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Festos Pneumatik-Cobot: leicht und nachgiebig

Pneumatische Direktantriebe in den Gelenken
So will Festo mit seinem Pneumatik-Cobot punkten

Mit dem „weltweit ersten pneumatischen Cobot“ will Festo eine neue Ära der Mensch-Roboter-Kollaboration einläuten. Der Automationspraxis hat Festo einige Details verraten. Vorteile des Festo-Cobots: er ist leicht und nachgiebig – und er soll weniger kosten als gängige elektrische Cobots. Marktstart ist 2023. 

„Kaum ein industrielles Marktsegment wird in den nächsten Jahren so rasant wachsen wie die Mensch-Roboter-Kollaboration“, ist der Pneumatik-Pionier Festo überzeugt und bringt daher nun ebenfalls einen eigenen Cobot auf dem Markt. Aber braucht der Markt noch einen weiteren Cobot?

Ja, meint Festo – denn dieser Cobot ist der weltweit erste pneumatische Cobot. „Ein sensationelles Produkt, das wir mit viel Herzblut entwickelt haben“, freut sich Dr. Frank Melzer, Vorstand Product and Technology Management bei Festo.

Pneumatische Direktantriebe in den Gelenken

Während alle anderen Cobot-Hersteller auf Motoren und Getriebe sowie Sensoren in den Gelenken setzen, nutzt Festo pneumatische Direktantriebe. Diese Pneumatikantriebe in den Gelenken sind kostengünstiger und besonders leicht, weil im Gegensatz zu elektrischen Lösungen keine schweren Getriebe und teure Kraft-Moment-Sensorik nötig sind.

Dank des leichten Pneumatik-Antriebs und moderner Leichtbau-Methoden wiegt der Festo Cobot nur 17 kg – somit kann er flexibel an wechselnden Orten eingesetzt werden. Denn aufgrund seines speziellen Antriebs benötigt der Pneumatik-Cobot auch keinen zusätzlichen Schaltschrank. Mit seiner integrierten Steuerung im eigenen Fußteil ist er platzsparend flexibel.

„Gerade für kleine und mittlere Unternehmen sind Cobots erst dann attraktiv, wenn sie pragmatisch und schnell eine neue Aufgabe übernehmen können und nicht nur für einen dauerhaften Einsatzzweck vorgesehen sind“, betont Dr. Frank Melzer. Allerdings ist am jeweiligen Einsatzort dann ein Pneumatik-Anschluss notwendig: Da die Druckluft nicht im Cobot erzeugt wird, wird ein Druckluftanschluss benötigt.

Einfache Bedienung

Doch der Pneumatik-Cobot ist nicht nur leicht, sondern dank Handführung und einer grafisch-orientierten Software für die intuitive Inbetriebnahme und Programmierung auch leicht zu bedienen. Mit Festos Software Robotic Suite soll man den Cobot in weniger als einer Stunde in Betrieb nehmen und programmieren können.

Robotik-Vorkenntnisse sind nicht notwendig, denn die Software enthält übersichtlich visualisierte Funktionsbausteine. Diese Form der intuitiven grafischen Bedienung ist in der Cobot-Szene üblich und zieht bei Fanuc, ABB und Kuka mehr und mehr auch in die Industrierobotik ein. Festos pneumatische Antriebe ermöglichen außerdem das einfache manuelle und widerstandsfreie Führen des Roboterarms mit der Hand, um Wegpunkte und Bahnen schnell einzulernen.

Feinfühlig und nachgiebig

Vor allem aber ist das Antriebsmedium Luft besonders feinfühlig und nachgiebig. Ein Zusammenstoß mit dem pneumatischen Cobot sei daher so soft wie die Berührung mit einem menschlichen Arm, verspricht Festo. Die pneumatischen Direktantriebe des Cobots und sein geringes Gewicht senken seine Kontaktenergie.

Christian Tarragona, Leiter Robotics bei Festo: „Durch exakte Druckregler in den Gelenken erkennt der Roboter, wenn er berührt wird, und reagiert mit entsprechenden Safety-Funktionen.“ Der Mitarbeiter könne daher gefahrlos mit seinem technischen Kollegen kooperieren, der dank der Nachgiebigkeit der pneumatischen Antriebe feinfühlig agiert.

Großes Potenzial in der Mensch-Roboter-Kollaboration

Festo sieht großes Potenzial in der Mensch-Roboter-Kollaboration – gerade im Hinblick auf den demografischen Wandel mit einem längeren Arbeitsleben unter teilweise beschwerlichen Produktionsbedingungen. Hier könne der Pneumatik-Cobot Arbeitnehmer merklich entlasten.

Wie ein menschlicher Arm habe der Festo Cobot mit 670 mm zudem genau die richtige Reichweite, um im Teamwork mit dem Mitarbeiter als helfende dritte Hand wahrgenommen zu werden, findet Festo. Mit einer Traglast von 3 kg soll der Cobot vor allem beim Kleinteilehandling zum Einsatz kommen.

Günstiger als elektrische Cobots seiner Klasse

Zudem werde der pneumatische Cobot günstiger sein als elektrische Cobots seiner Klasse, verspricht Festo – ohne sich allerdings auf einen genauen Preis festzulegen. „Beim Vergleich mit technisch gleichwertigen Systemen werden wir unter den aktuellen Marktpreisen der Wettbewerber liegen. Eine konkrete Preisangabe machen wir aktuell noch nicht“, heißt es aus Esslingen

Zum Marktstart will Festo übrigens auch einen pneumatischen MRK-Greifer einführen, der speziell für den Festo Cobot entwickelt wurde. Dieser kann dann auch mit Robotern anderer Hersteller kombiniert werden. Zudem könne der Pneumatik-Cobot mit Achsen sowie (Vakuum-Saug-) Greifern aus dem Festo Portfolio erweitert werden. Auch Zubehör anderer Anbieter ist kompatibel, so Festo.

Direktvertrieb plus Integratoren

Neben dem Direktvertrieb durch eigene Vertriebsingenieure, will Festo auch mit Integratoren zusammen arbeiten, die den Festo Cobot in die Produktionsumgebung der Kunden integrieren. „Gleichzeitig haben wir intern Cobot-Expertenteams in den Vertrieben, die unsere Kunden direkt individuell beraten. Dieses Vorgehen wird im Zuge des Markteintritts in die relevanten Märkt ausgerollt“, so Festo gegenüber der Automationspraxis.

Wird der Cobot ein Erfolg?

Wie groß der Markterfolg wirklich sein wird, bleibt allerdings abzuwarten. Denn die meisten Cobots werden – zumindest bislang – nicht in der ganz direkten Mensch-Roboter-Kollaboration eingesetzt – denn jeder Kontakt samt Roboter-Stopp drückt ja auf die Produktivität.

Zudem geht der Trend bei vielen Cobots eher in Richtung höherer Traglasten, denn hier sind die ergonomischen Entlastungen für Mitarbeiter besonders deutlich. Fanuc beispielsweise hat kürzlich CRX-Modelle mit 20 kg und 25 kg Traglast vorgestellt. Festo hat aktuell keine Pläne für weitere Cobots mit mehr Traglast – allerdings könnte ein Modell mit größerer Reichweite folgen, sagt Christian Tarragona.

Zudem eröffnet Igus aktuell mit einem bereits lieferbaren Kunststoff-Cobot für unter 5000 Euro ein ganz neues Preissegment. Ob es 2023 dann noch große Nachfrage nach einem nachgiebigen 3 kg Pneumatik-Cobot gibt, der etwas günstiger ist als ein Cobot des Marktführers Universal Robot, wird sich zeigen.

Festo ist dennoch vom Erfolg überzeugt: „Der Pneumatik-Cobot bringt Eigenschaften mit, die es bisher auf dem Markt nicht gibt: Durch die nachgiebige Eigenschaft der Pneumatik wird unser Cobot neue Maßstäbe in Sachen Akzeptanz bei Mitarbeitern setzen.“ Zudem werde die einfache Bedienbarkeit – gerade bei Neueinsteigern in die Robotik – für geringe Einstiegshürden sorgen. Der integrierte Schaltschrank und das geringe Gewicht (ca. 17 kg) sorgen zudem für einen flexiblen Einsatz und eine einfache Integration.

www.festo.com


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