Interview mit Henrik Schunk, geschäftsführender Gesellschafter der Schunk GmbH & Co. KG „Die größte Chance in unserer Firmengeschichte“

Interview mit Henrik Schunk, geschäftsführender Gesellschafter der Schunk GmbH & Co. KG

„Die größte Chance in unserer Firmengeschichte“

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Warum der Greif- und Spanntechnik-Spezialist Schunk in der Industrie 4.0 große Chancen wittert und wie man in Lauffen das nötige Software-Knowhow aufbaut, verrät der geschäftsführende Gesellschafter Henrik Schunk. Autor: Wolfgang Hess
Was bedeutet Industrie 4.0 für einen Hersteller von Spann- und Greiftechnik?
Schunk: Es ist schlichtweg die größte Chance in der Unternehmensgeschichte von Schunk.
Eine mutige Aussage...
Schunk: Wir können unser bestehendes Geschäft gänzlich erneuern, weil sich durch die Digitalisierung völlig neue Anwendungen und Nutzungsmöglichkeiten ergeben. Ein Riesenvorteil unserer Produkte ist es, dass unsere Greiftechniken gewissermaßen als Erste und am nächsten am Werkstück dran sind. In der gesamten Denkweise von Industrie 4.0, bei der alles mit allem vernetzt ist, haben wir mit unseren Produkten die besten Möglichkeiten für innovative Einsätze. Nun gilt es, kreativ zu sein und die neuen Perspektiven mit Inhalten zu füllen.
Als da wären?
Schunk: Greifer, die die Charakteristik eines Werkstücks selbstständig nach Gewicht oder Form erkennen. Oder Greifer, die eigenständig neues Material bestellen, wenn sie registrieren, dass der Vorrat zur Neige geht. Es gibt kaum etwas, was man nicht in intelligente Greifer integrieren könnte. Durch die Digitalisierung kommen wir bei der Wertschöpfung in ganz neue Sphären.
Gibt es in Ihrem Unternehmen eine strategische Arbeitsgruppe Industrie 4.0 oder haben Sie das zur Chefsache erklärt?
Schunk: Bei mir als Chief Executive Officer, CEO, ist ein sogenanntes Digital Lab angesiedelt. Und in der operativen Ebene unterhalb des Chief Technology Officer, CTO, arbeiten zwei promovierte Mitarbeiter, die sich tagein, tagaus damit beschäftigen, wie die neuen Möglichkeiten unsere Produktlinien verbessern können.
Überlegen Sie sich strategische Allianzen mit konkurrierenden Unternehmen im vorwettbewerblichen Stadium?
Schunk: Wir haben Kooperationen, aber nicht mit Wettbewerbern. Vorwettbewerbliche Kooperationen kosten meiner Ansicht nach einfach zu viel Zeit. Doch klar ist: Industrie 4.0 bekommen wir nur zum Laufen, wenn wir kooperieren – mit Hochschulen, mit Softwareanbietern. Die Kooperationsnotwendigkeit wird durch Industrie 4.0 exponentiell steigen.
Suchen Sie also auch den direkten Kontakt zu Hochschulen und Universitäten?
Schunk: Ja, denn die Bandbreite der Technologien nimmt stetig zu. Da man als mittelständisches Unternehmen nicht alles davon selbst beherrschen kann, brauchen wir die direkte Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen mehr denn je.
Mit welchen Instituten kooperieren Sie?
Schunk: Wir arbeiten seit vielen Jahren mit dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in Stuttgart intensiv zusammen, ebenso mit dem Karlsruher Institut für Technologie KIT. Wir vergeben an solche Institute auch Projektaufträge. Und wir bieten die Möglichkeit, Masterarbeiten und Dissertationen mit unseren Fragestellungen zu verknüpfen.
Und so ergeben sich gewiss auch Chancen, neue Mitarbeiter zu gewinnen, die sich bereits an einem aktuellen Projekt bewährt haben.
Schunk: Das funktioniert in der Tat sehr gut. Auf diese Weise haben wir schon viele fähige Mitarbeiter gewonnen. Und das wird in Zukunft für uns noch wichtiger.
Welches Mitarbeiterprofil suchen Sie?
Schunk: Bisher waren es vor allem Mechaniker, Mechatroniker oder Maschinenbau-Ingenieure. In Zukunft brauchen wir vor allem Software-Entwickler.
Wie schwer ist es, bei der Mitarbeiter-Rekrutierung mit den großen Automobilherstellern und -zulieferern mitzuhalten?
Schunk: Wir bekommen genügend gute Mitarbeiter – Software-Entwickler einmal ausgenommen. Der „War of Talents“ ist dennoch allgegenwärtig. Wir setzen dagegen: Beim mittleren Mittelstand hat jeder die Chance, durch exzellente Leistungen auch ohne Studium auf der Karriereleiter nach oben zu kommen. Wir bieten inzwischen viele Möglichkeiten, gute Leistungen in unserem Unternehmen mit aussichtsreichen beruflichen Perspektiven zu honorieren. Ich kann mir vorstellen, dass wir in wenigen Jahren eine eigenständige Ausbildung zum Software-Entwickler anbieten werden. Denn Software wird bei uns zur Kernkompetenz.
Was sind denn Vorteile eines Mitarbeiters bei Schunk gegenüber jenen, die bei einem Konzern arbeiten?
Schunk: Die Karriereleiter kann bei uns schneller erklommen werden. Wir haben flache Hierarchieebenen, gute Leistungen werden gesehen und gefördert. Und dazu kommt, etwas salopp formuliert, dass sich ein Abteilungsleiter im Konzern beispielsweise mit einem Getriebe beschäftigt. Bei uns darf er beim ganzen Auto mitentwickeln. Die Lernintensität bei uns ist ungleich höher.
Abgesehen vom War of Talents: Was beschäftigt den geschäftsführenden Gesellschafter Henrik Schunk derzeit am intensivsten?
Schunk: Drei Dinge, die allesamt der Bestandssicherung unseres Unternehmens dienen: Erstens geht es mir darum, das Unternehmen so aufzustellen, um ein Global Player zu sein. Dann gilt es, die Attraktivität unserer Marke weiter nachhaltig und weltweit zu steigern. Schließlich geht es mir gegenwärtig darum, die neuen Möglichkeiten zur Digitalisierung in unseren Produktionsablauf zu integrieren. Alle drei sind Transformationsthemen und müssen von ganz oben gemanagt werden.
Und was wünscht sich der Unternehmer Henrik Schunk?
Schunk: Dass die künftige Bundeskanzlerin oder der künftige Bundeskanzler ab 2020 zur Besichtigung unserer vernetzten Smart Factory nach Lauffen kommt. Mit Smart Factory meine ich eine IT-Verzahnung der Wertschöpfungskette von der Produktion über das Büro zum Lieferanten und umgekehrt – mit dem Menschen als Dirigent. ↓
Schunk GmbH & Co. KG
„Software wird bei uns zur Kernkompetenz. Ich kann mir daher vorstellen, dass wir in wenigen Jahren eine Ausbildung zum Software-Entwickler anbieten werden.“ Henrik Schunk

Der Autor
Das Interview führte Wolfgang Hess, Redaktionsdirektor Sonderprojekte der Konradin Mediengruppe und langjähriger Chefredakteur von Bild der Wissenschaft. Eine ausführliche Version des Interviews ist erschienen in Bild der Wissenschaft März/17.

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