Das Personal macht den Unterschied

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Nicht nur Maschinen, Material und Aufträge organisieren sich in der Industrie 4.0 selbst, sondern auch die Menschen in ihren Arbeitssystemen. Bild: IPA/IFF
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Unsere wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit erfordert einen Paradigmenwechsel, der alle Produktionsfaktoren umfasst. Daher brauchen wir auch eine Personalwende.

Autor: Prof. Dr.-Ing. Thomas Bauernhansl, Fraunhofer IPA

Die Erfahrung und die Kompetenz der Mitarbeiter entscheiden über die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens. Daher haben die sorgfältige Aus- und Fortbildung, das Fördern von Motivation und die systemische Beteiligung von Mitarbeitern hohe Priorität, auch wenn sie Geld kostet. Es ist gut investiert.

Die Bedeutung des Menschen in der Fabrik der Zukunft nimmt nicht ab – im Gegenteil: Die vernetzungsgetriebene Automatisierung und die Trends der Industrie 4.0 bedeuten, dass es künftig weniger Hierarchieebenen und damit weniger Führungskräfte gibt. Nicht nur die Maschinen, das Material und die Aufträge organisieren sich selbst, sondern auch die Menschen in ihren Arbeitssystemen.

Die Aufgaben der Ingenieure und Facharbeiter werden sich mehr und mehr annähern. Facharbeiter werden zu Dirigenten der Produktion. Somit wird das Taylorsche Prinzip der Trennung von planenden und ausführenden Tätigkeiten aufgehoben, genauso wie die starre Verkettung und Austaktung der Arbeitsplätze abgelöst wird durch eine flexible eher werkstattorientierte Vernetzung personalisierter Arbeitsplätze.

Die Führungskräfte werden zu Architekten eines Unternehmens und kümmern sich um das Management des gesamten Wertschöpfungssystems. In Summe wird man in der Regel wenige und dafür hervorragend ausgebildete Menschen hierfür benötigen, die vor allem entscheiden, gestalten und kommunizieren und dabei Kreativität und soziale Kompetenz benötigen. Ihr ganzheitliches Engagement, gefördert durch Arbeitsbedingungen, die ihre Kreativität beflügeln, wird Unternehmen erfolgreich machen.

Lernen verändert sich

Neue Lernformen wie das (lebenslange) Training on the Job oder E-Learning sowie Internetkurse sind unersetzlich für die Qualifizierung des Personals der Zukunft. Da der Mensch im Mittelpunkt der Produktion steht, sind auch die Fortbildungsangebote auf seine individuellen Bedürfnisse zugeschnitten. Ad-hoc-Lernen in der Produktion mit Hilfe von augmentierter Realität, wird viele Präsenzveranstaltungen verdrängen. Zudem wird das gemeinsame interaktive Lernen von Mensch und Maschine stark an Bedeutung gewinnen. Der Mensch schult die Maschine, aber auch die Maschine den Menschen. Wir werden agile Lernprozesse benötigen, die flexibel und schnell an sich wandelnde Rahmenbedingungen angepasst werden können. Es wird für lange Zeit nicht möglich sein, exakte und langfristig geplante Lerninhalte festzulegen, da die Innovations- und Marktdynamik für permanente und nicht vorhersehbare Veränderungen sorgen wird, die ein Ad-hoc-Lernen in Form von Qualifizierungssprints auch während der Arbeit notwendig macht.

Potenzial des Wandels nutzen

Die Personalkosten verlieren in modernen Produktionen immer mehr an Bedeutung. In den Vordergrund rückt stattdessen die Verfügbarkeit des richtigen Personals, vor allem im direkten Bereich. Zukünftig werden wir auf Fertigkeitseliten mit Ingenieurfähigkeiten angewiesen sein. Dabei können Unternehmensakademien genauso wie neue Kooperationsformen zwischen Unternehmen und Weiterbildungsinstitutionen unterstützen. Die Fähigkeit der Mitarbeiter, sich in unterschiedlichen Kommunikationssystemen zu artikulieren, sich schnell in veränderte Wertschöpfungsprozessen produktiv zu integrieren und in unterschiedlichen Kulturen mit den jeweiligen Spielregeln auch in der direkten Interaktion mit Kunden zurechtzukommen, wird im Mittelpunkt der Bemühungen stehen.

Wie viele Arbeitsplätze im Rahmen von Industrie 4.0 tatsächlich verloren gehen und wie viele neue entstehen werden, ist nicht genau zu beziffern – auch wenn Studien das Gegenteil behaupten. Dies hängt im Wesentlichen davon ab, ob unsere Industrie gestärkt aus der digitalen Transformation hervorgeht. Sicher ist nur, dass insbesondere in den indirekten Bereichen in denen standardisierbare Tätigkeiten ausgeführt werden oder Aufgaben von Communities, Kunden oder skalierbaren Plattformdiensten übernommen werden können, weniger Menschen benötigt werden. Einkauf, Vertrieb, Planung, Controlling, aber auch in Teilen die Entwicklung – hier könnten Aufgabeninhalte zukünftig wegfallen bzw. sich sehr stark verändern.

Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik
und Automatisierung IPA

www.ipa.fraunhofer.de
Automatica Halle A4, Stand 139

Der Text ist Teil einer exklusiven Serie, in der Experten des Fraunhofer IPA die Industrie 4.0 erklären: www.automationspraxis.de/industrie40/IPA


Der Autor

Professor Dr.-Ing. Thomas Bauernhansl ist Institutsleiter des Fraunhofer IPA sowie des Instituts für Industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb der Universität Stuttgart.


Industrie 4.0 im Fokus der angewandten Forschung

In einer exklusiven Serie beleuchten Experten des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung IPA verschiedene Aspekte des Megatrends Industrie 4.0. Die Themen reichen von der IT über den Menschen hin zur Produktion und zum fertigen Produkt.

In den bisher veröffentlichten Teilen ging es um die Bedeutung des Themas Industrie 4.0 für den Mittelstand, um eine OEE-App, die Maschinenausfälle erfasst, und um Gelbe Seiten für die Industrie 4.0.

www.automationspraxis.de/industrie40/IPA


Der Autor
Professor Dr.-Ing. Thomas Bauernhansl ist Institutsleiter des Fraunhofer IPA sowie des Instituts für Industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb der Universität Stuttgart.

Industrie 4.0 im Fokus der angewandten Forschung
In einer exklusiven Serie beleuchten Experten des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung IPA verschiedene Aspekte des Megatrends Industrie 4.0. Die Themen reichen von der IT über den Menschen hin zur Produktion und zum fertigen Produkt.
In den bisher veröffentlichten Teilen ging es um die Bedeutung des Themas Industrie 4.0 für den Mittelstand, um eine OEE-App, die Maschinenausfälle erfasst, und um Gelbe Seiten für die Industrie 4.0. ↓

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