Interview: Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) „Hindernisse beim Machine Learning in der Produktion“

Interview: Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW)

„Hindernisse beim Machine Learning in der Produktion“

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Dr. Wilfried Schäfer, VDW: „Digitalisierung ist nichts Neues für die Werkzeugmaschinenindustrie. Spätestens seit Einführung der CNC-Steuerung sind Werkzeugmaschinen digital.“ Bild: VDW
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Welche Rolle die Digitalisierung auf der EMO 2017 und für die CNC-Branche spielt, erläutert VDW-Geschäftsführer Dr. Wilfried Schäfer im Interview. Er sieht beim Machine Learning noch Klärungsbedarf.

Welche Rolle spielt die Industrie 4.0 auf der EMO Hannover 2017?

Schäfer: Industrie 4.0 ist und bleibt der Megatrend in der Produktionstechnik – und das sicher noch über viele Jahre hinweg. Eine entsprechende Rolle spielt dieses Thema auf der EMO Hannover. Das haben wir bereits mit dem Messemotto Connecting systems for intelligent production herausgestellt. Es geht dabei weniger um die physische Vernetzung von Maschinen, als vielmehr um eine neue Qualität der Kommunikation in der Produktion und um die Datennutzung. Dabei zeichnen sich zusätzliche technische Funktionen und neue Geschäftsmodelle ab.

Mit der Industrie 4.0 Area greifen Sie die Digitalisierung sogar in Form eines Themenparks auf. Welche Idee steht dahinter?

Schäfer: Verlief die Industrie 4.0 Diskussion in der Vergangenheit zunächst auf theoretischer Ebene und aus dem Blickwinkel der Informationstechnologie, finden sich nun zunehmend Beispiele für die konkrete Umsetzung in der industriellen Produktion. Die Industrie 4.0 Area soll Fachbesuchern einen konzentrierten Überblick über entsprechende Lösungen verschaffen, von der Werkzeugmaschine bis in die Cloud. Die beteiligten Forschungsinstitute bieten darüber hinaus einen Blick darauf, was die Industrie-4.0-Zukunft noch bereithält.

Wie fortgeschritten ist die Werkzeugmaschinenbranche aus Ihrer Sicht beim Thema Industrie 4.0? Wo ist man bereits weit, wo hinkt man hinterher?

Schäfer: Digitalisierung ist nichts Neues für die Werkzeugmaschinenindustrie. Spätestens seit Einführung der CNC-Steuerung sind Werkzeugmaschinen digital. Die Weiterentwicklung im Hinblick auf Industrie 4.0 orientiert sich grundsätzlich an den Anforderungen der Kunden. Motivation ist also immer der Mehrwert für den Anwender, zum Beispiel mehr Effizienz. Voraussetzung ist allerdings auch, dass der Kunde gewillt ist, den Zugang zu seinen Daten zu ermöglichen.

Was sind für Werkzeugmaschinenhersteller die wichtigsten Aspekte von Industrie 4.0?

Schäfer: Grundsätzlich steht immer die Frage nach dem wirtschaftlichen Nutzen im Raum. Sicherlich sind Systeme zur Wartung, Simulation und Prozessanalyse einzelner Maschinen Ansätze, die vergleichsweise einfach zu implementieren sind und für fast alle Anwender einen Nutzen bieten. Das volle Potenzial von Industrie 4.0 wird sich aber erst mit einer vollständigen, intelligenten Vernetzung durch die gesamte Wertschöpfungskette erschließen lassen, und das über die Produktion und selbst die Unternehmensgrenzen hinaus. Gefragt sind also Konzepte zum intelligenten Austausch großer Datenmengen – vertikal von der Produktion in die Cloud wie auch horizontal entsprechend dem Auftragsdurchlauf.

Welche Rolle wird künstliche Intelligenz im Werkzeugmaschinenbereich spielen?

Schäfer: In der Wunschvorstellung soll die intelligente Maschine ihre eigenen Prozesse analysieren, optimieren und ein stückweit selbst bewerten können. Allerdings sprechen wir hier von hochkomplexen Prozessen, die noch lange auf das Erfahrungswissen von Menschen zurückgreifen werden. Beim Machine Learning in der Produktion bestehen Hindernisse, für die sich bisher noch keine Lösungen abzeichnen. Bei Werkzeugmaschinen, die vielfach individuell angepasst werden, ist der verfügbare Datenbestand vergleichsweise klein. Im Lebenszyklus der Maschine treten längst nicht alle theoretisch denkbaren Ereignisse ein, aus denen gelernt werden könnte. Nicht einmal bei allen Maschinen einer Produktreihe, wenn die Einsatzbedingungen überhaupt übertragbar wären. Zudem kann die Maschine nur aus Daten lernen, die ihr digital zur Verfügung stehen. Hier spielt wieder der Mensch eine große Rolle: Wenn der Anwender mit seinem Erfindergeist Veränderungen vornimmt, die sich außerhalb der vordefinierten Zugänglichkeit für die Maschine bewegen, kann es keinen Lerneffekt geben.

EMO Hannover 2017 www.emo-hannover.de

Industrie 4.0 Area als zentraler Treffpunkt

Vom 18. bis 23. September 2017 öffnet die EMO als Weltleitmesse für die Metallbearbeitung ihre Tore. Mit dem Motto Connecting systems for intelligent production rückt die EMO Hannover 2017 die Digitalisierung in den Fokus. Gemeinsam mit dem EMO-Veranstalter VDW organisieren die mav und die Automationspraxis in Halle 25, Stand B60, die Industrie 4.0 Area als zentralen Anlaufpunkt. Hier zeigen namhafte Unternehmen und renommierte Forschungseinrichtungen praxisnahe Lösungen für die Digitalisierung der Fertigung. http://mav.industrie.de/industrie-4–0-area-2017/
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