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David Reger: Mit Neura Robotics auf dem Weg zum kognitiven Roboter

Robotik-Start-up aus Metzingen will Zusammenarbeit und Interaktion revolutionieren
David Reger: Mit Neura Robotics auf dem Weg zum kognitiven Roboter

Mit seinem Cobot-Start-up Neura Robotics will David Reger die Zusammenarbeit von Mensch und Roboter revolutionieren. Ein Blick hinter die Kulissen des eifrigen Newcomers aus Metzingen.

Autor: Armin Barnitzke

Das beschauliche Metzingen am Fuß der schwäbischen Alb ist international bekannt – bislang allerdings in erster Linie als größter Outlet-Standort Deutschlands. Wenn es nach David Reger geht, soll die als „Hauptstadt des Fabrikverkaufs“ bezeichnete Kleinstadt Metzingen künftig international als Heimat des Cobot-Weltmarktführers international bekannt werden.

Dafür arbeitet er mit seinem Team bei Neura Robotics mit viel Leidenschaft und finanzieller Schubkraft aus China an der Revolutionierung der kollaborativen Robotik: „Wir bauen nicht einfach einen weiteren kollaborativen Cobot, sondern gehen einen Schritt weiter – in Richtung kognitive und interaktiven Roboter“, betont der CEO von Neura Robotics.

Vom Modellbau zum Robot-Start-up

Dabei kommt der Cobot-Revolutionär David Reger gar nicht aus der Robotik. „Ich bin ausgebildeter Modellbauer. Gussformen für die Automobilindustrie, das ist eigentlich meine Welt.“ Auf dem Weg zu einem Bewerbungsgespräch beim Schweizer Formel-1-Rennstall Sauber Motorsport schaute er 2012 allerdings aus reiner Neugier dann doch bei einem Schweizer Maschinenbau-Unternehmen vorbei – und ließ sich in einem mehrstündigen Gespräch von ehrgeizigen Robotik-Projekten begeistern.

„In nur einem Jahr haben wir in einem kleinen Team einen Industrieroboter, einen Cobot und ein fahrerloses Transportfahrzeug entwickelt und sogar komplette Fertigungszellen selbst aufgebaut. Ich weiß gar nicht, wie wir das geschafft haben“, schmunzelt David Reger und verweist noch auf ein weiteres spannendes Projekt: „Zusammen mit Siemens haben wir auch einen hochgenauen mobilen Fräsroboter für das Bearbeiten von Flugzeugbauteilen entworfen.“

Die passenden Investoren finden

Um einen Schritt weiterzugehen und seine Vision von intelligenten, den Menschen unterstützenden Robotern wahr werden zu lassen, machte sich David Reger 2019 dann auf die Suche nach Investoren für ein eigenes Robotik-Start-up. Mit der chinesischen Han‘s Group, einem renommierten Partner in Maschinenbau und Automation, der Automotive-Linien ebenso wie Anlagen zur Smartphone-Herstellung baut, gelang dann schnell eine Einigung. „Mit Investitionen der Han’s Group entwickeln wir Roboter und Cobots in Deutschland.“

Aber zurück in den Mai 2019: Mit einem Team aus 14 erfahrenen Leuten, die in ihrem jeweiligen Fachgebiet wie Hardware, Software, Steuerung oder KI viel Erfahrung mitbringen, legte David Reger in Metzingen. Im Besprechungsraum hängt heute noch eine beeindruckende Phalanx mit Steckbriefen der am Markt erhältlichen Cobots mitsamt Reichweite, Traglast und Geschwindigkeit. David Regers ambitioniertes Ziel war klar: „Wir wollten keinen Cobot nachbauen, den es schon gibt.“ Da er die Probleme mit existierenden Cobots in Sachen Sicherheit aber auch Genauigkeit und Geschwindigkeit aus seinen früheren Projekten kannte, war ihm klar: „Wir brauchen einen ganz anderen Ansatz.“

Und so entstand die Idee, keinen reinen kollaborativen Roboter zu bauen, „sondern einen kognitiven Cobot, der sehen, hören und fühlen kann und dabei schnell und genau ist“, so David Reger. „Unser Fokus lag auf der sicheren Zusammenarbeit und der einfachen Interaktion mit dem Menschen.“

In einem Jahr zum Prototyp

Aber nicht nur die technische Vision war ehrgeizig, sondern auch der Zeitplan: „In einem Jahr wollten wir einen Prototyp fertig haben und im zweiten Jahr dann ein fertiges Produkt“, so David Regers Idee. Und es hat geklappt. „Denn wir sind eben kein Konzern, sondern ein agiles Team, das nicht 9 to 5 arbeitet, sondern seine Ziele verwirklichen will.“ In einem intensiven ersten Jahr hat das Neura Robotics Team komplett neue Roboter und Cobots entwickelt. „Viel geredet haben wir darüber nicht. Denn wir wollten alle mit einem spektakulären Auftritt auf der automatica 2020 überraschen, die ja dann leider Corona zum Opfer gefallen ist.“

Das Neura Robotics Team arbeitete dabei übrigens aufgeteilt auf zwei Standorte: In Hamburg wurde die Hardware entwickelt, in Metzingen Sensorik und Software. „Künftig werden wir aber gerade den Standort Metzingen noch weiter ausbauen. Denn die Region Reutlingen, Tübingen, Stuttgart ist ein spannendes Pflaster – zumal hier ja auch das Cyber Valley sitzt, eine der größten Forschungskooperationen Europas im Bereich der Künstlichen Intelligenz.“

Als stolzer Schwabe ist David Reger überzeugt, in Metzingen und der Metropolregion Stuttgart an kluge neue Robotik-Köpfe zu kommen. In Kürze will er hier einen Neubau errichten. Die Suche nach Grundstücken läuft. Denn im Moment ist das Neura Robotics Team noch auf mehrere Gebäude im Metzinger Industriegebiet verteilt.

Mit Maira sprechen

In einer Halle, gut einen Kilometer vom eigentlichen Headquarter entfernt, tüfteln die Entwickler an den kognitiven Cobots von Neura Robotics, die David Reger Maira getauft hat, was für „Multi-sensing Intelligent Robotic Assistant“ steht. Maira kostet mit rund 40 000 Euro etwa so viel wie andere Cobots, hat aber einige technische Alleinstellungsmerkmale: „Maira ist nicht nur schneller als alle anderen Cobots auf dem Markt, sondern ist auch der erste intelligente Cobot mit 3D-Kamera an Bord. Andere Cobots haben nur 2D-Kameras.“

Mairas große Vorteile sind aber Kognition und Interaktion sowie vor allem die sichere Zusammenarbeit mit dem Menschen. Safe Human Detection nennt David Reger seine Technologie zur sicheren Erkennung von Menschen. Wie diese Technologie genau funktioniert, verrät er nicht. Nur so viel: „Wir können mit dem Sensor, der mehrere bestehende Technologien vereint, Menschen exakt von anderen bewegten Objekten unterscheiden. Die Safe Human Detection wird die Mensch-Roboter-Kollaboration revolutionieren!“

Zudem ist Maira laut dem Neura Robotics-Macher der erste Cobot, mit dem man sprechen kann. Maira hört und versteht Sprachkommandos. Basis dafür ist neben entsprechender Sensorik die smarte KI des Cobots. „Und Maira ist der erste Cobot, der die KI-Auswertungen komplett onboard rechnet. Dafür sorgen eine komprimierte Rechenleistung im Roboter und unsere schlanken, smarten Algorithmen.“

Und tatsächlich kann man in der Forschungshalle mit dem Cobot sprechen und mit dem Kommando „Hey Maira, Start Free Drive Mode“ die Handführung frei schalten. Aber nicht nur das: Ist die Gestenerkennung des Roboters aktiviert, funktioniert das Ganze auch via Handbewegung.

Lara punktet im Preis

Neben dem supersmarten Cobot Maira hat Neura Robotics auch das autonome Transportfahrzeug Mav (mobile autonomous vehicle) und den Low Cost-Cobot Lara (Lightweight Agile Robotic Assistant) entwickelt. Obwohl der Cobot Lara mit unter 20 000 Euro sehr kostengünstig ist, habe er die gleiche einfache Bedienung wie Maira und sei anderen Cobots hinsichtlich Performance, Genauigkeit und Schnelligkeit sowie durch die Schutzklasse IP66, der höheren überlegen, betont David Reger.

Basis für Lara ist übrigens der Cobot Elfin von Han’s Robot, den man komplett überarbeitet habe: „Die Motoren, Drives und Controls kommen weiter aus China, aber Software, Bremsen und Encoder haben wir in Deutschland neu entwickelt.“ Die eigene Entwicklung und Fertigung der Motoren und Getrieben sei übrigens auch der Grund, warum man so günstig anbieten könne. „In China verkaufen wir in großen Projekten bereits Cobots in vierstelliger Stückzahl. So sind durch Skaleneffekte entsprechend attraktive Preise möglich.“

Interessant ist nicht nur die Technologie von Neura Robotics, sondern auch der Vertriebsweg. „Wir wollen nicht über viele Integratoren in die Fläche gehen, sondern über große Partner, die in ihrem jeweiligen Segment eine starke Stellung haben. Teilweise taucht dann noch nicht einmal mehr unser Name auf, sondern der Partner baut unsere Technologie einfach in seine Systeme ein.“

Einige große Partner gewonnen

Und die adressierten Märkte sind vielfältig: Laut David Reger reichen diese von der Medizintechnik und Laborautomation über die Schweiß- und Messtechnik bis hin zur Landwirtschaft und zu Küchenherstellern, die die Low-Cost-Cobots zur Großküchenautomation nutzen.

Aber gibt es diese Partner bereits? „Ja“, betont David Reger. „Wir haben schon einige sehr große Industriepartner gewonnen.“ Der Wert dieser Verträge spiegelt sich auch in der hohen Bewertung der Investoren wider, die im mittleren 3-stelligen Millionenbereich liegt. Bisher wurden bereits 86 Millionen Dollar von verschiedenen Unternehmen investiert. „Dadurch bewahren wir uns unsere Unabhängigkeit und können unser hochqualifiziertes Team weiter ausbauen“, sagt David Reger. „Im Moment sind erst kleinere Stückzahlen ausgerollt, aber Ende 2021 und Anfang 2022 werden wir eine starke Ramp-up-Phase haben.“ David Reger nennt als Beispiel einen großen Laborautomatisierer, mit dem er einen Multi-Millionen-Vertrag unterschrieben habe.

Sein mittelfristiges Ziel ist, dass die kognitiven und dennoch erschwinglichen Cobots auch in private Haushalte Einzug erhalten. Sein Motto: We serve humanity. „Unsere Roboter sollen den Menschen helfen, ein einfacheres Leben zu führen.“ Spätestens dann dürfte Metzingen nicht mehr nur für seine Outlets bekannt sein.

Neura Robotics GmbH

Gutenbergstraße 44

72555 Metzingen

www.neura-robotics.com


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