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„Wir wollen Eigenständigkeit und Dynamik erhalten“

Interview: Alwin Berninger, Sprecher der Geschäftsführung, Kuka Industries
„Wir wollen Eigenständigkeit und Dynamik erhalten“

Alwin Berninger, der Sprecher der Geschäftsführung der Kuka Industries, ist bereits seit 1998 im Augsburger Konzern beschäftigt. Zuletzt arbeitete er als Executive Vice President Asia / Pacific in Shanghai
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In der neu gegründeten Kuka Industries hat Kuka den Technology Solutions-Bereich von Kuka Systems mit der zugekauften Reis Robotics fusioniert. Welche Märkte man nun adressiert und wie er den Innovations-Geist in Obernburg erhalten will, das erklärt Alwin Berninger, der Sprecher der Geschäftsführung bei Kuka Industries, im Gespräch mit der Automationspraxis.

Wie stellt sich Kuka Industries auf – insbesondere in Abgrenzung zur Kuka Systems?

Berninger: Kuka bietet seinen Kunden von der Komponente über die Zelle bis hin zur vollautomatisierten Anlage die passende Lösung. Neben dem bewährten Produktgeschäft der Kuka Roboter und dem Anlagenbau von Kuka Systems bietet Swisslog Automatisierungslösungen sowohl für Lager- und Verteilzentren als auch im Bereich Healthcare. Kuka Industries schnürt Angebote aus Roboter plus passendem Technologiepaket für Kunden aus der General Industry.
Für welche Technologieschwerpunkte bieten Sie Lösungen an?
Berninger: In Kuka Industries führen wir die Technologien von Reis mit dem Knowhow des Technology Solutions-Bereichs von Kuka Systems zusammen. Dabei haben sich vier Bereiche herauskristallisiert: Das sind zum einen Themen, die beide Häuser bearbeitet haben, beispielsweise die Verbindungstechnik wie Schutzgasschweißen oder Laserschweißen. Solche Anlagen findet man unter anderem in der General Industry. Zum anderen sind das automatisierte Anlagen zum Be- und Entladen von Maschinen sowie für Montageaktivitäten. Hierzu gehören auch Montagelösungen für neue Technologien wie E-Mobility-Batterieanlagen oder auch das Solargeschäft, wo sich die Märkte nach dem großen Einbruch – insbesondere in den USA – wieder positiv entwickeln. Neben den Themen, die beide Häuser besetzt haben, bringt jeder auch noch seine ganz individuellen Schwerpunkte in die Ehe mit ein: So steuert Kuka das Reib- und Magnetarc-Schweißen bei, bei dem man unterschiedliche Materialien interkristallin miteinander verbindet. Diese Reibschweiß-Sondermaschinen werden viel im Bereich Kolben und Achsen eingesetzt. Und Reis bereichert Kuka Industries durch das große Know-how im Bereich der Gießerei.
Wollen Sie auch neue Technologiebereiche erschließen?
Berninger: Im Bereich der Fertigung von Elektronikprodukten besteht speziell in Asien ein großer Automatisierungsbedarf. Mit unseren Anlagen für die Solar- und Batteriefertigung sind wir schon einen Schritt in diese Richtung gegangen – auf dieser Basis können wir uns weiter entwickeln.
Wie stellen Sie sicher, dass die Systempartner der Kuka Roboter sich nicht bedrängt fühlen vom Inhouse-Integrator Kuka Industries?
Berninger: Ich kenne das Systempartner-Konzept von meiner Zeit bei Kuka Roboter. Hier gab es für die Systempartner schon immer gewisse Überschneidungen mit dem „Integrator“ Kuka Systems, wobei sich diese durch die vielen verschiedenen Spezialisierungen relativieren. Insofern ist das nicht wirklich etwas Neues, sondern eine Erweiterung unserer Kompetenzen auf mehrere Märkte.
Im Markt wurde durchaus geunkt, dass Kuka-Partner nach der Reis-Übernahme nun zu Konkurrenten wie Fanuc oder Yaskawa überlaufen. Gab es schon Abwanderungen von Systempartnern?
Berninger: Nein. Wenn man sich zum Beispiel das historische Reis-Thema Gießerei anschaut und beobachtet, welche Systempartner hier unterwegs sind, dann stellt man fest, dass diese Partner auch nach der Reis-Akquisition weiterhin Kuka-Roboter integrieren – einfach weil die Qualität und der Service stimmen.
Wieweit sind Sie mit der Integration der Reis Maschinenfabrik?
Berninger: Auf der Marketing-Seite sind wir schon ein gutes Stück voran geschritten und haben die Geschäfte unter dem Titel Kuka Industries zusammengeführt. Wobei wir die Produktmarke Reis erhalten, weil die Kunden – gerade im Bereich Guss und Solar – den Namen Reis kennen und schätzen. Auch der Divisionalisierungsprozess – also die Entscheidung, welche Märkte wir angehen und wie demzufolge die Forschungs- und Entwicklungs-Roadmap aussieht – ist bereits abgeschlossen. Das Ganze wird nun auch auf internationaler Ebene vollzogen, denn genau darin liegt der große Charme der Zusammenführung: Wir können die Stärke von Reis in China samt Werk in Kunshan zusammenbringen mit der großen Mannschaft von Kuka in Detroit in den USA.
Gibt es weitere Synergien?
Berninger: Natürlich gibt es auch klassische Shared Themen – so ist Obernburg nun personalseitig in Augsburg angebunden. Die IT und den Einkauf gilt es noch genauer zu betrachten. Operative Themen wie Finance und Controlling müssen in Obernburg der Aktiengesellschaft passend angeglichen werden. Ebenso werden Projektmanagement und -abwicklung vereinheitlicht, wobei wir nicht die Großanlagen-Prozesse übernehmen, sondern schlanke Prozesse etablieren.
Welche Reis-Produkte bleiben erhalten und welche werden nicht fortgeführt?
Berninger: Die Sechsachs-Kinematiken aus Obernburg werden wir in der Form nicht weiterlaufen lassen – das ist einfach eine Frage von Stückzahlen. Aber die Sonderkinematiken wie Linearachsen und Portale sind wertvoll und bleiben daher im Portfolio. Auch steuerungsseitig bleibt die Reis-Welt erhalten. Wir haben mit der KRC Robotstar zum Beispiel einen Standard Kuka-Roboter samt Steuerungsschaltschrank mit dem User Interface Reis-PAD zusammengeführt. Und das haben die Entwickler in Obernburg in enormer Geschwindigkeit erledigt, Respekt. Die gewohnte Reis-Softwarewelt bleibt also für die Kunden erhalten.
Wie stellen Sie sicher, dass der innovative Reis-Spirit bei den Mitarbeitern in Obernburg erhalten bleibt? Reis hat ja in der Vergangenheit viele spannende Technologien heraus gebracht.
Berninger: Ein wichtiges Signal an die Reis-Belegschaft ist vor allem, dass alle vier Geschäftsführer der Kuka Industries in Obernburg sitzen. So wollen wir einerseits eine gewisse Eigenständigkeit und die gewohnte Dynamik erhalten, andererseits aber auch die Struktur des Konzerns nutzen und effektiv zusammenarbeiten. Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass das hohe Innovationstempo bei Reis ein wichtiges Asset ist, das wir kultivieren wollen
Gibt es bestimmte Thermen, die schwerpunktmäßig in Obernburg vorangetrieben werden?
Berninger: Momentan fokussiert sich das auf die Reis-Produkte, insbesondere die Software. Innerhalb der Kuka Industries behält Obernburg zudem einen Schwerpunkt beim Thema Schutzgas-Schweißen – da ist viel Knowhow vorhanden. Ähnliches gilt für das Thema Solar.
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