Interview mit Paul E. Schall aus der Automationspraxis 6/2012

„Aus Frickenhausenzum Global Player“

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Anlässlich seines 50-jährigen Firmenjubiläums im Jahre 2012 hatte sich die Automationspraxis mit Paul E. Schall über sein Lebenswerk unterhalten. Wir greifen das Gespräch in Auszügen nochmals auf, weil es die Lebensleistung des Selfmade-Global-Players auf den Punkt bringt. von Armin Barnitzke

Was waren die Highlights in den 50 Jahren Ihres Unternehmertums?

Schall: Highlights gab es in dem Sinne keine – ich habe immer meine Arbeit getan und bin dabei auf dem Boden geblieben. Gefreut habe ich mich aber immer dann, wenn ich andere Messeveranstalter oder etwas schläfrige Branchenverbände überrumpelt habe. Die haben mich als Mann aus der schwäbischen Pampa ja lange nicht ernst genommen. Aber ich habe es eben doch geschafft, als kleiner Selfmade-Mann Veranstaltungen von internationalem Rang zu schaffen. Aus Frickenhausen zum Global Player, wenn Sie so wollen.
Sie zählen heute unzählige Fach- und Publikumsmessen zur Schall-Familie: Haben Sie Lieblingskinder?
Schall: Die Motek spielt sicher eine wichtige Rolle, aber natürlich auch die Fakuma: Die Kunststofftechnik ist immer noch sehr innovativ, während sich die Montagetechnik auf einem hohen Automatisierungs-Niveau stabilisiert. Auf die Control bin ich besonders stolz, weil es die in dieser Größenordnung weltweit nur einmal gibt. Mit einer Ausnahme: In China haben wir sehr erfolgreich einen Control-Ableger gegründet – anderswo haben wir bei der Internationalisierung jedoch eher Lehrgeld bezahlt.
Inwiefern?
Schall: Es gab eine Zeit, wo es alle Veranstalter ins Ausland gezogen hat. Da haben auch wir eine Veranstaltung in Italien gemacht. Aber diese hat nicht funktioniert, sondern uns nur viel Geld gekostet. Denn nach einem erfolgreichen Start kamen die örtlichen Verbände mit ihrem Futterneid und haben uns als deutschen Veranstalter mit Konkurrenzveranstaltungen aus dem Land gedrängt. Wir haben seitdem Veranstaltungen nur noch lizenziert. Schweden zum Beispiel funktioniert sehr gut: Da richtet eine kleine private Gesellschaft, die ähnlich tickt wie wir, schwedische Ableger von Motek, Fakuma und Control aus.
Unabhängig vom Ausland: Wie viele Messekinder kommen denn in der Schall-Familie in den nächsten 50 Jahren noch dazu?
Schall: Zurück gefragt: Wie viele Themen gibt es denn noch, die sich lohnen? Wenn man sich umschaut, kommt einem das Grausen: Da werden Messen mit 60 Ausstellern durchgeführt. Das kann doch keinen Profit abwerfen. Ich bin überzeugt: Es wird keine neuen großen Messen geben, denn die großen Themen sind alle besetzt.
Haben sich denn die Messen in den 50 Jahren verändert?
Schall: Im Kern nicht. Die Produkte und Fachmedien haben sich verändert, aber die Messe-Idee selbst nicht: Es geht nach wie vor um ein persönliches Kommunikationsbedürfnis. Aber klar, nur Ausstellungsfläche zu verkaufen, reicht heute nicht mehr – man muss partnerschaftlich zusammenarbeiten. Aber das ist ohnehin unser Credo. Unsere Messen genießen den Ruf, eine familiäre und persönliche Atmosphäre zu haben. Das freut uns natürlich und wir tun weiterhin unser Bestes, damit sich Aussteller und Besucher bei uns ernst genommen und wohl fühlen. Dies ist auch in der Messewelt keineswegs eine Selbstverständlichkeit.
Aber funktioniert der persönliche Kontakt ab einer bestimmten Messegröße noch?
Schall: Zugegeben, 1000 oder 1500 Aussteller kann ich nicht mehr persönlich besuchen – aber wir geben dieses Denken natürlich an unsere Mitarbeiter weiter. Unsere Projektleiterin für die Fakuma beispielsweise, Annemarie Lipp, ist seit 40 Jahren im Unternehmen, andere Mitarbeiter schon 20 bis 25 Jahre. Das sorgt für Vertrauen und Kontinuität.
Apropos Kontinuität – wie lange stehen Sie selbst noch am Steuer? Hören Sie auf, wenn‘s am schönsten ist?
Schall: Es ist schwierig für einen Menschen, der über viele Jahrzehnte etwas aufgebaut hat, sich einfach aufs Altenteil zurückzuziehen. So lang ich also gesundheitlich auf Vordermann bin, werde ich weiter dran bleiben und mit meiner Frau die Geschäfte führen. Darum habe ich auch keinen Punkt festgelegt, an dem ich aufhöre: Wenn ich gesund bleibe, mache ich bis 100 weiter. ↓
Anmerkung der Redaktion: Es war ihm leider nicht vergönnt. Paul Eberhard Schall verstarb am 19. Februar im Alter von 77 Jahren. Die Automationspraxis trauert um einen guten Partner und erfolgreichen Messe-Macher.
„Gefreut habe ich mich, wenn ich andere Messeveranstalter oder schläfrige Branchenverbände überrumpelt habe.“ Paul Schall
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