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„Hallo, muss ich den Bus fahren oder tragen?“

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„Hallo, muss ich den Bus fahren oder tragen?“

Jutta Pletz mit ihrem Meisterbrief von 1992
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Die Leidenschaft zum Fahren jeglichen Gefährts mit mindestens vier Rädern hat Jutta Pletz zum Beruf gemacht. Lastwagenschein und Schwertransporterschein hat sie, und trotzdem war in diesem Bereich als Fahrerin keine Anstellung zu bekommen.

Wir reden von den Siebzigern des 20. Jahrhunderts, in dem es völlig normal war, dass Frauen motorisierte Gefährte fahren. Nach einer weiteren Absage erhielt sie den Rat von Herrn Kolb, Inhaber des Verkehrs-Institutes-Kolb, doch einen Busführerschein zu machen. Dem folgend hat Jutta Pletz diese Prüfung 1980 erfolgreich abgelegt und diese Personenbeförderungs-Fahrerlaubnis erhalten. Trotzdem musste sie einige Absagen einstecken, die immer wieder darauf zielten, dass dieser Beruf für eine Frau zu schwer sei und die sie zu der Antwort veranlassten: „Hallo, muss ich den Bus fahren oder tragen?“ Am 13. Oktober 1980 fing Jutta Pletz bei der KVB in Ingolstadt als erste Busfahrerin an.

Nicht stehenbleiben auf dem Stand, sondern in sich und in das eigene Fortkommen investieren, ist für eine Frau, die jeden Tag viele Menschen bewegt, selbstverständlich. Der Weg zur Berufskraftfahrerin war noch ganz neu, und sie war 1986 eine der ersten Frauen in Bayern, die sich weiterbilden ließ. Die Prüfer in Augsburg sagten: „Das haben wir auch noch nicht erlebt, dass eine Frau so einen Beruf macht.“ Doch nur mit einem Gesellenbrief allein gibt sich Jutta Pletz nicht zufrieden. „Da gibt’s noch mehr, hab ich mir gedacht und mich für den Meisterkurs angemeldet. Meine Intension war, dass wir ja nur als Hilfsarbeiter mit Führerschein in der Meinung der Bevölkerung und des Arbeitsamtes gehandelt wurden. Ich wollte einen richtigen Beruf mit Brief und Siegel.“
Fünf Jahre Berufserfahrung waren Voraussetzung, um sich für einen Kurs in Bayreuth für die geprüfte Industriemeisterin Kraftverkehr anzumelden, obwohl der Beruf und der Brief noch ausschließlich Meister heißt. Die Prüfung bestand sie 1992. In ihrer täglichen Arbeit hatte die Meisterausbildung keine veränderten Bedingungen zur Folge, doch die Dekra hatte die frischgebackene Meisterin für die Ausbildung an Bord geholt. Einen wichtigen Meilenstein in der Gleichberechtigung hat Jutta Pletz mit einer Petition an den Bundestag gelegt. In den Neunzigern mussten die Frauen den Personenbeförderungsschein alle drei Jahre erneuern, die Männer jedoch nur alle fünf Jahre. Diese Ungleichheit ist aufgrund ihrer Petition schneller abgeschafft worden.
Die Leidenschaft zum Fahren ist in den Jahren keineswegs kleiner geworden, deshalb hat sich Jutta Pletz auch nicht für den heute üblichen Weg der geprüften Industriemeisterin Kraftverkehr und der -Meister in die Disposition entschieden. Die sichere Fahrerin kann leider aus gesundheitlichen Gründen zur Zeit keinen Bus steuern, doch hofft sie auf ein baldiges Ende dieser Situation.
Interessentinnen und Interessenten für diesen Beruf finden auf den Seiten des BAG Bundesamtes für Güterverkehr weitere Informationen. www.bag.bund.de/DE/Navigation/Rechtsvorschriften/Qualifikation-Weiterbildung/qualifikation-weiterbildung_node.html
Beachten Sie bitte auch den links stehenden Artikel.
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