Interview mit Norbert Hanke, President & CEO von Hexagon Manufacturing Intelligence „Ziel sind geschlossene Feedback-Schleifen“

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Interview mit Norbert Hanke, President & CEO von Hexagon Manufacturing Intelligence

„Ziel sind geschlossene Feedback-Schleifen“

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Warum und wie sich Messtechnikspezialist Hexagon in Richtung Software und Datenanalyse wandelt, erläutert Norbert Hanke, President & CEO von Hexagon Manufacturing Intelligence, im Interview. Autor: Armin Barnitzke

Warum haben Sie sich vor anderthalb Jahren von Hexagon Metrology in Hexagon Manufacturing Intelligence umbenannt?

Hanke: Mit der Umbenennung spiegeln wir unsere wachsende Kompetenz im Bereich datenorientierter Fertigungslösungen wider. Um umfassende Qualitätssicherungslösungen anbieten zu können, hat Hexagon ja im Laufe der Zeit durch Innovationen und Übernahmen ein breites Angebot an Messsystemen aufgebaut. Allerdings geht es heute nicht mehr nur um die reine Aufnahme und Verarbeitung von Messdaten, sondern eben auch um das Anreichern und Veredeln dieser Daten. Unsere Strategie ist es daher, softwarebasierende Lösungen anzubieten, die Qualität und Produktivität entlang industrieller Prozessketten verbessern können. Begonnen hat das Ganze letztlich 2010.
Inwiefern?
Hanke: Damals hat unser Mutterkonzern ein Unternehmen aufgekauft, das intensiv mit der Verarbeitung von Daten beschäftigt ist: Das US-Softwarehaus Intergraph mit seinen Geoinformationssystemen. In diesem Zuge wuchs im Hause Hexagon die Vision, Daten zu strukturieren und aufzubereiten. 2014 haben wir mit der Metrology diese Vision aufgegriffen und mit Vero eine CAD/CAM-Company gekauft.
Aber wie passen Metrology und CAD/CAM zusammen?
Hanke: Unser Ziel sind geschlossene Feedback-Schleifen. Wir wollen mit den Messtechnikdaten einen geschlossenen Regelkreis bis in den CAD/CAM Bereich aufbauen – gemäß unseres Mottos Sensing, Thinking, Acting. Zur Beurteilung und Steuerung von Prozessen braucht man aber auch Analyse-Knowhow. Daher haben wir 2015 den Qualitätsdaten-Spezialisten Q-DAS akquiriert. Q-DAS ist auch deshalb extrem spannend für uns, weil deren Software eine standardisierte Schnittstelle bietet – und für Industrie 4.0 sind offene Architekturen unabdingbar.
Sie sind also offen für Wettbewerber?
Hanke: Natürlich wäre es mir am liebsten, wenn überall nur unsere eigenen Koordinatenmessgeräte stehen, aber die Welt ist eben nicht so. Der Kunde entscheidet – daher ist eine Open Architecture so wichtig für uns. Unsere Wettbewerber können sich in unsere Software einklinken und tun das ja bereits. Um diese Offenheit zu unterstreichen, wird Q-DAS weiter Q-DAS heißen, auch wenn wir sonst versuchen, vieles unter dem Label Hexagon zu branden.
Q-DAS gilt ja als Spezialist für statistische Auswertungen von Qualitätsdaten. Ist das schon genug Analyse-Knowhow?
Hanke: Ich will jetzt nicht zu viel verraten: Aber Q-DAS wird natürlich seine Produkte weiterentwickeln. Das Unternehmen wird quasi unser Zentrum für das Qualitätsdaten-Management. Ziel ist die Smart Quality – wo wir dann nicht bei reinen statistischen Auswertungen stehen bleiben, sondern mehr in Richtung Echtzeit-Analyse gehen.
Werden Sie in Sachen Datenanalyse-Knowhow nochmal zukaufen?
Hanke: Natürlich schauen wir immer erstmal, ob wir entsprechende Kompetenzen nicht auch selber inhouse aufbauen können. Aber weitere Zukäufe kann und will ich nicht ausschließen. Zumal aufgekaufte Firmen auch immer einen gewissen Esprit mit ins Haus bringen.
In welchen anderen Bereichen können Sie sich Zukäufe vorstellen?
Hanke: Simulationssoftware ist sicher ein interessantes Feld. Im Karosseriebau zum Beispiel gibt es großen Bedarf, Messtechnik-Erkenntnisse aus der Prototypen-Fertigung in den Designprozess zurückzuführen. In diesem Zusammenhang haben wir die kanadische Firma FT übernommen, einen Anbieter von Softwarelösungen für die blechverarbeitende Industrie und kürzlich erst die MSC Software, einen führenden Anbieter im Bereich Computer Aided Engineering (CAE). Die Lösungen von MSC erlauben es Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen, ihre Produkte in einer virtuellen Welt zu entwickeln und zu testen – von den ersten Konzeptentwürfen über die Erstellung des digitalen Modells bis hin zur Analyse an virtuellen Prototypen.
Angesichts Ihrer ganzen Softwareübernahmen: Wollen Sie zur reinen Software & Services Company werden wie IBM im IT-Bereich?
Hanke: Ganz klares Nein. Wir sind eine Metrology Firma und werden in unserem Herzen immer eine Metrology Firma sein. Die Messtechnik-Daten bleiben daher immer unser Grundgerüst und damit Sensorik und Maschinen fester Bestandteil unseres Portfolios. Metrology ist unsere DNA – die wir aber nun erweitern.
Wenn man Messtechnikdaten sammelt, kommen schnell große Datenmengen zusammen. Wettbewerber Zeiss hat daher mit den Metrology Cloud Services den Weg in die Cloud eingeschlagen. Gehen Sie ähnliche Wege?
Hanke: Wir sind Cloud fähig – und Q-DAS bietet auch das Hosting von Messdaten an. Aber wir sehen in Sachen Cloud von unseren Kunden momentan noch keine große Nachfrage. Beim Thema Daten sind unsere Kunden sehr sensibel und gerade in Sachen Cloud sind einige Großunternehmen inzwischen sehr vorsichtig geworden.
Mit Sensing Thinking Acting wollen Sie ja hin zu geschlossenen Regelkreisen. Wie weit sind Sie da bereits?
Hanke: Einige Elemente des Kreises haben wir bereits. Im Bereich Sensing und Thinking haben wir schon einige Regelkreise geschlossen. Wir verfolgen diese Vision konsequent – und werden in naher Zukunft entsprechende Produkte zeigen.
Wo klemmt es noch?
Hanke: Das beginnt damit, dass Messtechniker und CAD/CAM-Experten nicht die gleiche Sprache sprechen. Bislang sind die Messmaschinen im Messraum vom eigentlichen Produktionsprozess auf der Maschine doch noch relativ weit entfernt. Daher haben wir beschlossen, dass unser Messtaster-Bereich M&H zuerst mit der CAD/CAM-Integration beginnt. Man muss schrittweise vorgehen und nicht immer gleich das große Ganze lösen wollen. Diese Erkenntnis hat bei uns auch etwas gedauert.
Und wie passt die Automation nun in das Bild hinein?
Hanke: Natürlich wollen wir auch den Prüfprozess optimieren. Das eigentliche Messen ist hierbei nur ein Teil des Ganzen – auch die Vor- und Nachbereitung und die Bereitstellung des Werkstückes gehören dazu. Hier kann man mit Automatisierung noch viel verbessern. Nehmen Sie als Beispiel das automatisierte Beladen von Koordinatenmessgeräten mit dem Roboter.
Darüber hinaus wird der Roboter als flexibles Messgerät eingesetzt. Wo sehen Sie die größeren Potenziale zur Mess-Automation? Beim roboterbasierten Be- und Entladen? Oder beim Messen via Roboter?
Hanke: Schwierig. Beides ist notwendig. Aber vergleichbar unterentwickelt ist das Messen mit dem Roboter – insofern könnte es sein, dass sich hier noch mehr Potenziale auftun.
Wofür eignet sich denn was?
Hanke: Im Inline-Prozess brauchen Sie den Roboter, der den Messsensor führt. Wenn Sie Offline oder Close to Line sind, ist das roboterbasierte Be- und Entladen das Mittel der Wahl. Letztlich hängt es auch von den Genauigkeiten ab – benötige ich 100 oder ein 1 Mü? Bei roboterbasierten Messungen komme ich irgendwann auch an Grenzen der Messgenauigkeit. Im Karosseriebau können Genauigkeiten von 80 bis 100 Mü ja den Anforderungen noch genügen, nicht aber bei Triebwerken und Turbinen.
Bauen Sie Roboterlösungen selber?
Hanke: Wir arbeiten meistens mit Systemintegratoren. Die Welt der Robotik ist so vielfältig, da haben wir gar nicht das Knowhow dafür. Wir spezialisieren uns auf einzelne Standardanwendungen, um hier eigene Lösungen zu bauen. Konkret vorgestellt haben wir beispielsweise bereits eine automatisierte Roboter-Messzelle: die 360 Grad Flexible Measurement Cell, kurz 360 Grad SIMS.
Wofür eignet sich diese automatisierte Roboter-Messzelle?
Hanke: Die 360-Grad-SIMS-Lösungen erlauben zahlreiche unterschiedliche Zellenkonfigurationen für die robotergestützte 3D-Messung und Prozesskontrolle im Automobilbau. Komplexe Geometrien und Montageelemente erfordern robuste Messfunktionen. Unsere Rohkarosserie-Messzelle am Ende der Produktionslinie erlaubt sowohl die Messung der Außen- als auch der Innenflächen der Karosserie.
Zum Schluss ein Blick in die Zukunft: Wo stehen Sie in 5 Jahren?
Hanke: Nun, umbenennen werden wir uns vermutlich nicht mehr (lacht). Im Ernst: Wenn wir in 5 Jahren den Regelkreis Sensing, Thinking, Acting in allen Segmenten geschlossen haben, wäre ich sehr zufrieden. Das ist meine persönliche Zielsetzung 2020. ↓
Hexagon Manufacturing Intelligence
www.hexagonMI.com; Control Halle 5, Stand 5200
„Wir sind eine Metrology Firma und werden es in unserem Herzen immer sein. Sensorik und Maschinen bleiben daher fester Bestandteil unseres Portfolios.“ Norbert Hanke, Hexagon
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