Interview mit Markus Sandhöfner, Geschäftsführer, B&R Deutschland

„Mapp ist eine Revolution in der Software-Entwicklung“

Markus Sandhöfner ist seit Anfang 2014 Deutschland-Geschäftsführer von B&R. Er ist seit 13 Jahren in unterschiedlichen Positionen für den Automatisierungsspezialisten aus Eggelsberg tätig – seit 2010 als Mitglied der Geschäftsführung von B&R Deutschland
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Welche Impulse er als neuer Deutschland-Geschäftsführer von B&R setzen möchte und wie die Mapp Technology die Maschinensoftware-Entwicklung revolutionieren soll, das erläutert Markus Sandhöfner im Gespräch mit der Automationspraxis.

Sie sind seit Anfang 2014 Geschäftsführer bei B&R Deutschland: Wo wollen Sie Akzente setzen?

Sandhöfner: Ich will die Nähe zum Kunden weiter stärken. Daher haben wir die Kompetenz unserer 18 lokalen Büros in Deutschland gerade im Bereich Applikation und Auftragsbearbeitung gestärkt – maßgeblich also im Bereich Service und Technologieberatung. Ein weiterer Schwerpunkt ist unsere Hochschulinitiative: Wir unterstützen Bildungseinrichtungen mit Laborausrüstungen und Trainingswerkzeugen. Unser Ziel ist es, den Hochschulen zu helfen, ihre Lehrinhalte praxisnah auszurichten. Natürlich wollen wir so auch unseren Bekanntheitsgrad und das Wissen, wie mit Automa- tion Studio programmiert wird, steigern.
Wo und wie wollen Sie Ihre Kundenkreise erweitern?
Sandhöfner: Wir wollen B&R bei den Endkunden stärker bekannt machen. Bei den Maschinenbauern haben wir uns ja bereits einen sehr guten Namen erarbeitet – bei vielen Endkunden dagegen sind wir noch relativ unbekannt. Daher werden wir einen eigenen Geschäftsbereich einrichten, der sich auf die Betreuung von Endkunden spezialisiert.
Und mit welchen Lösungen wollen Sie die Endkunden ansprechen?
Sandhöfner: Indem wir verstärkt die Fabrikautomation adressieren. Hier sind wir mit einem hervorragenden Produkt – der Aprol-Systemlösung – schon seit Jahren auf dem Markt. Nun wollen wir hier unsere Vertriebsaktivitäten ausweiten, um Anwendungen in einer größeren Vielzahl erschließen zu können. Die Endkunden stehen schließlich vor der Aufgabe, verschiedene Maschinen in eine Linie zu integrieren und diese zu vernetzen, beziehungsweise diese Fertigungen im Betrieb zu managen und die anfallenden Daten zu sammeln und auszuwerten. Für all das – von der Linienintegration bis zur Datenanalyse – ist Aprol die optimale Lösung.
In welchen Bereichen des Maschinenbaus ist B&R in Deutschland gut aufgestellt? Und wo liegen Potenziale?
Sandhöfner: Grundsätzlich sind wir branchenseitig sehr breit aufgestellt – und diese Breite ist auch unsere Stärke. In einigen Bereichen sind wir aber besonders gut unterwegs: Dazu zählen Kunststoff- und Verpackungsmaschinen sowie Nahrungsmittel und Getränke. Hier passen die Eigenschaften unserer Technologien – harte Echtzeitfähigkeit, präzise Regelungen, große Anzahl von Achsen, ultraschnelle Reaktionsfähigkeit – sehr gut zu den Anforderungen. Den großen Marktanteil, den wir hier bereits erreicht haben, können wir daher sicher ausbauen. Aber natürlich gibt es auch noch Anwendungsfelder, die wir noch stärker ausbauen wollen.
Zum Beispiel?
Sandhöfner: Etwa in der Automobilindustrie. Hier geht der Trend zu neuen Materialien und Werkstoffen, die weniger zerspanend hergestellt werden als vielmehr umformend – denken Sie an Carbon oder Kunststoff. Hier haben wir hervorragende Möglichkeiten, um mit innovativen Lösungen Marktanteile hinzu gewinnen zu können. Beispielsweise können wir mit unserer Integrated-Robotics-Funktion Roboter über reine Handhabungsaufgaben hinaus vollständig mit dem Prozess verschmelzen. Das haben wir bereits bei Biegemaschinen von Trumpf erfolgreich praktiziert, wo sich dank enger Integration des Roboters in den Gesamtprozess die Taktzeit um 50 Prozent auf gerade vier Sekunden reduziert hat.
Zu ihrem Amtsantritt im Februar haben Sie „eine Fülle neuer Produkte und Innovationen“ versprochen. In welcher Richtung soll es die geben?
Sandhöfner: Wir wollen für Maschinenbauer den Aufwand reduzieren, der durch zusätzliche Anforderungen auf sie zukommt – Stichworte sind hier beispielsweise die Individualisierung der gefertigten Produkte und die sich daraus ergebende Vernetzung und Digitalisierung einhergehend mit zunehmenden Anforderungen an die Flexibilisierung von Maschinen und Anlagen. Die gestiegene Variantenvielfalt bedingt modulare Konzepte für Hardware und Software. Und es muss künftig schneller gehen, die Automatisierung für eine Maschine zu realisieren und die Maschine zu programmieren. Mit Mapp Technology beschreiten wir hier einen revolutionären Weg.
Was genau steckt hinter Mapp ?
Sandhöfner: Mapp Technology steht für modular application Technology. Wir liefern getestete Applikationsbausteine, die die Programmierung wesentlich erleichtern und die Entwicklungszeit um bis zu zwei Drittel reduzieren. Das kommt einer Revolution der Entwicklung von Anwendungssoftware gleich. Der Maschinen- und Anlagenbauer kann sich auf seinen spezifischen Prozess fokussieren und diesen in Software gießen. Für die restliche Software – sprich Standardaufgaben, die zwar dazu gehören, aber kein Alleinstellungsmerkmal bedeuten – greift er auf Mapp zurück.
Wird es bald auch eine Art Mapp Store geben, zu dem auch Kunden mit selbst geschriebenen Mapp-Modulen beitragen können?
Sandhöfner: Der Weg ist nicht mehr weit. Wir gehen nun den ersten Schritt, in dem wir Maschinenbauern erste Funktionen zur Verfügung stellen. Zum Start stellen wir etwa 70 Funktionsmodule bereit. So können wir testen, wo die Nachfrage besonders hoch ist und wo es eventuell noch Lücken im Portfolio gibt. Der nächste Schritt kann durchaus sein, Apps von draußen mit aufzunehmen.
Und das Konzept von Scalability+ ergänzt das Ganze auf Hardwareseite?
Sandhöfner: Nicht nur das. Unter Scalability+ verstehen wir die durchgängige Skalierbarkeit des kompletten B&R-Portfolios – Hardware ebenso wie Software. Der Kunde kann so verschiedene Varianten einer Maschine anbieten, ohne die Automatisierung neu engineeren zu müssen: Der einmal geschriebene Softwarecode wird komplett übernommen. Das geht jedoch nur, wenn der Code unabhängig von der Hardware wiederverwendet werden kann. Wenn der Code so modular geschrieben wird, dass unterschiedliche Funktionen in ihm schon fertig angelegt sind und er diese dann nur noch durch Scannen der auf der jeweiligen Maschinenkonfiguration eingebauten Hardware aktivieren kann, dann kann er die geforderte Flexibilisierung ganz einfach in der Produktion umsetzen.
Aber ist ein durchgängiges Portfolio nicht eine Selbstverständlichkeit?
Sandhöfner: Es ist nicht gang und gäbe, dass man unterschiedliche Antriebstechnologien mit dem gleichen Code betreiben kann. Über Generic Motion Control versetzt B&R den Maschinenbauer in die Lage, den Code einmal zu schreiben und dann für unterschiedlichste Antriebe verwenden zu können. Ein Maschinenbauer kann also in Anwendungen und Märkten, wo ein geringerer Durchsatz oder weniger Flexibilität gefordert sind, einen Servomotor durch einen Schrittmotor ersetzen. So wird ganz einfach aus einer High-End- eine Midrange-Maschine. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Projektierungswerkzeug Automation Studio, mit dem der einmal in Software abgebildete Fertigungsprozess – unabhängig von der Hardware – an der Maschine umgesetzt wird. Auch Inbetriebnahme, Service und Diagnose werden damit vereinfacht.
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„Wir wollen B&R bei Endkunden stärker bekannt machen“
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