WMV Woyke: „Schnelle Scaras ergänzen kollaborative Robotik“

Interview: Torsten Woyke, Geschäftsführer WMV Robotics

„Schnelle Scaras ergänzen kollaborative Robotik“

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Wie er mit WMV ein Ökosystem rund um die kollaborative Robotik aufbaut und warum man das Portfolio nun um schnelle Robotik von Yamaha ergänzt, erklärt WMV-Geschäftsführer Torsten Woyke im Interview.

Sie sind ja ein Pionier der kollaborativen Robotik. Wie sind Sie dazu gekommen?

Woyke: Schon mit der Gründung 2003 des Unternehmens WMV haben wir mit dem Roboter von Neuronics aus der Schweiz das Thema kollaborative Robotik beackert. 2009 haben wir dann als zweiter Integrator in Deutschland begonnen, auch die dänischen Roboter von Universal Robots zu vermarkten. Wir waren von Beginn an der umsatzstärkste UR-Partner in Deutschland. Schließlich hatten wir schon einige Erfahrung beim Thema MRK und haben dann Kunden wie die Hochschule Ulm oder Busch Jäger schnell umgestellt auf die UR-Roboter, die gegenüber dem Catana Vorteile in Sachen Traglast und Reichweite haben. So hatten wir schnell eine Kundenbasis, die wir jedes Jahr verdoppelt haben. Daher waren wir lange sogar umsatzstärkster UR-Partner weltweit. Heute sind wir immerhin noch in den Top 10 weltweit.

In welchen Branchen ist Ihre Kundenbasis zu Hause?

Woyke: Natürlich beliefern wir die im Südwesten starke Automotive-Zuliefererbranche. Aber wir haben auch Kunden aus der Medizintechnik, der Consumer Elektronik und dem Lebensmittelbereich.

Und wo sehen Sie zukünftige Wachstumsfelder?

Woyke: Beispielsweise in der Intralogistik – daher haben wir auch die mobilen Roboter der dänischen MIR im Portfolio. Das Thema ist definitiv im Kommen: Jeder, der via Internet einen Versand macht – egal ob Amazon, Zalando oder Fotobücher –, hat derzeit ein intralogistisches Problem. Hier werden zur Kommissionierung mobile kleine Plattformen benötigt, die zum Regal fahren können und dort automatisch Einzelstücke herausholen. Das braucht aufgrund der Komplexität allerdings noch ein bis zwei Jahre. Aber auch in der Industrie ist die Intralogistik ein Thema. In manchen Betrieben laufen Mitarbeiter bis zu 18 Kilometer am Tag – die sind nur mit Teile- und Materialtransport beschäftigt. Wir haben beispielsweise im CNC-Bereich einen Kunden, der braucht pro Tag 3000 Werkzeuge, die Mitarbeiter aus dem
Lager an die Maschine und wieder zurück ins
Lager bringen müssen. Hier bringt ein Mobilroboter, der hin und her fährt, eine enorme Erleichterung.

Sie haben inzwischen nicht nur die Roboter von UR und MIR im Angebot. Was gehört alles zu Ihrem Portfolio rund um die MRK?

Woyke: Wir bieten als Großhändler quasi ein ganzes Ökosystem rund um die UR-Arme: Dazu gehören kollaborative Greifsysteme von Robotiq, Weiss Robotics oder On Robot. Zudem haben wir die Torque-Sensoren von Optoforce im Programm – damit kann man feinfühlige Montageaufgaben realisieren. Und wir bieten Fernwartungsmodule von Airgate – ebenfalls eine dänische Firma. UR hat ja seine Roboter-Plattform mit URCaps und UR+ geöffnet, und wir erwarten, dass da noch weitere interessante Ökosystem-Mitglieder folgen werden, die wir aufnehmen können.

Wird WMV alles aus dem UR+ Umfeld vertreiben?

Woyke: Das wäre zu viel des Guten. Eine Vorselektion wird es daher sicher geben: Bei sehr ähnlichen Produkten lassen wir die Schwächeren natürlich raus. Aber alles, was sinnvoll ist und über Vertriebspartner erhältlich, bieten wir gerne an.

Auch Bildverarbeitung?

Woyke: Robotiq bietet ja eine Bildverarbeitung mit an. Spannend daran ist, dass dies eine integrierte Kameralösung ist, deren Bild direkt auf dem Panel des Roboters zu sehen ist. Nachteil ist derzeit aber noch, dass sich die Kamera am Roboter befindet – hier wünsche ich mir noch eine fest montierte Kamera. Wenn es dann ins Highend geht – etwa in Sachen Oberflächenkontrolle oder 3D-Laserscans – haben wir unter unseren Integratoren Spezialisten für das Thema Vision.

Mit wie vielen Integratoren arbeiten Sie generell zusammen?

Woyke: In Sachen kollaborative Robotik haben wir derzeit 20 bis 25 Integratoren – diese Zahl könnte aufgrund der wachsenden Nachfrage in nächster Zeit auf bis zu 50 steigen. Wir suchen für die jeweilige Applikation stets den passenden Integrator aus, sowohl thematisch als auch lokal.

Wo liegen denn in Sachen MRK noch die Herausforderungen? Ist die Greifer-Safety noch ein Thema?

Woyke: Es gibt bereits einige kollaborative Greifer, diese sind derzeit aber vor allem beim Greifen selbst sensibel – also beim Schließen der Greiferbacken. Beim Runterfahren, also in Z-Richtung, fehlt es aber noch an Sensibilität. Hier gibt es aber bereits erste Lösungen. Was noch fehlt ist beispielsweise ein kollaborativer Schrauber, der große erkennt, wenn eine Hand unter dem Schrauber ist. Eine weitere Herausforderung ist es, auch das Produkte selbst sicher zu machen. Nehmen Sie als Extrembeispiel einen Roboter, der Rasierklingen handhabt. Da beraten wir gerne. Die konkrete Risikoanalyse übernimmt der Integrator, aber die Vorabanalyse, was ist möglich und was nicht, die übernehmen wir.

Untersucht WMV auch, ob sich ein kollaborativer Einsatz überhaupt lohnt?

Woyke: Ja, klar. Man muss ohnehin unterscheiden zwischen Kollaboration und Koexistenz. Viele Applikationen sind koexistent, sprich Mensch und Roboter arbeiten eher nebeneinander. Entscheidend ist dabei oft die Taktzeit: Sobald der Roboter schnell fahren muss, gibt es beim Kontakt mit dem Menschen einen höheren Schmerz. Daher ist es oft sinnvoller, die Arbeitsbereiche zu trennen: Es muss ja nicht immer eine Schutzwand sein, es kann auch ein Abstand-Scanner sein, der die Robotergeschwindigkeit je nach Nähe des Menschen regelt.

Apropos Taktzeit – ist das der Grund, warum sie seit kurzem auch Yamaha anbieten?

Woyke: Genau. Manche unserer Kunden müssen schnelle Aufgaben lösen, wo kollaborative Roboter an ihre Taktzeit-Grenzen stoßen. Daher haben wir die japanischen Roboter von Yamaha mit ins Programm aufgenommen. Mit dem Orbit Type haben wir einen Roboter mit einer Taktzeit von 0,3 Sekunden. Der ist nicht nur schnell, sondern hat auch ein interessantes Preis-Leistungs-Verhältnis. Zudem kann er an der Decke montiert werden und hat daher keinen Totraum unter sich.

Yamaha ist in Deutschland noch relativ unbekannt. Was zeichnet den Hersteller aus?

Woyke: Eine Besonderheit ist, dass man bei Yamaha bis zu 64 Achsen mit einer Steuerung bedienen kann. Hinzu kommt die riesige Auswahl: Von Scaras über Sechsachser bis zu Ein- und Zweiachslösungen und Portale, haben die Japaner alles im Portfolio. Sehr schön sind auch die linearen Transportmodule LM 100. Diese können Strecken bis zu 12 Meter bilden, auf denen die Conveyor ganz unabhängig voneinander fahren können. Auch das ergänzt übrigens unsere kollaborative Robotik, denn Teile, die ein UR-Roboter handhabt, müssen ja auch an- und abtransportiert werden.

Gibt es weitere Synergien? Also Applikationen, in denen sowohl Yamaha- als auch UR-Roboter zum Einsatz kommen?

Woyke: Klar, nehmen wir das Thema Packaging. Wenn die Einteile ganz schnell in eine Verpackung eingelegt werden müssen, brauche ich einen schnellen Scara-Roboter. Und wenn die Verpackungen dann alle 15 Sekunden auf eine Platte abgestapelt werden müssen, kann ein UR zum Einsatz kommen.

Welche Yamaha Roboter wollen Sie in Deutschland vor allem anbieten?

Woyke: Wir wollen vor allem mit den Scara-Robotern und den Linearachsen am deutschen Markt auftreten. Eben überall dort, wo es schnell gehen muss – etwa beim Verpacken oder beim Pick and Place.

WMV Robotics

www.wmv-robotics.de

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