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Erfindergeist serienmäßig: Tünkers-Firmengeschichte ist von vielen Wendungen gekennzeichnet

Vom Wohnzimmer in die Welt

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Gegründet 1962 als Hydraulikspezialist für den Ofenbau hat sich Tünkers in rund 50 Jahren zum Global Player der Automation gemausert. Das Motto: Innovationsgeist serienmäßig – plus eine gehörige Portion Familien-Unternehmertum.

Der Ursprung des Ratinger Unternehmens Tünkers Maschinenbau liegt im Wohnzimmer der Familie Tünkers – naja, zumindest fast. Als junger Konstrukteur bei einer Ratinger Maschinenbaufirma war Josef-Gerhard Tünkers Anfang der 60er Jahre ein gefragter Mann bei den auftraggebenden Ofenbaufirmen. „Wegen meiner Kenntnisse in der Hydraulik und im Ofen-Anlagenbau wollten mich einige Firmen für den Aufbau und die Leitung einer eigenen Hydraulikabteilung gewinnen“, erinnert sich Josef-Gerhard Tünkers.

Motiviert durch die Zusage der Kunden, im Fall einer Firmenneugründung bei ihm Aufträge zu platzieren, entschied er sich jedoch 1962 – zusammen mit zwei Partnern – für den Weg in die Selbstständigkeit. Den Geschäftsgegenstand hat man damals so formuliert: „Projektierung, Konstruktion und Herstellung von Maschinen und hydraulischen und pneumatischen Anlagen.“ Als Firmensitz diente zunächst ein als Konstruktionsbüro angemieteter 16 m² großer Raum an der Mülheimer Straße 75 in Ratingen, der mit zwei Zeichenbrettern und zwei Schreibmaschinen ausgestattet wurde. „Und da unsere Familie in diesem Haus seit vielen Jahren lebte, erzählt man sich bis heute, dass die Firma quasi in unserem Wohnzimmer gegründet wurde“, schmunzelt Josef-Gerhard Tünkers.
Als erste Aufträge entwickelte man Hydraulik-Sonderzylinder für den damals im Ruhrgebiet starken Ofenbau. Diese wurden zunächst extern gefertigt, bereits zwei Jahre später hat man eine eigene Produktion aufgebaut. „Dass sich daraus in rund 50 Jahren ein international aufgestelltes Unternehmen mit rund 900 Mitarbeitern entwickeln würde, das sich technisch auf die Automation im Rohkarosseriebau der Automobilindustrie ausrichtet, war damals sicher nicht vorhersehbar“, so Josef-Gerhard Tünkers.
Zumal diese 50 Jahre auch kein einfacher und vor allem kein gerader Weg waren. „Neben Jahren der kontinuierlichen Entwicklung gab es auch große Umbrüche und schwierige Phasen“, so der Firmen-Senior. Entsprechend war die Entwicklung des Unternehmens immer verbunden mit der Suche nach möglichen Beschäftigungsfeldern und neuen Nischen. So hat man in den ersten Jahren die unterschiedlichsten Produkte gefertigt: Von hydraulischen Hubbühnen für Elevatoröfen, Herdwagen-Verfahrmaschinen, Einschubmaschinen für Tunnelöfen, Hubbalkenantriebe und Deckelverfahrmaschinen bis hin zu ganzen Anlagen wie Fassreinigungssystemen.
Einen ersten Durchbruch gab es Ende der 60er Jahre, als man bei einem Ausschreibungswettbewerb der Bundeswehr für einen Achsblockierungszylinder den Zuschlag bekam. Dieses Geschäft mit Zylindern für Kranfahrzeuge und später Betonpumpen bildete das erste wichtige Rückgrat des jungen Unternehmens. „Mitte der 70er Jahre waren diese hergestellten Hydraulikzylinder das wichtigste Standbein des Unternehmens“, blickt Olaf Tünkers zurück, der heute zusammen mit seinem Bruder André und dem Vater die Geschäftsführung bildet.
Portfolio stark verbreitert
Das florierende Geschäft endete aber abrupt, als 1977 der Hauptabnehmer auf Eigenfertigung umstellte, weil man einen Hersteller mit eigener Hydraulikproduktion übernommen hatte. „Diese unerwartete Entscheidung traf uns hart und machte dem jungen Unternehmen deutlich, wie die Abhängigkeit von nur einem Großkunden den Fortbestand in Frage stellen kann“, so Olaf Tünkers.
Daher begannen sich die Ratinger breiter aufzustellen: Beispielsweise wurde von Jagenberg die Sparte der Anleim- und Kaschiermaschinen übernommen. Zudem wurden durch Zukäufe und Produktentwicklungen weitere Standbeine aufgebaut – etwa die Ramm- und Ziehtechnik oder die Produktion von Rollstühlen mit Sitzhub.
Vor allem aber wuchs allmählich die Bedeutung der pneumatischen Kniehebelspanner, die man bereits 1966 zusammen mit Ford in Köln entwickelt hatte und ab 1968 in größeren Stückzahlen produzierte. „Ab Januar 1970 bestellten dann auch Firmen wie Daimler und Kuka ihre ersten Spanner bei uns“, berichtet Olaf Tünkers.
Die patentierten Spanner, mit der die Karosseriefertigung rationalisiert wurde, entwickelten sich nach und nach – nicht zuletzt durch die Expansion der Automobilindustrie – zu einem wichtigen Standbein der Gruppe. „Die Automobilindustrie wurde daher unsere wichtigste Kundengruppe“, sagt Olaf Tünkers.
Mit der Globalisierung der Automobilproduktion wurde auch der Ratinger Familienbetrieb zum Global Player: 1982 wurde die erste Tochter in den USA gegründet. Nach 2000 wurde die Expansion in den Auslandsmärkten durch die Gründung von Niederlassungen unter anderem in Frankreich, Brasilien, China und USA weiter vorangetrieben „Inzwischen sind wir in allen Ländern vertreten, in denen es eine bedeutende Automobilproduktion gibt. Aktuell bauen wir Vertretungen in Indien und Japan auf“, so André Tünkers.
„Denn wenn man für eine Industrie arbeitet, die zu 100 Prozent globalisiert ist, kann man sich nicht auf einen Kontinent beschränken“, betont André Tünkers. „Weiße Flecken kann es daher auf unserer Landkarte nicht mehr geben.“ Dem Heimat-Standort bleibe man aber natürlich verbunden: „Ratingen ist unser wichtigster Standort und so wird es auch bleiben.“
Mit Fokus auf die Automation des Karosseriebaus haben die Ratinger ihre Produktpalette kontinuierlich ausgebaut, beispielsweise mit Stanz-, Präge- und Fügesystemen und später mit Robotergreifern. Zum Ausbau des Portfolios hat man auch gezielt passende Unternehmen zugekauft. „Unsere 9 Bausteine für die Automation, wie wir unser Produktportfolio gerne nennen, ist nur denkbar unter Einbeziehung der Tochterfirmen Expert-Tünkers, Helu, Sopap, Tünkers-Nickel“, berichtet André Tünkers. „Jeder Betrieb steht für einen oder mehrere Bausteine unserer Automationsmodule: Spannen, Positionieren, Greifen, Umformen, Schweißen, Dosieren, Drehen, Fördern und Transportieren. In diesem Sinne sind alle Produkte in ein Gesamtkonzept integriert.“
Die 9 Bausteine der Automation
Aber warum 9 Bausteine? „Das komplette Automationsprogramm einigermaßen übersichtlich darzustellen, war und ist gar nicht so einfach. Da hat uns die Idee eines Baukastens geholfen“, sagt André Tünkers. Zumal die 9 Bausteine grafisch der Seite eines Zauberwürfels (Rubiks Cube) nahe kommen. „3 mal 3 Technikfelder kann man sich gut merken.“ Entsprechend hat man in Ratinger dafür gesorgt, dass auch neue Technologien wie Kleben und Dosieren durch Umgruppierungen Platz in diesen 9 Modulen gefunden haben.
Umsatzmäßig steht daher die Automation heute in der Gruppe klar an der Spitze. „Innerhalb der Module stehen die Spanner-Systeme an erster Stelle. Aber auch die Greifer und die Stauförderer sind ganz wichtige Umsatzträger“, verrät Olaf Tünkers. Damit beliefert man in erster Linie die Automobil-Hersteller. „Doch sind wir natürlich auch für andere Branchen offen“, so Olaf Tünkers. „Wir liefern auch in die Verpackungsindustrie, Medizintechnik, Holzbearbeitung, Weiße Ware, Druckindustrie und viele andere Bereiche. Unsere Drehtische sind ein gutes Beispiel dafür, dass Tünkers Produkte in unterschiedlichen Industrien zum Einsatz kommen.“
Getrieben wird das Unternehmen dabei von einer ehrgeizigen Firmenphilosophie: Erfindergeist serienmäßig. „Damit ist gemeint, dass wir jeden Tag eine neue Produktidee suchen und jede Woche ein neues Produkt herausbringen wollen“, so André Tünkers. Denn die Freude am Konstruieren, Montieren und Erproben prägt die ganze Familie. „Dies gilt nicht nur für den beruflichen Alltag, sondern auch für die Freizeit. Das Werkeln an Old- bzw. Youngtimern in der eigenen Garage ist so ein Familienhobby“, ergänzt der Bruder Olaf Tünkers.
Aber natürlich genügt es nicht, wenn nur die Chefs gerne tüfteln. Entscheidend für Innovationsfähigkeit sei auch der ständige Austausch zwischen Konstruktion, Produktion und Vertrieb mit den Kunden. „Dazu gehört auch eine räumliche Nähe der Abteilungen, die wir an unseren Standorten noch haben.“ Und ganz besonders wichtig sei, dass jeder Vorschlag eines Mitarbeiters ernst genommen wird und die Ideen im Erfolgsfall auch honoriert werden. Ohnehin schätzt das Familienunternehmen den Wert seiner Mitarbeiter: „Wir sehen uns bei Tünkers nicht nur seitens der Unternehmerfamilie als Familienunternehmen, sondern auch seitens der Belegschaft. Viele Mitarbeiter bleiben dem Betrieb über Jahrzehnte verbunden und ziehen ihre Kinder oder Enkel nach“, freut sich André Tünkers.
Diese Bodenständigkeit schlägt sich auch in der Unternehmensführung nieder. „Besonders wichtig sind uns die langfristige Orientierung des Unternehmens, die enge Kundenbindung und die flachen Hierarchien“, so Olaf Tünkers. Denn bei aller Globalisierung müsse der Charakter eines Unternehmens erhalten bleiben. „Die Eigenverantwortung der Mitarbeiter und der jeweiligen Standortleitung ist uns daher wichtig.“ Gleichzeitig brauche man aber natürlich auch Strukturen, die die Zusammenarbeit und Koordination erleichtern. „In einem globalisierten Familienunternehmen ist entscheidend, hier ein gutes Gleichgewicht zu halten. Wir fördern sehr den Austausch der Mitarbeiter zwischen den Standorten und das sprachliche wie kulturelle Verständnis.“
So will man auch zukünftig weiter für serienmäßigen Erfindergeist sorgen – beispielsweise auch im Bereich der Elektromobilität. So produziert man neben Behindertenrollstühlen und Elektromobilen für das Einsammeln von Gepäckwagen an Flughäfen auch den Mo-Vi, ein Kleinfahrzeug, das Antworten auf die Fragen der Mobilität von Morgen in großen Werken, am Flughafen oder in den Städten gibt und sich vielleicht zu einem neuen Standbein der Gruppe entwickelt. Es wäre ja nicht die erste Wendung in der Geschichte des innovativen Familienunternehmens. ↓
Tünkers Maschinenbau GmbH

Senior immer noch aktiv
Inzwischen liegt beim Familienunternehmen Tünkers die Geschäftsführung in der Hand der zweiten Generation. Aber auch als Senior ist der Mitsiebziger Josef-Gerhard Tünkers fast täglich im Betrieb und kümmert sich mit dem Wissen aus seinen rund 250 Patenten vorwiegend um die Neuentwicklung von Produkten im Automotive-Bereich. Zusätzlich engagiert er sich persönlich in den kleineren Sparten wie z. B. die Elektromobile, die Ramm- oder die Anleimtechnik.
Die beiden Söhne André und Olaf teilen sich die operative Geschäftsführung: „Hier wird sehr vieles im Team entschieden. Je nach Projektsituation gibt es eine Aufteilung nach Länderverantwortlichkeiten und Aufgabenschwerpunkten, die alle zwei Jahre variieren kann“, erzählt André Tünkers. Die Brüder haben sich mit Wirtschafts- bzw. Technikstudiengängen (Wirtschaftsingenieur und Maschinenbau) gewissenhaft auf den Einstieg ins väterliche Unternehmen vorbereitet. Beide haben aber auch Berufserfahrung außerhalb des Unternehmens gesammelt, bevor sich Olaf 1994 und André 1998 für die väterliche Firma Tünkers Maschinenbau entschieden haben.
Rund 900 Mitarbeiter zählt das Unternehmen heute. Diese sind verteilt auf neun Fertigungsstandorte, in Ratingen/Düsseldorf, Lorsch bei Bensheim, Kingswinford (England), Tournes (Frankreich), Barcelona (Spanien), Sao Paulo (Brasilien), Detroit (USA), Shanghai (China), Pune (Indien) – also überall dort, wo die Automobilindustrie stark ist. ↓

Mitten im James Bond

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Mit ihren Robotergreifern hat es die Ratinger Innovationsschmiede sogar bis in den James Bond Film „Die Another Day“ geschafft. Und dazu musste man nicht einmal die sonst üblichen happigen Beträge für das Product Placement berappen. „In dem Film bezahlten 20 Firmen zusammen 70 Millionen US Dollar für die Platzierung ihrer Produkte. Wir haben allerdings nichts bezahlen müssen“, so André Tünkers. „Unser Greifer-System wurde zusammen mit einem Kuka Roboter für die Filmaufnahmen geliefert und für Folterszenen quasi missbraucht.“ Immerhin: „Das Bond-Girl Halle Berry hat die Dreharbeiten aber unbeschadet überstanden“, schmunzelt André Tünkers. ↓
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