Marktgrößen wie ABB und Kuka verstärken sich mit Firmenübernahmen

Der Platz neben dem Werker ist hart umkämpft

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Der Kampf um die beste Position beim Zukunftsthema Mensch-Roboter-Kollaboration verschärft sich, dies verdeutlichen neue Produkte und Firmenübernahmen. Zudem zeigt sich, wie breit das MRK-Spektrum inzwischen gespannt ist: Es reicht von der Kleinteilmontage bis hin zu Anwendungen mit 35 Kilogramm Traglast.

Nach mehreren Jahren Forschungsarbeit ist ABBs Dualarm Roboter Yumi nun endlich marktreif. Mit einem halben Kilogramm Traglast pro Arm zielt der Roboter insbesondere auf die Kleinteil-Montage in der Elektronik-Industrie. Und hier ist der Automatisierungsbedarf gerade in Asien groß – vor einiger Zeit sorgte der Apple-Auftragsfertiger Foxconn für Aufregung, als er einen Bedarf von einer Million Roboter pro Jahr anmeldete. Yumi startet mit einem Preis von rund 40.000 Euro und ist als komplettes kollaboratives Montagesystem inklusive Visionsystem, flexiblem Greifer, berührungsempfindlicher Sensorik und Software zu haben.

Bei Yumi alleine will ABB aber nicht stehen bleiben und hat die Übernahme des bayrischen Mechatronik-Spezialisten Gomtec angekündigt. Dessen Technologieplattform soll ABB bei der Entwicklung einer neuen Generation von kollaborativen Robotern mit integrierten Sicherheitskomponenten unterstützen.
Mit der Gomtec-Übernahme kauft ABB sich einiges an Mechatronik-Know-how ein, verschärft aber auch den Wettbewerb mit Kuka. Denn der Gomtec-Firmengründer Bernd Gombert hat einst am DLR gearbeitet, mit dem Kuka an den Vorgängern seines Leichtbauroboters LBR iiwa geforscht hat. Auf der Automatica 2014 hatte sich Gombert direkt neben Kuka platziert und dort einen eigenen Leichtbauarm-Prototypen namens Roberta vorgestellt.
Der MRK-Pionier Kuka, der das Thema mit seinem LBR schon viele Jahre beackert, ist jedoch auch nicht untätig. So wollen die Augsburger den Preis des LBR iiwa, der bislang bei rund 100.000 Euro lag, drastisch senken. Im Gespräch ist eine Größenordnung ab 60.000 Euro, je nach Applikation und Ausstattung. Den kollaborativen LBR iiwa gibt es mit Traglasten von 7 und 14 kg.
Zudem haben sich die Augsburger über die Tochter Kuka Systems mehrheitlich am Universal-Robots-Partner Faude beteiligt. Die Gärtringer sollen mit ihrem MRK-Know-how das Portfolio der Augsburger im Geschäftsfeld sensitive Robotik und Montage erweitern: Faude hatte sich als umtriebiger Systempartner des dänischen Leichtbauroboter-Spezialisten einen Namen gemacht und unter anderem mit einer MRK-Applikation im VW-Motorenwerk in Salzgitter für Furore gesorgt.
Universal Robots wiederum will sich mit dem neuen UR 3 neue Märkte im Bereich der Tisch Automatisierung erschließen. Mit drei Kilogramm Traglast und einem sehr geringen Platzbedarf zielt der UR3 auf leichte Montageaufgaben und automatisierte Werkbankszenarien, wo er quasi als dritte Hand des Werkers eingesetzt werden kann. Kostenpunkt des UR3: rund 16.000 Euro.
Während sich der Wettbewerb im Leichtbau-Segment verschärft, zeigt Fanuc mit dem CR-35iA, dass kollaborative Roboter sich nicht auf Leichtbaurobotik beschränkt. Denn der CR-35iA kann stolze 35 Kilogramm heben, wodurch er gerade für ergonomisch ungünstige Tätigkeiten mit schweren Gewichten prädestiniert ist. Auf der Hannover Messe war er in einer Anwendung zu sehen, wo er Ersatzräder in den Kofferraum von PKWs wuchtet. Fanuc Geschäftsführer Olaf Kramm ist mehr als zufrieden mit der Resonanz. „Wir sind ganz erschlagen von der Aufmerksamkeit“.
Das Modell habe man in enger Abstimmung mit Automobilherstellern passend zu deren Anforderungen entwickelt. Kramm sieht auch Einsatzfälle in der Getriebe- und Motorblockfertigung oder beim Be- und Entladen von Werkzeugmaschinen. Bis 2020 will er 2000 dieser kollaborativen Roboter in Deutschland installiert haben: „Dafür müssen aber alle mitziehen – auch die für Sicherheit zuständigen Gremien.“
Dank einer speziellen Sicherheitstechnologie, die laut Kramm weder im weichen gepolsterten Schutzmantel noch in den Gelenken, sondern im Sockel steckt, hält der Roboter bei einer 30 Newton Berührung an. Wie diese Sicherheit genau funktioniert verrät Kramm nicht, vermutlich aber sitzt im Sockel eine Sensorik, die auf Erschütterungen reagiert – denn der Roboter hält auch an, wenn man das gegriffene Werkstück berührt. Mit der Funktion Push to Escape kann der Mitarbeiter den Roboter wegschieben, etwa wenn er sich eingeklemmt oder bedroht fühlt.
Auffällig ist, dass der Roboter nicht im üblichen Fanuc Gelb, sondern in grün daher kommt. „Farbstudien haben gezeigt, dass der Mensch auf grün offen zugeht – nehmen Sie nur die Natur oder eine grüne Ampel“, so Kramm. Unter der grünen Haut stecke eine normaler Standard-Roboter versichert Kramm. Dadurch seien sämtliche Standardfunktionen wie Fanucs integriertes Vision System nutzbar. Rund 75.000 Euro soll der CR-35iA kosten. Im Juni werden in Japan erste Einzelstücke gefertigt, einer davon geht sofort zu einem deutschen Automobil OEM in eine Testapplikation. Im Januar 2016 dürften dann in Japan erste Kleinserien vom Band laufen.

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