LV Nordwest

Landesseminar „Mobbing-Prävention“

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In der Seminar-Reihe „Prävention, Probleme und Hilfen im betrieblichen Alltag“ fand am Samstag, den 12.11.2011, vormittags im Kulturzentrum Kronsberg (Hannover-Bemerode) mit der Dozentin „Uschi Klute“ vom Bildungswerk Annastift das Seminar „Mobbing in der Arbeitswelt“ statt.

Nach der Begrüßung der über 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden die heutige Definition und aktuelle Situation in Unternehmen hin bis zur Prävention in 14 Schritten skizziert.

Seit Mitte der 70er Jahre wird das Thema – beginnend in Schweden – mehr und mehr in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Wurde am Anfang (besonders in Schweden) noch durch Heinz Leymann als „erster Mobbing-Experte“ versucht, konkrete Zeitdauer, Situationen und Handlungen zu definieren (Mobbing als regelmäßige negative Handlung und Angriffe gegen einzelne Personen), ist die Definition heute flexibler geworden. Dabei wird besonders die Arbeitswelt betrachtet und berücksichtigt.
Es geht um konkrete und regelmäßige negative bzw. destruktive sowie zielgerichtete Handlungen und Aktionen gegen Personen, die die physische und psychische Gesundheit gefährden bzw. die Würde verletzen und zur Ausgrenzung und Isolation führen.
Ziel und Zweck von Mobbing ist es, die betroffene Person aus dem Bereich des Mobbenden zu entfernen (d.h. durch Versetzung in eine andere Abteilung oder Kündigung usw.). Die Gründe können vielfältig sein, wobei Neid und Missgunst (bzw. Angst vor Konkurrenz) als Motiv häufiger vorkommen.
Generell muss zwischen Konflikt und Mobbing differenziert werden, d.h. eskalierte Konflikte können letztendlich zu Mobbing führen. Daher ist eine frühzeitige Konfliktlösung im Sinne aller Beteiligten (d.h. betroffene Arbeitnehmer, Vorgesetzte, Betriebsrat, Unternehmensführung, Kollegen). Für den Laien und damit die meisten Teilnehmer/innen war es schwierig – auch anhand von Beispielen – eine klare Abgrenzung von Mobbing und Konflikten vorzunehmen, zumal jeder auch Kritik und negative Situationen anders empfindet. Aber es kommt vor allen Dingen auf den Mobbenden an, d.h. seine Zielsetzung – soll nur Kritik geübt werden (sachlich begründet) oder geht es gegen die Person (d.h. tendenziell Mobbing). Warum heute Mobbing vermehrt auftritt oder ob früher das Phänomen einfach nicht genug Beachtung fand, blieb ungeklärt. Klar hingegen war, dass die heutige Arbeitsrealität und Arbeitsverdichtung mit höherem Leistungsdruck Mobbing im Arbeitsalltag begünstigt.
Dabei wurde der ganze Prozess auch als ein Teufelskreis bezeichnet, .d.h.
  • durch die anfängliche Kritik des Mobbenden erfolgt eine Reaktion /Veränderung des Betroffenen, wodurch wieder neue Kritik hinzukommt und die Verunsicherung (und Unsicherheit) zunimmt.
  • Sucht dann der Betroffene Unterstützung, aber überfordert mit seinen vielen und einseitigen Reden (nur noch Mobbing) damit häufig sein Umfeld (bzw. das Thema belastet die Kollegen), den Kontakt meiden bzw. auch der Betroffene zieht sich zurück (da scheinbar kein Verständnis für die Situation vorhanden ist) und wird das Thema „Mobbing“ abgelehnt (totgeschwiegen).
  • Letztendlich sucht der Betroffene die Schuld nur noch bei sich und resigniert bzw. gibt auf.
  • Es werden noch mehr Arbeitsfehler (und Krankmeldungen) auftreten, die dann die am Beginn gemachte Kritik berechtigt erscheinen lassen und den verschiedenen möglichen negativen Folgen, wie Abteilungswechsel, Kündigung, Frührente, dauerhafte Krankmeldung.
  • Aber es kann und sollte dann auch spätestens vor der letzten Folge ein Eingreifen des Unternehmens bzw. der Vorgesetzten erfolgen.
Generell kann Mobbing zu vielen psychischen und physischen Erkrankungen, wie Kopfschmerzen, Migräne, Bauschmerzen, Gallensteine, Schlafstörungen, Tinnitus (Ohrensausen), Kreislauf und Herzbeschwerden sowie auch Depressionen führen.
Ursachen für Mobbing gibt es viele, wobei natürlich das entsprechende (schlechte) Arbeitsklima mit entsprechenden (unsozialen bzw. desinteressierten) Führungskräften die Entstehung stark begünstigen.
Häufig sind es Neid, überzogenes Konkurrenz- und / oder Karrieredenken, Sündenbock-Suche für eigene Fehler bzw. Ablenkung von eigenen Schwächen. Es werden heute über 100 verschiedene Mobbinghandlungen aufgezeigt, wie:
  • Angriffe (verbal und physisch) gegen die Person oder die Arbeitsleistung
  • Handlungen entgegen des Arbeitsvertrages oder sonstiger Vereinbarungen bzw. Regeln, destruktive Kritik und Verhalten, Ausschlussmaßnahmen gegen die Person und Verhinderung der Integration in eine Gruppe bzw. Abteilung usw.
  • Handlungen und Aktivitäten gegen das Selbstwertgefühl und das berufliche Selbstverständnis. Erzeugung von Angst, Schrecken und Terror-Handlungen und Aktivitäten, welche sich gegen die Privatsphäre richten, Maßnahmen, welche die Gesundheit gefährden
  • Versagen von Hilfe, Verschweigen der Situation gegenüber Dritten
Generell kann es jeden Mitarbeiter und Führungskräfte treffen – klassische Opfertypen (im Vergleich zur Schule) gibt es weniger bis selten, wobei es tendenziell von „stärker erscheinenden Mitarbeitern“ (länger im Betrieb, Vorgesetzte usw.) als von tendenziell „schwächeren“ ausgeht.
Zum Abschluss sollte dann jeweils ein Zweierteam verschiedene Handlungsmöglichkeiten aufschreiben und diese dann hinsichtlich der Kategorien Betroffene, Kollegen, Führungskräfte vor den anderen Teilnehmer/innen kurzvorstellen. Die Vielzahl der angesprochenen Maßnahmen würde sicherlich diesen Rahmen sprengen, aber insgesamt wurden mehr Maßnahmen bei Betroffenen und Kollegen aufgezeigt.
Die Möglichkeiten waren
  • allgemeine Gespräche und offene Kommunikation,
  • Krankmeldung und ärztliche Beratung
  • aktive Hilfesuche bei Kollegen und Vorgesetzten bzw. Betriebsrat
  • aktive Hilfsangebote von Kollegen und Vorgesetzten, sobald ein Verdacht besteht
  • Informationshilfen (Tipps)
  • speziell Führungskräfte sollten eine offene und gute Kommunikation pflegen (Betriebsklima fördern)
  • negative Entwicklungen beim Krankenstand mit Verdacht auf Mobbing kontrollieren
Insgesamt konnten natürlich nicht alle Fragen und Themenkomplexe in 2 1⁄2 Stunden abschließend und ausführlich behandelt werden. Aber die Zufriedenheit war so groß, dass sich viele Teilnehmer/innen eine Vertiefungs- oder Folgeveranstaltung wünschten (sozusagen Mobbing-Prävention für Fortgeschrittene mit einem Workshop).
Detlef-Michael Haarhaus
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