Interview: Rolf Rihs, Chief Operating Officer von Mikron Automation

„Gerade bei Steuerungen muss mehr standardisiert werden“

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Über seine Ziele in Deutschland, die Standardisierung im Montageanlagenbau und moderne Steuerungskonzepte spricht Rolf Rihs, Chief Operating Officer von Mikron Automation, im Interview mit der Automationspraxis.

Mikron Automation hat IMA Berlin übernommen. Warum?

Rihs: Erstens stärkt dies unsere Position im deutschen Automobilmarkt – und zwar in einem komplett komplementären Bereich. Zweitens bekommen wir damit einen Produktionsstandort im Euro-Raum, das hilft uns beim aktuell starken Kurs des Schweizer Franken. Drittens engagiert sich Mikron Berlin in der Photovoltaik, das ist für uns eine Diversifizierung. Ganz abgesehen davon – das Unternehmen hat ein sehr gutes Team und der Standort ist günstig: Die Lohnkosten im Großraum Stuttgart beispielsweise sind substanziell höher als in Berlin.
Deutschland ist also für Sie ein strategisch wichtiger Markt?
Rihs: Ja, absolut. Deutschland ist die Industrienation, deren Wirtschaft momentan am besten läuft. Und die deutsche Wirtschaft hat sehr gute Zukunftsaussichten. Diese Zukunft beinhaltet aber auch viel Automation, denn sonst kann Deutschland nicht wettbewerbsfähig sein. Daher wollen und werden wir mit Mikron Berlin einen höheren Marktanteil in Deutschland erreichen.
Welche Montageautomation adressieren Sie im Automotive-Bereich?
Rihs: Bei Mikron Boudry montieren wir klassischerweise eher kleinere Teile, die in hohen Stückzahlen produziert werden – Einspritzdüsen für Motoren oder Auslöser für Airbags. Dagegen bauen wir bei Mikron Berlin Anlagen für größere Produkte, die mehr fahrzeugspezifisch sind, also in niedrigeren Stückzahlen produziert werden, etwa Scharniere von Autotüren. Komplementär ist auch die Geschwindigkeit: Applikationen aus Berlin laufen im 3 bis 10 Sekunden-Takt, während in Boudry Applikationen mit 1 bis 2 Sekunden Taktzeit gebaut werden.
Wie ist denn generell Ihre Branchenausrichtung?
Rihs: Medizintechnik ist nach wie vor unser wichtigstes Segment, hier machen wir gut die Hälfte unseres Umsatzes. Auf Automotive entfallen 25 bis 30 Prozent. Der Rest verteilt sich. Klar ist: Wir wollen nicht nur auf einem Bein stehen. Das ist für uns eine Lebensversicherung, und der Kunde profitiert, weil wir Best-Practices von einer Branche in die andere übertragen können.
Sind neue Branchen in Sicht?
Rihs: Ja – zum Beispiel Photovoltaik. Die Photovoltaik-Branche ist zwar aktuell in einem Investitionstief, verbunden mit einer Verlagerung der Produktion nach China. Mikron Berlin kann hier aber einiges an Erfahrung vorweisen. Zudem tauchen neue Anwendungsfelder auf, zum Beispiel Batteriemontage. Hier wächst der Bedarf, weil Batterien nicht nur in der E-Mobility benötigt werden, sondern auch als Speicher für den Solarstrom zu Hause. Allerdings sind das auch sehr spezielle Prozesse, und daher muss man immer abwägen: Haben wir das nötige Knowhow, haben wir den Marktzugang?
Erfolge feiern Sie mit Ihrer Eco- line-Plattform. Geht die nur in Schwellenländer?
Rihs: Auslöser zur Entwicklung war tatsächlich die Erkenntnis, dass unsere Hochleistungs-Plattform G05 gerade für Schwellenländer zu schnell, und letztlich damit auch zu teuer ist. Daher haben wir die Ecoline eine Liga tiefer angesiedelt. Die Maschine haben wir aber nicht nur in Asien verkauft, sondern auch in Europa – eben in Applikationen, die keine 60 Takte pro Minute benötigen.
Sie haben schon früh die Weichen in Richtung Standardisierung und Modularisierung gestellt. Ist das Ende hier schon erreicht?
Rihs: Wir sind noch lange nicht beim Idealzustand. Wir selbst haben zwar einen sehr hohen Standardisierungsanteil verglichen mit vielen Mitbewerbern. Doch auch bei uns macht der Standard maximal 25 Prozent der Kosten aus. Der Standardisierungstrend wird daher weitergehen. Vor allem im Steuerungsbereich ist das Potenzial bei weitem noch nicht ausgeschöpft: Weniger kundenspezifisches Programmieren, mehr Wiederverwenden von bestehenden Softwarebausteinen, lautet hier die Devise. Da wird sich in den nächsten Jahren noch einiges tun. Wir haben in den letzten Jahren schon mehr in die Entwicklung von Software gesteckt als in die Mechanik. Und das wird so bleiben.
Hat man in der Montagetechnik bald eine Standardsoftwarearchitektur?
Rihs: Wir bieten für die G05 drei verschiedene Steuerungen an: Am häufigsten eingesetzt wird die Industrie-PC-basierte Variante, die zweite ist Siemens S7 – meist in Europa – und drittens Rockwells Allen-Bradley, vor allem in USA und Asien. Wir erstellen derzeit aber eine neue PC-basierte Steuerungsarchitektur. Diese wird viele neue Möglichkeiten bieten, die mit Siemens oder Allen-Bradley nicht möglich sind.
Zum Beispiel?
Rihs: Wir wollen mehr konfigurieren statt programmieren. Zudem soll die Einbindung in Leitsysteme einfacher werden. Dafür brauchen wir eine möglichst modulare und offene Architektur.
Entwickeln Sie diese selber?
Rihs: In Sachen Hardware und Realtime-Software arbeiten wir mit B&R zusammen. Deren Ziele und unsere haben sich sehr gut gedeckt, daher haben wir beschlossen, gemeinsam zu marschieren. Siemens bewegt sich zwar inzwischen auch stark, aber zum Zeitpunkt der Entscheidung vor mehr als zwei Jahren war Siemens noch sehr konservativ.
Wann ist die Steuerung fertig?
Rihs: Die ersten Projekte laufen schon. Aktuell sind wir daran, die resultierenden Erfahrungen zu sammeln und in eine optimierte Version aufzunehmen.
Viel diskutiert wird im Rahmen von Industrie 4.0 über dezentrale Steuerungskonzepte. Stellen Sie sich auf solche Szenarien bereits ein?
Rihs: Im Grunde genommen ist unsere G05 schon Industrie 4.0. Der Werkstückträger hat bereits einen RFID-Chip drin, und wenn dieser von einer Zelle in die andere geht, wird der Tag ausgelesen und die Maschine weiß, was sie mit dem Teil machen muss. Sie können den Werkstückträger auch aus dem Ablauf rausnehmen und an einer anderen Stelle wieder einsetzen – die Maschine merkt das. Und wenn ein Teil beispielsweise als schlecht identifiziert wird, wird es nicht mehr weiter montiert. Insofern sind wir für die Zukunft bereits gerüstet. ab
Mikron SA Boudry www.mikron.com
„Wir wollen mehr konfigurieren statt programmieren“
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